on tour


Vor Monaten bereits hatte ich zugesagt, mit Margarete Dolff zusammenarbeiten, die für das LWL-Textilmuseum Bocholt an einer Ausstellung mit dem Titel Verstrickungen mitwirkte und mich um Unterstützung bat.

Da ich über Museumserfahrung verfüge, war ich begeistert, auf diesem Gebiet mal wieder tätig zu werden, und ich sagte zu. Erzählt habe ich jedoch erst mal nix, denn das ist oft ja etwas schwierig mit einigen Teilen der hiesigen Strickszene. Es ist auch nur eine ganz kleine Ausstellung, da nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht  in diesem wunderbaren Museum, das ein echtes Juwel für jeden ist, der sich für Textiles und seine Entstehungsgeschichte mitsamt der dazugehörigen Arbeiterkultur interessiert. Also, Zähne halten, damit nichts durchsickert (ich sage nur “Radiobeitrag”) und Diskretion wahren bis zur Eröffnung.

Das Museum selbst ist eine alte Weberei, die zu einem Ensemble erweitert wurde, das Einblick in Technik und Lebenswelt der Arbeiter vermittelt. So wurden die Bestände ergänzt und historische Arbeiterhäuser zum Teil auf das Gelände verpflanzt. Die Weberei ist heute wieder tätig; nicht im großen Stil, sondern für Demonstrationszwecke und für den Museumsshop; gewebt wird mit Garnspenden der Textilindustrie, und die Produkte sind wirklich sehenswert und sehr praktisch und alltagstauglich (also nicht die üblichen Staubfänger, mit denen man nichts anzufangen weiß, wenn man wieder zu Hause ist).

Aber zurück zur Ausstellung; mein eigener Beitrag ist eher bescheiden; ich habe zwei Texte verfasst (über Elizabeth Zimmermann und ihren intellektuellen Ansatz und über Fischerpullover), einige Exponate beigesteuert und den Eröffnungsvortrag gehalten (Thema: Das strickende Universum – Einblicke in eine Parallelwelt).

Zunächst gibt es einen kurzen Einblick in das Stricken im Deutschland der Nachkriegszeit. Es ist überhaupt nicht einfach, hierfür Exponate aufzutreiben. Textiles hält sich ja generell schlecht, und bei der zunehmenden Wegwerfmentalität der letzten Jahrzehnte ist vieles, was im 20. Jahrhundert entstand, entsorgt worden, als es dem Geschmack nicht mehr entsprach oder beschädigt war. Gar nicht aufzutreiben waren Dinge, die in der Nachkriegszeit aus der Not heraus entstanden sind, also Socken aus Zuckersäcken und ähnlich hautfreundlichem Material, denn die flogen in ganz hohem Bogen als erste, sobald Kleidung wieder käuflich zu erwerben war.

Ausgestellt sind z. B. ein echtes Familienstück; eine sehr geliebte, handgestrickte Taufdecke, typische Kinderkleidung der frühen Fünfziger im Trachtenstil (vermutlich das passende Outfit zur Heimatfilmwelle), dann – sehr interessant – die an einem Handstrickapparat hergestellten Proben nebst dem Abschlusswerk der Strickerin – alles in verblüffender Feinheit, wie man es von heutigen an der Strickmaschine hergestellten Dingen überhaupt nicht kennt und schließlich eine Reverenz an die letzte große Strickwelle der Achtziger, als alles kastig, klobig, übergroß und sehr bunt war.

Der Höhepunkt dieses Ausstellungsabschnitts ist allerdings dieser Strickmantel aus den Siebzigern in typischer Hippie-Flower-Power-Optik – gestrickt aus reinem Acrylgarn und somit völlig unbelastet von jeglichem ökologischen Bewusstsein. Es ist ein faszinierendes Teil, das heute kaum jemand wagen würde zu tragen (außerhalb der Karnevalsaison) und das haptisch auch eher unangenehm ist.

Die Stricktradition der arbeitenden Bevölkerung wird anhand der berühmten Fischerpullover dargestellt – praktische, alltagstaugliche und hoch strapazierfähige Teile, die identitätsstiftend wirkten und in einer feineren Variante auch zu Sonn-, Fest- und Feiertagen getragen wurden.

Nicht fehlen darf natürlich auch der Deutschen liebstes Projekt: die Socke. Die hier gezeigten Exponate sind technisch und ästhetisch ausgefeilt und bis ins Detail durchdacht – Socken auf höchstem Niveau eben. Alle Designs stammen von MAZ.

Das zeitgenössische Strickdesign, u. a. Ravelrys populäre Projekte, haben eine eigene Vitrine, die gleichzeitig die heutige Liebe zum gestrickten Accessoire thematisiert. Man sieht Designs von Stephen West, Kieran Foley (einem der Meister des Lace), von Shibui und von Maz (der faszinierende Zebra-Schal rechts, den ich unbedingt auch stricken muss).

Ein weiterer moderner Trend ist das Stricken von Dingen, die man eigentlich nicht braucht, die nicht zum Bekleiden, zur Abrundung des Outfits oder als Tischdecke bzw. Gardine für das eigene Heim gedacht sind: gestrickte Pilze und Pflaumen von capstatt – braucht man nicht, sehen aber bezaubernd und witzig aus (und erwiesen sich leider als unfotografierbar, aber es gibt ja die Website).

Ebenfalls eine Nische nimmt das Stricken von Kleidern für alte Miniaturpuppen ein; sie werden aus Nähgarn oder feinstem Baumwoll-Häkelgarn mit langen Stecknadeln gestrickt – eine unendlich feine und diffizile Arbeit, die große Akribie und Sorgfalt verlangt.

Das Herzstück der kleinen Ausstellung ist die sogenannte Hall of Fame. Hier werden einige richtungsweisende Designer mit Arbeiten und der entsprechenden Literatur präsentiert, die die zeitgenössische Strickkultur nachhaltig beeinflussten und wichtige Trends begründeten oder perfektionierten.

Links: Barbara Walker. Sie verfolgt einen feministischen Ansatz und veröffentlichte einige Musterbücher, die bis heute kopiert werden und trotzdem unerreicht blieben. Außerdem – und das ist hier dargestellt – veröffentlichte sie ein Rezept, um Oberteile vom Halsausschnitt beginnend in einem Stück zu stricken.

Rechts: Alice Starmore. Die schottische Designerin interpretiert Aran- , Fair-Isle- und Strukturmusterstrickerei auf individuelle Weise und schuf viele berühmte Designs.

Elizabeth Zimmermann: Die Ingenieurin des Strickens befreite eine riesige und ewig dankbare Strickgemeinde vom lästigen Zusammennähen und von der sklavischen Befolgung von Anleitungen. Ihre “Rezepte” bestechen durch hervorragende Passform, universelle Anwendbarkeit, der Freiheit bei der Material- und Musterwahl und ihren logischen und glasklaren Aufbau.

Vorne, rechts: Kaffe Fassett. Der Meister der Farben und Muster brachte einen malerischen Aspekt in die Farbstrickerei. Seine Muster sind auf unterschiedlichste Weise und in verschiedenen Techniken umsetzbar.

Hinten, links: Cat Bordhi. Ihre verspielte Umsetzung mathematischer Grundlagen begeistert nicht nur Stricker, sondern auch Naturwissenschaftler und Programmierer.

Abgerundet wird die Ausstellung durch Hörbeispiele, Mitmachsektionen, einer Diashow zum Thema Yarn Bombing und einem originalen Garnschrank, der von der Firma Zitron mit unterschiedlichen Handstrickgarnen bestückt wurde.

Mag die Ausstellung noch so klein sein, war es für mich doch überwältigend, dass einige meiner Gestricke tatsächlich in einem Museum ausgestellt werden, als Beispiele für die Umsetzung der Entwürfe moderner Designer. So richtig begriffen habe ich das erst am Samstag, als ich die Gelegenheit hatte, die Ausstellung vor der offiziellen Eröffnung zu sehen.

Der Sonntag schließlich war sehr lustig, denn da fand die Adventmatinee des Förderkreises statt. Der Raum war bis auf den letzten Platz besetzt, und irgendwie hatte ich im Vorfeld übersehen, dass da keine einfachen Museumsbesucher anwesend sind, sondern eben die Honoratioren Bocholts (ich war davon ausgegangen, dass es sich um eine einfache Ausstellungseröffnung handelt). Es muss schon arg gewesen sein, denn ich war in einem für mich typischen Outfit gekommen (schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, schwarze Kapuzenjacke und Bikerboots), was sicherlich nicht ganz das war, was erwartet wurde, aber einen interessanten Kontrast zu Anzügen und eleganten Kostümen darstellte. Vorgestellt wurde ich auch noch als “politische Aktivistin”, was so nicht ganz vorgesehen aber sachlich nicht falsch war; aber da muss man eben durch. :D (Und ehrlich, hätte ich es gewusst, hätte ich auch nichts anderes angezogen)

Im Outlaw-Outfit hielt ich dann auch den Vortrag; 15 Minuten über die Vielfalt des heutigen Strickens vor einem kulturell interessierten, aber gänzlich strick-unaffinen Publikum (wie gut, dass es nicht mein erster Vortrag war und ich wusste, dass man die Leute nicht durch endloses Herunterleiern allzu technischer Details langweilen sollte). Ich hatte Glück, es ging gut; das Publikum fühlte sich unterhalten und sogar amüsiert, und ich habe viel positive Resonanz erfahren, interessanterweise auch und vor allem von den männlichen Zuhörern. Ich wurde gebeten, nach dem Mittagessen spontan einen zweiten Vortrag zu halten; auch das beruhte auf einem Missverständnis, denn ich hatte die DVD mit den Fotos meines Shetland- Urlaubs eingereicht, damit sie während der Ausstellung (also: irgendwann mal) in Endlos-Schleife gezeigt werden; das heißt, vorbereitet hatte ich das nicht und durcheinander waren die Bilder auch geraten, also ging es völlig konzeptfrei und ohne halbwegs sinnvolle Reihenfolge zur Sache (irgendwas ist ja immer), und auch das funktionierte (die ersten Mitreise-Interessenten meldeten sich unmittelbar danach).

Ein wenig bizarr war es insgesamt schon, was nicht an den Leuten und auch nicht an mir lag, sondern eher an unserem Zusammentreffen bei dieser Gelegenheit, aber es war auf eine gute Art bizarr, da sehr anregend und horizonterweiternd. Ich begegnete sehr aufgeschlossenen und freundlichen Menschen, mit denen ich interessante Gespräche führte und die vielleicht ganz froh waren, dass eine solche Veranstaltung auch mal für die eine oder andere Überraschung gut sein kann.

Es war eine tolle Erfahrung für mich; ich bin dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, meinen Beitrag für diese Ausstellung und die Matinee zu leisten und vor allem die herzliche Gastfreundschaft im Hause Dolff genießen zu dürfen.

Als ich Mutter Jinx von der Matinee erzählte, meinte sie: “Du solltest vielleicht über die Anschaffung eines offiziellen Outfits nachdenken”.

Das IST mein offizielles Outfit, Mami.

Da die Fähre am Abreisetag erst um 17.00 Uhr ablegte, hatten wir genügend Zeit, die wir in Lerwick verbrachten.

Wie in den vorangegangenen Posts zu erkennen war, sind die traditionellen Häuser aus grauem Granit erbaut, modernere gern auch in Beton. Doch es gibt auch eine skandinavisch inspirierte Bauweise: fröhliche Holzhäuser.

Dies entspricht natürlich der skandinavischen Tradition, die sich u.a. auch in den Orts- und Straßenbezeichnungen wiederfindet.

Zunächst brachten wir den Wagen zurück, und die Autovermietung zeigt deutlich, dass hier alles eine Nummer kleiner ist. Dennoch ist sie genauso professionell wie die “Großen”, und die Leute sind  – wie überall hier – sehr freundlich.

Auch wenn die meisten modernen Wohnhäuser eher schlicht-funktional sind, gibt es auch Beispiele für eine aufwändigere Architektur.

Fort Charlotte, das Bollwerk gegen die Niederländische Flotte auch dem 17. Jahrhundert.

Vom Hafen aus hat man einen Blick auf die Insel Bressay (die Haa am Ufer wäre was für mich …)

Als wir ein paar Cracker aßen, stellte sich prompt eine Möwe ein, …

… die uns belagerte.

Aber zum Glück …

… sind Möwen ausgesprochen leicht zu amüsieren.

Mutter Jinx begutachtet die Auslagen eines Souvenirgeschäftes, das einen für die Inseln sehr passenden Namen trägt (aber keine Spinnräder führt).

Eine enge Gasse, die zur Commercial Road, der Hauptstraße, führt.

Die Einkaufsstraße selbst (an einem ganz gewöhnlichen Werktag um die Mittagszeit)

Alles ist klein und freundlich hier.

The Lounge, die poplärste Kneipe hier.

High Level Music beschallt den Marktplatz tagsüber mit shetlandischer Musik und führt CDs und Musikinstrumente.

Die Post ist verhältnismäßig groß und repräsentativ, ist sie doch eines der wenigen Gebäude, die das Wort “Royal” im Namen führt.

Eines der traditionellen Häuser, dort, wo die Commercial Road beginnt.

Hinter dem Gebäude mit dem Turm: Das Queen’s Hotel, wo man sehr gut und reichlich essen kann. Hier gibt es auch eine der wenigen Bars in Lerwick.

Nochmal das Wikingerschiff, diesmal in der Sonne. Es wird das Jahr über gebaut, um zu Up Helly Aa in einer feierlichen Prozession durch die Stadt gezogen und dann feierlich im Wasser verbrannt zu werden. Also, jeder amüsiert sich ja auf seine Weise. :D

Die Commercial Road, wo kein commerce ist.

Dies ist der älteste erhaltene Teil von Lerwick.

Wir gingen zurück zum Hafen, vorbei am vielleicht schicksten Café von Lerwick.

Hier sahen wir übrigens den freundlichen jungen Mann zufällig wieder, der uns an unserem ersten Tag in der Touristeninformation beraten hat (dies war übrigens der achte Tag). Er grüßte uns freundlich, da er uns offensichtlich wiedererkannte. Da weiß man doch wieder, dass die Natur hier zwar unendlich groß wirkt, aber die Welt doch sehr klein ist.

Gegen Mittag gingen wir ins Shetland Museum, um zu essen. Vom Museum aus drohte schon die Fähre nach Aberdeen.

Da wir müde waren, beschlossen wir, uns auf einer Bank in der Eingangshalle niederzulassen, um ein paar entspannende Reihen zu stricken. Und das bewirkte Erstaunliches.

Die Besucher begannen, sich entzückt zu nähern. Sie hielten uns für eine Art Aktionsgruppe bei der Vorführung. Sie waren erstaunt, dass wir weder unsere Sachen verkaufen noch Shetlander sind (und nein, wir sind auch keine Norwegerinnen …). Das Personal war verwirrt, sie wurden in tiefstes Nachdenken gestürzt, wahrscheinlich ob sie nicht stundenweise ein paar strickende Ömchen installieren sollen, da das Ganze beim Publikum gut ankam. Sogar ein Systemadministrator, der einen Rechner in den ersten Stock tragen sollte, nahm einen bizarren Umweg, um sich die Geschehnisse aus der Nähe anzusehen. :D

Und dann war es so weit: Wir gingen an Bord und warfen letzte Blicke auf den neuen Hafen von Lerwick.

Moderne Verwaltungsgebäude am Hafen

Und nochmal: Das Shetland Museum

Nie fiel mir ein Abschied von einem Ort schwerer.

Und nie war ich dem Zustand des “Zu-Hause-Fühlens” näher als hier.

Und nie zweifelte ich an dem Leben, wie man es bei uns führt, mehr als hier.

Auf dem Weg nach Aberdeen kam sie schließlich in Sicht:

The Fair Isle

Und während das Schiff langsam an der Insel (75 Einwohner, kein Shop, keine Bar, kein Hotel) vorbeifuhr, wurde uns wirklich bewusst, dass dieser Urlaub nun zu Ende war.

Es war der beste meines Lebens.

Am letzten vollständigen Tag, den wir auf den Inseln verbringen durften, erkundeten wir den Norden von Mainland.

Der Norden ist dünner besiedelt als der Süden, leerer, ursprünglicher. Man begegnet nur selten einem Auto.

Lunna House, erbaut im 17. Jahrhundert. Dass es keine Ruine ist, liegt vielleicht daran, dass dieses Herrenhaus während des Zweiten Weltkriegs für den Shetland Bus eine wichtige Rolle spielte.

Lunna Kirk – der Norden ist skandinavischer geprägt als der Süden der Insel.

Das Innere der kleinen Kirche. Man ist hier nicht so wahnsinnig religiös, und viele der kleinen Gebäude sind heute säkularisiert.

Neben der Kirche: ein enorm entspanntes Schaf (Herr Jinx nennt die übrigens Pulloverschweine).

Verlassene Cottages.

Die Küste bei Northmavine

Busta House. Das schlossähnliche Anwesen beherbergt ein sehr schönes Hotel, wo man hervorragend essen kann, was wir natürlich taten. Ah, Banoffee!

Dann ging es weiter, die Küste entlang nach Norden, nach Eshaness

The Drinking Horse

(der Name ist irgendwie selbsterklärend …)

Dann erreichten wir Eshaness, das als spektakulärster Küstenabschnitt Mainlands gilt (dies ist allerdings erst mal der Leuchtturm).

Doch bevor wir die Küstenlinie erreichten, mussten wir das tun, was Mutter Jinx am liebsten tut: in Turnschuhen ein Sumpfgebiet queren und über Gräben hüpfen. Optisch hatte das aber durchaus was.

Na, jetzt aber: Die berühmte Küste von Eshaness.

Kein Ausflugsziel für Blödis: Da es auf den Inseln so wenig Tourismus gibt, fehlen (neben Wurstbuden) Absperrzäune, Warnschilder und alles, was den Menschen das selbständige Denken abnimmt. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, hier bei Sturm nicht entlang zu gehen oder der Abbruchkante in ausreichendem Maße fernzubleiben (und wir haben es tatsächlich überlebt!).

Wie ein Riss in der Landschaft

… und auf seinem Grund: das Meer

Die Risse enstanden natürlich durch das Meer. Das Wort “Naturgewalt” bekommt bei diesem Anblick eine neue Dimension.

Die Inseln: mehr für Naturfreunde als für Strandlieger.

Manchmal …

… muss man gar nicht so viel sagen, …

… finde ich.

Die Einsamkeit auf den Bildern täuscht übrigens. Es waren tatsächlich außer uns noch ein paar Leute da, noch vier (glaube ich).

Das kommt einem hier fast vor wie ein Menschenauflauf.

Wir fuhren weiter zu einem Küstenabschnitt, der aus rosa Granit besteht, der im schwachen Sonnenlicht leuchtete, und dann zurück nach Lerwick. Damit war der Urlaub fast zuende.

Am 6. Tag wollten wir in den ganz fernen Norden aufbrechen, zur nördlichsten Insel der Shetlands, Unst. Das ist ja alles immer ein wenig wetterabhängig, aber wir hatten Glück, es war ein wunderbarer sonniger Tag, und frühmorgens brachen wir auf, zunächst auf die Fähre nach Yell.

Die Insel Yell liegt zwischen Mainland und Unst. Man setzt zunächst hierher über, fährt dann von Süd nach Nord und nimmt eine weitere Fähre. Yell ist landschaftlich wunderschön, und es ist nicht so viel los wie auf Mainland.

Weite Landschaft und wenig Häuser.

Blick nach Unst (links) und Fetlar (rechts)

Neben den obligatorischen Schafen ist die Gegend um den Fährhafen recht dicht bebaut. Neben dem Bauernhaus …

… mit einem gigantischen Blick zu den beiden anderen Inseln …

… gibt es hier eine Art Schuppen …

… und ein Wohnhaus mit Telefonzelle, wo täglich zwei Stunden lang Tee, Kaffee und Kuchen angeboten wird. Die Striche auf der Straße teilen die Wagenkolonnen (haha) in “privat mit Reservierung”, “privat ohne Reservierung” und “kommerziell” ein.

Nach einer sehr kurzen Überfahrt hieß es dann auch schon: Welcome to Unst.

Auf Unst ist nicht so viel los wie auf Yell, und die Insel ist nicht nur sumpfig (das war uns ja nicht neu), sondern der Boden ist auch sehr steinig.

Es gibt auch zwei etwas weniger kleineAnsiedlungen, Baltasound (ehemals ein bedeutender Heringshafen, verfügt über ein Hotel und einen Flughafen, jawohl) und Haroldswick. Aber die meisten der etwas über 700 Bewohner leben anscheinend lieber für sich.

Das Unst Heritage Center mit unserem treuen Mietwagen. Man weiß übrigens, dass es etwas ländlicher zugeht, wenn einen Handwerker fragen, ob man die Mobiltelefonnummer von “Farmer Nigel” hätte. Hatten wir nicht, aber die Dame im Heritage Center konnte natürlich behilflich sein.

Auch im Heritage Center nimmt die Faserverarbeitung einen breiten Raum ein.

Spinnräder und Handspindel

Die Spezialität von Unst ist die Lacestrickerei, die in beeindruckender Feinheit ausgeführt wird (weitere Exponate befinden sich in den Schubladen).

Werkzeuge, Pullover und ein Webstuhl

Die Public Hall von North Unst (der Süden wird seine eigene haben …)

Auf Unst sieht man besonders viele alte, aufgegebene Crofthouses und Cottages.

Unst hat nicht nur felsige Küsten, sondern auch ein paar schöne Strände.

Und – zerklüftet, wie die Insel ist – auch zahlreiche Fjorde.

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Straßen auf den Shetland Isles einspurig, und das gilt besonders für Unst.

Aber danach wurde es ernst: Wir machten uns auf in Richtung “nördlichster Punkt Großbritanniens” und natürlich auch vor allem der Shetlands, nach Hermaness Wir waren nicht recht in Form, meine Knöchelsehnen zickten, und Mutter Jinx hatte die falschen Schuhe an, daher wollten wir nur einen Blick auf die nördliche Landschaft werfen. Wir begaben uns also auf den komfortablen Wanderweg. Mit den Wanderwegen ist das hier so eine Sache, denn sie verlieren sich in der Landschaft, und die einzige Orientierung, die bleibt, sind ein paar Pflöcke. Aber wir wollten ja auch nur mal gucken.

Wir bewegten uns durch eine beeindruckende Moor-Heide-Hügellandschaft …

… mit großartigen Ausblicken

Das Gelände wurde zunehmend schwierig, aber wir waren irgendwie mit der Gesamtsituation unzufrieden, denn in Richtung Norden sah man immer nur Hügel, aber nicht das Meer. Wir beschlossen mehrmals, dass der nächste Hügel der letzte sein sollte, denn mit meinen Sehnen wurde es nicht besser und Mutter Jinx stand das Wasser schon zwischen den Zehen.

Aber irgendwann gab es dann kein Halten mehr, und mit deutlich mehr Motivation als Kondition beschlossen wir, bis zum nördlichen Ufer der Insel zu gehen.

Kein Sumpfloch zu tief, kein Graben zu breit: Mutter Jinx auf dem Weg nach Ultima Thule.

In Turnschuhen (!!!)

Keine Kneipe, kein Klo, kein Shop.

Dafür Wollgras und immer noch ‘n Hügel mehr.

Ein Blick zurück, den Hügel hinunter. Dieses Sumpfgebiet muss man queren.

Der Sumpf ist nicht gefährlich, aber nass.

Sehr nass.

Und immer wieder: der Blick zurück.

Aber irgendwann war’s dann wirklich der letzte Hügel, und man sah das Meer. Wenn der Weg gar zu arg wurde (man darf die Route wegen der Brutgebiete nicht verlassen), gab es Plankenstege.

Reste menschlicher Präsenz

Aber irgendwann hatten wir es dann wirklich: die nördlichsten Felsen, recht der mit dem “impossible Lighthouse”. Nun mussten wir nur noch einen steilen Abhang hinunter (den wir dann bedauerlicherweise auch wieder hinauf mussten …)

Der Leuchtturm ist nur per Boot und auch nur bei passendem Wetter zu erreichen.

Die Felsen sind ein berühmtes Brutgebiet, u. a. für Papageientaucher (die schon wieder aufs Meer hinaus geflogen waren). Und wer ganz genau hinsieht, wird links sehen …

dass auf den Inseln nichts so abgelegen ist, dass es nicht mindestens ein Schaf dort gibt, und hinter dem Schaf befindet sich die Steilküste. Weitergehen war also nicht.

Bis die Wikinger die Meere erkundeten, dachte man, dass dies das Ende der Welt ist (und man irgendwo herunterfällt, wenn man auf dem Meer weiterfährt), und wenn man hier steht, könnte man es fast glauben.

Ich stand schon mal an einem “Ende der Welt”, in der Bretagne. Dort heißt es Finisterre. Aber mein persönliches Weltende ist hier, in Unst. Und wenn man da so steht, merkt man, dass einem der ganze Nervkram (Politik, Autoverkehr, Ballungsgebiete, Fernsehwerbung, Lampuken) total am Arsch vorbeigeht.

Der Blick die Küste entlang

Zurück ging es dann wieder durch den Sumpf

Das Panorama auf dem Rückweg ist beeindruckend

Aber auch sehr nass

Auf Unst gibt es sogar Herden wilder Shetlandponies, und wir haben sogar eine gesehen. Es ist ein unglaublicher Anblick, aber fotografiert habe ich sie nicht, denn ich hatte alle Hände voll zu tun, das Auto an ihnen vorbeizumanövrieren, ohne sie aufzuscheuchen.

Nach diesem Ausflug in die Wildnis begaben wir uns zum krassen Gegenstück, einer zivilisatorischen Errungenschaft der Insel, dem Unst Bus Shelter.

Es ist nicht die einzige Bushaltestelle, aber die berühmteste: Sie wird jedes Jahr neu ausgestattet, wobei es ein Motto gibt. Dieses Jahr ist es die Farbe Orange. Es begann mit einem Sofa, das jemand hineinstellte, und heute gibt es sogar jemanden, der sich um die Blumen kümmert.

Bushaltestellen-Dekoration

Es gibt sogar Kommunikations- und Unterhaltungselektronik

Bevor wir nach Mainland zurückkehren mussten, statteten wir noch dem nördlichsten Schloß Großbritanniens, das gleichzeitig die nördlichste Ruine ist, einen Besuch ab: Muness Castle

1598 nervte der Bruder es Herzogs von Orkney die Shetlander auf Unst damit, dass er unbedingt ein Schloss wollte. Das nahmen die Leute übel, und so ist das Schloss in dem üblichen Zustand, in dem historische Relikte der schottischen Herrschaft hier allgemein zu sein pflegen.

Nein, man hat ihn nicht lieb, den Herzogsbruder, und das Schloss nimmt man ihm immer noch ein bisschen übel. So steht auf der Informationstafel, dass es aus dem Schweiß und den Tränen der Shetlander erbaut wurde.

Die Ruine ist hervorragend konserviert und kann begangen werden. Sogar der Keller ist zugänglich; für Interessierte gibt es Taschenlampen in einem Schränkchen.Dies ist jedoch die Halle mit dem offenen Kamin.

Dann war es Zeit für die Rückfahrt, und wir begaben uns zum südlichen Ufer, wo die Fähre nach Yell ablegt.

Es war leider Zeit, dieser sehr leeren,

sehr felsigen und sehr einmaligen Insel auf Wiedersehen zu sagen.

Zurück in Lerwick und immer noch benommen von den Eindrücken, sahen wir den schönsten Abendhimmel unseres Urlaubs – ein perfekter Abschluss.

Am 5. Tag stimmten wir uns für das Nachmittagsprogramm ein, indem wir zunächst den Clickimin Broch aufsuchten, der sich nur wenige Gehminuten von unserem Quartier entfernt befindet.

Ein Broch ist ein Wohnturm, wie er um die Zeitewende üblich war und auch von den Pikten genutzt wurde. Die Anlage ist sehr gut gepflegt, wie es hier allgemein üblich ist (es sei denn, es handelt sich um ein Relikt der schottischen Fremdherrschaft, die man gerne so richtig abranzen ließ).

Von diesem Broch ist nur noch ein Rest erhalten.

Auch wenn er auf den Fotos recht einsam aussieht, täuscht das: er liegt eigentlich in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zu einigen Neubaugebieten und einem Wellness-Center.

Wie fast überall kann man sich innerhalb der Anlage ungehindert bewegen, vor brüchigen Mauern wird durch Schilder gewarnt; die Verantwortung liegt bei den Besuchern.

Der Eingang

Lauschige Kojenreste um den Broch.

Die Leute damals waren winzig, sodass Menschen wie wir (1,80 und 1,90 groß) nur gebückt ins Innere gelangen können.

Eine Ruine, aber eine beeindruckende.

Der Treppenaufgang ist teilweise erhalten, aber nicht mehr begehbar.

Danach begaben wir uns per Auto in den Süden von Mainland, wo wir in Fladdabister einen kurzen Halt machten, denn dort gibt es eine kleine Ansammlung von verfallenen Crofthouses.

Hier ist sogar mal so eine Art Baum auf dem Foto, denn die Shetlands sind praktisch baumlos. Ein paar zähe Exemplare halten sich in der Nähe von Gebäuden, aber Wälder gibt es nicht. Die Inseln sind somit vielleicht nicht das ideale Reiseziele für den Freund des deutschen Waldes.

Es gibt viele Ruinen von Crofthouses und Cottages auf den Inseln. Während Crofthouses nur unter großem Aufwand zu modernisieren sind und nach heutigen Ansprüchen erweitert werden müssen, ist dies bei den geräumigeren Cottages anders. Dennoch genießen die Inselbewohner lieber die Annehmlichkeiten moderner Wohnhäuser.

Neben dieser Stätte der morbiden Romantik des Verfalls befindet sich ein modernes Haus.

Die nächste Station war Hoiswick mit seinem Besucherzentrum.

In diesem schlichten Gebäude gibt es nicht nur zwei sehenswerte Ausstellungen, sondern auch leckeren hausgemachten Kuchen und Tee oder Kaffee.

Im Inneren werden in einer originellen Mischung Maschinen zur Textilherstellung und alte Radio- und Kommunikationsgeräte gezeigt. Hier im Vordergrund ist ein Webstuhl zu sehen.

Schirmhaspeln, Sweater Blocker und ein Handrad.

Strickwaren und ein Spinnrad

Ich glaube, dieses Gerät dient dem Schären der Kette (bin keine Expertin für Webtechnik).

Strickwaren. Hier sind Fair-Isle-Pullover für ihre Farbenpracht bekannt, aber auf den Inseln selbst sieht man sehr viele Exemplare in Naturfarben.

Die Sammlung alter Radiogeräte.

Eine Privatsammlung wird öffentlich.

Die empfindlicheren Exponate befinden sich in Vitrinen, doch das meiste steht offen in Regalen.

Funk- und Kommunikationsgeräte.

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Alte Röhren, einige waren offensichtlich Strandgut.

Nach dem Verzehr eines sehr empfehlenswerten Stücks Kuchen war es Zeit, uns zur Fähre zu begeben, denn wir setzten auf die Insel Mousa über.

Die kleine Fähre fährt nur einmal am Tag. Es gibt auf den Inseln eine Besonderheit, die angesichts der wenigen Touristen ein wenig eigenwillig wirkt: Man legt Wert auf Reservierungen. So erfuhren wir, dass der Fährmann gern seine Passagiere namentlich kennt – mittels einer Reservierung, selbst wenn das Boot nur halb voll ist.

Mousa ist eine kleine Insel, die heute unbewohnt ist.

Einen Strand gibt es nicht, die Küste ist felsig und weist beeindruckende Formationen auf.

Die Insel ist zwar nicht bewohnt, wird jedoch bewirtschaftet: Es werden Schafe gehalten, und das Haus dient dem Crofter für seine Gerätschaften.

Die Schafe wurden gerade geschoren, diese warten noch auf den Friseur.

Diese haben es bereits hinter sich.

Normalerweise haben die Schafe die Insel für sich und sind natürlich nicht eingepfercht.

In der Nähe der Anlegestelle stehen immer noch Mauerreste, die aus den Zeiten stammen, als die Insel noch besiedelt war.

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Blick von der Insel auf das Festland

Vogelkundler besuchen diese Insel wegen der Brutkolonien, aber hier befindet sich auch der Mousa Broch, der am besten erhaltene Broch der Welt. Und da mussten wir natürlich hin.

Was einem klar sein sollte, wenn man die Inseln besucht: Das Gelände ist fast immer sumpfig, feste Wanderstiefel sind emfehlenswert.

Der Broch ist hervorragend erhalten.

Die Schautafel zeigt einen Rekonstruktionsversuch. Ein Broch war immer doppelwandig, und zwischen den Wänden befindet sich der Aufgang (dies kann auf Mousa jeder mit seinen eigenen Augen sehen). Der Rest der Rekonstruktion ist spekulativ und somit umstritten.

Im Inneren des (zumindest heute) dachlosen Turms. Die Öffnungen beleuchten den Treppenaufgang (mehr oder weniger jedenfalls).

Der Boden im Inneren

Die Treppe zwischen den Wänden. Sie ist befestigt und sicher, und natürlich mussten wir hinauf (wenn man das nicht macht, ärgert man sich doch sein Leben lang …).

Mutter Jinx immer auf Ballhöhe -  nach erfolgreicher Besteigung des Broch.

Die Treppe ist zwar sicher, aber für moderne Menschen nicht ganz ohne Tücken. Dies sind meine Füße in Stiefeln, in durchaus handelsüblicher Größe 43. Die Stufen sind sehr kurz, und der Abstieg ist nur rückwärts zu empfehlen.

Der Broch von der anderen Seite. Nach erfolgreicher Besteigung dieses einmaligen Kulturdenkmals umrundeten wir die Insel.

Leere Landschaften.

Die einsturzgefährdeten Reste eines Wohnhauses (es muss Schotten gehört haben …)

Ein Pond. Dieser kleine Meerwassersee dient den Seehunden, die ihr Fell wechseln, als Rückzugs- und Erholungsgebiet. Da Naturschutz auf den Inseln oberstes Gebot ist, darf man nicht zu nah herangehen, um die Tiere nicht zu stören.

Die Tierchen wollen ja ungestört bräsig abhängen (also, es gibt actionreichere Tiere, aber Seehunde und Robben sind schon sehr niedlich).

Die Küste: mal sanfter …

… mal schroffer.

Blick in Richtung Lerwick.

Heidelandschaft

Das Ende der Wanderung: wieder unter Schafen.

Zeitvertreib bis zur Abfahrt.

Nachdem ich eine Pause bei der Berichterstattung  brauchte, kommen nun die vier letzten Tage meines Urlaubs. Es geht also weiter.

Am vierten Tag war es regnerisch und stürmisch. Das heißt, wir würden es stürmisch nennen, die Shetlander sagen “a bit breezy” dazu. Es war halb so wild, man konnte sich komfortabel gegen den Wind stemmen ohne umzufallen. Die Fähren fuhen noch, aber für eine Wanderung an der Küste entlang, wie wir es ursprünglich geplant hatten, war es schon zu gefährlich. Also brachten wir die erste Hälfte des Tages mit Besichtigungen herum.

Die Weisdale Mill ist -  wie der Name vermuten lässt – eine ehemalige Wassermühle, die heute modernisiert und umgebaut Ausstellungen beherbergt.

Die Mühle beherbergt auch ein schönes Café, wo man sogar draußen sitzen kann – allerdings nicht an diesem Tag.

Die aktuelle Ausstellung widmete sich modernem, teils avantgardistischem Schmuckdesign, genauer gesagt: Ringen.

Es gab neben dem Üblichen aus Edelmetall auch Exemplare, die gehäkelt waren.

Nicht alles ist tragbar (z. B. im Alltag), aber alles inspiriert.

Nach einem Aufenthalt im Café fuhren wir zunächst nach Lerwick zurück, da das Wetter sich nicht bessern wollte. Dort besuchten wir ein Gebäude namens Böd of Gremista, das eine kleine Ausstellung der Shetland Guild of Spinners, Weavers and Dyers beinhaltet.

Das Gebäude ist auf seine Weise typisch für die Inseln. Architekturfreaks kommen hier nur sehr begrenzt auf ihre Kosten, denn die Leute sind heute zwar alles andere als arm, aber damals wie heute stand das Praktische im Vordergrund. Kurz gesagt: Wenn’s vier Wände, Fenster, Tür und ein Dach hat, isses fertig. Moderne Häuser sind teilweise aufwändiger, mit Veranden oder kleinen, geschützten Terrassen, aber eine opulente Architektur fehlt fast völlig.

Eine von der Gilde ausgestattete Vitrine

Ein rekonstruierter Wohnraum mit dem obligatorischen Spinnrad.

Der Kamin war die einzige Möglichkeit zu heizen und das Herz des Hauses. Er wurde mit Torf beheizt und diente als Kochstelle und als soziales Zentrum, an dem sich die Familie versammelte. Hier wurden Fisch und Fleisch geräuchert (zu sehen an einer Schnur über dem Kaminsims), und auch de Esstisch befand sich in de rNähe.

Typisch sind die Sessel mit den hohen, geflochtenen Lehnen.

Danach entschlossen wir uns, das Wetter Wetter sein zu lassen und uns wieder in die Natur zu begeben. Als nächstes stand ein kurzer Spaziergang zu dem Wasserfall Burn of Lunklet auf dem Programm.

Ausgangspunkt war ein kleiner Parkplatz (auf dem hier üblicherweise selten mehr als fünf Autos Platz finden); der Weg führt an einem kleinen Fluss entlang durch eine wunderschöne Heide- und Moorlandschaft.

Man folgt einfach dem Fluss.

Die Infrastruktur wirkt bombastisch (gemeint ist die Brücke), dient aber ausschließlich der Erreichbarkeit der überall weidenden Schafe.

Size doesn’t matter: der Wasserfall. Nicht groß, aber schön. Die Farbe des Wassers stammt vom Torf, der an vielen Stellen auch gestochen wird.

Fazit: Es müssen nicht die Niagara-Fälle sein. Da sind sowieso zu viele Menschen.

Nach dieser kurzen Exkursion wandten wir uns Richtung Norden. Dort befindet sich die Tangwick Haa. Eine Haa ist ein traditionelles Anwesen eines Lairds, also eines Landbesitzers.

Auch hier gibt es eine kleine Ausstellung. Zunächst besichtigt man die Rekonstruktion der traditionellen Einrichtung.

Auch hier fehlt der Kamin nicht, aber insgesamt sind die Räume großzügiger und aufwändiger ausgestattet.

Natürlich gibt es auch ein Spinnrad für die Dame des Hauses.

Der andere Teil der Ausstellung widmet sich dem traditionellen Leben von Croftern und Fischern.

Handkarde, Rohwolle, Spinnrad und Sweater Blocker.

Darf nirgendwo fehlen: Strickzeug. :D

Melken – ja, aber nicht ohne gestärkte Bluse.

Der Norden von Mainland ist dünner besiedelt. Dies ist ein typischer Blick in die Landschaft.

Stormy Weather – auf dem Weg nach Eshaness (an das wir an diesem Tag nicht näher herankamen).

Da ich mit dem Bearbeiten der Fotos nicht hinterherkomme, gibt es heute eine kleine Plauderei zum Thema “Besonderheiten” wie sie sich mir mitgeteilt haben (denn nach dieser kurzen Zeit kann ich wirklich nicht behaupten, eine Kennerin der Materie zu sein).

Was man hier nicht findet, ist der sonst allgegenwärtige Union Jack oder auch die schottische Flagge mit dem weißen Andreaskreuz auf blauem Grund. Es scheint so, als ob die Leute die nur aufhängen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Stattdessen sieht man die Flagge der Shetland-Inseln sehr häufig. Auch das Wort “royal” oder “Scottish” liest man kaum. Ich habe nichts über einen Sonderstatus der Inseln gefunden, daher nehme ich an, dass die einfach so weit weg sind, dass man hier die Regierung oder die Schotten gut ignorieren kann.

Dies mag eigenbrödlerisch klingen, aber es ist ausgesprochen einfach, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen, denn sie sind offen und sehr freundlich, und sie laufen sich die Beine ab, um einem etwas zu zeigen oder zu erklären. Es ergeben sich interessante Gespräche, vorausgesetzt man kommt mit dem hiesigen Dialekt zurecht, der manchmal nicht ganz einfach zu verstehen ist.

Die Kultur ist wenig britisch geprägt, so haben Pubs keine große Tradition, es gibt nur wenige, und in denen wird kein Essen serviert. Überhaupt ist Gastronomie außerhalb Lerwicks dünn gesät, man kann nicht damit rechnen, auf eine Gelegenheit zur Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme zu stoßen. Die Shetlands gelten ja als Großbritanniens letzte Wildnis, und da ist durchaus was dran.

Kultur

Die Shetlander sind traditionell eine Crofter- und Fischergesellschaft, die Inseln waren recht arm und abgelegen. Arm ist man hier nicht mehr, abgelegen ist es noch immer. Es gibt neben dem Shetland Museum mit seiner sehr sehenswerten Ausstellung eine Menge kleiner und kleinster Museen, die einem Kultur und Alltagsleben nahebringen, aber auch ganz Modernes, so eine Ausstellung modernen Avantgardeschmucks auf dem Weg nach Sandness.

Der Eintritt ist normalerweise frei. Bei den Ausstellungen, die sich mit der Tradition der Inseln beschäftigen, fehlt der Teil niemals, der sich mit Textilien und Faserverarbeitung beschäftigt. Dies machte in der Vergangenheit einen großen Teil der Volkskultur aus und hat seinen Identitätsstiftenden Charakter nicht verloren. Neben Fair-Isle-Strickerei wird dem Lacestricken, dem Spinnen und dem Weben der inseleigenen Wolle breiter Raum gegeben.

Hoiswick Visitors’ Center: auch Sonntags geöffnet, werden hier sowohl Faserverarbeitung als auch Alltagsleben und auch eine große Sammlung historischer Radio- und Kommunikationsgeräte gezeigt.

Auffällig ist, dass in allen Museen und Ausstellungen viele Exponate völlig offen stehen und auch angefasst werden können. Ist das nicht erwünscht, steht dies auf einer kleinen Tafel. Der Grund ist zweifellos, dass die Inseln verhältnismäßig wenig Touristen haben; es gibt mit Ausnahme einiger Busreisenden nur Individualtouristen.

Spindeln und Nostepinnen in der Böd of Gremista in Lerwick

Man merkt, wie stolz die Shetlander auf ihre Vergangenheit und ihre Kultur sind und diese auch am Leben erhalten; trotzdem wirken die Leute modern und sehr aufgeschlossen.

Ebenso wie man vieles anfassen kann, darf man in allen Museen fotografieren.

Schlösser und Burgen

Während Großbritannien ein gewissen Schloss- und Burgaufkommen aufweist, ist das hier auf den Shetlandinseln anders. Die Kultur ist bäuerlich geprägt, und die Inseln standen lange unter norwegischer Herrschaft und kamen erst im 15. Jahrhundert unter schottische Herrschaft, was nicht auf Gegenliebe stieß. Man versucht wohl bis heute, diese Tatsache weitgehend zu ignorieren. Die schottischen Herrscher errichteten einige Schlösser, von denen keines mehr intakt ist. Nun besichtigen wir nicht so gern Schlösser und Burgen, denn für die meisten gilt “hat man eines gesehen …” (oder, wie Mutter Jinx es auf den Punkt bringt: “Mich interessiert nicht so, wie andere Leute wohnen …”), und da braucht man sich auf diesen Inseln nicht mal als Kulturbanause zu fühlen.

Zwei Beispiele für herrschaftliche schottische Architektur haben wir bereits gesehen. Das erste war das Herrenhaus auf dem Gelände des Jarlshofs, das im Audiokommentar der dort erhältlichen elektronischen Führung als ausgesprochen lästig und das ansonsten beliebte Ensemble störend bezeichnet wird.

Am liebsten würde man wohl mit der Abrissbirne vorfahren, gehörte das Ensemble nicht dem schottischen National-Trust.

Als zweites Beispiel mag das Schloss von Scalloway dienen, erbaut um 1600. Es steht eigentlich an einer bevorzugten Stelle an einem See, wirklich sehr romantisch gelegen. Heute sieht es so aus:

Ich sollte dazusagen, dass die Schlossruine sich ziemlich in Bildmitte befindet, denn sie ist von allen möglichen industriellen Zweckbauten umstellt. Der Kontrast ist umso auffälliger, als hier archäologische Stätten und sonstige Baudenkmäler wohlgepflegt und hervorragend begehbar sind und wirken, als würden die Steine mit einer Zahnbürste geputzt werden.

Einkaufen und anderes Touristisches

Es gibt W-Lan, auch wenn das manchmal instabil ist und die Verbindungen nicht sonderlich schnell sind, Handyempfang ist auch an vielen Stellen gegeben. Die Geschäfte schließen meist um 17.00 Uhr, Supermärkte und Tankstellen haben länger offen. Restaurants und ähnliche Etablissements schließen um 20 oder 21.00 Uhr.

Man kann hier natürlich schottischen Whisky kaufen, aber er ist nicht typisch und wird auch nicht auf den Inseln destilliert. Fair-Isle- und Lacestrickereien gibt es an jeder Ecke, ebenso alle möglichen Dinge aus Shetlandwolle zu günstigen Preisen; das Rohmaterial ist bei den einschlägigen Manufakturen erhältlich (wir berichteten …). Schön sind Bücher (Inseltypisches gibt es im Bookshop der Shetland Times), es gibt einiges zum Thema Textil und Stricken. Weitere nette Mitbringsel sind CDs mit der inseltypischen Musik (KEINE Dudelsäcke, die hört man hier gar nicht) oder auch Seifen und Badezusätze aus lokaler Produktion, ebenso wie Fudge oder andere hier hergestellte Süßigkeiten.

Bücher zum Thema Stricken, ein Knitting Belt und lange Metallstricknadelspiele – typisch für die Shetlandinseln. Dazu zwei moderne, schlichte Designer-Schalnadeln.

Mutter Jinx kauft Wolle: Lustig ist, dass sie bei der letzten Zusammenkunft der Hamburg Knitters, Section Underground getönt hat, dass sie nur Material für ein einziges Projekt kaufen würde, da die Wollberge sie nerven. Nun hat sie Wolle für vier Projekte erworben …

Alles irgendwie Jamieson … Garne aus Shetlandwolle: Lace – Aran – Spindrift (für Fair-Isle-Strickerei).

Überhaupt wird man hier von einer großen Lässigkeit erfasst: Das Wetter ist, wie es ist und lässt sich ohnehin nicht ändern (weswegen sich kein Mensch hier darüber aufregt), die Umgangsformen der Bevölkerung sind freundlich aber lässig (eine Kellnerin hat mir in den hinteren Ausschnitt meines Pullovers gefasst, um das Etikett zu lesen, und das ist völlig normal, es ergab sich eine längere Unterhaltung daraus). Mutter Jinx ergibt sich dieser Stimmung ganz und gar; sie ist ja eigentlich ein vornehmer Mensch, entledigt sich aber des städtischen Geschnörkels: Ich kenne sie seit fast 44 Jahren, und ich bin mir sicher, dass ich den Satz “Ich muss jetzt kacken” vorher von ihr noch nie gehört habe. :D

Lerwick (mehr als 5000 Einwohner) ist so etwas wie die pulsierende Metropole der Shetlandinseln. Wir aßen dort heute in einem hervorragenden Restaurant, die gleichzeitig die Gastronomie des Shetland Museums ist. Der Ausblick vom Restaurant aus ist wirklich sehr erfreulich.

Das Essen ist modern, leicht und hervorragend, auch wenn Mutter Jinx sich beschwerte, dass anstelle des bestellten Rumpsteaks ein gefühltes halbes Rind serviert wurde.

Eine Eigenheit gibt es hier allerdings, die man beachten sollte: Besonders abends kann man nicht einfach in ein Restaurant gehen und sich an einen Tisch setzen. Man wird immer nach der Reservierung gefragt, und man wird immer zum Tisch geführt, selbst wenn der Laden gähnend leer ist. Eine Ausnahme stellen nur Schnellimbisse dar.

Die folgenden Bilder entstanden kurz nach 21.00 Uhr Ortszeit.

Der Parkplatz am Hafen mit Blick auf die Stadt

Auf dem letzten Bild sind tatsächlich Menschen drauf, aber das ist nicht so repräsentativ.

Nicht, dass es heißt, ich fahre immer dahin, wo es regnet: Dies war der Himmel heute Morgen um 6.00 Uhr: ein sattes, strahlendes Blau.

Auch der Blick über die Bucht war entsprechend erfreulich – und das heißt: ein idealer Tag für eine Wanderung. Unser Ziel war St. Ninians Beach mit St. Ninians Isle.

Dieser geradezu karibische Anblick zeigt eine natürliche Brücke von Mainland aus zu der vorgelagerten Insel St. Ninian. Sie ist auch bei Flut begehbar, und die Aussicht zu beiden Seiten ist spektakulär.

Es ist ein feiner, fast weißer Sandstrand, und das Wasser ist kristallkar. Es kann hier auch gebadet werden, auch wenn es etwas … nun, frisch ist, von der Temperatur her.

Auch wenn das Wetter von der Landseite her zeitweise ein wenig schottisch daherkam, blieb es während der Wanderung eher so:

Wir begnügten uns nicht mit einem Strandspaziergang, sondern umrundeten die Insel praktisch vollständig. Sie hat fast nur Steilküsten, an deren Rand man entlangwandert. Die Ausblicke sind wirklich lohnend und immer wieder neu und überraschend.

Es existieren auf dieser Insel noch ein paar Mauerreste, und früher war sie bewohnt. Heute wird sie von Schafen beweidet.

Ein einsames Schaf.

Die Kapelle St. Ninian. Ein frühchristlicher Bau, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgegraben wurde. Hier fand man auch einen berühmten Schatz, der Stücke aus verschiedenen Epochen enthält.

Auf der Tafel sind sie gezeigt, und Repliken sind im Shetland Museum zu sehen. Die Originale wurden in größere Museen auf dem Festland verbracht, weswegen die Shetlander beleidigt sind (und das völlig zu recht).

Nach dieser kleinen Wanderung (ca. 6 km) fuhren wir ganz in den Süden von Mainland, nach Sumburgh. Hier gibt es einen kleinen Flughafen.

Dieser Flughafen ist genauso beschaulich, wie es hier aussieht. Wenn man zum Jarlshof und zu dem gleichnamigen Hotel möchte, muss man die Landebahn queren, wobei man nicht abbiegen darf (darauf wird extra hingewiesen) und halten muss, wenn die entsprechenden Lichter leuchten (keine Ampel). Mutter Jinx war von diesen Zuständen so irritert, dass sie dachte, ich wäre versehentlich auf den Flughafen gefahren.

Das Sumburgh Hotel. Hier haben wir zu Mittag gegessen (Steak and Ale Pie, sehr empfehlenswert).

Das Hotel aus der Nähe. Jimmy Perez war leider nicht im Haus (Insider für Krimifans).

Nachdem wir uns verpflegt hatten, besuchten wir den Jarlshof, der als bedeutendste Ausgrabungsstätte Großbritanniens gilt.

Der Jarlshof ist ein ganz besonderes Ensemble archäologischer Funde von der Bronze- bis zur Neuzeit. Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe zueinander. Das Gelände kann exessiv begangen werden, das heißt, man kann die Reste betreten und auch anfassen.

Man findet Rundhäuser aus verschiedenen Epochen, eines davon wird als Schmiede assoziiert, und überall stehen primitive Mahlvorrichtungen herum.

In den Alkoven wurde wahrscheinlich geschlafen.

Das Gebäude oben links im Bild ist neu und enthält eine kleine Ausstellung.

Neben bronzezeitlichen Rundhäusern findet sich ein halber Broch (ein Wohnturm aus den ersten vorchristlichen Jahrhunderten, die andere Hälfte wurde vom Meer weggerissen), dann ein Hof aus der Wikingerzeit, mittelalterliche und spätere shetländische Bauernhäuser und ein Herrensitz. Letzerer ist wirklich klein, dominiert aber das Gelände und wird von den Ansässigen als störend empfunden, als handele es sich um ein Hochhaus, da er von einem schottischen Adligen errichtet wurde, und Shetländer sind nun mal keine Schotten.

Der Landsitz des Anstoßes.

Blick vom Herrenaus über einen Teil der Anlage. Der Name Jarlshof ist übrigens irreführend, er stammt von dem Schriftsteller Walter Scott (Ivanhoe, den Film dürften alle gesehen haben …), der das Herrenhaus so bezeichnete, was daran liegen dürfte, dass die romantisierenden Historienschriftsteller des 19. Jahrhunderts in dieser Hinsicht nicht so den Überblick hatten. Die Wikingersiedlung dürfte einen Jarl nie erlebt haben, dafür sind die Gebäude wohl zu klein.

Auf dem Rückweg erlebten wir die irritierende Straßenführung zum zweiten Mal und besuchten das Shetland Croft House Museum. Hier ist ein typisches Bauernhaus zu einem Museum gestaltet worden, mit authentischer Einrichtung. Man kann es begehen und die Dinge sogar anfassen.

Das Innere ist recht eng und besteht aus zwei Wohnräumen, einer Diele und einem Stall – es befand sich also alles unter einem Dach. Dies ist Heizung und Kochstelle in einem.

Ein typischer Shetland Shawl, wie er von den Bewohnerinnen getragen wurde.

Die Schlafschränke hielten die Wärme und sorgten für ein wenig Privatsphäre. Oben das unvermeidliche Spinnrad.

Die Anlage vom Garten aus.

Zweitverwertung: kleinere Nutzbauten wurden gern mit ausrangierten Booten gedeckt.

Der Nutzgarten wird durch eine Mauer vor dem Wind geschützt.

Shetlandponies gehören auch dazu. Also, die sind wirklich ganz, ganz klein und gehen mir nicht mal bis zur Hüfte.

Beschlossen haben wir den Tag in Lerwick, und zwar hier: Bei Jamieson & Smith. Noch ‘n Paradies, sozusagen. :D

Im Inneren herrscht Fülle, ein großer Verkaufsraum mit dem Sortiment.

Am zweiten Tag unseres Aufenthalts besuchten wir zunächst das Shetland Museum am Hafen.

Von der Eingangsseite recht unauffällig, ist die Rückseite von architektonischer Dramatik.

Gezeigt wird die Geschichte der Shetland-Inseln unter unterschiedlichen Aspekten:

Geologisch …

… archäologisch

… zoologisch

… und vor allem kulturhistorisch. Dies ist ein Nachbau eines typischen Hauses, wie es auf den Inseln noch bis ins 18. Jahrhundert bewohnt wurde.

Alles auf engstem Raum, und das Schwein (eine Art Wild-Hausschwein-Kombination) mittendrin.

Nix für Individualisten: Schlafen in einer Schublade, mit allen in einem Raum.

Der Bootsraum

Natürlich darf auch …

… Up Helly Aa nicht fehlen.

Beleuchtet wird das Leben auf den Inseln unter verschiedenen Aspekten von der Steinzeit bis in die Moderne. Für Stricker und sonstige Faserverrückte ist das Museum ein Paradies, denn diesem Bereich sind diverse Vitrinen gewidmet, die Fair-Isle-, Lace- und sonstigen Gebrauchsstrickereien zeigen.

Es beginnt mit einfachen Geräten zur Faser- und Wollverarbeitung …

… wobei Spinnräder auch nicht fehlen dürfen …

… kommen dann die Strickwaren, die zunächst mit der Seefahrt eng verbunden sind.

Diese Exponate stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Weitere frühe Exemplare

Die Britische Oberschicht entdeckt die Fair-Isle-Strickerei

Verbindung zur Heimat in schwieriger Zeit: Der Fair-Isle-Pullover eines Shetlanders in Kriegsgefangenschaft (2. Weltkrieg)

Kontinuität: moderne Beispiele lokaler Stricktradition

Auch die Lace-Strickerei wird thematisiert.

Im Vordergrund: die feinste hier hergestellte Strickspitze aller Zeiten.

Das Museumsrestaurant: In jeden Tisch ist ein Beispiel lokaler Textilkunst eingelassen.

Das Museum ist rundherum empfehlenswert: Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist gut aufgebaut und sehr informativ und spannend, und die Gastronomie ist ausgezeichnet.

Nach dem Museumsbesuch gingen wir erst mal den Mietwagen abholen und kamen am nördlichsten Barbier Großbritanniens vorbei.

Nun motorisiert, entschlossen wir uns, nach Sandness zu fahren. Sandness ist kaum auf einer Karte zu finden, und die Straße ist überwiegend einspurig, kurvenreich und voller Schafskacke. Aber man könnte Sandness durchaus als eine Art Nabel der Welt bezeichnen.

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Die Straße nach Sandness

… und die Landschaft

Sogar die Heide hat geblüht.

Und Schafe gab es reichlich.

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Die meisten ignorieren Autofahrer völlig. Die hiesigen Schafe sind klein, meist hornlos und meist weiß.

Shetlandponies gibt es natürlich auch. Sie sind unwesentlich größer als die Schafe, zäh und vom Charakter eher schwierig.

Der Untergrund ist auch gern mal torfig oder sumpfig; Torf gestochen wird hier auch.

Dies ist Sandness, das Ziel unserer Reise. Nun werdet Ihr Euch fragen: “Was will die da eigentlich, und die Antwort ist hier:

Man macht sich von Orten, die man nicht kennt, ja immer so seine Vorstellungen, und die stimmen nicht immer mit der Wirklichkeit überein. Dies, liebe Damen, ist Jamieson’s of Shetland höchstpersönlich. Das Hauptquartier, sozusagen. Man kann also behaupten: So sieht das Paradies aus.

Und hier ist der Verkaufsraum. Es gibt Jamieson-Garne in allen möglichen Qualitäten, dazu Strickwaren aus ihrer Wolle und das alles zu wirklich sehr günstigen Preisen.

Die Leute, die dort arbeiten, sind unglaublich freundlich, und wir durften auch die Manufaktur besichtigen. Wir konnten uns völlig frei bewegen und uns alles ansehen. Hier ein paar Impressionen:

Hier werden Strickwaren maschinell hergestellt.

Hier werden die Teile zusammengenäht.

Straße der Spinnmaschinen

Spinnmaschinen

Das Kardieren

Wollwaschstraße

Nach dem Waschen, vor dem Kardieren

Das Lager mit der Rohwolle

Die hauseigene Weberei

Das Schären der KettfädenH

Und ein hauseigener Veteran, an dem auch gearbeitet wird.

Überall stehen hauseigene Produkte herum, in jeglicher Form

Als kardierte und gefärbte Ware

… und als Endprodukt.

Es war ein hochinteressanter und lohnender Besuch, der jedem, der sich für Faserverarbeitung interessiert, nur wärmstens zu empfehlen ist.

Als wir diesen Garten Eden wieder verließen, fuhren wir noch zu einem wunderschönen Strand. Wenn ich im Zusammenhang mit Schottland von “Strand” spreche, meine ich möglicherweise etwas anderes, als die meisten assoziieren. Gebadet wird eigentlich nicht, dafür ist es zu kalt, aber die Orte sind einfach wunderschön, verwunschen und abgeschieden.

Dies ist jedenfalls Meal Beach:

Das Wetter war inzwischen sehr schottisch (wobei man sagt, dass man auf den Shetlands jede Jahreszeit täglich ein Mal erlebt), und hier macht man natürlich so etwas wie “mit dem Auto direkt am Strand parken” oder sogar direkt auf den Strand fahren nicht, und vermutlich würden die lieben Leute hier eine Art kollektiven Herzinfarkt erleiden, wenn man das spärliche aber völlig ausreichende Straßennetz in dieser Richtung erweitert wollte. Jedenfalls hat das Wasser in Strandnähe auch bei zunehmender Schottischkeit des Wetters noch eine fast schon karibische Farbe (Mutter Jinx und ich hatten völlig durchnässte Hosen, und den Rucksack von M. J. konnte man auch auswringen).

An den Wassertropfen auf der Linse sieht man, wie schottisch es war. :D

Shetland-Mainland ist ausgesprochen wasserreich; meistens sieht man entweder das Meer oder aber einen See.

Natürlich ist von solchen Bedingungen die Tierwelt begeistert: Es gibt zahlreiche Vogelarten (hier befrage man einen Ornithologen) und sogar Straßenschilder, die vor Otterwechsel warnen, was bei dem vielen Süßwasser kein Wunder ist.

Die Shetlands sind einfach grandios, und das bei jedem Wetter.

Fortsetzung folgt!

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