February 1, 2012 - ח' שבט תשע"ב


Diese Box in Form eines Goldfischs besteht aus zwei separaten Dosen, die von einem Gummiband zusammengehalten werden. Sie sind für eine kleinere Zwischenmahlzeit gedacht.

This goldfish-shaped box consists of two separate ones, held together by an elastic strip. They are large enough to hold a snack.

Die größere Dose enthält kleingeschnittene Bagelstücke und Krabbensalat …

The larger box is filled with pieces of a bagel and crab salad …

… die kleinere Physalis, Cocktailtomaten und Frischkäse mit Schnittlauch.

… the smaller one contains cape gooseberries, cocktail tomatoes, and cream cheese with chives.

Da ich viel unterwegs bin, muss ich außer Haus essen, und das ist nicht immer lecker. Daher bin ich vor einiger Zeit darauf umgestiegen, mir etwas von zu Hause mitzunehmen. Da entdeckte ich die Welt des Bento – japanische Mahlzeiten für unterwegs. Wie fast immer bei japanischen Dingen blickt auch dieses auf eine jahrhundertealte Tradition zurück, ist bestens durchdacht und soll irgendwas abbilden. Kurz gesagt, es geht um ästhetisch und geschmacklich anspruchsvolle und ansprechende Mahlzeiten. Teilweise treibt das seltsame Blüten, z. B. wenn Comicfiguren oder Landschaften aus Essen abgebildet werden, was nicht so meins ist.

Since I’m on the way quite often, I’m bound to eat somewhere, and this is nor tasty neither healthy. That was when I discovered the wonderful world of Bento – Japanese meals to go. As it usually is with all things Japanese, there is a century-long tradition, well thought and is supposed to picture something. To cut a long story short, it’s all about esthetical, healthy, and tasty meals. Some things I regard as a bit weird, like manga characters or landscapes made of food.

Eins kann ich jedoch sagen: Nie aß ich unterwegs besser und ästhetischer. Im Bild oben sind zwei Boxen, mit (links) und ohne Thermo (rechts) sowie mein Nomadenbesteck, ein Paar Essstäbchen, Stahl und Ebenholz, zusammensteckbar.

There is one thing I know after a few months experience with bento: I never ate better and more estethic when I was on the way. The picture above shows a thermo box (left), a regular bento box (right), and a pair of chopsticks, steel and ebony, intermateable.

Bento #1 (warm): Seitan mit Rührei, Karotten, Nudeln (alles gebraten) und Sojasauce. Erlaubt unendliche Variationen.

Bento #1 (warm): Seitan with scrambled egg, carrots, noodles (all fried) and soy sauce. Allows endless variations.

Bento #2: Lachs-Wrap (selbstgemacht und Cherrytomaten); Blue Stilton, Mandarinen und Energiekugeln.

Bento #2: wrap with salmon and cream cheese (homemade) and cherry tomatoes, tangerines, and energy balls.

Dies ist das neueste Mitglied der Jenkins-Familie, die ägäische Spindel. Es ist eine großartige Allround-Spindel, die gut zu transportieren ist, da man sie auseinandernehmen kann. Ich spinne gerade Shetlandwolle darauf, ein Souvenir aus meinem letzten Urlaub.

This is the latest member of the Jenkins spindle familiy, the Aegean spindle. It’s a gorgeous allrounder which is – as all Turkish spindles are – good for using on the go because it can be disassembled. Currently I’m spinning Shetland combed top on it, a souvenir from my last holidays.

Tomaten – vorgezogen auf der  Fensterbank, für den Balkon.

Tomatoes, pre-grown on our window sill, for our balcony.

Es kommt nicht auf die Größe an, sondern nur auf die Intelligenz der anderen …

Size doesn’t matter, but only the grade of intelligence of the counterpart.

Ich bin nun auch auf Pinterest zu finden, und es gefällt mir sehr.

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Es ging wieder Richtung Norden, aber anders als im Jahr davor beschlossen wir, uns mit der Überfahrt Zeit zu lassen (das konnten wir uns dieses Jahr nämlich leisten, da wir drei Tage auf Unst bleiben würden). Also haben wir einen großen Teil des Tages auf der Insel Yell verbracht.

Jede Insel ist anders, und das gilt auch für Yell. Zunächst statteten wir dem dortigen Heritage Center einen Besuch ab.

Es befindet sich in der alten Haa (eine Haa ist ein größeres Anwesen, zumindest für dortige Verhältnisse, das einem Landbesitzer gehörte).

Blick auf das Meer.

Zur Haa gehört auch ein Garten, der sehr geschützt liegt.

Hier entwickelt sich eine für die Shetland Isles ungewohnte Blütenpracht.

Im Inneren beherbergt die Haa einen wunderbaren Tea Room mit ausgezeichneten Kuchen und das Heritage Center.

 

Gezeigt werden natürlich Gegenstände des täglichen Lebens.

Der Schwerpunkt liegt hier jedoch auf der Seefahrt …

und besonders dem Walfang.

Viele Familien lebten davon, natürlich zu einer Zeit, als es noch nicht politisch unkorrekt war, sondern Tran ein begehrtes Gut darstellte.

Die Walfänger fuhren bis nach Grönland und knüpften Kontakte zu den Innuit. Diesen ist ein eigener Raum im Heritage Center gewidmet.

Zwei Routen führen in den Norden, zur Fähre nach Unst, und wir entschieden uns für die längere Ostroute, wo die Sehenswürdigkeiten liegen. Blick von der Straß auf das Meer.

Yell ist lieblicher als Mainland und vor allem Unst.

Unser nächster Besuch galt der White Wife.

Sie ist ein Mahnmal für ein Schiffsunglück, das sich 1924 an dieser Stelle ereignete. Ein deutsches Schiff, das vom Kurs abgekommen war, lief auf Grund und sank. Die meisten Seeleute konnten gerettet werden, was angesichts dieser abgelegenen Stelle eine enorme Leistung war. Vier ertranken jedoch und wurden auf Yell bestattet. Die Insulaner bargen die Galionsfigur und stellten sie am Ufer auf, sodass sie auf die Stelle des Unglücks blickt. Sie wird bis heute liebevoll restauriert und gepflegt, sodass sie in einem hervorragenden Zustand ist – vor allem angesichts der dortigen Witterungsverhältnisse und des Materials.

Da White Wife – auch ein Symbol für die Freundlichkeit der Shetlander und die Solidarität der Menschen, die von der Seefahrt leben, untereinander.

Unsere nächste Station war der vielleicht schönste Strand der Inseln: West Sandwick Beach

Der Strand hat keinen Parkplatz; man stellt sein Auto irgendwie an der Straße ab, sodass es möglichst wenig stört, und man erreicht ihn über einen schmalen Pfad.

Das Wetter war an diesem Tag einfach unglaublich; Wasser und Himmel waren wirklich so blau wie auf den Fotos.

Die schwarzen Pünktchen am und im Wasser waren junge Shetlander, die an diesem herrlich warmen Tag (also, es hatte bestimmt 18 Grad in der Sonne) ein Bad nahmen. Für ca. 2 Minuten. Über die lokale Bademode kann ich berichten, dass der Shetlander von Welt Ganzkörper-Neoprenanzüge in modisch-klassischem Schwarz trägt. Ich habe es dabei belassen, meine Füße zu baden und würde die Wassertemperatur auf gediegene 6 – 8 Grad schätzen.

Während Mutter Jinx und ich den Strand erkundeten, entschloss sich Herr Jinx, ein Sonnenbad (ebenfalls in modisch-klassischem Schwarz) zu nehmen und ein wenig im Sand zu spielen.

Der Sand hatte es ihm nämlich besonders angetan.

Und auf diesem unterbelichteten Bild sieht man ansatzweise, warum: Der Sand besteht aus feingemahlenem Quarz, und was hier vereinzelt glitzert, glitzert bei Sonnenschein einfach überall – traumhaft!

Hinter dem Strand erstreckt sich eine Dünenlandschaft.

Das Wasser bleibt lange flach, und es ragt eine Sandbank vor dem Ufer aus dem Wasser – zumindest bei niedrigem Wasserstand.

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Der Ausdruck “kristallklares Wasser” ist hier kein Klischee, sondern realität, wie überall auf den Inseln.

Herr Jinx – sehr zufrieden mit der Gesamtsituation. :D

Oberhalb des Strandes – ein Kartoffelfeld.

Nachdem wir diese Oase verlassen hatten, nahmen wir die Fähre nach Unst und begaben uns zunächst in unser Hotel. Es ist das einzige der Insel, und wir fürchteten uns alle ein wenig davor. Herr Jinx vor den Betten, Mutter Jinx vor den Zimmern und ich vor dem Essen (es ist nämlich auch das einzige Restaurant hier). Völlig zu Unrecht! Das Essen war ausgezeichnet (sehr zu empfehlen: Haggis Gateau als Vorspeise!).

Untergebracht waren wir in diesen entzückenden Lodges. Die Zimmer waren sehr gemütlich und die Betten wirklich bequem.

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Hinter den Lodges: Kühe. Auf den Inseln durchaus ein seltener Anblick.

Das Hotel liegt in Baltasound, dem größten Ort der Insel: 70 Einwohner.

Nach dem Einchecken zeigten wir Herrn Jinx Muness Castle. Es ist nicht groß, aber immerhin das einzige Schloss der Insel und in jeder Hinsicht ein Fremdkörper.

Was die Bevölkerung von Unst von diesem Schloss und seinem Erbauer, dem Bruder des Herzogs der Orkneys, hält, lässt sich recht gut an dieser Informationstafel ablesen.  Dem war die Insel überlassen worden, und er ließ 1600 dieses Schloss errichten, in dem vergeblichen Versuch, auf Unst den höfischen Lebensstil zu etablieren, den er gewöhnt war. Die Insulaner mussten nicht nur diesen für ihre Verhältnisse riesigen Kasten errichten, sondern auch noch für den Lebensunterhalt dieses ihnen völlig unbekannten Menschen sorgen, obwohl sie selbst sehr arm waren. Sie wussten vermutlich nicht mal, wer das war und was der wollte, außerdem dürften sie seine Legitimation nicht verstanden haben. Dem Schloss war keine große Zukunft beschieden, denn nur eine Generation später war es verlassen. Die Bevölkerung hat es ordentlich abranzen lassen. Dem Shetlander an sich ist das Konzept des Adels nämlich zutiefst wesensfremd.

Das merkt man übrigens bis heute, denn man sieht auf den Inseln kaum Fotos der Queen. Als Prince William heiratete, habe ich extra die Online-Ausgabe der Shetland Times ausgiebig studiert, und ich wurde nicht enttäuscht: Diese Zeitung berichtet zwar über die mit kaputten Rücklichtern durch die Gegend fahren, aber über die königliche Hochzeit – nicht ein Wort. Man tat einfach, als wäre da nichts.

Danach fuhren wir bei dem berühmten Uns Bus Shelter vorbei. Idiotischerweise geriet mir der Riemen der Kamera vor die Linse, aber das diesjährige Thema kann man trotzdem erkennen: Tall Ships (analog zu dem Event im Hafen von Lerwick).

Schiffe auch im Inneren.

Ein Mann hat Hunger – Herr Jinx auf dem Weg zur Tankstellen-Café-Supermarkt-Kombination. Es ist der einzige Laden auf der Insel, und was es hier nicht gibt, das braucht man nicht so dringend und bestellt es im Internet. Es ist übrigens wirklich nicht tragisch, denn Lerwick mit seinem Tesco-Supermarkt erreicht man leicht innerhalb von etwas mehr als einer Stunde.

Gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Norwick (ca. 5 Minuten mit dem Auto), einer geologisch sehr interessanten Stelle, wo zwei unterschiedliche tektonische Platten aufeinandertreffen, was man an den Gesteinsformationen ablesen kann. Den Stock hat ein Geologie-Fan dort abgestellt, um besser zwischen den Steinen herumklettern zu können.

Die Gesteinsformationen befinden sich an einer sehr reizvollen Bucht.

Auf der anderen Seite der Formationen: feinster Sandstrand.

Simmer Dim auf Unst.

 

An unserem letzten Tag auf Mainland entschieden wir uns, Fethaland zu erwandern. Diese Landzunge ist ebenfalls ein Highlight, aber mit dem Auto nicht zu erreichen.

Blick auf einen Bauernhof und den alten Friedhof von Fethaland.

Zunächst ging es einen Hügel hinauf.

Auf der anderen Seite der Hügelkuppe führt eine Privatstraße in Richtung Fethaland.

Es ist – mal wieder – eine recht einsame Landschaft.

Wenn man von den allgegenwärtigen Schafen mal absieht.

Überraschend schnell kam unser Etappenziel in Sicht: Die Bucht und die Insel mit dem Leuchtturm dahinter.

An dieser Bucht befinden sich Reste von Hütten, die im Sommer von Fischern bewohnt waren. Heute tummeln sich dort Schafe in hellen Scharen.

Eine Informationstafel erinnert an diesen kleinen Fischereihafen.

Die Bucht, die Ruinen und der Leuchtturm.

Wir picknickten mit Blick auf die Bucht; es war wirklich sehr malerisch. Um uns herum tummelten sich Vögel, hinter uns Schafe, im Wasser hoben Seehunde ihre Köpfe neugierig aus dem Wasser. Eigentlich fehlten nur noch ein paar Salti schlagende Orcas. :D

Blick auf die andere Seite der Bucht.

War der Weg zur Bucht einfach und relativ kurz, traf das auf den Rückweg nicht zu.

Der zweite Teil des Rundwegs führte an ein paar Resten der Hütten vorbei.

Ein Schaf hält Wache.

Der Blick zurück – man ahnt es schon: Es ging bergauf.

Dies ist der Weg, der vor uns lag. Kenner erkennen es gleich: Es war mal wieder sumpfig.

Teilweise war es ziemlich steil, und den Weg musste man mehr erraten als dass man ihn sah. Es ist keine vielbegangene Strecke.

Das ist eigentlich schade, denn es ist eine der beeindruckendsten Landschaften, die Mainland zu bieten hat.

Noch ein Blick zurück.

Man darf hier nicht zu nah an der Küste entlanggehen, da der Untergrund extrem bröckelig ist. Also späht man aus sicherer Entfernung und mit ganz langem Hals über den Rand.

Einen Eindruck von der Beschaffenheit des Untergrunds erhält man, wenn man sich den Fels über dieser  Bucht ansieht.

Es gab mehrere dieser sehr beeindruckenden Buchten.

Das letzte Stück des Wegs war bequem, flach und – Ihr werdet es schon erraten haben – sumpfig.

Und wieder ein Blick zurück: Ein Loch und die See.

Der Weg führte unmittelbar an einem kleinen Gehöft vorbei, wo wir diese freundlichen und glücklichen Hühner trafen.

Und auch sie fehlten nicht; diese wirkten wie ganz frisch gewaschen. :D

Zurück in Lerwick bei immer noch strahlendem Sonnenschein: Eine Möwe verschafft sich einen Überblick.

Dämmerung in Lerwick. Rechts im Bild: Mutter Jinx, wühlend.

Unseren letzten Abend auf Mainland verbrachten wir in unserem Lieblingspub (links im Bild: der Arm von Herrn Jinx)

Die Bar des Douglas Arms.

Wir hatten Glück: Einmal pro Woche findet hier ein offener Musikabend statt. Hier treffen sich Musiker, die gemeinsam shetlandische Fiddle-Musik machen. Es sind keine Bands, sondern jeder kann kommen und mitmachen. Ein sehr passendes Ende unseres Aufenthalts auf der Hauptinsel, bevor wir am nächsten Tag in Richtung Norden aufbrachen: über die Insel Yell nach Unst.

Am nächsten Tag, bei deutlich besserem Wetter, machten wir uns auf, zurück nach Hillswick, um dort eine Wanderung zu unternehmen, die als eine der schönsten auf Mainland gilt.

Unter der Woche ist Da Böd ein ganz normales Anwesen ohne Gastrobetrieb.

Blick vom Weg auf Da Böd und die umliegenden Gebäude. Das große Gelbe im Hintergrund ist ein Hotel.

Ein liebevoll restauriertes Cottage

Dies ist auch schon der ganze Ort, der an einer malerischen kleinen Bucht liegt.



Zunächst war der Weg überhaupt nicht zu erkennen, was hier allerdings nichts heißen will. Der Untergrund war sehr feucht, um nicht zu sagen: nass. Feste Wanderschuhe sind hier unerlässlich!

Der Boden wurde zunehmend begehbarer und die Aussicht spektaktulärer.

Es ging immer an der Küste entlang.

Die See hat die Felsen im Lauf der Jahrtausende in bizarre Formationen verwandelt, und die Küste ist dauernden Veränderungen unterworfen.

Durch dieses Loch sieht man auch bei ruhiger See die Gischt spritzen. Wir wurden übrigens über eine lange Strecke von einem neugierigen Seehund begleitet, der neben uns herschwamm.

Blick ins innere der kleinen Halbinsel. Auch hier findet man Reste aufgegebener Crofthouses – wie überall auf den Inseln.

Es war nicht mehr so nass wie am Anfang, aber immer noch sehr sumpfig.

Und es war recht hügelig.

Unser Etappenziel: der Leuchtturm von Hillswick.

… und der Weg dorthin.

Es war nicht gerade überlaufen dort, außer uns dreien waren nur noch zwei Wanderer unterwegs.

Wie fotografiert man das Nichts?

Langsam näherte sich der Leuchtturm.

Es ist, w eine moderne Anlage, unbemannt wie alle Leuchttürme auf den Inseln. Der “Zaun” dient den Wartungsarbeitern bei Nebel zur Orientierung, damit niemand sich verirrt und an der ungesicherten Küste abstürzt.

Die Küste ist nämlich nicht ungefährlich hier …

… und Brandung gibt es auch bei völlig ruhiger See (so wie an diesem Tag).

Der Weg zurück. Der war wegen selbstverschuldeter kollektiver Dämlichkeit ziemlich lang. Wir entschieden uns, nicht den angegebenen Pfad die Küste entlang zu nehmen, sondern das Grüne zu queren.

Aber zunächt: ein Blick zurück zum Leuchtturm, bei sich eintrübendem Wetter. Das ist auf den Inseln eher die Regel als die Ausnahme; das Wetter wechselt schnell.

Doch zunächst bot die Küste noch einen spektakulären Anblick, bevor …

… bevor es für eine gefühlte Ewigkeit so aussah: Grün halt. Sehr grün.

Der Boden wurde zunehmend steiniger …

… und die Sumpfgewächse wichen blühendem Heidekraut.

Wie gesagt, also es war vor allem grün. Wir liefen durch die weglose Pampa, wurden durch Zäune zu längeren Umwegen gezwungen und schworen uns, dass wir nie wieder vom angegebenen Weg abweichen würden, denn wir hatten genug. Herr Jinx meinte schließlich: “Ich scheiße auf das Auenland”. Das mag sich jetzt ein wenig profan anhören, gab aber unser aller Stimmung recht gut wieder. :D

Die offizielle Route wäre nur durch einen gigantischen Um- und Rückweg zu erreichen gewesen, aber als wir die Küste wiedersahen, war es eine Erlösung. Allerdings war das Gefühl ein wenig verfrüht, denn uns erwarteten weitere Zäune, die wir überstiegen (ja, auch Mutter Jinx).

Der Anblick der bezaubernden rosa Küste entschädigte uns … zumindest teilweise. Unglücklicherweise lebt auf Hillswick nämlich der wohl einzige Paranoiker der Insel, der seinen Hof fest eingezäunt hat.

Aber auch die ätzendste Wanderung hat mal ein Ende, und das war hier wirklich schon ganz nah.

Wir mussten nur noch über einen Zaun und ein Gatter steigen und eine Weide mit Jungstieren queren. Es sind letztendlich auch nur Kühe, und sie drängten sich ängstlich auf dem am weitesten entfernten Punkt ihrer Weide zusammen, als sie unserer ansichtig wurden.

Und ganz zum Schluss erreichten wir sogar den offiziellen Weg, und die Wanderung war zu Ende. Schön war es trotzdem.

Um uns zu erholen, kehrten wir wieder in Busta House ein, wo wir uns mit Kaffee bzw. Tee stärkten. Natürlich im Salon, dem Kaminzimmer.

Nie war es uns schöner erschienen als an diesem Nachmittag.

Auf der Rückfahrt nach Lerwick. Jedes Land hat seine eigenen Tierwarnungen, hier sind es Otter, die ab und zu die Fahrbahn queren.

Zurück in Lerwick.

Die Zeit bis zum Abendessen überbrückte ich mit einem Bummel durch den (verregneten) Yachthafen, der Marina.

Blick auf einen Fischtrawler

… und auf die Stadt.

Eine Gasse, die auf die Commercial Road, die Hauptstraße, führt.

 

Und schließlich unsere Unterkunft, das Solheim, aufgenommen nach 22.00 Uhr. Es war nämlich Simmer Dim, also ging die Sonne nie wirklich unter, und draußen hätte man die ganze Nacht ohne zusätzliche Lichtquelle lesen können.

 

Der nächste Tag  war vom Wetter her recht unbeständig, und daher beschlossen wir, einen Teil von Mainland mit dem Auto zu erkunden. Wir suchten uns die Gegend von Vidlin dafür aus.

Wir man hier sieht, ist dieser Teil außerordentlich dünn besiedelt, wenn man von den Schafen einmal absieht (und das will etwas heißen, denn “dicht besiedelt” ist hier eigentlich gar nichts).

Die (natürlich einspurige) Straße führt durch eine steinige, karstige Landschaft. Der Boden glitzert, wo man auch hinsieht, denn das Gestein ist quarzhaltig.

Blick auf das Meer

Die Straße wird von Schafen bewacht.

Danach machten wir einen Abstecher zur Lunna Kirk. Mutter Jinx und ich haben diesen Ort bereits ein Jahr zuvor besucht, aber Herr Jinx war nicht dabei, und diesen historisch bedeutsamen Ort wollten wir Herrn Jinx nicht vorenthalten.

Auf dem kleinen Friedhof sind nicht nur Insulaner bestattet, sondern auch norwegische Widerstandskämpfer, die mit dem Shetland Bus aus von shetlandischen Fischern auf die Inseln gebracht wurden. Sie sind bis heute unvergessen, und Norweger bereisen die Inseln, um die Stätten des Widerstands zu besuchen.

Gedenkstein für einen Shetlander, der an den Aktionen des Shetland Bus beteiligt war. Er ließ seine Asche im Meer verstreuen, aber dieser Stein erinnert an ihn.

Die Küste in unmittelbarer Nähe der Kirche. Auf den Inseln sind eigentlich fast alle Friedhöfe in unmittelbarer Nähe des Meeres angelegt.

Ein aufgegebenes Cottage mit den hier unvermeidlichen Schafen. Dies ist wirklich ein besonders prachtvolles Exemplar.

Direkt gegenüber der Kirche liegt Lunna House. Die alte Haa war eines der Hauptquartiere des Shetland Bus. Es kann nicht besichtigt werden und ist bewohnt.

Zum Mittagessen kehrten wir in Busta House ein, dem schönsten Hotel der Inseln, wo man ausgezeichnet essen kann. Serviert werden vor allem lokale Produkte.

Den Kaffee nahmen wir im wirklich bezaubernden und unglaublich gemütlichen Kaminzimmer, das eine echte Oase ist.

Hier ist sogar die Raucherecke (da wir in Großbritannien sind, befindet die sich selbstverständlich draußen) gemütlich.

Für den Nachmittag hatten wir geplant, Hillswick eine Stippvisite abzustatten, wo wir an einem anderen Tag wandern wollten (wie gesagt, das Wetter war unbeständig, und es regnete immer wieder mal). Doch das war gar nicht so einfach. Hierzu muss ich etwas weiter ausholen.

Die Beschilderung auf den Inseln oder: Na, wo isses denn?

Selbstverständlich sind Sehenswürdigkeiten, seien es Gebäude, archäologische oder geologische Stätten, landschaftlich reizvolle Plätze oder auch Ortschaften ausgeschildert. Das macht man für die Touris, denn die Einheimischen wissen ohnehin, wo alles ist. Eigentlich ist das alles auch ganz einfach, denn es gibt nicht viele Straßen, und wir hatten selbstverständlich eine Karte dabei. Uneigentlich sind viele der Schilder nur einseitig beschriftet, und wenn man sich von der anderen Seite nähert, fährt man erst mal vorbei. Oder die Schilder zeigen in eine nicht näher zu definierende Richtung, der keine Straße eindeutig zuzuordnen ist. Diese Variante ist natürlich nur an Kreuzungen sinnvoll und wird dort auch gern verwendet. Natürlich kann man einen Einheimischen fragen (ich verstehe sogar den Dialekt einigermaßen, das ist also kein Problem), nur ist oft genug gerade keiner zur Hand. Also landeten wir nicht in Hillswick, einer landschaftlich sehr reizvollen Ecke, sondern auf irgendeinem Bauernhof am Ende der Welt. Nachdem wir drei uns gemeinschaftlich zu der Erkenntnis “Also, hier kann es wirklich nicht sein” durchgerungen hatten, begegnete uns dieses Tierchen:

Dies ist kein Haggis, wie viele Amerikaner glauben (und die Schotten unterstützen den Irrglauben, dass dieses Nationalgericht vom gleichnamigen Tier und nicht vom Schaf geliefert wird), sondern natürlich ein kleiner Igel, der sich völlig unbeeindruckt seinen Weg bahnte. Es war zwar nicht Hillswick, aber doch auch ganz schön.

Wir erreichten Hillswick doch noch, inzwischen regnete es, und für eine Wanderung war es erstens zu spät und zweitens zu nass. Dafür wurden wir jedoch entschädigt, und zwar durch Da Böd.

Da Böd ist ein für hiesige Verhältnisse recht weitläufiges Anwesen. Es wurde von einem hanseatischen Kaufmann aus Norddeutschland errichtet und im Laufe der Jahrhunderte erweitert. Heute wird es von einer Dame bewohnt, die dort eine Auffangstation für (Wild-)Tiere in Not unterhält. Dazu gehören Heuler, aber auch verletzte Robben, Otter u. ä. Besuchen kann man diese kleine Menagerie nicht; es ist kein Streichelzoo, sondern Ziel ist, die Patienten auszuwildern, wenn das möglich ist. Die, die nicht mehr zu einem Leben in ihrer natürlichen Umgebung imstande sind, finden dort ein Heim. Um diese Arbeit zu finanzieren, betreibt die Besitzerin an den Wochenende ein Café. Hier kehrten wir ein, obwohl wir eigentlich noch satt vom Mittagessen waren.

Vor dem Gebäude sind historische Gebrauchsgegenstände ausgestellt, z. B. Fässer zur Aufbewahrung von Fisch.

Oder auch ein Sweater Blocker.

Das Café befindet sich im ältesten Teil des Anwesens. Das Torffeuer brannte auch im Juni, denn immerhin herrschten tagsüber ca. 13 – 15 Grad, nur bei Sonnenschein waren es etwas mehr. Links im Bild: Mutter Jinx, auf ihren Kaffee wartend (nichts und niemand kann meine Mutter dazu bringen, Tee zu trinken). Leider etwas überbelichtet.

Hier gibt es Kaffee, Tee und Kuchen bzw. Kekse. Das Besondere ist, dass es keine festen Preise gibt; stattdessen wirft man etwas in eine im Eingangsbereich aufgestellte Spendendose. Von den Einnahmen wird die Auffangstation finanziert.

Der Strand von Hillswick an diesem recht trüben Tag. Hierher sollten wir kurz darauf, unter günstigeren Bedingungen, zurückkehren.

 

 

 

 

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