March 5, 2011 - כ"ט אדר א' תשע"א
Everyday Zen / Zen des Alltags
November 8, 2010 - א' כסלו תשע"א
Ist Stricken spießig? Eine Meditation in wahrscheinlich zwei Teilen, Teil 1
Posted by Jinx under Everyday Zen / Zen des Alltags , Geek Stuff , Own Stuff / Eigenes[10] Comments
Man lernt nie aus, und eine Diskussion bei Ravelry hat mir durch die Eigenwilligkeit und die Argumentation neue Horizonte eröffnet, da manche der angeführten Argumente mir bei Diskussionen zu einem kulturhistorischen Thema völlig unbekannt waren und ich da auch niemals selbst darauf gekommen wäre. Jedenfalls hat mich diese sehr lehrreiche Diskussion dazu angeregt, wieso Stricken als spießig gilt und warum, und was spießig eigentlich bedeutet.
Spießig?
Über den Begriff “spießig” dürfte ungefähr dieselbe Einigkeit herrschen wie darüber, was schön, hübsch, niedlich, lecker, häßlich oder kitschig ist. Der Begriff “spießig” ist vielleicht noch mehr als der Schönheitsbegriff einem zeitlichen und gesellschaftlichen Wandel unterworfen. So dürfte heute unter Menschen unter fünfzig eine weitgehende Einigkeit darüber herrschen, dass der in Öl geronnene röhrende Hirsch aus dem Kaufhaus nun eindeutig spießig ist, auch auf die Schrankwand in Gelsenkirchener Barock mit gelben Butzenscheiben (sorry an alle Gelsenkirchener an dieser Stelle, ich habe den Begriff nicht erfunden …) wird man sich größtenteils noch verständigen können, aber da hört es dann auch schon auf – und bei Menschen über 70 dürfte die Akzeptanz derartiger Produkte deutlich höher ausfallen. Spießig bedeutet immer auch provinizell, rückständig, altmodisch und unbedarft, es impliziert den fehlenden Mut zu geistiger Weite, erweiterten Horizonten und eigenständiger gedanklicher Leistung. Somit ist klar: Spießig sind immer die anderen. Spießigkeit ist mehr als ein ästhetischer Begriff, es drückt immer auch eine Lebenseinstellung aus, und zwar eine von Leuten, denen man nach Möglichkeit aus dem Wege geht.
Spießigkeit hat jedoch auch eine visuelle Komponente, und zwar, wenn man Gegenstände durch ihre äußere Erscheinung einer spießigen Lebenseinstellung zuordnen kann – oder, genauer: einer Lebenseinstellung, die man selbst für spießig hält. Wobei man diese Gegenstände durchaus differenziert betrachten kann, dann wird man den Gegenstand quasi zerlegen in die ästhetische und die handwerkliche Komponente. So ist man auch durchaus imstande, die handwerkliche Perfektion eines gruseligen Pullovers in dem Stil zu würdigen, der hierzulande als “norwegisch” bezeichnet wird, auch wenn man persönlich mit diesem Teil nicht mal in der tiefsten Provinz tot über dem Zaun hängen möchte. Kurz gesagt: Viele von uns haben erkannt, dass nicht alles, was gestrickt wird, schön, zeitgemäß und tragbar ist, auch wenn es handwerklich perfekt ist. Eine Sonderrolle nehmen hier die Handarbeiten ein, die einen hohen ästhetischen Wert haben, aber von ihrer äußeren Erscheinung nicht mehr recht zu modernen Einrichtungen oder zum modernen Leben passen. Die wird man vielleicht nicht als spießig bezeichnen, aber man legt das Deckchen doch nur aus, wenn Tante Gertrud zu Besuch kommt, da es zur Einrichtung im funktionalen Stil doch nicht so ganz passend wirkt.
Das gilt auch für das weite Feld des Kitsches: Der kommt durchaus zu Ehren, als reizvoller Kontrast in einer fremdartigen Umwelt, wo er die perfekte Harmonie aus Farbe, Form und Funktion auf nicht minder perfekte Weise stört, sodass das Ergebnis den Touch der Unvollkommenheit aufweist, die das Vollkommene erst erträglich machen. Oft hört man “Ich hab’s auf dem Flohmarkt gekauft, es ist natürlich total kitschig, aber ich musste es einfach haben. Auf dem Regal im Wohnzimmer wird es perfekt sein”, und dann nickt man verständnisvoll und denkt versonnen an den eigenen, liebgewordenen Kitsch in der eigenen Wohnung. Tauscht man das Wort “kitschig” durch “spießig”, wird einem das nicht passieren (die, die das Wort ironisch-spielerisch verwenden, lasse ich mal außen vor). Kitsch hat seine Liebhaber, Spießigkeit nicht, und die, die das mögen, was andere als spießig empfinden, werden sich und diese Dinge kaum als spießig sehen (gern gebraucht wird hier das Wort “normal”, auch wenn eine gewisse Deckung mit dem Begriff “spießig” zwar vorhanden sein kann, aber in sehr unterschiedlichem Maße). Kitsch kann durchaus eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung genießen, was Spießigkeit nicht tut – oder nur im Kreise anderer Spießer.
Die Außen- und die Innenwirkung
Viele von uns, die stricken oder andere Handarbeiten ausführen, lesen oder hören, dass diese erbaulichen Tätigkeiten, die wir gerne tun (denn sonst würden wir sie nicht tun), landläufig als “spießig” bezeichnet werden, logischerweise von Menschen, die nicht handarbeiten. Manche ärgert das, sodass umfangreiche Rechtfertigungen ins Feld geführt werden gegen die Ignoranten oder gar “Aufklärungsarbeit” gefordert wird. Die Ursache für diese Bewertung traditioneller Handarbeiten hat m. E. eine ästhetische Komponente und eine soziologisch-kulturhistorische, und die ästhetische erschließt sich vermutlich leichter.
Wer das Stricken oder andere Handarbeiten als spießig bezeichnet, wird meist auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreifen, also das bewerten, was er gesehen hat (oder er tutet einfach nach, was andere mal gesagt haben, aber das ist nun wirklich völlig belanglos und kann getrost vernachlässigt werden). In dem Chor der Handarbeitsabwerter finden sich die, die durch Strickwaren aus der heimischen Produktion nachhaltig geschädigt wurden (oft liegt deren Jugend in den siebziger oder achtziger Jahren). Solche Strickwaren wurden oft von älteren Familienmitgliedern hergestellt, deren Geschmack einfach ein anderer ist als der nachfolgender Generationen und ohne Mitspracherecht bei Modell-, Muster- und Farbwahl. Diese Antwort erhält man oft bei Nachfragen, warum der Betreffende Handarbeiten denn spießig findet: Unfehlbar kommt die Sprache auf Mutter, Oma oder Tanten, die Dinge herstellten, die der Heranwachsende als hässlich und unzeitgemäß empfand – und zwar in einem Maße, dass die handwerkliche Meisterschaft völlig in den Hintergrund trat.
Oder es sind die, die mal eine beliebige Publikation zum Thema Handarbeiten in die Finger bekamen und das Gezeigte grauenhaft fanden, dass die das Heft oder Buch in die Ecke warfen, um sich mit dem Thema nie wieder zu beschäftigen. Viele Leute, die z. B. Gestricktes als spießig abtun, sind erstaunt, wenn man ihnen Gestricktes zeigt, dass nicht der erlernten Norm entspricht und oft überhaupt nicht als selbstgestrickt identifiziert wird – sondern als gekauft, was für hingebungsvolle Stricker ein eher zweifelhaftes Kompliment ist, so nett es auch gemeint sein dürfte. In beiden Fällen wird als spießig bezeichnet, was man als ästhetisch den eigenen Ansprüchen nicht genügend ablehnt, ohne dass man damit notwenigerweise den Lebensstil des Schenkenden in Frage stellt.
Zugleich spielt hier die Abwertung eine Rolle, die Handarbeiten allgemein seit etwa dem 18. Jahrhundert erfuhren. Als diese Handarbeiten überwiegend in zunftähnlichen Strukturen organisiert waren und – auf kommerzieller Ebene – von Männern ausgeführt wurden, waren sie natürlich nicht spießig, sondern kunstvoll und dem Handwerk zugerechnet. Durch die fortschreitende Industrialisierung, die ihren Anfang bereits im 18. Jahrhundert nahm, wurde die Herstellung von Textilien mit der Hand zunehmend in den häuslichen Bereich verdrängt, und es war natürlich auch kein Handwerk mehr, sondern Handarbeit. Das gilt sowohl für die Herstellung von Strick-, Häkel-, Näh-, Stick- und sonstigen Waren zum Zweck des Broterwerbs als auch für die Beschäftigung vornehmer Damen, die zwar weitgehend nutzlos war (da man den Kram auch kaufen konnte), aber wenigstens dazu diente, dass besagte Damen nicht aus dem Ruder liefen, sondern etwas zu tun hatten.
Handwerk = Handarbeit?
Beide Begriffe haben gemeinsam, dass sie etwas bezeichnen, was man mit der Hand hat; doch der Unterschied ist klein, fein und perfide, sodass er bis heute nachwirkt. Wir verstehen ihn heute eher intuitiv als intellektuell. Wenn man von “Handwerk” spricht, wird man kernige Zimmerleute vor dem inneren Auge haben, Schreiner, aber auch Klempner, Fliesenleger und Maler (nicht Kunst, die anderen). Das trifft den ursprünglichen Sinn nur zum Teil, denn das althochdeutsche werc hat eine schöpferische Komponente, die nachvollziehbar ist, wenn man an frühere Epochen von der Antike bis zur Neuzeit denkt, aber nicht so sehr, wenn man sich den Typen in Erinnerung ruft, der das Klo richtet (auch wenn diese Berufe durchaus eine schöpferische Komponente haben, wenn man auf einen kreativen Handwerker trifft und es bezahlen kann).
Der Begriff “Arbeit” ist schwammiger, auch wenn er eine schöpferische Komponente enthalten kann. Er ist vor allem allgemeiner und bezeichnet auch die allerstupideste Tätigkeit, die man kaum mit “Werk” bezeichnen würde. Und da kommen wir der Sache schon näher. Handarbeiten werden mit Geduld, Fleiß, Exaktheit, Mühe und enormen Zeitaufwand assoziiert, aber weniger mit Kreativität, Schöpfung und Eigenständigkeit. Wer sich in den Handarbeitsszenen umtut, wird feststellen, dass es dort alle Aspekte der “Arbeit” gibt: Leute, die einfache Dinge herstellen, damit sie sich entspannen können und keinen besonderen Anspruch an die eigenen Produkte haben, solche, die sich in technischer Hinsicht vervollkommnen wollen, die die einen historischen Ansatz verfolgen, bis hin zu denen, die eigene Kreationen entwerfen und Muster, Techniken und Materialien auf revolutionäre Weise mischen. Das alles läuft dann unter dem Begriff “Handarbeit”.
Es gibt keinen Grund, Handarbeitstechniken nicht als Handwerk zu betrachten. Beide haben einen praktischen Aspekt (im Gegensatz zur Kunst, die nur dazu da ist, um Kunst zu sein). Es ist egal, ob ich aus einem Holzklotz oder einem Wollknäul etwas mache, und nicht alles, was heute unter “Handwerk” zusammengefasst ist, hat auch einen schöpferischen Aspekt. Es wäre bizarr, ein Handwerk wie das Schreinern als spießig bezeichnen, nur weil irgendwann der Gelsenkirchener Barock in einer ganz, ganz dunklen Epoche das Licht der Welt erblickte, und ich warte immer noch auf den Moment, in dem ich einem Schreiner zu seinen wirklich sehr hübschen Handarbeiten gratulieren kann.
Betrachtet man die Geschichte der Handarbeit von der hochangesehenen Tätigkeit bis hin zur netten, völlig unintellektuellen Freizeitbeschäftigung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts mit dem absolut widerstehlichen “Hat-sich-aber-richtig-Mühe-gegeben-Touch”, erscheint es nachvollziehbar, dass KünsterInnen, die sich den klassichen Handarbeitstechniken verschrieben haben, um daraus Kunst zu erschaffen, nach einem neuen Begriff suchen, der ihre Tätigkeit umschreiben möge und keine Assoziation mit gehäkelten Deckchen, gruseligen Hirschpullovern oder sonstigen heimischen Produkten hervorruft, die von vielen als spießig bezeichnet und damit pauschal abgelehnt werden. Dass es nachvollziehbar ist, heißt jedoch nicht, dass es auch unproblematisch wäre, doch dazu an anderer Stelle mehr.
Daher ist das Stricken, Häkeln, Sticken … nicht spießig, denn es ist ein Handwerk, das sich per se solchen Kategorisierungen entzieht. Es ist das Produkt, das vom Betrachter bewertet und in eine Kategorie sortiert wird, die dann im ungünstigen Fall auf die gesamte Technik und ihre Verwandten zurückfällt. Stricken kann also gar nicht spießig sein, aber viele Strickstücke sind es dem allgemeinen Geschmack nach schon. Eine Technik ist jedoch immer das, was man daraus macht. In Japan weiß man das, wo die Technik selbst weniger beurteilt wird, sondern vor allem der Grad an Perfektion, den das Produkt erreicht – wobei Perfektion dort nicht rein handwerklich gemeint ist, sondern ebenso ästhetisch.
Wer also das Stricken oder Häkeln von dem Image der Spießigkeit befreien will, sollte weniger sabbeln und mehr machen – und zwar Dinge, die eben nicht spießig sind. Das ist insofern schwierig, wenn man nun ausgerechnet das schön findet, was von anderen als spießig abgelehnt werden. Das mag ein Dilemma sein, aber es ist nicht meines, sodass ich mich mit dieser Problemstellung nicht beschäftige.
October 30, 2009 - י"ב חשון תש"ע
Zen des Alltags IV / Everyday Zen IV
Posted by Jinx under Everyday Zen / Zen des Alltags[2] Comments
Marokkanische Momente in Hamburg, genauer gesagt im Fleur de Piment in Eppendorf. Strickenderweise (und auch nicht-strickenderweise natürlich) kann man dort köstlichen marokkanischen Tee genießen, dazu eine kleine Auswahl exzellenter Amuse Gueules und marokkanisches Mandelgebäck. Ein sehr kultiviertes Vergnügen! Zeit mitbringen!
Moroccan Tea in Hamburg – what a great experience!
October 28, 2009 - י' חשון תש"ע
Zen des Alltags III / Everyday Zen III
Posted by Jinx under Everyday Zen / Zen des Alltags , Faces of Hamburg[4] Comments
oder: Einfach mal Pause machen.
Ich habe es immer bedauert, dass es so wenige Tea-Rooms in Deutschland gibt, da ich Kaffee nicht mag (allerdings mache ich eine Ausnahme für Jamaica Blue Mountain oder St. Helena) und die Plörre, die meist in Cafés ausgeschenkt wird, nur im weiteren Sinne als Tee bezeichnet werden kann. Glücklicherweise gibt es eine Teestube in Hamburg Eimsbüttel, dort, wo ich oft einkaufen gehe. Und wenn ich schon mal da bin, kann ich auch noch ein paar Schritte weitergehen und einkehren, auf eine Kanne exzellenten Tees, ein Sandwich oder ein Stück hausgemachter Tarte. Dabei kann man ganz wunderbar stricken, und es entspannt enorm, was auch daran liegt, dass es ein modernes Etablissement ist, mit angenehmer Musik und relativ ruhig. Den Tee kann man auch kaufen. Ein idealer Ort zum “knitting in public”, denn meiner Erfahrung nach sollte die Orte, die man dafür auswählt, nicht allzu gruselig oder bizarr sein.
April 18, 2009 - כ"ד ניסן תשס"ט
Zen des Alltags II / Everyday Zen II
Posted by Jinx under Everyday Zen / Zen des Alltags[2] Comments

Woll-Mandala
A mandala of yarn
April 11, 2009 - י"ז ניסן תשס"ט












