Wir alle stricken derzeit anscheinend im Akkord vor allem Socken, Tücher, Decken in den verschiedensten Mustern und Techniken. Pullover und Jacken kommen auch dazu, vieles davon in Patchworkstrick. Was mich brennend interessiert, wo ich mich aber nicht so recht ran wage, sind Pullis mit verkürzten Reihen. Gut ausgerüstet mit den beiden Büchern von Ruth Kindla zum Thema und einigen Übungsstücken kann ich sagen, dass ich die Technik “durchschaut” habe und das ohne Löcher und recht glatt hin bekomme. Allerdings sind die Vorlagen in den beiden Büchern fast ausnahmslos für kleine und sehr kleine Größen, also leider nichts für mich. Und bei dieser Art des Strickens merkt man ja eigentlich erst am Ende, ob es passt oder nicht und das ist mir einfach zu heiß, wenn all die Mühe umsonst gewesen sein soll.
Wer von Euch kennt sich aus damit, hat so etwas schon gestrickt und weiß, wie man mit den Größen “tricksen” kann?
Also, ich mag weder die Designs von Ruth Kindla noch ihre Art, die verkürzten Reihen zu beschreiben (viel zu umständlich). Ich habe das nach amerikanischen Anleitungen gelernt, wo mir schnell klarwurde, wie das Prinzip funktioniert und es flexibel und individuell einsetzbar ist. Wenn ich verkürzte Reihen einsetzen will, arbeite ich entweder nach Augenmaß (Decken, Taschen etc.), oder mit Maschenprobe und Zentimetermaß (Kleidungsstücke); klappt immer. So kann man die verkürzten Reihen auch für Pullover, Jacken etc. individuell anpassen und anwenden.
Es scheint mir eine Eigenheit vieler deutscher Anleitungen bzw. ihrer AutorInnen zu sein, StrickerInnen möglichst zum stupiden Nachmachen zu bringen und in Abhängigkeit von starren Anweisungen zu halten.
Mein Guerilla-Beet liegt ja in einem etwas problematischen Viertel, und ich war auf einiges eingestellt. Aber es kam anders: Die Anwohner mögen das Beet, mit den Hundebesitzern habe ich mich verständigt, die Leute pflücken nicht mal Blumen, wenn man von drei sauber ausgegrabenen Pflanzen absieht (vor Ostern und Muttertag), ist dort nie etwas passiert. Doch nun wurde das Beet zum ersten Mal verwüstet, und zwar nicht von den Gruppen, denen man so etwas gerne zuschreibt, sondern von den städtischen Gärtnern.
Dies war der Anblick, der sich mir gestern bot. Die Linde wurde beschnitten (im Juni???), und die teilweise richtig dicken Äste wurden auf dem Beet abgelegt. Wie die Tiere, wirklich.
Es mag schon sein, dass meine kleine Anlage nicht den Vorstellungen des Ordnungsamtes entspricht, wie ein “städtisches Begleitgrün” auszusehen hat, aber das Beet war sehr gepflegt und wurde regelmäßig gegossen – und es war auch bei den Anwohnern sehr beliebt.
Erbost räumte ich die Äste beiseite und pflanzte einige neue Blumen (ich wollte sowieso die verblühten Ranunkeln ersetzen).
Nun sieht es nicht so sonderlich aus, aber es ist nicht so schlimm wie gedacht. Die Schwarzäugigen Susannen an der Wand sind gar nicht betroffen, die Million Belles werden sich berappeln, der Swanhild-Buchsbaum steht, der Mohn hob schon wieder seine Knospen, Frauenmantel und Tagetes werden es schaffen, und die Begonien taten so, als wäre da nichts. Nur die Elfenspiegel sind sehr stark mitgenommen. Gut, dass ich die Äste beiseite geräumt habe, sonst hätten Stumpfi & seine kleinen Freunde vom Grünamt nämlilch beim Abräumen alles niedergetrampelt. Wo rohe Kräfte sinnlos walten …
Ich würde mir ein Grünamt wünschen, dass weniger stumpf und öde zur Sache geht (und damit meine ich auch die städtischen Standardbepflanzungen). Aber ich lasse mich von den städischen Klappspaten nicht unterkriegen; ich mache weiter. Die haben nämlich weder genug Zeit noch genug Budget, um das Ding regelmäßig zu verwüsten.