
Und jetzt, nachdem meine lieben LeserInnen meine endlosen Ergüsse zum Thema Schottland über sich ergehen lassen mussten, kommen wir zu dem Teil, der für meine Zielgruppe von Interesse ist. Natürlich haben wir eingekauft (was denkt Ihr denn …), und die Möglichkeiten auf Skye für Bekloppte Liebhaber gediegener Handstrickgarne sind durchaus gegeben. Diesen Berg haben Mutter Jinx und ich gemeinsam erhamstert, ein Teil davon gehört also nicht mir (ich fand die Menge jedoch so beeindruckend).
An dieser Stelle bedanke ich mich ganz herzlich bei allen Leserinnen, die mir die Tipps für diese wunderbaren Einkaufsmöglichkeiten gaben.
Zunächst (gleich am ersten Tag, damit die liebe Seele erst mal Ruh’ hat) besuchten wir Shilasdair. Das liegt an der äußersten Spitze von Waternish, also fast am Arsch der Welt (zumindest kann man ihn von dort aus sehen) und ist über eine lustige, schlaglochreiche einspurige Straße zu erreichen. Wie viele Betriebe, die auf Tourismus ausgelegt ist, hat auch Shilasdair nur von Frühjahr bis Ende Oktober geöffnet. Leider wird die Homepage diesem wunderbaren Laden überhaupt nicht gerecht, es ist schon ein Erlebnis, die vielen handgefärbten (mit Pflanzenauszügen!) Garne zu sehen, anzufassen (und natürlich auch zu erwerben). Ich kaufte dort zwei Kits, eines für einen Aranpullover und eines für einen schlichten Raglanpullover, allerdings aus einem luxuriösen Mischgarn mit Angora, Kaschmir und schottischer Wolle, gefärbt mit Cochenille. Mutter Jinx schenkte mir noch ein paar wunderschöner Socken in der Farbe von Heidekraut (ganz links ganz unten im Bild). Das werden meine Kuschel-Haussocken. Mutter Jinx war zurückhaltender, sie beschränkte sich auf Seidengarn für einen Kurzarmpullover, gefärbt mit Blauholz.
Eine weitere wertvolle Quelle war Over the Rainbow. Dieser im Hauptort Portree (stolze 2000 Einwohner) gelegene Laden verkauft vor allem Schmuck, Kleidung und Accessoires, aber in einer Ecke versteckt haben sie auch Garne von der Insel Harris (äußere Hebriden). Die Auswahl ist gering, ebenso die vorrätige Farbpalette. Das Garn kommt in Gebinden zu 1 kg oder auf Konen, also ist nicht in geringen Mengen zu erwerben. Ich kaufte zwei Konen in einem wunderschönen Königsblau, und für Mutter Jinx, die ja nur Seide gekauft hatte (unglaublich, und das im Land der Wolle, ich konnte das Elend nicht sehen …) erwarb ich ein Kilo eines helleren Blautons.
Auf der Rückfahrt legten wir eine kurze Pause in Broadford, wo wir bei Teo’s Handspun vorbeischauten. Diese Ausbeute ist leider nicht im Bild, aber ich kaufte einige Stränge wunderschöner Effektgarne, teilweise handgesponnen.
Und da einige LeserInnen Interesse bekundeten, ebenfalls diese Gegend zu bereisen, folgen nun einige Tipps:
Skye für Touristen
Wenn ich meine Posts so lese, fällt mir auf, dass ich viel über das (schottische) Wetter schreibe, auch über das Essen und die Unterhaltungsangebote. Dies alles ist jedoch völlig belanglos, denn Skye ist einfach großartig. Ich wäre gern viel, viel länger geblieben (jedoch nicht ohne Herrn Jinx). Die Natur erschlägt einen jeden Tag aufs Neue, die Luft ist unglaublich klar, und die dünne Besiedelung ist eine Wohltat. Ein paar Dinge sollte man jedoch wissen, wenn man nach Skye fährt, damit man sich keinen falschen Vorstellungen hingibt.
Wie man sich auf Skye bewegt
Als normaler Mensch: mit dem Auto. Es gibt keine Alternative, es sei denn, man ist passionierter Wanderer oder Radfahrer. Es gibt ein Busnetz, doch die Busse fahren selten und längst nicht überall hin. Lange Wartezeiten sind die Regel, und man kann sich nicht immer darauf verlassen, dass der Postwagen, ein Schafstransport oder irgendein anderer freundlicher Mensch vorbeikommt, der einen mitnimmt.
Autofahren auf Skye ist für Mitteleuropäer gewöhnungbedürftig (lihinks!!!) und für Fahranfänger oder ungeübte Fahrer ist es nichts. Viele Straßen sind einspurig, oft stehen Schafe, fotografierende Touristen oder sonstiges Getier auf der Fahrbahn herum. Die Straßen sind kurvig (bis hin zu Haarnadelkurven), und es geht lustig auf und ab. Es ist also von Vorteil, das mit den Steigungen und den Serpentinen schon mal in Italien oder Frankreich geübt zu haben. Auf einspurigen Straßen gibt es zahlreiche Haltebuchten, und man sollte vorausschauend fahren, um a) rechtzeitig eine Haltebucht anzusteuern und b) bitte auch die auf der richtigen Seite der Straße zu nehmen (lihinks!!!). Da viele Kontinentaleuropäer auf Skye unterwegs sind, kann es auch mal vorkommen, dass einem ein Auto auf der falschen Seite entgegenkommt, das dann im Idealfall hektisch nach lihinks ausweicht. Die Einheimischen fahren jedoch sehr zivilisiert, sodass das Fahren auf Skye ein Vergnügen ist.
Verpflegung
Skye ist auf Touristen eingestellt, und das merkt man auch am Essen. Es gibt sehr oft Hamburger, Lasagne (oder was die Leute dort dafür halten) und Pizza, die letzteren immer mit Pommes Frites (warum das so ist, erschließt sich nicht so leicht). Die Kost ist insgesamt fleischlastig. Natürlich gibt es allerorten auch die beliebten Fish and Chips. Schottische Kost gibt es nicht überall, empfehlenswert für robustere Naturen mit einem gewissen kulinarischen Abenteuergeist ist Haggis. Lecker ist auch Graupensuppe. Skye ist berühmt für sein frisches Meeresgetier: Auf dem Speiseplan stehen Hummer, Krabben Muscheln und viel Schellfisch. Die meisten Gastronomiebetriebe auf dem Land versprühen jedoch einen fast schon sozialistischen Charme (war mal wer im Ostblock vor der Öffnung? Dann wisst Ihr, wovon ich spreche). Sie sind oft im Gemeindehaus untergebracht, und die Karte ist eher international als schottisch.
Wer in Großbritannien war, glaubt, dass die Bevölkerung sich ständig in einem Pub aufhält. Mag sein, aber nicht auf Skye. Pubs sind selten, müssen meist mit dem Auto angefahren werden, was den Alkoholkonsum verhindert und den, der ein Quartier in einem kleinen Ort hat, in die lokale Gastronomie zwingt. Wer nicht auf Wein in Tetrapacks steht, sollte auf Bier oder Whisky aufgreifen, für Nichttrinker gibt es ein internationales und lokales Angebot an Softdrinks (Cola, Fanta, Ing Bru … britische Softdrinks sind fast immer zuckersüß). Wenn man nach 21.00 Uhr noch etwas bestellen will, fangen die Barleute an, eigenartig zu gucken. Man weicht dann – so vorhanden – auf eine Bar aus, die länger offen hat und meist sehr rustikal und von Einheimischen frequentiert ist. Generell geht man eher früh zu Bett (na, so ab 21.00 Uhr) und steht entsprechend früh auf (also dann, wenn ich zu Hause oft erst das Licht ausmache).
Besichtigung und Aktivitäten
Die Beschilderung ist gut, es gibt nur wenige Straßen und man kommt leicht ans Ziel. Eintrittsgelder sind in Großbritannien generell hoch. Doch Skye wird vor allem wegen des Naturerlebnisses besucht und ist ein Paradies für Bergsteiger, denn obwohl die Berge nicht hoch sind, sind sie sehr anspruchsvoll und nur für Leute mit alpiner Erfahrung bezwingbar – wenn das Wetter mitspielt. Man kann jedoch auch wunderbar wandern. Was man allerdings ganz schnell vergessen sollte, sind Ausflugslokale irgendwo in der Pampa, die gibt es nämlich kaum oder gar nicht. Man ist wirklich allein mit der Natur uns sich selbst – und an bedeutsamen Stellen mit dutzenden anderer Wanderer, die dasselbe wollen wie man selbst. Dennoch ist Skye nie überlaufen.
Die Insel ist auch ein Paradies für Tierfreunde. Es gibt Seeadler (ich habe sogar welche gesehen), Seehunde, die meist bräsig abhängen, Rotwild, diverse Seevögel u. a. Lokale Anbieter offerieren geführte Bustouren oder Schiffsfahrten an. Außerdem kann man Kanufahren, Angeln, Reiten uvm.
Unterkunft
Skye ist im Juli und August völlig ausgebucht. Richtig große Hotels gibt es nicht, sondern nur kleine oder Bed & Breakfasts. Saison ist von Frühjahr (Ostern) bis Ende Oktober, danach schließen viele Betriebe, die mit dem Tourismus zu tun haben. Unterkünfte finden sich sowohl in den Ortschaften als auch in der totalen Einöde, wo man mit sich, der Welt und seinem Zimmer allein ist. Dort ist meist Self-Catering angesagt, d. h. man muss sich (außer Frühstück) seine Mahlzeiten selbst besorgen und zubereiten, wenn man nicht zum Essen fahren will (und die Strecke kann je nach Standort lang sein).
Shopping
Über die Möglichkeiten, Wolle zu erwerben, sprach in eingangs (und tue es somit nicht noch mal). Auffällig an Skye sind die überwiegend sehr hochwertigen Souvenirs – die auch ihren Preis haben. Es gibt Silber- und Töpferwaren, Textilien aus lokaler Fertigung, z. B. Harris-Tweed, Tartans und handgestrickte Pullover, natürlich Whisky, traditionelle Gebäck etc. Auch die günstigen Souvenirs sind meist witzig, so gibt es lustige Tassen, Stofftiere (lokale Fauna vom Hochlandrind bis zum Puffin) sowie die Werke lokaler Künstler. Skye ist kein billiger Urlaubsort, und die Souvenirs sind es auch nicht.
Die Einwohner
Es arbeiten auch Saisonkräfte auf der Insel, und die Einheimischen sind sehr freundlich, aber distanziert. Man bemüht sich, ein für Ausländer (also Kontinentaleuropäer und Engländer) verständliches Englisch zu sprechen, aber sonstige Fremdsprachenkenntnisse darf man nicht erwarten. Skye ist vor allem im Süden zweisprachig, und die Ortsschilder sind überall Englisch und Gälisch. Gälisch hört man als Tourist eher selten, dafür klingt das Englisch, das die Einheimischen untereinander sprechen, wie Gälisch und kann von denen, die nicht so gut Englisch können, leicht für solches gehalten werden. Ansonsten hört man alle Arten von schottischen Aktzenten. Die Einheimischen sind sehr freundlich und hilfsbereit, auch wenn der zehnte Idiot vom Festland mit seinen kreuzdämlichen Fragen in rudimentärem Englisch daherkommt. Sie sind jedoch auch sehr distanziert, denn ihr Leben geht seinen Gang, auch wenn die Touristen längst wieder abgereist sind. Verbrüderungen mit der Bevölkerung – sei sie seit langem ansässig oder zugereist – gibt es nicht.
Generell lässt sich sagen, dass Skye zwar – gemessen an der Einwohnerzahl – viel Tourismus hat, der jedoch auf die Insel Rücksicht nimmt. Massentourismus mit seinem Rundum-Bespaßungsangebot gibt es nicht; die Insulaner lassen sich nicht die Lebensweise der Touris aufs Auge drücken, eher ist es umgekehrt.
Ich will auf jeden Fall wieder nach Schottland, nächstes Mal vielleicht zum Inselhopping.
