vests / Westen


Nun ist es so weit, die Nomadenweste ist fertig gestrickt (bis auf die Blenden). Und natürlich die Steeks.

Now I almost finished the Nomad vest, just the edge has to be knitted. And, of course, the steeks.

Zunächst wird mit einer Häkelkante fixiert.

First the steek is fastened with a crochet border.

Und nun müsst Ihr ganz stark sein. Ich bitte alle Zartbesaiteten, dieses Blog nun zu verlassen. Kinder und Schwangere zuerst.

And now you’ll have to be very strong. I politely ask all my somewhat touchy readers to leave this blog immediately. Children and pregnant women first, please.

Denn nun wird geschnitten.

Because now the cutting follows.

Die Operation war ein großer Erfolg: Dem Patienten geht es gut, und die rote Kante ist nur ein Provisorium, das ich auftrenne, wenn ich die Maschen für die Blende aufnehme.

The operation was a huge success, the patient is well, and the red border is provisional, I’ll rib it when picking up the stitches for the border.

Dies – noch ungespannt – ist eine graue Weste, die unter dem etwas betulichen Namen “steingraues Strickmieder” als Strickpackung in der Zeitschrift Landlust angeboten wurde. Da mir das Material interessant erschien, habe ich das Kit bestellt. Das Material, Irische Wolle, erhältlich unter dem Namen Kilcarra Tweed, gefällt mir sehr gut und ist auch recht preisgünstig zu haben, aber die Anleitung, nach der die Weste gestrickt werden sollte, verdient das Prädikat “grottigste Anleitung ever”.

This is – yet unblocked -  a grey vest, available from the German magazine Landlust as a kit. Because I was interested in the wool coming with it, I ordered it. The yarn, Irish wool, available as Kilcarra Tweed, is a nice tweed yarn for a reasonable price. But the instructions for the vests very well deserves the predicate “worst instructions ever”.

Ach, wo fange ich an? Dass das Teil in Einzelteilen gestrickt und zusammengenäht werden soll, ist kein Kritikpunkt, da Geschmackssache und ohnehin leicht zu ändern (ich habe die Weste natürlich in einem Stück gestrickt). Aber die Zöpfe … die sollten, wenn es nach der Designerin geht, nicht eingestrickt, sondern als Bänder angefertigt und dann durch einzustrickende Löcher gezogen werden. Im Heft sah das noch recht annehmbar aus, aber ich habe ansonsten noch keine Abbildung gesehen, wo dies wirklich gut aussah. Über die Motive kann man nur spekulieren. Vielleicht erschien es den Autoren zu schwierig, korrektes Verzopfen in einer Anleitung zu vermitteln. Allerdings wurde diese Herausforderung von unzähligen Designern bereits erfolgreich bewältigt. Oder – wahrscheinlicher – die Designerin arbeitet normalerweise mit Strickmaschinen, wo Verkreuzungen ja nicht so ohne weiteres möglich sind. Dennoch: Wieso diese bescheuerte Lösung? Abgesehen davon ist die Anleitung umständlich formuliert und unübersichtlich gesetzt, was für Strickanfänger eine leicht vermeidbare Herausforderung darstellt.

Where to start with? The designer wants this vest to be knitted in three pieces which are sewn together at the end; this is no point of comment, because it can easily be changed (I knitted it in one piece, of course). But the cables … following the instructions they are supposed to be knitted as long ribbons which are pulled through holes (a kind of lacy pattern). In the magazine this looked rather acceptable, but besides this picture I saw no photo where this looked good. Why the designer wants us to do this I can only guess: Maybe she thought it would be too difficult to explain how to knit cables, but this task was successfully done by a bazillion designers bevore. Or  she usually works with handknitting machines which do not allow knitting cables so easily. But still: why did she choose this uniquely crackbrained solution? Besides this, the instructions is written in quite a cumbersome way and printed unclearly what is quite a challenge for beginning knitters.

So einen Unsinn wie “Bänder duch Löcher ziehen” mache ich natürlich nicht; ich habe stattdessen ganz normale Zöpfe gestrickt, was mir einen ordentlichen Materialüberschuss bescherte. Die Knöpfe stammen wieder von einem Stand auf dem Isemarkt, einer wahren Fundgrube mit einer kleinen aber feinen Auswahl an Knöpfen.

Well, of course I didn’t make any nonsense like pulling ribbons through holes, I knitted cables instead. This gave me quite a decent leftover of two balls of yarn. The buttons come from a haberdashery booth at the Isemarkt, a treasure trove with a small but fine selection of buttons.

Nachdem ich mich letztes Jahr mit zu vielen angefangenen Projekten gründlich verzettelt habe, will ich sie jetzt Stück für Stück abarbeiten, zumindest teilweise.

After I bogged down with too many projects last year, starting a lot and finishing a few, I want to work my way through WiPs and UFOs this year, at least a bit.

Die Nomadenweste von Christel Seyfarth ist so ein Teil, ich liebe das Modell und den Schnitt, und immerhin bin ich jetzt schon an den Armausschnitten angekommen.

The Nomad Vest by Christel Seyfarth is one of these. I just love the pattern and the shape of it, and finally I reached the steeked section of the sleeves.

Und es wird noch besser: Ich habe sogar schon die passenden Verschlüsse gefunden. Das Phänomen ist ja bekannt: Man betritt ein Geschäft, und dort gibt es gefühlte 100 Millionen Knöpfe, aber nicht einen einzigen, der zu dem Projekt passt UND der einem gefällt. Gefunden habe ich diese wunderbaren und sündhaft teuren Teile auf dem Isemarkt. Jawohl.

And, unbelievable but true, I even managed to find the fastenings which make a perfect match. It’s quite a well-known phenomenon: You enter a store, and there are about a bazillion buttons, but not a single one you like. I found this wonderful and obscenely expensive fastener at the Isemarkt in Hamburg.

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Dies ist ein Versuch, zwei recht große Garnreste zu einer Weste zu verwursten. Das Garn stammt von meinem Skye-Urlaub, es ist Harris-Wolle, aus denen meine Mutter und ich je einen Gansey gestrickt haben. Da ich die Weste mangels entsprechender Anleitung selbst entwerfe, ist der Erfolg ungewiss.

This is an attempt to make a waistcoat from two quite large yarn rests. I brought the material from the Isle of Skye, it’s Harris wool, and my mother and I knitted a gansey from it each. Because I didn’t find an appropriate design, I’ll have to do the job myself, therefore I don’t know whether this will work really.

Ganz herzlichen Dank an alle, die in den Kommentaren, in der Patchwork-Mailingliste oder auch per E-Mail ihre Meinung abegeben haben, welche Farbigkeit meiner Patchworkweste ihnen besser gefällt. Das war sehr hilfreich für mich, speziell auch von denen, die sich für die andere Lösung ausgesprochen haben als die, für die ich mich letztlich entschied.

Thanks again to all who were to kind to tell me their opinion regarding the colour combinations of my modular vest to-be. This was really helpful, specially from these who preferred the version I did not chose.

Wie man am Bild schon sehen kann, ist es die bunte Variante geworden, und ich bin mit meiner Wahl sehr zufrieden. Natürlich hat es den “Spielleute-Touch”, den eine Kommentatorin ansprach, aber momentan ist mir sehr nach bunt, und vielleicht ist es genau das, was ich im Moment brauche. Wie auch immer, es wird bunt.

The picture shows clearly I’ll go for the really colourful thing, and I’m satisfied with my decision. Of course it has the gleeman-touch one of the ladies mentioned in her comment. But at the moment I very much feel like this, and maybe it’s exactly what I need. However, I’ll go for full colour, this time.

Ich bräuchte mal wieder ein paar Damen (oder auch Herren) von Welt, die freudig ihre persönliche Meinung abgeben, da ich mir absolut uneins bin.

I’m desperately in need for some sophisticated ladies (or gentlemen) who are happy to tell me their opinion since I don’t know what to do.

Gestern habe ich ja meine Patchwork-Experimente nebst Material gezeigt. Das Ganze soll mal eine ärmellose Weste werden, wenn es groß ist. Die Patches sind, da mit NS 2,5 gestrickt, recht klein, und das gefällt mir auch. Die Weste will ich zu einfachen T-Shirts vorzugsweise dunkler Farbe (schwarz, anthrazit …) tragen, ich wünsche mir also ein buntes Teil.

Yesterday I displayed my modular knitting experiments here, together with the yarn I want to use. This is going to be a vest once (sleeveless). The patches are knitted with 2,5 mm needles, and so they are pretty small (what I like). I’m planning to wear the vest with plain t-shirts, preferably dark ones (black, graphite etc.). Therefore the vest is supposed to be very colourful.

Als ich mir mein gestriges Gestrick heute ansah, war ich mir nicht sicher, ob mir das ganz Bunte (Nr. 1) so wirklich gefällt, und ich habe eine Alternativlösung erarbeitet, bei der der mittlere Streifen durchgänging in einer Farbe gestrickt wird , während der untere Streifen und das obere Quadrat jeweils unterschiedliche Farben aufweisen (Nr. 2). Nachdem ich jedoch den vierten Patch bei Nr. 1 drangesetzt habe, nur mal so probeweise, gefällt mir das auch wieder sehr gut.

Taking a closer look at the three patches I knitted yesterday, I was not sure any more whether I still like the very colourful version (No. 1). So I worked on an alternative, as seen below. There the middle stripe would be worked in the same teal colour for all patches (No. 2). But after adding a fourth patch to No. 1, just for being sure, I started to like it again.

Kurz gesagt: Ich bin entscheidungsunfähig und bitte um Eure Meinungen, welches Euch besser gefällt. Immerhin bin ich eine Waage, und da ich nun mal blogge, sehe nicht ein, warum ich allein darunter leiden sollte. :D

To cut a long story short; I’m absolutely unable to decide which one I like better, and therefore I kindly ask for your opinions which one you like better. Don’t forget, I’m a libra, and since I’m a blogger as well I can’t see any reason why I should suffer from this dilemma on my own. ;)

Modulares Stricken mit vielen Farben ist insofern eine Herausforderung, weil man von den Strängen oder Knäulen nicht unbedingt auf die fertigen Patches schließen kann. Für mich ist dies ein Bereich, der weniger durch theoretische Überlegungen als vielmehr durch lustvolles Ausprobieren zu bewältigen ist.

Modular knitting with many colours is somewhat challenging because it’s not so easy to infer from the skeins or balls of yarn to the knitted patch. For me this is something that is not accomplished by mere thinking (or reading tons of books) but by simply trying it – a rather sensual process, full of relish.

Wenn man in Büchern zum Thema über Farbwahl und -kombinationen liest, so wird immer gepredigt, sich nicht nur danach zu richten, was im “Rohzustand” gut miteinander harmoniert (und die Sache so zu Tode zu theoretisieren), sondern zu akzeptieren, dass Farben, die zunächst nicht optimal zueinander zu passen scheinen, im Zusammenspiel mit anderen genau richtig sind. Und das bedeutet: Einfach drauflosstricken und sich eher an Helligkeitswerten als an Farben zu orientieren – es wird schon hinhauen im großen Einklang der Farben. Insofern befinde ich mich voll in der Experimentierphase, denn so ein kleiner Patch zwischendurch ist schnell gestrickt.

Books about modular knitting teach us that one should not make oneself mad with the “right” combination of colours. There are shades which don’t seem to make a good match with others when seen in skeins or balls, but which work great together after knitting. This means: don’t think too much about the question whether this specific blue might be perfect with this certain shade of yellow. In modular knitting, density values are much more important than colours or shades. One just has to do it, it somehow will work in the total accord of colours. And for me, this means I’m still in the state of mere trying. A small patch is done quickly.

Das Rohmaterial sieht übrigens so aus / The raw material looks like this:

Die Farben sind unglaublich. Aber wie es mit handgefärbten Garnen, selbst wenn man sie als gelungen und farblich ausbalanciert empfindet, so ist: das ideale Projekt ist nicht so schnell bei der Hand. Shibui Sock ist ja eigentlich ein Sockengarn aus reiner Merinowolle, das allen entgegenkommt, die Mischgarne nicht mögen. Ich jedoch habe speziell die Handgefärbten fürs modulare Stricken entdeckt, da die meist kurzen Rapporte oft besser in Patches mit entsprechend kurzen Reihen zur Geltung kommen als beispielsweise in einem Pullover.

The colours are unbelievable. But it’s not so easy to find a perfect pattern for handdyed yarns, even if they are perfectly dyed and well balanced. Shibui Sock is meant to be for … yeah, for socks, it’s pure merino yarn which is perfect for all who don’t like the ordinary sock yarn blends. But I discovered them specially for modular knitting. Handdyed yarns often have short colour repeats, and I like them better when used in patches with rather short rows than in long ones as you find in sweaters and other larger garments.

Außerdem fand Lollipop/made by Filzflash Verwendung, dessen Lebendigkeit in Fotografien leider kaum zur Geltung kommt. Es sind wunderschöne Semi-Solids, die einen ruhigeren Gegenpol zu den mehrfarbigen Shibuis bilden.

Besides this, I used Lollipop/made by Filzflash. Unfortunately it’s simply impossible to take a proper picture of them. They are beautiful semi-solids which make a calmer contrast to the multicoloured shibui yarns.

Beide Garne sind hier erhältlich.

Es ist ja schon eigenartig, wo und wie man seine Inspiration herbekommt, und die Quellen sind durchaus unterschiedlich. Diesmal erwischte mich eine besondere Schattierung von Noro Silk Garden. Ich sah vor meinem geistigen Auge eine Weste, aber nicht irgendeine, sondern etwas im Schnitt einer Jeansweste, nur eben aus dieser wunderbar dekadenten Schattierung.

Sometimes it’s a bit weird how and where one gets her inspiration from, and the sources may vary, of course. This time a certain shade of Noro Silk Garden caught my eye. I saw in my mind a vest, but not any: a denim style vest, knitted with this wonderful decadent shade of Noro.

Meine zweite Inspirationsquelle war Oscar Wilde, den ich für mich entdeckte, als ich etwa elf Jahre alt war und das Bildnis des Dorian Gray las. Er war ja eine Waage (so wie ich), hatte einen schrägen Humor (dies sollen meine Leser beurteilen) und pflegte den bekannt einfachen Geschmack (“nur das Beste”), was meinen etwas frugaler eingestellten Lebensgefährten manchmal zur Verzweiflung bringt. Nun versuchte ich, mir vorzustellen, welche Art von Jeansweste Oscar Wilde tragen würde, dieser hoch gebildete irische Oberschichtler mit dem Hang zur Dekadenz, und die Antwort ist: gar keine. Hier gehen wir nämlich nicht konform, Oscar und ich, denn ich liebe Jeans. Und hier kommt Noro ins Spiel, gerade in dieser Farbe (282), die mich so sehr ans fin-de-siecle erinnert.

My second source of inspiration was Oscar Wilde who I like when I first read The Picture of Dorian Gray, I was eleven or so. He was a libra, as I am, had a weird sort of humor (this is for my dear readers to judge), and loved a stunning simplicity regarding his taste and the things he liked (just the best), what drives my partner who likes everything a bit more frugal than I do, into mere desperation sometimes. Anyway, I tried to imagine which kind of denim garments Oscar Wilde would wear, this highly educated, Irish upper class guy with his love for decadence, and the answer is very simple: none. In this point I don’t agree with Oscar, since I love Jeans. And this is the moment Noro enters the stage, specially this colourway (282) which reminds me so much of fin-de-siecle.

So entstand die obige Zeichnung (wie gut, dass ich mit so etwas nicht mein Geld verdienen muss, sage ich nur!). Da die blockartige Streifung, die Noro normalerweise hervorzuheben pflegt, in diesem Fall nicht gewünscht wird (Oscar würde so etwas niemals anziehen, auch wenn ihn die Delikatesse des Materials sicher überzeugen würde), wechsele ich das Knäul in jeder zweiten Reihe, um einen diffuseren Farbeffekt zu erreichen.

So I drew the sketch seen above (I’m very lucky I don’t have to make money with things like these …). Since the broad stripes Noro normally produce won’t show the desired effect (frankly, Oscar never would wear it, even if he probably would appreciate the delicacy of the material), I change balls in every second row for getting a more diffuse colour effect.