April 14, 2011 - י' ניסן תשע"א
Auf nach Neumünster!
Posted by Jinx under on tour , Public Knitting , Spinning / Spinnen[3] Comments
Es wird wärmer und heller, und das bedeutet: Es ist wieder Zeit, auf Tour zu gehen. Unser Ziel war diesmal Neumünster, eine Stadt, die etwa eine Stunde entfernt von Hamburg entfernt liegt (mit dem Zug). Natürlich haben wir die Reisezeit mit ein paar entspannenden Reihen an aktuellen Projekten überbrückt.
In Hamburg weiß man recht wenig über Neumünster, aber Mutter Jinx wurde dort auf ein Museum bzw. eine Ausstellung aufmerksam, und so beschlossen wir, uns das Ganze mal aus der Nähe anzusehen: Das Textilmuseum Tuch und Technik. Es ist ein kleines Museum, das in der Stadthalle untergebracht ist, wo man übrigens sehr lecker essen kann (zubereitet mit frischen Zutaten – sehr empfehlenswert!). Auch die Stadt selbst ist sehr hübsch und wirkt lebendig.
Zu den vielen Dingen, die wir über Neumünster nicht wussten, ist, dass es sozusagen das “Manchester Schleswig-Holsteins” war, ein Zentrum der Textilherstellung mit mehreren Fabriken. Daher nimmt dieses Thema auch einen breiten Raum in der Dauereinstellung ein, die der Geschichte der Stadt gewidmet ist. Nach einer Präsentation archäologischer Funde geht es mit der heimischen Textilproduktion weiter – Spinnräder und Webstühle also. Man vergisst angesichts diverser Bekleidungsdiscounter und einem textilen Überangebot jeder Preisklasse leicht, dass in der vorindustriellen Zeit jeder Faden, den man benötigte, auch selbst in Hand- und Heimarbeit hergestellt werden musste.
Eine Kardiermaschine, die aus dem Vlies Vorgarn macht. Im Vordergrund, kaum im Bild, befindet sich eine Spinnmaschine.
Eine Vorrichtung zum Schären der Kette.
Mit dem Aufkommen der industriellen Textilherstellung eröffneten mehrere Fabriken in der Stadt, von denen nicht eine mehr existiert (die letzte Fabrik schloss 1992), auch das Ausbildungszentrum, dass in allen möglichen Berufen rund um die Textilherstellung schulte, gab diesen Bereich völlig auf. Im Museum sind jedoch noch einige historische Maschinen zu sehen, darunter einen frühen mechanischen Webstuhl, der mit Lochkarten arbeitete.
Die Webstühle arbeiten noch, allerdings nur noch für den Museumsshop und den Verkauf an Liebhaber.
Schlicht, aber besonders: Ein aus allem mögliches Kram zusammengelötetes Spinnrad, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg für den heimischen Bedarf gefertigt wurde.
Die Wechselausstellung beschäftigt sich mit textilen Themen in Kunst- und Volksmärchen.
Visuelle Umsetzung von Märcheninhalten, die mit Fasern und Faserverarbeitung zu tun haben.
Die Sieben Schwäne
Im Museum standen übrigens zwei Louet-S10-Räder mit Einfachtritt, an denen Besucher sich selbst am Spinnen versuchen konnten. Ich drangsalierte Mutter Jinx an eines der räder (sie wollte nicht), und nach 30 Sekunden erhob sie sich wieder (für sie fühlte es sich vermutlich wie 30 Minuten an) und verkündete, dass es ihr überhaupt keinen Spaß macht. Aber ich schwöre, sie hat einen zusammenhängenden Faden gesponnen (Marke Schwangerer Regenwurm, aber immerhin).
Und dann wurde es noch sehr lustig: Eine Spinngruppe, bestehend aus drei Damen, war anwesend und führte das Spinnen am Rad und an der Handspindel vor. Wir ließen uns in einiger Entfernung nieder, um ein wenig zu stricken (ich hatte nichts zum Spinnen dabei). Wir wurden eingeladen, uns zu der Gruppe zu setzen und unterhielten uns über Spinnräder, Marken, Modelle, über Spinnliteratur, übers Stricken und über Schafrassen und strickten natürlich auch. Es war ein sehr entspannter und anregender Tag.
Das Museum hat übrigens auch einen kleinen Shop, dessen Sortiment sich um das Schaf und Wolle dreht. Neben Webereien aus dem Museum gibt es dort u. a. folgendes:
Natürlich den Katalog für die Wechselausstellung …
Lustige Stofftaschen (Nieder mit dem Plastiktütenwahnsinn!!!)
Vom Förderverein herausgegebene Schriften zum Thema Textil …
… und Schafsmilchseife.
Es ist ein kleines, aber feines Museum, das mehr Aufmerksamkeit verdient, als es erhält.
















































