Spinning / Spinnen


Es wird wärmer und heller, und das bedeutet: Es ist wieder Zeit, auf Tour zu gehen. Unser Ziel war diesmal Neumünster, eine Stadt, die etwa eine Stunde entfernt von Hamburg entfernt liegt (mit dem Zug). Natürlich haben wir die Reisezeit mit ein paar entspannenden Reihen an aktuellen Projekten überbrückt.

In Hamburg weiß man recht wenig über Neumünster, aber Mutter Jinx wurde dort auf ein Museum bzw. eine Ausstellung aufmerksam, und so beschlossen wir, uns das Ganze mal aus der Nähe anzusehen: Das Textilmuseum Tuch und Technik. Es ist ein kleines Museum, das in der Stadthalle untergebracht ist, wo man übrigens sehr lecker essen kann (zubereitet mit frischen Zutaten – sehr empfehlenswert!). Auch die Stadt selbst ist sehr hübsch und wirkt lebendig.

Zu den vielen Dingen, die wir über Neumünster nicht wussten, ist, dass es sozusagen das “Manchester Schleswig-Holsteins” war, ein Zentrum der Textilherstellung mit mehreren Fabriken. Daher nimmt dieses Thema auch einen breiten Raum in der Dauereinstellung ein, die der Geschichte der Stadt gewidmet ist. Nach einer Präsentation archäologischer Funde geht es mit der heimischen Textilproduktion weiter – Spinnräder und Webstühle also. Man vergisst angesichts diverser Bekleidungsdiscounter und einem textilen Überangebot jeder Preisklasse leicht, dass in der vorindustriellen Zeit jeder Faden, den man benötigte, auch selbst in Hand- und Heimarbeit hergestellt werden musste.

Eine Kardiermaschine, die aus dem Vlies Vorgarn macht. Im Vordergrund, kaum im Bild, befindet sich eine Spinnmaschine.

Eine Vorrichtung zum Schären der Kette.

Mit dem Aufkommen der industriellen Textilherstellung eröffneten mehrere Fabriken in der Stadt, von denen nicht eine mehr existiert (die letzte Fabrik schloss 1992), auch das Ausbildungszentrum, dass in allen möglichen Berufen rund um die Textilherstellung schulte, gab diesen Bereich völlig auf. Im Museum sind jedoch noch einige historische Maschinen zu sehen, darunter einen frühen mechanischen Webstuhl, der mit Lochkarten arbeitete.

Die Webstühle arbeiten noch, allerdings nur noch für den Museumsshop und den Verkauf an Liebhaber.

Schlicht, aber besonders: Ein aus allem mögliches Kram zusammengelötetes Spinnrad, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg für den heimischen Bedarf gefertigt wurde.

Die Wechselausstellung beschäftigt sich mit textilen Themen in Kunst- und Volksmärchen.

Visuelle Umsetzung von Märcheninhalten, die mit Fasern und Faserverarbeitung zu tun haben.

Die Sieben Schwäne

Im Museum standen übrigens zwei Louet-S10-Räder mit Einfachtritt, an denen Besucher sich selbst am Spinnen versuchen konnten. Ich drangsalierte Mutter Jinx an eines der räder (sie wollte nicht), und nach 30 Sekunden erhob sie sich wieder (für sie fühlte es sich vermutlich wie 30 Minuten an) und verkündete, dass es ihr überhaupt keinen Spaß macht. Aber ich schwöre, sie hat einen zusammenhängenden Faden gesponnen (Marke Schwangerer Regenwurm, aber immerhin).

Und dann wurde es noch sehr lustig: Eine Spinngruppe, bestehend aus drei Damen, war anwesend und führte das Spinnen am Rad und an der Handspindel vor. Wir ließen uns in einiger Entfernung nieder, um ein wenig zu stricken (ich hatte nichts zum Spinnen dabei). Wir wurden eingeladen, uns zu der Gruppe zu setzen und unterhielten uns über Spinnräder, Marken, Modelle, über Spinnliteratur, übers Stricken und über Schafrassen und strickten natürlich auch. Es war ein sehr entspannter und anregender Tag.

Das Museum hat übrigens auch einen kleinen Shop, dessen Sortiment sich um das Schaf und Wolle dreht. Neben Webereien aus dem Museum gibt es dort u. a. folgendes:

Natürlich den Katalog für die Wechselausstellung …

Lustige Stofftaschen (Nieder mit dem Plastiktütenwahnsinn!!!)

Vom Förderverein herausgegebene Schriften zum Thema Textil …

… und Schafsmilchseife.

Es ist ein kleines, aber feines Museum, das mehr Aufmerksamkeit verdient, als es erhält.

Dieser Post handelt zwar von Fransen und wo sie angebracht werden, aber auch davon, wie ich es lernte, das Arbeiten mit sehr dicken Nadeln zu lieben.

This post is of course about fringes and where they were applied to, but tells also how I learned to like the work with very thick needles (or, in this case: hooks).

Bei Ravelry entdeckte ich eine Anleitung für einen superdicken Schal, der tunesisch gehäkelt wird. Ich war sofort begeistert. Nun muss man wissen (und wer hier ab und zu hereinschaut, hat das vermutlich bemerkt), dass ich es nicht liebe, mit dicken Nadeln und dicker Wolle zu arbeiten. Ich finde die Ergebnisse plump und schwer. Für einen Schal braucht mal leicht mal 700 – 800 Gramm, und das ist etwa das Doppelte,was viele meiner selbstgestrickten Pullover wiegen.

At Ravelry’s I found a pattern of a hyper-thick scarf executed in Tunisian crochet technique. It was love at the first sight. Well, you have to know (and if you take a look at this blog from time to time you’ll probably have noticed) that I deeply dislike using superbulky yarn and very thick needles. I think the results look clumsy and, besides this, they turn out to be very heavy. For a scarf you easily use 700 or 800 grams, and that’s approximately double of the weight of the sweaters I knit.

Aber nicht in diesem Fall.

But not in this case.

Zunächst braucht man eine wirklich dicke tunesische Häkelnadel, die in Island in Handarbeit hergestellt wird. Mr. Jumbo, wie sie genannt wird, hat etwa 20 mm, liegt aber erstaunlich gut in der Hand und ist sehr schön verarbeitet.

First of all you need a really thick Tunisian crochet hook which is handcrafted in Iceland. Mr. Jumbo (that’s what it’s called) is about 20 mm but lays really comfortably in your hand, and so it’s a pleasure to work with.

Gehäkelt wird mit Plötulopi (unspun Icelandic), einem Vorgarn. Es lässt sich wesentlich besser verarbeiten, als das bei ähnlichen Produkten aus Nordosteuropa der Fall ist, und die Fasern reißen nicht so schnell. Man arbeitet mit drei Strängen.

For this scarf Ploetulopi (unspun Icelandic), a preyarn, is used. It’s much better to work with than with similar products from Northeastern Europe, because the fiber isn’t torn apart so easily.

Im Original wurde für die Fransen ein dickes Garn in Kontrastfarben verwendet, und das brachte mich auf die Idee, dass ich da eigentlich auch handgesponnenes Artyarn nehmen könnte.

The pattern calls for a bulky yarn in a contrasting colour, and this brought me to the idea to use handspun artyarn instead.

Von da zu der Entscheidung, zwei verschiedene Garne zu verwenden, war es nur noch ein kleiner Schritt. Ich habe Small Corkscrews und Wintergreen in Spring exklusiv für diesen Schal gesponnen.

It took only a small step to use two entirely different types of yarn. I spun Small Corkscrews and Wintergreen in Spring for this scarf exclusively.

Ein Schal und seine Fransen – ihn zu häkeln dauerte nur wenige Stunden.

A scarf and its fringes – it took just a few hours to crochet this.


Der fertige Schal wiegt ohne Fransen übrigens keine 200 Gramm – er ist fluffig, weich (na, so weich, wie isländische Wolle eben sein kann, aber deutlich weicher als die versponnenen Qualitäten) und fällt sehr schön – nix steif, dick, plump und panzerartig.

The weight of this scarf is less than 200 grams – without fringes. It’s lofty, soft (well, as soft as Icelandic wool can be, but much softer than the usual icelandic yarns), and it drapes just beautifully – and it’s not stiff, thick, clumsy or armour-like at all.

Die Vorderseite

The front

Die Rückseite – auch nicht schlecht

The back – it doesn’t look bad either

Artyarn-Franse I

Fringes made of art yarn I

Artyarn-Franse II

Fringes made of art yarn II

In action



Ich bin verliebt. Und ja, ich weiß, dass Frühling ist.

I’m in love. And yes, I know it’s springtime.

oder: Auch eine Art von Yarn Bombing

or: a different kind of yarn bombing

Die Garnstücke, die ich von den Fransen übrig behalten habe, fand ich zum Wegwerfen zu schade. Daher habe ich mich entschlossen, meine Umwelt bedingungslos daran teilhaben zu lassen. ;)

I didn’t want to throw away the small bits of yarn which were left over after installing the fringes. So I decided to let my surrounding participate unquestioningly. ;)

Ein wenig orientalische Fransigkeit kann die Welt gut gebrauchen, finde ich.

A bit of oriental-style fringiness will be good for the world, I think.

Eigentlich wäre mir dies Garn zum Verstricken zu kontrastreich, aber da ich Fransen daraus machen werde, ist es genau richtig. Es besteht aus zwei Fasern, die wechseldominant miteinander verzwirnt wurden.

For knitting with it this yarn is too rich in contrast, but I want to use it for making fringes, and for this purpose it’s ideal. I used two types of fiber for it and plied them with alternating dominance.

Technisches / Technical Details

Name: Wintergreen in Spring
Material: Scottish Roving, handdyed; Moorit and Tussah silk, handdyed
Weight: DK, 9 WPI
appr. 75 g, 80 yards
Wheel: Henkys

Artyarn muss nicht immer klobig sein; dies ist mein neuestes Handgesponnenes, verzwirnt mit einem roten Seidenfaden (Nähgarn). Gesponnen, um als Fransen verwendet zu werden.

Artyarn doesn’t have to be inevitably chunky, this is my newest handspun, plied with a red silk thread (for sewing). I spun it to do fringes with it.

Technische Details / Technical Details

Name: Small Corkscrews
Type: Artyarn
WPI: 9
Material: Shetland top, red silk (sewinng yarn) / rote Seide (Nähgarn)

Source/Quelle: Lollipop.yarns by filzflash
Length: appr. 150 m
Wheel/Spinnrad: Henkys

Fertig ist das Garn Pink Cocoa, was ich immer mal wieder unterwegs mit dem Ashford Joy spann. Es ist eine verführerische Merino-Seidenmischung von der Corgi Hill Farm, die sich leicht und schön ausspinnen lässt.

I recently finished the yarn Pink cocoa which I spun with an Ashford Joy wheel. It’ s a tempting merino silk blend from Corgi Hill Farm and it spins exremely well.

… und noch ein eher mäßiges Detailfoto.

… and a rather unpleasant detail shot.

Technisches / Technical Details:

Name: Pink Cocoa
Source/Quelle: Corgi Hill Farm
Material: merino-silk blended batts
WPI: 18
Length/Länge: 466 yards/426 m
Plying/Verzwirnung: 2-ply

Am 18. September 2010 treffen sich alle, die Lust haben, ein wenig etwas für ihr Hobby Spinnen zu tun, bei mylys.

Alle sind eingeladen, ob Handspindel- oder Spinnradbegeisterte oder auch die, die an dieser alten Technik interessiert sind.

Es gibt einiges zu sehen:

  • Spinnen an verschiedenen Spinnräder
  • Spinnen mit der Handspindel
  • handgesponnene Garne
  • Werkzeuge
  • Handspindeln verschiedener Herkunft
  • Rohmaterialien
  • Literatur

Die Anwesenden beantworten gern Fragen zum Thema und sind „in Aktion“ zu bewundern.

Für das leibliche Wohl der Gäste sorgt das benachbarte Café mylys.

Wann? Samstag, 18. September, ab 11.00 Uhr

Wo? mylys, Weidenallee 12, Hamburg

Einen druckfähigen Flyer zum Event gibt es hier.


Wir freuen uns auf Ihren/Euren Besuch!

Aus diesem handkardierten und handgefärbten Batt …

I used this hand carded and hand dyed batt …

… von der Corgi Hill Farm habe ich …

… from Corgi Hill Farm …

… dieses weiche, fluffige, dreifädige Garn gesponnen.

… to spin this soft, fluffy 3-ply yarn.

Technisches/Technical Details:

Name: Evergreen
Source/Quelle: Corgi Hill Farm
Material: Merino-Silk blend
Gewicht/Weight: 95 g
Length/Länge: 376 yards
WPI: 16, light fingering, 3-ply
Wheel/Spinnrad: Henkys

Die ersten Lieferung des Fiber- und Lace-Clubs von lollipop.yarns by filzflash sind da, und ich bin begeistert. Es ist ja immer ungewiss, was man bekommt, aber das macht es gerade so spannend. Man setzt sich mit Fasern und /oder Farben auseinander, die man nicht kennt oder normalerweise nicht verwendet.

The first delivery of the fiber and lace yarn clubs from lollipop.yarns by filzflash just arrived, and I’m delighted. It’s uncertain what you get, but this is the real thrill, I think. It forces you to deal with fibers and/or colours you don’t know or don’t work with normally.

Dies ist die Färbung “Herbstspaziergang” aus Polwarth, ca. 125 g. Er fühlt sich unvorstellbar weich an.

This is the shade “autumnal walk”, 100% Polwarth, appr. 125 g. It feels unbelievably soft.

Das Lacegarn ist 70% Baby Alpaka, 10% Seide und 20% Kaschmir, die Färbung heißt Rangiroa. Dafür habe ich schon ein Projekt im Kopf.

The lace yarn is 70% baby alpaca, 10% silk and 20% cashmere, the shade is called Rangiroa. I already have a project in mind for thisone.

Außerdem gab es noch zwei kleine Zugaben:

Besides this, there were two goodies:

Eine Spinnprobe schottischer Wolle in grünblau, ca. 10 g und …

A testing fiber of scottish wool in green-blue and …

… verschiedenfarbige Locken unterschiedlicher Fasern. Die kommen mir gerade recht für meinen Filzkurs …

… locks from different fibers in different shades, theseones are perfect for my online felting class …

sunset

Gerade fertig: Das Garn Sunset, gesponnen aus einem handgefärbten Batt einer Merino-Seide-Mischung.

Just finished: The yarn Sunset, spun from a hand dyed batt. It’s a merino-silk blend.

sunset1

Gesponnen und dreifach verzwirnt auf dem Spinnrad und für einen Pullover gedacht.

Spun and plied on a spinning wheel. To be used for a sweater.

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Das Garn ist sehr weich und fluffig, und ich mag den Semi-solid-Effekt (Farbverläufe sind ja meist nicht so meins …).

The yarn is very soft and fluffy, and I like the semi-solid effect (I’m not much into colour gradients).
wheelthreeply_detail

Das Garn im Detail.

A detail.

Technisches / Technical Details
Name: Sunset
Material: Merino-Silk, handdyed
Quelle/Source: Die Handspinnerin (DaWanda)
Gewicht/Weight: 145 g
WPI: 12
Länge/Length: 374 yards / 342 m

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