Modular Knitting / Modulares Stricken


Sabine hat vor einiger Zeit bei mir angefragt, ob ich Lust hätte, mich an einem Gemeinschaftsprojekt für ein (diesmal männliches) Baby zu beteiligen, zu dem sie von diesem Teil inspiriert wurde. Das Material ist völlig anders als das von uns verstrickte; es handelt sich um pflanzengefärbte Merinowolle. Ich fühlte mich geehrt und sagte zu, und hier ist nun mein Patch:

Sabine, who was inspired by the baby blanket we made for a fellow knitter, asked me whether I’d like to participate in another project, this time for a baby boy. I felt really honoured and accepted, and this is my patch:

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Sunny Landscape

Inspiriert hat mich die norddeutsche Sommerlandschaft, oder auch die Sahara (samt Wadi), wenn man an die momentanen Temperaturen denkt, so genau weiß ich das nicht. Gestrickt wurde rein intuitiv und mit verkürzten Reihen, keine Vorlage, keine Anleitung. Der Patch misst 20 x 20 cm und ist in kraus rechts gestrickt (das war die Vorgabe). Die Stränge wurden mit Tagetesblüten (samt Kelch), Apfelbaumrinde und blauer Stockrose gefärbt.

I was inspired by the northern German landscape in summer, but maybe by the Sahara, who knows, it’s just too hot. I knitted intuitively with short rows, no pattern, no instructions. The patch has 20 x 20 cm and is knitted in garter stitch (this was mandatory). The yarn was dyed with marigold flowers, apple tree bark, and blue hollyhock.

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Eine unserer altgedienten Strickerinnen erwartet in gefühlten zehn Minuten ein Baby, und wir, ihre Strickfreundinnen, haben beschlossen, sie zu diesem freudigen Ereignis mit einer Babydecke zu beschenken. Die modulare Technik ist natürlich ideal, da so viele etwas beitragen können. Folgende Vorgaben gab es:

  • zu verwenden war das gelieferte Material, also keine Hinzufügung von Farben. Allerdings mussten nicht alle Farben verstrickt werden.
  • Größe: 20 x 20 cm
  • gestrickt werden musste in kraus rechts

Annika übernahm freundlicherweise die Regie; sie packte die Garnpäckchen, hielt uns zum Arbeiten an und stellte das gute Stück schließlich fertig.

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Dies sind meine Beiträge:

1. Tactile Landscape, eine Art Freeform-Beitrag mit dreidimensionaler Pyramide und umgebender Hügellandschaft in der Mitte und vier Hörnchen, damit das Kind auch was zum Befummeln hat. Gestrickt mit nur zwei Farben.

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2. Mini OpArt, gestrickt im Auftrag von Mutter Jinx, der die Zeit und die Inspiration fehlte. Dies ist also eigentlich ihr Quadrat. Es ist eine Miniaturausgabe der Babydecke OpArt aus der Knitty. Gestrickt mit drei Farben.

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Zum Material: Es wurde ein naturfarbenes Garn, 100% Merino Superwash verwendet (Louet Gems) sowie drei Farben von Shibui Sock, ebenfalls 100% Merino Superwash.

Alle Quadrate im Detail und mehr Fotos der fertigen Decke gibt es hier zu sehen.

Alle Fotos stammen von Annika, die die Veröffentlichung freundlicherweise genehmigt hat.

Nur ein Versuch

Just an attempt

Manche Muster wiederholen sich. Dies ist dasselbe wie bei Nr. 2, nur aus einem anderen Material (und mit einer anderen Farbe) gestrickt.

Some of the patterns come back in other patches. This is the same as No. 2, but knitted with a different material and in a different colour.

Nachdem ich die Sache eine Nacht lang überschlafen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich Nr. 2 nochmal stricken muss. Das sehr schöne, aber rustikale Garn passte einfach nicht zum Rest. Nun war ein Materialkontrast zu dem dominierenden Woll-Angora-Garn durchaus gewünscht, aber nicht dieser. Da ich beim Stricken das Motto “lieber früh geribbelt als spät geärgert” pflege, habe ich Nr. 2 nochmal gestrickt (was zwangsläufig heißt, dass auch Nr. 3 nochmal gestrickt werden muss).

After sleeping over it for one night I came to the conclusion that no. 2 has to be redone. The really nice but very rustic yarn just doesn’t match the dominating wool-angora blend I mainly use. Don’t get me wrong, I wanted to use contrasting materials, but the contrast just wasn’t right. Since I think early frogging is better than late annoyance, I reknitted no. 2 (and this means I have to reknit no. 3 as well …).

Diesmal habe ich mich für ein Mohair-Seidengarn entschieden. Es ist das erste Mal, dass ich mit solch einem Material stricke, und ich musste mich erstmal daran gewöhnen, dass man vor allem die kleinen Härchen verarbeitet, zusammen mit sehr viel Luft, und den sehr dünnen Trägerfaden eigentlich gar nicht spürt. Aber da ich der wirren Idee verfallen bin, in diesem Strickstück irgendwie die Elemente zu thematisieren, passt das ja hervorragend.

This time I decided to use a mohair-silk blend. It’s the first time I use a material like this, and I had to get used to the fact first that I mainly handle very thin fluffy stuff and air, and that the very thin thread can hardly be sensed. But since I decided to follow the weird idea to pick the elements out as a central theme in this item, it’s a good choice, I think.

Oder: Dies ist NICHT der Bug eines Wikingerschiffs.

Wer sich dem modernen dänischen Strickdesign widmet, wird feststellen, dass die Pullover an allen möglichen und unmöglichen Stellen anfangen. So wie hier, wo der Beginn das untere Quadrat auf der linken Seite ist. So etwas ist ganz lustig, weil man lernt, wie viele Möglichkeiten es gibt, einen Pullover aufzubauen. Bei diesem ist der untere Teil modular konstruiert, allerdings nur in einer Farbe, was dieser Stricktechnik, die man ja meist von zumindest mehrfarbigen Teilen kennt (oder gleich von sehr bunten) neue Aspekte abgewinnt.

Or: This is NOT the bow of a viking ship.

If you get into contemporary Danish knitting design you’ll find out that sweaters can be started almost at every point, just like here, where the lower side square is the firstone to knit. This is fun because you learn how many possibilities exist to construct a sweater. Here the lower part of the body is knitted in modular technique, but you use only one colour. This adds new aspects to a knitting technique which is rather known for the excessive use of different shades.

Als esoterisch könnte man auch die dazugehörigen Anleitungen nennen. Das gilt vor allem für Isager, wo man manchmal nach Bild stricken muss, da die Anleitung nur als nebelhaft zu bezeichnen ist, aber auch für andere. Hier ersetzt eine Schemazeichnung teilweise die ausgeschriebene Instruktion, und man hangelt sich so irgendwie am Bild entlang. Auch  gut, Hauptsache, es funktioniert.

Many of the instructions can be called rather esoteric as well. Marianne Isager, as an example, describes the process so vaguely that it might be a good choice to follow the picture of the sweater rather than the written instructions. Other designers don’t do much better. Often a schematic drawing replaces at least parts of a written instruction, and you work your way through these pictures. Never mind, if it works somehow.

Ich dachte übrigens, es wäre ein Problem der Übersetzung, bis dänische Strickerinnen mich eines Besseren belehrten: Auch sie kämpfen mit vagen Andeutungen und schematischen Darstellungen. :D

By the way: I thought this might be a problem of translation until Danish knitters told me otherwise. They struggle with vague hints and drawings as well. :D

Das Stricken von Lacemustern mit etwas borstigem und eigentlich total unpassendem Garn kann auch mal ganz lustig sein.

Knitting lace with a yarn that’s a bit bristly and totally inadequate for this can be fun.

Wie Iris bei unserem Ausflug nach Flensburg so treffend bemerkte: Das Anstricken ist immer das Schönste (btw: Iris, Du hattest recht und ich nicht, dazu mehr im nächsten Beitrag). Ich habe also den Pullover Stella aus dem Atelier Karen Noe begonnen. Es ist ein raffiniertes Teil, unten besteht er aus quadratischen Modulen und oben aus einer kraus rechts gestrickten Passe. Ich verarbeite dafür Leinengarn von Karen Noe in einem unwiderstehlichen Blauton, das leicht meliert ist.  Leider kommt das auf dem Foto nicht so gut zur Geltung. Die diesmal einfarbigen Module ergeben eine sehr interessante Struktur.

During our trip to Flensburg Iris mentioned that starting a new project ist the best time one can have with it; and she’s definately right (and I’m wrong, but more about this in my next post). Of course I couldn’t resist and had to try one of my new yarns I bought in Flensburg. It’s the sweater Stella from Karen Noe’s studio. It’s a very interesting construction; the body is mostly made of square modules while the yoke will be knitted in garter stitch. The monochrome modules make a very interesting look. I’m knitting with a linen yarn by Karen Noe in an irresistable blue shade which doesn’t show in this picture at all.

Das Verstricken des Leinengarnes ist übrigens nicht so schlimm, wie ich dachte. Das Paketschnur-Feeling ist nur ansatzweise da; natürlich ist es anstrengender als das Stricken mit Wolle.

Knitting with linen is not as bad as I thought (at least not with this yarn). It’s not the hemp cord feeling I feared, but of course it’s more exhausting for the hands than knitting with wool.

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