Books / Bücher


Ich sortiere gerade meine Strickbuchsammlung neu und finde kein wirklich logisches Ordnungssystem. Daher würde mich mal interessieren, wie andere ihre Strick-Fachliteratur organisieren.

Ich bin froh zu hören, dass es mir nicht allein so geht …

Nach Autor? Nach Sachgebiet (Modellbücher, Mustersammlungen, Techniken)? Falls letzteres, was macht Ihr mit Büchern, die in mehrere Kategorien passen? Oder habt Ihr vielleicht ein ganz anderes System?

Ich wende ein Mischsystem an. Einiges ist nach Autor sortiert, z. B. meine Starmore- oder Zimmermann-Bücher. Die sind inhaltlich so prägnant, dass es sich lohnt. Dann habe ich thematische Rubriken: Nordisches Stricken, Aran und Zopfmuster, Designer, spezielle Garnarten. Außerdem eine Rubrik für Stricktechniken: Farbstrickerei, Modulares etc. Und dann gibt es das berüchtigte Regalbrett für “Sonstiges”. Da landet alles, was nirgendwo sonst richtig hineinpasst.

Besitzst Du “historisches” Handarbeitszubehör,  z. B. alte Strick- oder
Häkelnadeln, Anleitungshefte, Klöppelkissen, Stopfeier oder ähnliches?
Wie kam es in Deinen Besitz? Verwendest Du es noch, oder bewahrst Du es
z. B. nur aus “sentimentalen” Gründen auf?

Ja, ich habe ein paar Sachen, die man als “historisch” bezeichnen könnte, aber nichts davon geerbt, alles gekauft (Handarbeiten hatten in meiner Familie keinen so wahnsinnig hohen Stellenwert).

Das Historischste, was ich an Büchern bieten kann, sind einige britische Ausgaben zu Themen, die mit traditionellen Pullovern zu tun haben. Die stammen aus den Sechzigern und Siebzigern, ebenso wie das Buch Twined Knitting von Dandanell/Danielson und Nordic Knitting von Pagoldh bzw. Knitting in the Nordic Tradition von Lind. Ich gebe zu, dass andere da wesentlich “historischere” Werke haben, aber dafür kann ich mit diesen auch was anfangen. Das ist nämlich bei älteren Sachen nicht so, jedenfalls nicht bei mir. Die ganze “Vintage”-Welle rauscht völlig an mir vorbei, da ich die Fünfziger nicht leiden kann (die piefigste Zeit ever …) und auch der Mode der früheren Jahrzehnte wenig abgewinnen kann, mit Ausnahme der zwanziger Jahre natürlich. Auf Flohmärkten findet man recht häufig Hefte aus der Nachkriegszeit, aber die lasse ich immer liegen, aus oben genannten Gründen. Ich will nämlich kein Archiv aufbauen, sondern kaufe nur Dinge zu Themen, die mich interessieren.

Geliebt und häufig benutzt werden die Häkelnadeln aus Knochen, die ich mal billig ersteigert habe (so ein Gebinde von ca. 20 Stück). Die sind wirklich gut, und ich verwende sie z. B. auch zum Behäkeln von Steeks (Bild). Außerdem habe ich noch ein altes Occhi-Schiffchen, das ich günstig auf einem Flohmarkt erstanden habe. Occhi habe ich mir mal beigebracht, auch wenn ich es heute nicht mehr betreibe (ich weiß nämlich nicht, was ich damit soll …). Ich tue mich schwer, Dinge zu erwerben, die ich nicht potentiell verwende, also fallen Klöppelkissen, historische Nähmaschinen etc. aus.

Reizen würden mich allerdings ein schöner alter Stopfpilz und eine alte Sockenstrickmaschine aus England. ;)

Dieses Buch hat keine praktische Funktion, es bringt einem nichts bei (es sei denn, man projektiert die Anschaffung einer Schafherde), es hilft dem modernen Strickenden von heute nicht die Spur weiter, es ist nur eines: einfach schön.

Porträtiert werden prämierte Vertreter und Vertreterinnnen 40 klassischer Schafrassen auf jeweils einer Doppelseite; einer kurzen Textinformation steht ein ganzseitiges Foto der formidablen Tiere gegenüber. Die Auswahl reicht von “ach ist das süß, das möchte ich knuddeln” bis hin zu “nee, da geh ich nicht zu nah ran”, wobei mir gerade das Manx Loaghtan besonders gut gefällt.

Das Buch gibt einen wunderbaren Einblick in die Vielfalt dieser wunderbaren Tiere, wie gesagt, einfach schön.

Diesmal ist es kein Strickbuch, das ich vorstelle, aber eines, das mich fasziniert und inspiriert, und das kommt in einer unüberschaubaren, aber auch recht einförmigen Bücherlandschaft leider immer seltener vor: Guerilla Gardening von Richard Reynolds.

Der Autor stammt aus dem Mutterland des Gärtnerns, aus England, und hat sich seit Jahren der Verschönerung des öffentlichen Raums mittels illegaler Pflanzungen verschrieben. Dabei geht es immer um Areale, die nicht in privater Hand sind und die vernachlässigt werden: Brachen, Abrissgrundstücke, Baumscheiben, Verkehrsinseln, was eben so da ist. Es ist ja ein internationales Phänomen, dass es eine Menge Grund gibt, von handtuchklein bis hektargroß, der im städtischen Raum vor sich hin verkommt, vermüllt wird und vernachlässigt ist. Der Aufwertung dieser Parzellen widmet sich dieses Buch.

Ausdrücklich nicht gemeint ist:

  • Nachbars Garten, der aussieht wie ein Trümmergrundstück, eigenmächtig aufzuwerten
  • öde städtische Bepflanzungen, in denen Eisblumen oder Stiefmütterchen stehen wie die Soldaten, durch eine zeitgemäßere, naturnähere oder interessantere Bepflanzung so umzubauen, dass es einem besser gefällt
  • seinen eigenen oder einen gepachteten Schrebergarten zu gestalten. Das kann man natürlich tun, und es ist auch schön, aber das ist hier nicht das Thema.
  • in einem Naturschutzgebiet, Wald oder ähnlichen naturnahen Anlagen nun auf einmal Rosenbeete anzulegen. Das wäre deplatziert und Aktionismus an der falschen Stelle (da ist es schon schön und braucht menschliche Eingriffe nicht). Guerilla Gardening ist ein Konzept, das für den ( meist groß-) städtischen Beton- und Asphaltdschungel erdacht wurde und auch nur dort wirklich Sinn macht.

Das Buch enthält einen theoretischen, einen praktischen und einen erzählenden Teil, in dem von aktiven Gärtnerguerilleros berichtet wird, vor allem in Großbritannien und den USA, aber auch in Berlin oder Amsterdam. Sprachlich lehnt es sich den Klassikern der Guerilla-Literatur an, ist also dem Sprachgebrauch des linken Spektrums verpflichtet, was insofern lustig ist, da der Gedanke “tu was für Deine Stadt und frage nicht, was Deine Stadt für Dich tun kann” einer ist, den man eher im konservativen Millieu vermuten würde. Das liest sich teilweise richtig lustig, aber nur, wenn man die Mao-Bibel und ähnliche Klassiker der politischen Literatur nicht für das Sechste Buch Mose hält, sondern da auch mal reingeguckt hat. Der gärtnernde Guerillero schießt und bombt nicht, sondern gräbt, gießt, jätet und pflanzt.

Der historische Teil widmet sich – wie der Name schon sagt – der Geschichte illegaler Pflanzungen im öffentlichen Raum, die (zumindest dokumentiert) bis ins England des siebzehnten Jahrhunderts zurückreicht und in der Hippie-Ära einen gigantischen Aufschwung erfuhr. Es werden auch die politischen Motive erörtert, die die meisten wilden Gärtner heutzutage motivieren, aber auch auf die illegalen Versorgungsbegrüner eingegangen, die nicht nur die Umwelt aufwerten, sondern sich von dem Gepflanzten auch ernähren wollen. Letzteres ist in Großstädten nicht immer empfehlenswert, da Grundstücke belastet sein können, was die Produkte dieser Minaturplantagen ungenießbar macht.

Der praktische Teil führt den angehenden gärtnernden Anarchisten in die Tücken des Guerilla Gardenings ein. Es droht nicht nur Ungemach durch professionelle oder Hobby-Gesetzeshüter, sondern auch durch Vandalen, Souvenirjäger oder Blumenfreunde. Auch Hunde und Kleinkinder können die Pflanzung bedrohen. Illegal ausgewilderte Pflanzen können nicht gehegt und gepflegt werden wie der eigene Garten, daher ist auf eine gewisse Robustheit zu achten; man wähle in jedem Fall pflegeleichte Gewächse. Auch auf die mangelnde Umweltverträglichkeit mancher Pflanzen wird mehrfach hingewiesen: Der Guerilla-Garten soll bereichern, aber die angestammte Flora nicht verdrängen (sonst ist es wie mit dem berüchtigten Sachalin-Knöterich, der öde hellgrüne Wände bildet, in denen nichts anderes mehr gedeiht und den man auch nicht loswird). Invasives Grün ist also zu vermeiden, der Hang zu allzu großer Exotik auch.

Außerdem gibt es praktische Tipps für empfehlenswerte Pflanzen, Hinweise für die Herstellung von Saatgutbomben, für eine guerillataugliche Ausrüstung, die aussieht, als wäre sie keine oder die leicht zum Verschwinden gebracht werden kann (man muss mit dem Kram ja nicht nur hin, sondern vielleicht auch ganz schnell wieder weg), für unauffällige aber praktische Bekleidung und vieles mehr. Dazu gehört auch, erst mal den Müll auf der Parzelle zu sammeln und zu entsorgen (einfach) oder die Urbarmachung von Schuttgrundstücken (aufwändig).

Lustig sind die Praxisberichte. Hier erfährt man, dass manchmal meterhohe Bäume durch die Stadt transportiert werden, um eine neue Heimat in einem vernachlässigten Grünstreifen zu finden, und ein Brüller ist der Niederländer, der sich eine Schutzweste überzieht und, getarnt als städtischer Gärtner, am hellichten Tag mit einem riesigen Spaten die Erde aufgräbt, um etwas zu pflanzen.

Das Buch betont, dass es sich bei dieser volksnahen Unterstützung der städtischen Gartenämter um eine illegale, wenn auch oft geduldete Tätigkeit handelt, solange man sich auf ungeteerte Randstücke beschränkt und nicht etwa die durch die Stadt verlaufende Hauptverkehrsader aufmeißelt und durch frisches Grün aufwertet, weil man das schöner findet und es sowieso zu viele Autos gibt. Es versteht sich also von selbst, dass die gärtnerische Tätigkeit nichts und niemanden behindern darf (Fensterbanknazis und Hobby-Blockwarte zählen da übrigens nicht, die sind eh unwichtig). Doch da man immer mit Störungen durch irritierte Personen (Trachtengruppen, Passanten, selbsternannte Nachbarschaftswachen, Obdachlose) rechnen muss, finden aufwändige Aktionen meist im Schutz der Dunkelheit statt, während man ein paar Samen verstreuen oder ein zartes Pflänzchen aus einer Flasche bewässern auch im Vorbeigehen machen kann.

Als ich das Buch abholte, gab es übrigens folgenden, recht lustigen Dialog mit der Buchhändlern (einer jungen, schicken Frau, nicht dem “Alles eh zu spät”-Typ):

ich: Guten Tag, ich habe ein Buch bestellt.
sie (besagtes Werk aus dem Regal ziehend): Na, fängt die Pflanzsaison an?
ich: Das ist nur zu Informationszwecken.
sie: sicher doch
wir beide: *grins*

Es ist auf jeden Fall ein lohnendes Buch, gibt es doch Einblicke in einen Aspekt der urbanen Kultur, deren Vertreter sich nicht mit Vernachlässigung, Vandalismus, städtischer Verödung und Gleichgültigkeit abfinden wollen. Wen der ausführlich dargelegte politische Aspekt des Guerilla Gardening nervt, der wird an den Farbfotografien Gefallen finden, die sehr unterschiedliche Beispiele des illegalen öffentlichen Gärtnerns zeigen, von riesig-parkähnlich bis hin zu winzig klein.

Natürlich habe ich es nur zu Informationszwecken gelesen, nicht etwa zur praktischen Umsetzung, denn wo kämen wir da hin, wenn jeder einfach irgendwo was pflanzt?

*grins*

Häkeln ist ja nicht so meins, mir gefallen nur ganz wenige Dinge, und an denen, die mir nicht gefallen, mag ich nicht, dass sie eben gehäkelt aussehen. Trotzdem tut ein Blick über den (Strick-)Tellerrand immer mal ganz gut, und so bin ich auf dieses Buch gestoßen, das ich sehr empfehlenswert finde.

I’m not the crochet type at all, I like only very few designs, and there are bazillions of projects I don’t. I simply dislike the “crochet”-look about them. But I think it’s always good to broaden one’s horizon every then and when, and so I found this book which I think is highly recommendable.

Crochet Masterclass bietet einen Überblick über bekannte und weniger bekannte Häkeltechniken, vorgestellt und erläutert von MeisterInnen auf ihrem Gebiet. Zu jedem Bereich gibt es Erklärungen zu Herkunft, Verwendung und wie es funktioniert, und außerdem ein ausgewähltes Projekt, die einem die Technik in der Anwendung zeigen.

Crochet Masterclass gives an overview of well- and less-known crochet techniques which are introduced and explained by mistresses (and a master) of their kind. Every technique is explained, there are some details of how they are used, where they come from, and how it works, plus a project for every technique to show how it works practically.

Nicht alles gefällt mir, manches finde ich einfach nur grottig. So gefallen mir gehäkelte Arans ebensowenig wie gehäkeltes Entrelac (warum sollte ich die häkeln, wenn ich sie auch stricken kann und es dann noch so viel besser aussieht?), gehäkelte Quasten würde ich eher in die Abstellkammer hängen als an deren Tür, auch Filethäkelei begeisterte mich nie und tut es auch jetzt nicht.

I don’t like everything in this book, some of the items displayed even look horrid to me. I’ll never like crocheted Aran sweaters or Entrelac (why crochet when I can knit it and it looks much better this way?), crocheted tassels are definately not my cup of thea, and filet crochet is something I never learned to like, and I like it no better after taking a closer look at it.

Anderes übt durchaus einen optischen Reiz aus, allerdings passt es überhaupt nicht zu meinem Stil und meinen Vorlieben, daher ist mein durchaus bestehendes Interesse rein theoretischer Natur. Dies gilt vor allem für Irisches Häkeln und die Brügger Technik.

Other techniques seem attractive to me, but in a rather theoretical way because they neither match my style nor my preferences, but nevertheless they seem interesting enough to me for taking a closer look. This means specilly Irish and Bruges Crochet.

Doch das Buch enthält genügend Techniken, die ich ausprobieren bzw. vertiefen möchte. Zu nennen wären:

  • Hairpin Lace
  • Woven Crochet
  • Tapestry Crochet
  • Tunesisches Häkeln
  • Double-Ended Crochet
  • Overlay Crochet
  • Perlenhäkelei
  • Painted Crochet
  • Free-Form Crochet
  • Häkeln mit Draht


The book contains some techniques I’d like to refresh or to try for the first time:

  • Hairpin Lace
  • Woven Crochet
  • Tapestry Crochet
  • Tunisian Crochet
  • Double-Ended Crochet
  • Overlay Crochet
  • Bead Crochet
  • Painted Crochet
  • Free-Form Crochet
  • Wire Crochet

Fazit: Das Buch gibt einen interessanten Überblick über die unterschiedlichsten Häkeltechniken, die teilweise weit über das hinausgehen, was man hierzulande unter dem Begriff “Häkeln” versteht. Es ist übersichtlich und instruktiv, und es lädt zum Ausprobieren ein (wenn auch nicht unbedingt an den vorgeschlagenen Projekten).

Conclusion: The book gives a very interesting overview of many different crochet techniques, some of them go much farther than the term “Crochet” might suggest. It’s clearly arrangend and instructive, and it’s an invitation to try some techniques for oneself (but not necessarily with the projects suggested).

Eine Leserin fragte nach Büchern, die sich mit dem historischen Aspekt des Handstrickens beschäftigen. Die meisten widmen sich in einem historischen Abschnitt einem sehr begrenzten Bereich (der nicht immer wirklich relevant ist), was die Sache entsprechend mühsam macht.

A reader asked for books which are dedicated to the historical aspect of hand knitting. Most of the publications are rather specialized, then there is one chapter included which is not in every case of any relevance. This makes the search rather difficult.

Hier kommt also eine Liste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

Well, here is a list (which, of course, is not complete):

Stricken allgemein / Hand knitting in general

  • Richard Butt – A History of Hand Knitting (out of print).  Behandelt das Thema umfassend, enthält ein paar sachliche Fehler (aber irgendwas ist ja immer …)

Diverse Traditionen / Mixed Traditions

  • Donna Druchunas: Ethnic Knitting: Discovery: The Netherlands, Denmark, Norway, and The Andes. Anleitungen
  • dies.: Ethnic Knitting: Exploration: Lithuania, Iceland, and Ireland, Anleitungen
  • Priscilla Gibson-Roberts: Ethnic Socks and Stockings – Socken aus Osteuropa

Baltikum / The Baltic States

  • Lisbeth Upitis: Latvian Mittens
  • Nancy Bush: Folk Knitting in Estonia

Lace

  • Sharon Miller: Heirloom Knitting – Über Shetland Lace, mit Anleitungen
  • dies.: Heirloom Knitting’s Shetland Hap Shawls – Über hap shawls, mit Anleitungen
  • dies.: The Lerwick Lace Shawl. A study in knitted lace design – mit Anleitung
  • Jane Sowerby: Victorian Lace Today – mit Anleitungen

Nordisch Stricken (/ Nordic Knitting

  • Vibeke Lind – Knitting in the Nordic Tradition (out of print) – Mit Anleitungen
  • Susanne Pagoldh – Nordic Knitting – Thirty-one patterns in the scandinavian tradition (out of print)
  • Annemor Sundbo – Setesdal Sweaters – mit Anleitungen
  • dies.: Invisible Threads in Knitting, Anleitungen
  • Solveig Hisdal: Poetry in Stitches – über traditionelle norwegische Strickkunst, Anleitungen
  • Inger Fredholm: Knitting with a Smile – über schwedische Strickkunst, Anleitungen
  • Wendy Keele: Poem of Colors – Bohus-Rundpassenpullover, Anleitungen

Fischerpullover

  • Henriette Van Der Klift-Tellegen: Knitting from the Netherlands (out of print) – Mit Anleitungen
  • Gladys Thompson: Patterns for Guernseys, Jerseys, and Arans (recht viel Historisches und eine Fundgrube für Muster, letztere leider mit vielen Fehlern)
  • Mary Wright: Cornish Guernseys and Knit-Frocks (keine Anleitungen für Pullover, Mustersammlung)

Deutscher Kulturkreis / German culture area

  • Irmgard Gierl: Alte Strickkunst (out of print, eher alpenländisch orientiert und musterlastig)
  • Liesl Fanderl: Bäuerliches Stricken (out of print, eher alpenländisch)

Es gibt noch ein paar ältere Bücher (und natürlich noch viele andere, die sich mit historischen Techniken beschäftigen), aber nicht alle haben einen akzeptablen historischen Teil.

There are, of course, plenty of older books (out of print) and many more which are dedicated to historical knitting techniques, but not all of them have a chapter dedicated to history which can be called at least “acceptable”.

Es ist schon gruselig, was der ambitionierten Strickerin (und dem ambitionierten Stricker natürlich auch) an Büchern zum Thema “Stricken für Kinder” auf dem deutschen Buchmarkt so geboten wird. Im günstigsten Fall, der nicht die Regel ist, sind es klassische Schnitte, die zwar nichts Aufregendes bieten, einem dafür aber auch nicht auf den Wecker gehen. Im ungünstigen Fall sind es Grausamkeiten, die auf niedlich getrimmt sind (Bärchen, Entchen, Kätzchen) und auf den Fotos oft in den klassischen Kinderfarben rosa und hellblau daherkommen (welcher Idiot hat sich das eigentlich ausgedacht), und Ausnahmen sind rar gesät. Es ist die Art von “Kindermode”, die alte Tanten in Entzückensschreie ausbrechen lässt, die sonst nur Kindern in den Filmen des Dunklen Zeitalters (vulgo: den fünfziger Jahren: kein Haar tanzt aus der Reihe, keine Socke rutscht und kein Kind vergisst je, seinen Knicks oder seine Verbeugung zu machen) zuteil wird. Und mal ehrlich: Möchte man so ein Kind sein und sich dem Spott der Altersgenossen aussetzen?

Dass es auch anders geht, beweist die Designerin Annette Danielsen mit ihrem Buch, das nun auf Deutsch erschienen ist und den etwas uninspirierten Titel Freche Masche trägt. Von diesem sollte man sich nicht irreführen lassen, denn die Modelle können sich sehen lassen (eine Übersicht gibt es hier). Das Thema ist keinesfalls Bärchen und Hündchen, sondern Obst und Gemüse, das jedoch auf eine so abstrakte Art umgesetzt wurde, dass dabei praktische, schicke und ungewöhnliche Modelle herauskamen, mit denen man das bestrickte Kind nicht zum Gespött des Spielplatzes macht. Zugleich sind sie eine Wohltat für von Armeen comichaft verniedlichter Tiere geplagte Erwachsene.

Es ist Mode für echte Kinder von zwei bis acht Jahren, die auch mit den unabdingbaren Accessoires der Kindheit gut aussieht (Schrammen, Schürfwunden, aufgeschlagene Knie), in denen das Kind sich auch vernünftig bewegen kann. Zu erwähnen ist auch die von der Designerin gewählte Farbigkeit. Kein unpraktisches Weiß, kein Albtraum in Pastell, sondern kräftige Farben, die kräftig was abkönnen. Den Hingucker bilden, nein, nicht Tiere, sondern farbige Akzente oder Strukturmuster, die so schön sind, dass das Buch auch als Inspiration abseits des Strickens für Kinder taugt.

Titel: Freche Masche. Raffinierte Strickmuster inspiriert von jungem Gemüse
Design: Annette Danielsen
Verlag: Landwirtschaftsverlag GmbH.

Endlich mal wieder eine interessantere Frage, die beantworte ich auch mal wieder. ;)

Welche Bücher sind Musthaves, welche kann man sich schenken?

Die Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, da es darauf ankommt, welche Dinge man gern strickt bzw. welche Techniken einen interessieren. Daher gibt es hier eine sehr persönliche Auswahl:

  • Die Bücher von Elizabeth Zimmermann – weil sie meinen Geist befreite und mir die Unabhängigkeit von Anleitungen verschaffte
  • Vogue Knitting – für mich das beste Buch für Technik im Überblick
  • Beth Brown Reinsel: Knitting Ganseys – für alle Liebhaber traditioneller Fischerpullover
  • Susanna Pagoldh: Nordic Knitting – alt aber gut: ein Überblick über nordische Stricktraditionen
  • Shirley Paden: Knitwear Design Workshop – sehr technisch, für alle, die Strickstücke selbst entwerfen das beste seiner Art
  • Lynne Barr: Reversible Knitting – für innovative Muster
  • Kaffe Fassett: Pattern Library – eine geniale Mustersammlung des Meisters
  • Margaret Radcliffe: The Essential Guide to Colour Knitting Techniques - wie der Name sagt: ein Überblick über die verschiedenen Techniken der Farbstrickerei
  • Janet Szabo: Aran Sweater Design – für die, die Arans lieben
  • Barbara Walker: The … Treasury of Knitting Patterns – immer noch die beste Mustersammlung
  • Priscilla A. Gibson-Roberts: Simple Socks, plain and fancy
  • Ann Feitelson: The Art of Fair Isle Knitting – besser als das Buch von Starmore zum Them

Das sind meine Essentials, der Rest ist Geschmackssache und eine Frage der persönlichen Vorliebe. Es gibt noch sehr viele gtue Bücher, viel gesundes (oder ungesundes Mittelmaß) und auch viele schlechte bzw. welche aus dem Souterrain des Geschmacks.

Sparen kann man sich auf jeden Fall das x-te Buch zum Thema Pullover, Socken, Schals etc., das nur Altbekanntes enthält und einen weder technisch noch vom Design her weiterbringt.

Das Buch, das ich heute vorstelle, ist anders als andere Strickbücher, und das in mancher Hinsicht. Es ist das Buch Yarn Bombing – The Art of Crochet and Knit Graffiti von Mandy Moore und Leanne Prain, erschienen bei Arsenal Pulp Press in Vancouver.

Doch zunächst zum Formalen: Obwohl es ein kartoniertes Buch ist, ist es sehr opulent ausgestattet, mit vielen gut fotografierten, sinnlich und inspirierend wirkenden Fotografien. Auch Anleitungen zum Gezeigten gibt es, wobei dies natürlich nur begrenzt Sinn macht, da vieles den zu bestrickenden oder behäkelnden Objekten quasi auf den Leib gearbeitet werden muss. Nicht so gut gefällt mir der Titel, denn er ist mir zu martialisch. Ich persönlich ziehe die Begriffe “Knitted Graffiti” oder “Guerilla Knitting” vor, weil die das Subersive und die Gewaltfreiheit der Idee besser transportieren. Aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und tut meiner Freude an diesem Buch keinen wirklichen Abbruch.

Das Buch versucht, dem Leser das Konzept der Eroberung des urbanen Raums mittels gestrickter Zeichen, die man hinterlässt, zu vermitteln. Das Prinzip ist einfach: Man strickt oder häkelt etwas, das man vor Ort (also an einem Pfosten, einem Zaun, einer Mauer oder wo auch immer) möglichst dauerhaft anbringt, aber immer so, dass es entfernt werden kann. Die Methode ist somit weniger aggressiv als das klassische Graffiti, das nur mühsam und unter erheblichen Kosten entfernt werden kann (eine Ausnahme stellt natürlich Kreidespray da, das jedoch selten verwendet wird). Die Wollvariante der Stadteroberung lässt somit dem Betrachter die Wahl – ein kurzer Schnitt mit der Schere, und das Teil ist rückstandsfrei verschwunden. Gestricktes Graffiti ist somit sanfter und hat außerdem den Vorteil, dass es nicht verboten ist.

Das Konzept ist vielschichtiger, als es auf den ersten Blick erscheint. Zunächst haben wir den städtischen Raum, dessen Bewohner erheblichen Einschränkungen unterworfen sind – zuallererst duch den Platz, der ihnen zur Verfügung steht. Aber auch durch eine immer stärkere Reglementierung des Alltags, die dem Einzelnen immer mehr Raum gibt und ihn einem Konzept unterwirft, das in den Vorstellungen von Politik und Planung verwurzelt ist und den angepassten Bürger favorisiert, der nichts Unvorhergesehenes tut, sich in seiner Freizeit an die zu diesem Zweck klar definierten Bereiche hält und ansonsten nicht weiter auffällt. Der moderne Städter hat zwar immer mehr Freizeit, aber was immer weniger wird, ist die Freiheit: Wir leben in einer Welt, deren Regierungen ihren Bürgern nicht mehr recht über den Weg trauen.

Unerhört ist auch das Verhältnis zum eigenen Werk, das dem abgenötigt wird, der sich auf dem Gebiet des gestrickten Graffiti versucht. Wer handarbeitet, investiert nicht nur Geld, sondern auch und vor allem mit das Kostbarste, was es gibt: Zeit. Wir prökeln hingebungsvoll vor uns hin, um nach langen Mühen ein Strickstück in den Händen zu halten, dass uns kleiden, schmücken und wärmen soll, und wenn nicht uns, dann unsere Lieben oder zumindest das Heer der Bedürftigen dieser Welt, das immer größer wird. Guerilla Knitting tut nichts dergleichen, sondern ist vordergründig völlig sinnfrei, da das, was bestrickt wird, das Strickstück nicht braucht, ebensowenig wie der Betrachter oder der, der es hergestellt hat. Doch bietet gerade ein bunter Lappen an einem Geländer, farbige Kordeln an Pfosten oder gestrickte Kieselsteine in Popfarben einen ungewohnten Anblick, der auch Menschen staunen lässt, die durch die immer extremer werdenden Massenmedien (die man auch Volksverdummung nennen kann) eigentlich schon alles gesehen haben. Es ist auch ein deutliche Absage an das Konzept, dass alles einen Sinn haben oder wenigstens Profit bringen muss. Vielleicht kann man auch sagen, dass es Kleinteilstrickerei für die unter uns ist, die nicht glauben, dass das Spenden gestrickter Socken die Welt verändert, sondern dass das nur die Gerechtigkeit kann. Doch da die einstweilen auf sich warten lässt, kann man die Welt zur Überbrückung wenigstens zu einem etwas lustigeren Ort machen.

Nicht zuletzt ist das Anbringen gestrickter Objekte im öffentlichen Raum auch eine Lektion im Loslassen: Man prökelt etwas irgendwo ran, idealerweise mit einem Etikett, das die Absicht dahinter kundtut (nicht in der freien Natur!), macht noch ein Foto … und geht einfach weg. Und zwar für immer. Man überlässt das Strickstück nicht nur den Elementen, sondern auch den Mitmenschen, die vielleicht so viel Gefallen an dem Teil finden, dass sie es mitnehmen oder deren Missfallen so erregt wird, dass sie es demolieren oder entfernen. Kurz gesagt, wer seinen Rottweiler daneben anbindet oder jeden Tag hinrennt, um zu sehen, ob der Lappen noch hängt, hat das Konzept nicht verstanden. Selbst wenn nur die wohlmeinendsten Menschen das Objekt bemerken, sorgen die Witterungseinflüsse dafür, dass das Teil nicht ewig hält, doch das ist Teil des Prozesses.Was bleibt, ist nur das Bild (wenn man nicht vergessen hat, eines zu machen).

Doch zurück zum Buch: Es ist logisch gegliedert und beginnt mit kleinen, rechteckigen Teilen, die schnell und einfach gestrickt oder gehäkelt und leicht angebracht sind. Es folgen kompliziertere Modelle wie “Baumpullover” oder sehr große Objekte, die vermutlich unter Zuhilfenahme von Strickmaschinen und den Händen vieler harmloser Anarchisten zustande gekommen sind. Das Buch enthält viele Beispiele, von komplett bestrickten Telefonzellen und bekleideten Denkmälern über umhäkelten Bussen und Motorrädern bis hin zu großformatigen Landschaftsinstallationen, bei denen die Grenze zu Landscape Art und zur künstlerischen Installation verfließen. Auch die Techniken sind vielfältig: von einfachen, glatt oder kraus rechts gestrickten Teilen über Zöpfe, Mehrfarbigem bis hin zu Lace und Freeform ist alles dabei. Allen Projekten ist gemeinsam, dass sie nicht zerstören oder auch nur stören, sondern bereichern wollen.

Selbst wenn man sich dieser vordergründig völlig sinnfreien und nutzlosen Spielerei nicht hingeben möchte, ist das Buch ungeheuer inspirierend, vielleicht sogar so sehr, dass die Kunst des harmlosen Handarbeitsanarchismus auch ein paar Anhänger in Deutschland findet, die sich aufmachen, ihre Umwelt ein wenig bunter zu machen.

Zu guter Letzt noch ein Link: Der Blog zum Buch.

Dass nicht jedes Strickbuch die Erwartungen erfüllt, ist aus diversen Blogs wohlbekannt, aber manchmal kommt es vor, dass ein Buch den eigenen Blick auf das Stricken bzw. eine Technik auf den Kopf stellt. Das war bei mir z. B. bei Zimmermann so, und es ist – in kleinerem Maßstab auch hier der Fall, bei dem Buch Crazy Lace: an artistic approach to Creative Lace Knitting von Myra Wood.

Not every knitting book one orders meets the expectations, this can be read in a multitude of knitting blogs, but sometimes it happens that a book allows changes the way one thinks about knitting or a knitting technique completely. This happened to me when I read the books by Elizabeth Zimmermann, and it happened to me again when I took a closer look on this book: Crazy Lace: an artistic approach on Creative Lace Knitting by Myra Wood.

Nach Hanami konnte ich wohl behaupten, die Lace-Strickerei bewältigt zu haben, aber die auf dem Markt erhältlichen Bücher können mich nicht begeistern. Zu traditionell, zu altmodisch, nicht mein Fall. Alle Lace-Projekte in meiner Queue sind einzelne Muster, die ich über das Internet erworben habe. Lacebücher hingegen kaufe ich nicht. Crazy Lace habe ich mir bestellt, weil es einen radikal anderen Ansatz an die Lace-Strickerei versprach und die vorveröffentlichten Bilder vielversprechend wirkten.

After managing Hanami, I could heartily tell I accomplished with lace knitting, but the available books about lace knitting do not attract me at all: too traditional, too old fashioned. All lace projects waiting in my queue are single patterns, purchased via the internet, but I don’t buy any lace books. I decided to do differently when I saw a preview of Crazy Lace. The text promised a completely new approach to lace knitting and the preview pictures looked rather promising.

Das Buch enthält eine Beispielsammlung, aber keine festgelegten Muster für komplette Projekte. Stattdessen werden die Prinzipien der Lacestrickerei analysiert und vermittelt, wie man sich von Kästchenzählerei und Chartentzifferungsprozeduren befreien und individuelle, kreative und vor allem sehr moderne Laceprojekte erstellen kann, die mehr oder weniger frei mit der Technik umgehen.

This book contains several examples for lace stitches, but no ready-made patterns to follow for knitting complete projects. The basics of lace knitting technique is analyzed instead, and the author tells how to do it without counting tiny symbols on graph paper and chart decyphering procedures and how to create individual, unique, creative, and very modern lace projects which deal rather freely with the traditional lace knitting technique.

Die Autorin überträgt einige Ideen des Freeform-Knittings in die Lacestrickerei, was zu sehr überraschenden Ergebnissen führt. Ich habe mich gefragt, warum ich nicht selbst auf diese Idee gekommen bin, denn es wirkt auf mich so unschlagbar einfach und selbstverständlich. Das Ganze wirkt so vielversprechend, dass man sofort anfangen und ausprobieren möchte. Es ist auch ideal für handgefärbte Einzelstränge, bei denen man nicht sicher ist, ob man ein komplettes Projekt damit fertigstellen kann

The author adapted some ideas of freeform for lace knitting, what results in very surprising results. I had to ask myself why I didn’t have this idea myself, because it’s so stunningly easy. This looks so promising that I want to start and try it immediately. It’s ideal for handdyed single skeins of laceyarn if one is not sure whether this will make a complete project.

Das Buch wird sicher nicht jedermanns Geschmack treffen, gerade akribischen StrickerInnen dürfte es ein Gräuel sein. Kurz gesagt, traditionelle Lace-Strickerei ist mehr für gute Mädchen, Crazy Lace mehr für wilde Weiber. :D

This book will surely not be everyone’s cup of tea, specially meticulous knitters might easily hate this, but to cut a long story short: traditional lace knitting is more for good girls, crazy lace more for wild vixens.

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