February 8, 2012 - ט"ו שבט תשע"ב
Es ging wieder Richtung Norden, aber anders als im Jahr davor beschlossen wir, uns mit der Überfahrt Zeit zu lassen (das konnten wir uns dieses Jahr nämlich leisten, da wir drei Tage auf Unst bleiben würden). Also haben wir einen großen Teil des Tages auf der Insel Yell verbracht.
Jede Insel ist anders, und das gilt auch für Yell. Zunächst statteten wir dem dortigen Heritage Center einen Besuch ab.
Es befindet sich in der alten Haa (eine Haa ist ein größeres Anwesen, zumindest für dortige Verhältnisse, das einem Landbesitzer gehörte).
Blick auf das Meer.
Zur Haa gehört auch ein Garten, der sehr geschützt liegt.
Hier entwickelt sich eine für die Shetland Isles ungewohnte Blütenpracht.
Im Inneren beherbergt die Haa einen wunderbaren Tea Room mit ausgezeichneten Kuchen und das Heritage Center.
Gezeigt werden natürlich Gegenstände des täglichen Lebens.
Der Schwerpunkt liegt hier jedoch auf der Seefahrt …
und besonders dem Walfang.
Viele Familien lebten davon, natürlich zu einer Zeit, als es noch nicht politisch unkorrekt war, sondern Tran ein begehrtes Gut darstellte.
Die Walfänger fuhren bis nach Grönland und knüpften Kontakte zu den Innuit. Diesen ist ein eigener Raum im Heritage Center gewidmet.
Zwei Routen führen in den Norden, zur Fähre nach Unst, und wir entschieden uns für die längere Ostroute, wo die Sehenswürdigkeiten liegen. Blick von der Straß auf das Meer.
Yell ist lieblicher als Mainland und vor allem Unst.
Unser nächster Besuch galt der White Wife.
Sie ist ein Mahnmal für ein Schiffsunglück, das sich 1924 an dieser Stelle ereignete. Ein deutsches Schiff, das vom Kurs abgekommen war, lief auf Grund und sank. Die meisten Seeleute konnten gerettet werden, was angesichts dieser abgelegenen Stelle eine enorme Leistung war. Vier ertranken jedoch und wurden auf Yell bestattet. Die Insulaner bargen die Galionsfigur und stellten sie am Ufer auf, sodass sie auf die Stelle des Unglücks blickt. Sie wird bis heute liebevoll restauriert und gepflegt, sodass sie in einem hervorragenden Zustand ist – vor allem angesichts der dortigen Witterungsverhältnisse und des Materials.
Da White Wife – auch ein Symbol für die Freundlichkeit der Shetlander und die Solidarität der Menschen, die von der Seefahrt leben, untereinander.
Unsere nächste Station war der vielleicht schönste Strand der Inseln: West Sandwick Beach
Der Strand hat keinen Parkplatz; man stellt sein Auto irgendwie an der Straße ab, sodass es möglichst wenig stört, und man erreicht ihn über einen schmalen Pfad.
Das Wetter war an diesem Tag einfach unglaublich; Wasser und Himmel waren wirklich so blau wie auf den Fotos.
Die schwarzen Pünktchen am und im Wasser waren junge Shetlander, die an diesem herrlich warmen Tag (also, es hatte bestimmt 18 Grad in der Sonne) ein Bad nahmen. Für ca. 2 Minuten. Über die lokale Bademode kann ich berichten, dass der Shetlander von Welt Ganzkörper-Neoprenanzüge in modisch-klassischem Schwarz trägt. Ich habe es dabei belassen, meine Füße zu baden und würde die Wassertemperatur auf gediegene 6 – 8 Grad schätzen.
Während Mutter Jinx und ich den Strand erkundeten, entschloss sich Herr Jinx, ein Sonnenbad (ebenfalls in modisch-klassischem Schwarz) zu nehmen und ein wenig im Sand zu spielen.
Der Sand hatte es ihm nämlich besonders angetan.
Und auf diesem unterbelichteten Bild sieht man ansatzweise, warum: Der Sand besteht aus feingemahlenem Quarz, und was hier vereinzelt glitzert, glitzert bei Sonnenschein einfach überall – traumhaft!
Hinter dem Strand erstreckt sich eine Dünenlandschaft.
Das Wasser bleibt lange flach, und es ragt eine Sandbank vor dem Ufer aus dem Wasser – zumindest bei niedrigem Wasserstand.
Der Ausdruck “kristallklares Wasser” ist hier kein Klischee, sondern realität, wie überall auf den Inseln.
Herr Jinx – sehr zufrieden mit der Gesamtsituation.
Oberhalb des Strandes – ein Kartoffelfeld.
Nachdem wir diese Oase verlassen hatten, nahmen wir die Fähre nach Unst und begaben uns zunächst in unser Hotel. Es ist das einzige der Insel, und wir fürchteten uns alle ein wenig davor. Herr Jinx vor den Betten, Mutter Jinx vor den Zimmern und ich vor dem Essen (es ist nämlich auch das einzige Restaurant hier). Völlig zu Unrecht! Das Essen war ausgezeichnet (sehr zu empfehlen: Haggis Gateau als Vorspeise!).
Untergebracht waren wir in diesen entzückenden Lodges. Die Zimmer waren sehr gemütlich und die Betten wirklich bequem.
Hinter den Lodges: Kühe. Auf den Inseln durchaus ein seltener Anblick.
Das Hotel liegt in Baltasound, dem größten Ort der Insel: 70 Einwohner.
Nach dem Einchecken zeigten wir Herrn Jinx Muness Castle. Es ist nicht groß, aber immerhin das einzige Schloss der Insel und in jeder Hinsicht ein Fremdkörper.
Was die Bevölkerung von Unst von diesem Schloss und seinem Erbauer, dem Bruder des Herzogs der Orkneys, hält, lässt sich recht gut an dieser Informationstafel ablesen. Dem war die Insel überlassen worden, und er ließ 1600 dieses Schloss errichten, in dem vergeblichen Versuch, auf Unst den höfischen Lebensstil zu etablieren, den er gewöhnt war. Die Insulaner mussten nicht nur diesen für ihre Verhältnisse riesigen Kasten errichten, sondern auch noch für den Lebensunterhalt dieses ihnen völlig unbekannten Menschen sorgen, obwohl sie selbst sehr arm waren. Sie wussten vermutlich nicht mal, wer das war und was der wollte, außerdem dürften sie seine Legitimation nicht verstanden haben. Dem Schloss war keine große Zukunft beschieden, denn nur eine Generation später war es verlassen. Die Bevölkerung hat es ordentlich abranzen lassen. Dem Shetlander an sich ist das Konzept des Adels nämlich zutiefst wesensfremd.
Das merkt man übrigens bis heute, denn man sieht auf den Inseln kaum Fotos der Queen. Als Prince William heiratete, habe ich extra die Online-Ausgabe der Shetland Times ausgiebig studiert, und ich wurde nicht enttäuscht: Diese Zeitung berichtet zwar über die mit kaputten Rücklichtern durch die Gegend fahren, aber über die königliche Hochzeit – nicht ein Wort. Man tat einfach, als wäre da nichts.
Danach fuhren wir bei dem berühmten Uns Bus Shelter vorbei. Idiotischerweise geriet mir der Riemen der Kamera vor die Linse, aber das diesjährige Thema kann man trotzdem erkennen: Tall Ships (analog zu dem Event im Hafen von Lerwick).
Schiffe auch im Inneren.
Ein Mann hat Hunger – Herr Jinx auf dem Weg zur Tankstellen-Café-Supermarkt-Kombination. Es ist der einzige Laden auf der Insel, und was es hier nicht gibt, das braucht man nicht so dringend und bestellt es im Internet. Es ist übrigens wirklich nicht tragisch, denn Lerwick mit seinem Tesco-Supermarkt erreicht man leicht innerhalb von etwas mehr als einer Stunde.
Gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Norwick (ca. 5 Minuten mit dem Auto), einer geologisch sehr interessanten Stelle, wo zwei unterschiedliche tektonische Platten aufeinandertreffen, was man an den Gesteinsformationen ablesen kann. Den Stock hat ein Geologie-Fan dort abgestellt, um besser zwischen den Steinen herumklettern zu können.
Die Gesteinsformationen befinden sich an einer sehr reizvollen Bucht.
Auf der anderen Seite der Formationen: feinster Sandstrand.
Simmer Dim auf Unst.





























































































































































































































































































































































