Momentan finde ich die Geschehnisse um eine bestimmte Wollmarke der handgefärbten Art nur noch befremdlich, und zwar von mehr als einer Seite. Ich habe selbst diverse Wollmeisen-Stränge; die meisten konnte ich erwerben, bevor das Shopsystem umgestellt und der internationale Markt diese Produkte entdeckte, was dazu führte, dass die Garne praktisch nicht mehr verfügbar sind. Das ist Glück für mich und ansonsten bedauerlich, aber kaum zu ändern, auch wenn dreiunddrölfzig Vorschläge, die durchs Internet kursieren, anderes vermuten lassen.
Außerdem hatte ich das Glück, letztes Jahr eine Mitgliedschaft im Sockenclub zu ergattern, und da ging das Befremdliche, das sich immer weiter steigert, schon los. Sehr viele Plätze gingen an BewerberInnen aus dem Ausland, und da konnte man vereinzelt und unter der Hand tatsächlich so eine Art Woll-Nationalismus heraushören – von wegen, die Amis, die selbst genug Handfärber haben, nehmen uns die Wolle weg. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass – hätte ich Pech gehabt mit dem Club – es mir völlig gleichgültig gewesen wäre, ob Uta aus München, Brigitte aus Essen oder Nancy aus Punxatawney “meinen” (*LOL*) Platz eingenommen hätten.
Gerade dieser Club ist nun die Quelle einigen Ungemachs, denn in den Aufnahmebedingungen stand, dass gebeten wird, von der Veräußerung der Stränge vor Ablauf der Mitgliedschaft Abstand zu nehmen. Das sollte man natürlich lesen, bevor man sich durch Absendung der Bewerbung automatisch bereit erklärt, diese Konditionen zu akzeptieren. Ich hab’s sogar gelesen – vermutlich aus Langeweile – aber viele tun das eben nicht, oder sie überlesen es in der Schnelle , oder sie haben es vergessen. Wie auch immer. Ich habe und hatte nicht vor, die Clubstränge zu veräußern, also betrifft es mich nicht. Ich habe es gelesen, mir gemerkt und durch die Mitgliedschaft mein Einverständnis erklärt – auch wenn mir dieser Punkt nicht logisch ist. Denn ich finde es nicht unfair, wenn ein Strang dieser Wolle in andere Hände gelangt, vor allem, da eine Veräußerung zu wohltätigen Zwecken da eine Ausnahme darzustellen scheint. Ich sehe keinen Unterschied zwischen dem knappen Gut Clubstrang, der verkauft wird (auf eigene Rechnung) und einem, der zu Charity-Zwecken angeboten wird. Das Ergebnis – der Strang wechselt den Besitzer und verlässt den Club-Kontext – ist dasselbe und gleich fair oder unfair. Ich sehe da ein ganz anderes Ungemach – Nachtwachen, um ja kein Update der regulären Ware zu verpassen und dann alles zu raffen, was nicht angenagelt ist, um es weiterzuverkaufen. Finde ich viel zweifelhafter als den Verkauf eines Clubstrangs, mit dem man nichts anfangen kann. Man sollte schon differenzieren zwischen planmäßiger Geschäftemacherei und dem einmaligen Anbieten eines Strangs, der der Person nun mal nicht liegt. Denn es geht zu weit, den Kunden das Verwahren von Wolle über ein bestimmtes Datum hinaus aufzuzwingen, wenn diese Wolle den Kunden nicht gefällt.
Nun drohen denen, die Clubstränge veräußern, Konsequenzen (so gelesen in einem Blog). In diesem Zusammenhang stelle ich ganz klar die Frage nach dem Datenschutz, denn das dort berichtete ist bei Wahrung desselben gar nicht möglich.
Die Diskussionen, die bei Ravelry und andernorts hochkochen, kann ich ebenfalls nur als befremdlich bezeichnen, ebenso wie die erste Wollmeisengruppe bei Ravelry mit einem gigantischen “Oh my gosh – Shop Update”- Thread und bizarren Postingregeln, die ich fast schon als militärisch – und damit als automatisch unangenehm – empfinde.
Außerdem nimmt eine ausufernde Diskussion ihren Lauf über Idioten, die hunderte von Euro für einen Wollmeisenstrang ausgeben, darüber, dass die Wolle eh zu teuer ist, der Club sowieso und überhaupt. Nun, ich finde es auch dämlich, überzogene Preise in Auktionen zu bezahlen, aber was den völlig regulären Handel angeht, so kann ich nur sagen: Gute Wolle hat ihren Preis, und besondere hat ihren ganz besonders. Die Wollmeise-Färbungen sind etwas besonderes für mich, weil sie mich ansprechen. Wer wie viel wofür ausgibt ist ohnehin eine rein subjektive Angelegenheit. Einer steckt Zehntausende in ein komisches Auto, mit dem er entweder im Stau steht, wenn er fahren möchte oder stundenlang herumkurvt, obwohl er der Wagen doch nur abstellen will (bizarr, nicht wahr?). Andere bestellen sich teure Garne aus den USA (ich bekenne mich schuldig), und wieder andere kaufen Quiviut für einen horrenden Preis (in diesem Anklagepunkt bin ich unschuldig, Euer Ehren!, mir gefallen und stehen die Farben nicht, und DAS Garn ist mir nun wirklich zu teuer).
Jeder muss wissen, wofür er oder sie das Geld lässt. An dieser Stelle finde ich es ehrenwert, dass die Wollmeisendame ihre Garne nach wie vor stoisch in ihrem Shop anbietet, wenn sie eben welche hat, trotz ich-will-gar-nicht-wissen-wie-vielen Mails von “oh bitte, sag mir privat, wann das nächste Update stattfindet” über “oh, bitte, ich möchte unter der Hand die Farben A, B und C in den Qualitäten X, Y und Z vorbestellen” bis hin zu “ich habe keine Clubmitgliedschaft und kam bei den letzten Updates zu kurz und finde das unfair” (diese Mails entstammen selbstverständlich meiner Phantasie, aber ich kann mir angesichts dieses Aufrisses kaum vorstellen, dass es derartiges nicht gibt). Es ginge auch anders: nämlich die Ware selbst zur Auktion zu geben und das ganz große Geschäft selbst zu machen.
Leute, es ist ganz einfach: Die Wolle gefällt Euch nicht? Kauft sie nicht. Ich verstehe auch nicht, dass jemand auch nur einen Cent in Acrylgarn oder in biedere Strickliteratur gleich welcher Provinienz investiert und tue das auch nicht dauernd in irgendwelchen Foren kund. Die Wolle ist Euch zu teuer? Siehe Punkt 1. Ihr findet den Hype lächerlich? Ich auch. Ich denke, dass so ziemlich alle Beteiligten sich inzwischen so richtig schön verrannt haben, und genau das ist der Punkt, an dem ich mich zurückziehe. Ich habe zwei Wollmeisenstränge verschenkt, einen, den ich sehr mochte, weil ich jemandem eine Freude machen wollte (es ist gelungen, btw) und den anderen habe ich im Blog verlost, da mir die Farbe in natura nicht so gut gefiel (und vor allem nicht zu mir passte). Der Empfängerin gefiel er wohl, sie strickte einen wunderschönen Schal daraus, der ihr ganz hervorragend steht, dem Foto nach zu urteilen. Sollte mir nochmal ein Strang unterkommen, mit dem ich nichts anfangen kann, werde ich ihn wieder weitergeben, ohne Gegenleistung, da ich nunmal daran glaube, dass Dinge Bewegung brauchen, um keinen Staub anzusetzen, und zwar nicht nur im realen Leben, sondern auch im Geiste. Und das kann durchaus auch mal für einen Clubstrang gelten, wenn für mich die Zeit gekommen ist, mich von ihm zu trennen. Ja, ich werde ihn weitergeben, einfach so. Vielleicht um ein Zeichen zu setzen gegen den Hype. Denn es gibt nichts Entspannenderes als das entspannte Loslassen von Dingen, um die sich Leute bereit sind, mit Zähnen und Klauen zu balgen.
Ansonsten lehne ich mich entspannt zurück und ruhe mich auf meinen Wollmeisen aus, wobei ich einen Pullover daraus plane (und das kann dauern). Um den Hype nicht weiter zu unterstützen, werde ich jegliches Tausch- oder Handelsansinnen in Zukunft ohne weiteres Ansehen ablehnen. Für den Sockenclub werde ich mich wieder bewerben, sollte es einen geben, denn ich kann mit den Konditionen leben, auch wenn ich inzwischen – wie gesagt – finde, dass einiges dort doch etwas zu weit geht. Sollte dieses Tralala allerdings noch lange weitergehen, so überlege ich es mir nochmal. Ich hoffe, dass sich das alles wieder fängt und die Beteiligten zur Besinnung kommen, bevor noch mehr die Lust an dieser schönen Wolle verlieren. Denn es ist letztendlich doch nur Wolle, wenn auch eine besonders schöne.
Ich werde mich also aufs Stricken beschränken, das entspannt und klärt den Geist.