March 9, 2011 - ג' אדר ב' תשע"א
Stricken an ungewöhnlichen Orten: Altdeutsche Gemütlichkeit
Posted by Jinx under Faces of Hamburg , Public Knitting[8] Comments
Gestern waren wir wieder unterwegs, aber bevor wir uns unserem Hobby ergaben, haben wir dies hier besichtigt:
Dieses knubbelige Gebäude (oder in Kunsthistorikersprech: Der gedrungene Kuppelbau) ist der Eingang zum alten Elbtunnel. Der neue ist ja eine Autobahn, dessen Kachelung an öffentliche sanitäre Anlagen aus den Sechzigern erinnert, doch der alte hat deutlich mehr Charme. Zunächst stammt er vom Anfang des 20. Jahrhhunderts und ist im Darmstädter Stil errichtet (dem funktionalen Bruder des Jugendstils, gern verwendet für Industrie- und sonstige Zweckbauten). Man fährt mit einem Aufzug hinunter; das Treppenhaus ist für Besucher gesperrt.
Auch schick: Der Eingang zu dem Personenaufzug.
Viel Kacheln, Bürgersteige und eine schmale Fahrbahn. Das Fehlen der Neonbeleuchtung, wie sie im neuen Elbtunnel installiert ist, reduziert das Toilettenfeeling ganz gewaltig.
Kachelreliefs aus einer Zeit, als man noch Wert auf Verzierungen legte (und diese noch bezahlbar waren): Maritime Motive. Mir geht es da ein bisschen wie mit den barocken niederländischen Fressalien-Stillleben: Ich kriege bei der Betrachtung immer ein bisschen Hunger.
Na gut, bei dem nicht so. Dies fällt eher in die Kategorie “possierlich” (wie Professor Grzimek gesagt hätte).
Nach 426,5 Metern ist das Ende des Tunnels erreicht, und man fährt mit einem Aufzug nach oben. Hier ein Blick in das Treppenhaus.
Blick von Steinwerder aus über die Elbe, genauer gesagt, auf die Kehrwieder-Spitze der Speicherstadt. Die Baustelle ist unser ureigenes Stuttgart 21, die Elbphilharmonie, inklusive gigantischer Kostenexplosion. Im Modell sah das Ding übrigens ungleich attraktiver aus. Es wird u. a. ein Luxushotel beherbergen und soll internationales Publikum anziehen, also Klassikfans, die sich den Genuss erstklassiger Ensembles an fremden Orten eine schöne Stange Geld kosten lassen, also so wie in Sydney, Mailand oder New York. Problematisch nur, dass Hamburg so ein Orchester gar nicht hat. Daher wird wohl das Symphonieorchester des Norddeutschen Rundfunks dort spielen. Die Attraktivität eines solchen Angebots auf internationales, sehr verwöhntes Publikum mag getrost bezweifelt werden.
Blick auf die leider gerade in Restaurierung befindlichen Landungsbrücken und den Alten Elbtunnel.
Dann ging es zurück zum Nordufer der Elbe; natürlich um zu stricken, und zwar in diesem Hotel. Eigentlich wollten wir ja in die berühmte Tower Bar, aber die war – wie in der tiefsten Provinz – geschlossen, und daher mussten wir in die bräsig-altdeutsche Bierstube ausweichen. Anstelle uns mit Cocktails in stilvoller Atmosphäre gepflegt einen zu löten, musste es eben Cola-Rum sein.
Die Bar ist holzgetäfelt, schummrig und sehr dekoriert, und zwar mit allem möglichen Tand, der in den Tourifallen am Hafen als “maritime Dekorationselemente” bezeichnet wird. Wir saßen in der Nähe einer imitierten Galeonsfigur, die wohl eine Art Transvestit darstellte. Wer diese Lokalität aufsuchen möchte, sollte woanders essen, denn so richtig empfehlenswert waren die Würstchen nicht …
Aber das Stricken war natürlich trotzdem lustig, allein schon wegen der Blicke der Geschäftsleute und Touristen.






































