Knitting / Stricken online


Und wieder eine Wollschaffrage:

Wo ist die Grenze zwischen “gerne stricken” und richtig “stricksüchtig sein”? Wo ordnest Du Dich ein? Gehst Du Käufe eher nüchtern an und kaufst genau für Dein Projekt ein oder kannst Du Dich in einem Wollgeschäft “nicht beherrschen” und kaufst eher wahllos ein. Hast Du ein kleines Strickkörbchen manierlich mit einem Projekt da stehen oder erstickst Du in Wollknäueln? Was ist eigentlich Stricksucht? (Ich gehöre übrigens zu den Stricksüchtigen!)
Ich würde mich als leidenschaftliche Strickerin bezeichnen, und wenn ich irgendwo unterwegs bin und mich langweile, dann bin ich immer froh, etwas zum Stricken dabei zu haben. Zum Stricken habe ich eigentlich fast immer Lust, und wenn es nur etwas ganz Einfaches ist (also ein Mindless-Projekt), das ich nebenbei stricke. Ob das jetzt nach neuesten psychologischen Erkenntnissen eine Sucht ist, weiß ich nicht, und es ist mir auch völlig wurscht, weil gerade diese Zunft dazu neigt, jedes Verhalten, das irgendwie von der Norm abweicht, zu kategorisieren und als Krankheit oder Sucht zu klassifizieren.

Mein Einkaufsverhalten ist eher selektiv, meist kaufe ich für konkrete Projekte, ganz selten mal “einfach so”. Ich achte sehr auf Zusammensetzung und Qualität, sodass die meisten angebotenen Garne für mich nicht interessant sind, und die kaufe ich dann auch nicht, egal ob sie einmalig günstig (z. B. saisonale Angebote bei Discountern) oder Sonderangebote sind. Wenn ich ein einmalig schönes Garn sehe, z. B. im Urlaub, kann es sein, dass ich auch mal ins Blaue hinein kaufe und mir später überlege, was ich daraus mache. Aber ich habe ja auch einen kleinen Stash, auf den ich zurückgreifen kann.

Meine Projekte ufern momentan leider etwas aus, ich habe viel angefangen und muss mich jetzt zusammenreißen, die Sachen auch mal zu beenden, da mich die Projektbeutel langsam nerven. So etwas passiert bei mir phasenweise.

Nachdem das Wollschaf umgezogen ist und die Fragen wieder interessanter werden, mache ich mal wieder mit.

Welche Strickbücher stehen überwiegend in eurem Schrank?
Hier eine Entscheidungshilfe, evtl. für eine Rangfolge:


a) Musterbücher für die eigenen Designs

Da habe ich einige, besonders die mehrbändigen Ausgaben von Barbara Walker, Vogue etc. Weniger interessant sind für mich die etwas trashig daherkommenden, preislich allerdings sehr günstigen Kompendien, die es manchmal auf Wühltischen gibt.


b) Technik- und Grundlagenbücher wie von Katharina Buss, Hanna Jaacks, Nicky Epstein, etc..

Habe ich, allerdings nur zwei. Irgendwann ist es mal gut mit den Grundlagen …

c) Sockenanleitungen

Diverse. Besonders für ausgefallene Designs. Allerdings kaufe ich da nur noch ganz besondere Sachen, denn es wiederholt sich einfach zu viel.

d) Designerbücher wie Starmore, Fassett, Schulz, etc.

Ebenfalls diverse. Wenn ich den Designer mag. Sonst kaufe ich das nicht (das Gruselbuch von Nicky Epstein war ein Ausrutscher …)

e) Magazine und Hefte wie Rowan International, Knitters, Verena, Sabrina etc.

Ich habe die Interweave Knits abonniert und kaufe oft das Rowan-Heft. Verena & Co. üben keinen Reiz auf mich aus. Es ist nicht so, dass mir in der Interweave alle Modelle gefallen (seit Eunny Jang übernommen hat, wird es immer weniger), aber die sonstigen Beiträge sind nach wie vor interessant für mich. In deutschen Heften ist das nicht so.

f) Klassiker wie Elisabeth Zimmermann, Barbara Walker, Lisl Fanderl etc.

Habe ich, sind mit die wichtigsten Bücher, die ich besitze.

g) Romane, die das Stricken zum Thema haben

Nee. Das einzige Stück Literatur, das das Stricken thematisiert und dass ich literarisch ansprechend fand, war “A Needle for the Devil” von Ruth Rendell (eine Kurzgeschichte). Der Rest, den ich angelesen habe? *schnarch*.


h) Schön bebilderte großformatige Bücher wie Nordic Knitting, Poetry in Stitches etc.

Ja, wenn mich die Anleitungen ansprechen.


i) Neuerscheinungen, egal welcher Richtung

Das kommt auf die Neuerscheinung an. Es wiederholt sich sehr viel, sodass man bei vielen Büchern das Gefühl hat, das alles irgendwie schon mal irgendwo gesehen zu haben. Ich kaufe Neuerscheinungen nur, wenn sie mir etwas Neues bringen und Modelle beinhalten, die ich attraktiv finde.
Was mir noch fehlt: Bücher zu speziellen Stricktechniken wie Double Knitting, Entrelac, Brioche, Fair-Isle, Aran etc.

Was mir auch fehlt: Bücher, die sich dem historischen Aspekt des Stricken widmen. Da habe ich auch einige.

Alles, was es gibt, gibt es auch gestrickt

Everything that exsists is available in a knitted version as well …

Guten Morgen, auch der Spiegel hat’s gemerkt: Es wird wieder gestrickt. Toll, dass diese völlig neue und sensationelle Nachricht unters Volk gebracht wird. Und danke für diese differenzierte und wohlrecherchierte Plotte. Der Spiegel verortet das Stricken in studentischen Kreisen und deutet strickende Männer als “metrosexuell”. Da wird sich die Mehrheit der strickenden Männer sicherlich gar nicht mehr zu lassen wissen vor Freude (und mir drängt sich der Eindruck auf, dass sich das Blatt nur nicht getraut hat, zu schreiben, dass es strickende Männer für schwul hält). Auch wenn es meinen Horizont übersteigt, was nun ein Handwerk mit der sexuellen Orientierung oder einem extravaganten Lebensstil zu tun hat. In diesem Zusammenhang hätte ich auch noch eine Frage: In den vergangenen Jahrhunderten war das kommerzielle Stricken zunächst reine Männersache, und im 17. und 18. Jahrhundert wurden z. B. Soldaten dazu angehalten, zu stricken. Ganz zu schweigen von Schäfern, die dies auch taten und teilweise bis heute tun. Waren und sind die jetzt auch alle metrosexuell?

Dieses Juwel der sauberen journalistischen Recherche bestärkt mich darin, dass es richtig war, mit der Presse bis auf Weiteres einfach nicht mehr zu sprechen. Und nein, ich finde es nicht toll, dass überhaupt mal was über das Stricken geschrieben wird, ich bin auch nicht dankbar, dass das Hobby mal wieder Erwähnung findet. Ich bin auch da für Qualität statt Quantität.

Ich habe tatsächlich gewonnen, und auch noch einen der Hauptpreise. Ich kann es gar nicht fassen. Alles Weitere hier.

Bei Faserkünstlerin Jana gibt’s was zu gewinnen. Also nix wie hin!

Ich bin Mitglied bei Flattr geworden, einem Micropayment-System, das darauf beruht, dass man Inhalte, die einem gefallen, auf freiwilliger Basis  mit Kleinstbeträgen honoriert. Es ist eine etwas altruistische Angelegenheit, die auf Geben und Nehmen beruht und vermutlich eine hoffnungslose, denn die Strickszene ist auf dem Gebiet des Internets eher konservativ eingestellt. Ich habe es also eher aus Prinzip getan, da ich die Idee gut, richtig, wichtig und unterstützenswert finde.

Man sieht übrigens nicht, wer einen unterstützt, d. h. es ist ein streng asymetrisches Medium, das den Arschkriech-Faktor somit minimiert.

Der Button befindet sich im Sidebar unter der Blogroll.

I became a member at Flattr’s, a micropayment system. It’s based on the thought that people can support content they like with small amounts of money. It’s sort of altruistic, this give-and-take thing, and probably it’s hopeless to try this with the German online knitting scene which is rather conservative in internet affairs. But I did it as a matter of principle because I think the idea behind it is good, right, important and worth supporting.

The button is located at the sidebar under the blogroll.

Informationen über flattr / Informations about flattr:

Endlich mal wieder eine interessantere Frage, die beantworte ich auch mal wieder. ;)

Welche Bücher sind Musthaves, welche kann man sich schenken?

Die Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, da es darauf ankommt, welche Dinge man gern strickt bzw. welche Techniken einen interessieren. Daher gibt es hier eine sehr persönliche Auswahl:

  • Die Bücher von Elizabeth Zimmermann – weil sie meinen Geist befreite und mir die Unabhängigkeit von Anleitungen verschaffte
  • Vogue Knitting – für mich das beste Buch für Technik im Überblick
  • Beth Brown Reinsel: Knitting Ganseys – für alle Liebhaber traditioneller Fischerpullover
  • Susanna Pagoldh: Nordic Knitting – alt aber gut: ein Überblick über nordische Stricktraditionen
  • Shirley Paden: Knitwear Design Workshop – sehr technisch, für alle, die Strickstücke selbst entwerfen das beste seiner Art
  • Lynne Barr: Reversible Knitting – für innovative Muster
  • Kaffe Fassett: Pattern Library – eine geniale Mustersammlung des Meisters
  • Margaret Radcliffe: The Essential Guide to Colour Knitting Techniques - wie der Name sagt: ein Überblick über die verschiedenen Techniken der Farbstrickerei
  • Janet Szabo: Aran Sweater Design – für die, die Arans lieben
  • Barbara Walker: The … Treasury of Knitting Patterns – immer noch die beste Mustersammlung
  • Priscilla A. Gibson-Roberts: Simple Socks, plain and fancy
  • Ann Feitelson: The Art of Fair Isle Knitting – besser als das Buch von Starmore zum Them

Das sind meine Essentials, der Rest ist Geschmackssache und eine Frage der persönlichen Vorliebe. Es gibt noch sehr viele gtue Bücher, viel gesundes (oder ungesundes Mittelmaß) und auch viele schlechte bzw. welche aus dem Souterrain des Geschmacks.

Sparen kann man sich auf jeden Fall das x-te Buch zum Thema Pullover, Socken, Schals etc., das nur Altbekanntes enthält und einen weder technisch noch vom Design her weiterbringt.

Für die Freunde nordischen Strickens gibt es ein isländisches Online-Strickmagazin. Bitte hier entlang: Knitting Iceland

In letzter Zeit haben wieder einige Leute ihre Blogs aufgegeben und engagieren sich vermehrt bei Ravelry, bei mir ist es eher umgekehrt. Ich mag Ravelry, bin jeden Tag dort, um mir Dinge anzusehen, Muster herauszusuchen, fertige Projekte zu betrachten usw., aber mein Blog ist irgendwie meine Burg. Hier kann ich sein, und vor allem: Hier kann ich schreiben, was ich will, wie ich es will, in einer Ausführlichkeit, für die Ravelry schlicht keinen Raum bietet und auch gar nicht bieten kann.

Ich bedaure das Verschwinden einiger Blogs ebenso wie die Tatsache, dass andere nicht mehr oder kaum noch gepflegt werden. Dort sah man nicht nur Strickstücke, sondern bei den interessanteren war auch eine Menge von der Persönlichkeit der Autorin zu erkennen und von ihrer Individualität. Bei Ravelry verschwindet dies fast völlig, sie gehen in der Masse unter. Sind Blogs im Idealfall Aran oder Fair-Isle, so ist Ravelry in der Gesamtheit eher glatt rechts, sozusagen.

Da ich weiß, wie man anständig und zielführend recherchiert, ist es mir nie passiert, dass ich mich dort verfranzt habe und zwischen “friends”, Projekten, Foren und Gruppen verlor, wie machmal zu lesen ist. Ravelry ist die größte und beste Mustersammlung, die ich kenne, und ich verdanke ihm einige meiner schönsten und lohnendsten Projekte. Und dennoch sehe ich das Ganze eher pragmatisch.

Ich stricke nunmal lieber, als endlos über das Stricken zu lesen oder zu diskutieren, vor allem wenn ich dabei nicht stricken kann, weil ich tippen muss. Obwohl ich das bin, was man “internetaffin” nennt, findet der wichigste Teil meiner Hobbyausübung – auch abseits des Strickens und Spinnens – offline statt. So passiert es mir nie, dass ich “friends” mit Freunden verwechsle, und eine nette Bekanntschaft per Internet vertieft sich bei mir immer nur außerhalb desselben (sagt die Frau, die ihren Herrn Jinx zum ersten Mal im Internet traf …). So projiziiere ich auch keine bizarren Erwartungen an Online-Bekanntschaften, und ich komme am besten mit denen aus, die das genauso sehen.

Was mich jedoch am meisten auf eine innere Distanz zu großen Communities wie Ravelry gehen lässt, ist das Problem mit der kollektiven Intelligenz. Menschen sind keine Ameisen oder Bienen, die automatisch wissen, was sie zu tun haben, ohne dass es ihnen jemand erklärt. Bei Menschen ist das anders; im Idealfall bietet eine Gemeinschaft Gleichgesinnter jedem den Raum zur Entwicklung, zum Lernen, zur gemeinsamen Inspiration, der alle irgendwie voranbringt. Doch das funktioiniert nicht, wenn die Gemeinschaft zu groß wird. Je größer eine Gruppe, desto größer auch die träge Masse, die ebenfalls bewegt werden will – von denen anderen, denn würde sie sich selbst bewegen, wäre sie weniger träge. Dazu kommt, dass große Gruppen immer irgendwie auf einen eigenartigen Personenkult anspringen – oder zumindest Teile davon, und das geht für mich gar nicht. Wenn irgendwo Personenkult ist, bin ich ganz weit weg. Das menschliche Kollektiv wird niemals schlauer, zumindest nicht, wenn es eine gewisse Größe übersteigt.

Zu guter Letzt beherbergt eine große Datensammlung, wie eine Community es letztendlich ist, auch immer sehr viel Belangloses. Die fünf Bazillionen glatt rechts gestrickter Socken kann man bei der Mustersuche gut filtern, aber in den Foren … Es kann wirklich unglaublich mühsam sein, eine Antwort auf eine etwas speziellere Frage zu finden, wenn man in den Foren danach suchen muss. Wenn man Pech hat, wühlt man sich durch eine Million Banalitäten, bevor man so etwas wie eine passende Antwort findet. Im Zweifelsfall konsultiere ich zunächst Quellen außerhalb von Ravrelry, und erst wenn ich dort nicht fündig werde, betrete ich die Sümpfe der Beliebigkeit, also die Foren.

Momentan habe ich einen Inspirationsschub, viele neue Ideen warten auf ihre Umsetzung, und da ich keinerlei Bedürfnis habe, Anleitungen zu verkaufen oder nur aufzuschreiben (Entwerfen ist toll, ausformulierte Anleitungen schreiben ist doof), wird dies hier mein virtueller Hauptwohnsitz bleiben.

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