February 1, 2011 - כ"ז שבט תשע"א


Nachdem ich mich letztes Jahr mit zu vielen angefangenen Projekten gründlich verzettelt habe, will ich sie jetzt Stück für Stück abarbeiten, zumindest teilweise.

After I bogged down with too many projects last year, starting a lot and finishing a few, I want to work my way through WiPs and UFOs this year, at least a bit.

Die Nomadenweste von Christel Seyfarth ist so ein Teil, ich liebe das Modell und den Schnitt, und immerhin bin ich jetzt schon an den Armausschnitten angekommen.

The Nomad Vest by Christel Seyfarth is one of these. I just love the pattern and the shape of it, and finally I reached the steeked section of the sleeves.

Und es wird noch besser: Ich habe sogar schon die passenden Verschlüsse gefunden. Das Phänomen ist ja bekannt: Man betritt ein Geschäft, und dort gibt es gefühlte 100 Millionen Knöpfe, aber nicht einen einzigen, der zu dem Projekt passt UND der einem gefällt. Gefunden habe ich diese wunderbaren und sündhaft teuren Teile auf dem Isemarkt. Jawohl.

And, unbelievable but true, I even managed to find the fastenings which make a perfect match. It’s quite a well-known phenomenon: You enter a store, and there are about a bazillion buttons, but not a single one you like. I found this wonderful and obscenely expensive fastener at the Isemarkt in Hamburg.

Ein entspannter Nachmittag mit Hindernissen: Das Waldläufertuch und eine Tasse Kopi Luvak.

Nachdem Stricktreffs sich für mich größtenteils erledigt haben, bin ich für dieses Jahr auf ein neues Projekt verfallen: das Stricken an besonderen Orten. Nun war ich wegen Wahlkampf indisponiert, aber heute war es so weit: die Premiere. Mutter Jinx und ich begaben uns also zur Kaffeerösterei in Hamburg. Die befindet sich sehr stilvoll in einem alten Speicherhaus in der Hamburger Speicherstadt. Meist ist es dort sehr voll, aber ein Besuch lohnt sich immer, sogar für mich als überzeugte Teetrinkerin, denn dort gibt es echte Gourmetsorten wie Jamaica Blue Mountain und ähnliche. Heute war diese doch recht erlesene und eigentlich sehr stilvolle Location allerdings Schauplatz für ein Event der eher bizarren Art.

Als wir den Raum betraten, wirkte alles recht normal; wir bestellten zwei Kännchen Kopi Luvak (auch Katzenkaffee genannt, ja, ich weiß, was das ist und auch, wie er zustande kommt, und nein, es macht mir nichts aus. Der Geschmack ist nämlich unübertroffen und etwas völlig anderes als die säuerliche Plörre, die man sonst so bekommt). Kaum hatten wir Platz genommen, erschreckte mich eine Gestalt in Faschingsseide mit Plastikkrone: Die Heidekartoffelkönigin war da (ich weiß nicht so genau, was das ist, und ich will es auch gar nicht so genau wissen). Wir waren in eine Promotionsveranstaltung des Kurortes Bad Bevensen geraten, die für Stammgäste ausgerichtet worden war. Die Tourismushonoratioren waren anwesend, bewaffneten sich mit einem Mikrofon und verlosten unter tatkräftiger Hilfe der Heidekartoffelkönigin Kartoffeln, Schirme und Übernachtungsgutscheine. Die aufgebauten Tische mit ortstypischen Dingen veranlassten mich zu der Bemerkung, dass ich keinesfalls gewillt wäre, eine Heizdecke zu kaufen. Ich kenne Bad Bevensen nicht, bin aber im Laufe des Nachmittags zu dem Schluss gekommen, dass es sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Höllenschlund befinden muss.

Nun ist es ja so, dass Mutter Jinx und ich in solcher Gesellschaft (ich fühlte mich fatal an Berichte von Kaffeefahrten erinnert) und bei solchen Events zu Verhaltensauffälligkeiten neigen. Dies ist vielleicht verzeihlich, wenn man bedenkt, dass man, geht man in eine exklusive Gastronomie in einer Metropole, auf so etwas wie Seniorentreff, Heidekartoffelkönigin und Kaffeefahrt-Atmosphäre nicht recht vorbereitet ist. Es war schon arg: das Hotel 50+, das hartnäckig als solches beworben wurde (Mutter Jinx fiel vor Lachen fast vom Stuhl, als ich bemerkte, dass ich in sechs Jahren qualifiziert wäre, dieses Etablissement selbst aufsuchen zu können), die Heidekartoffelkönigin, die Hoteliers, der Typ, der kistenweise Wurst dahatte, aber keine verkaufen, mir aber stattdessen einen Prospekt über Ferienwohnungen andrehen wollte, mit der Bemerkung, die würde er anbieten (nein, keine Heizdecken, keine Ferienwohnungen, aber herzlichen Dank auch).

Nachdem man zweimal versucht hatte, meiner Mutter kostenlose Kekse aufzudrängen, beschlossen wir, dass dieses Szenario nur mit mehr Drogen erträglich wäre und holten uns noch zwei Kännchen Jamaica Blue Mountain. Zur Abwehr feindlicher Geister und aufdringlicher Promotionsspezialisten platzierten wir einen von der Wahl übriggebliebenen Flyer der Pirtenpartei und eine Werbepackung Taschentücher der Linken auf dem Tisch und strickten friedlich und genügsam vor uns hin.

Auch wenn es erstaunlich ist, dass ein gehobenes, immer gut besuchtes Etablissement wie die Kaffeerösterei sich für eine solche Veranstaltung hergibt, fühlten wir uns doch gut unterhalten; es war mit Sicherheit lustiger als so manches Comedyprogramm.

Die Kaffeerösterei bietet neben seltenen Kaffeesorten auch guten Kaffee aus eigener Röstung an, außerdem leckere Kuchen, wie man sie nicht aus jeder Fabrik kennt und belegte Brötchen.

Abschließend möchte ich bemerken, dass ich die Lüneburger Heide verehre, als uralte Kulturlandschaft und als einmaliges Charakteristikum der norddeutschen Tiefebene. Ich fahre jedes Jahr hin, und es gefällt mir jedes Mal aufs Neue. Und daher kann ich wirklich sagen: Das hatte die Heide nicht verdient.

Zunächst mal: Es wird weitergehen. Nur nicht gerade jetzt.

Was ich hier immer herausgehalten habe: Ich bin Mitglied der Piratenpartei, dort im Vorstand als politische Geschäftsführerin des Landesverbands Hamburg. Wir haben im Februar Wahlen, und das bedeutete, dass ich im Dezember Unterschriften für die Wahlzulassung sammeln musste, dann die Werbemittel redigieren und teilweise texten, Pressearbeit machen, außerdem am Wahlprogramm mitarbeiten, und nun stehe ich als Kandidatin meines Wahlkreises und der Landesliste auf der Straße am Infostand. In einer kleinen Partei ist eben alles handgemacht, denn wir haben weder bezahlte Helfer noch eine zahlenmäßig nenneswerte Jugendorganisation, die wir knechten können. ;)

Deswegen reicht es bis nach dem 20. gerade mal für ein Wollschaf ab und an, aber nicht für mehr. Das Stricken musste ich auch arg vernachlässigen, aber es kommen ja auch wieder andere Zeiten, versprochen. Freizeit habe ich momentan jedenfalls keine.

Vielen Dank für Euer Verständnis.

Ich beobachte häufig, dass Strickstücke, die von einer Vorlage gestrickt wurden, überschwänglich gelobt werden, auch wenn es ein simples Teil ist, dass hunderte Male im Netz gezeigt wurde.
Selbst entworfene Sachen bekommen häufig sehr wenig Beifall, obwohl da doch richtig Können und Mühe drinsteckt.
Sehe ich das falsch? Und wenn nicht, warum ist das so?

Ich beobachte amüsiert schon längere Zeit die Jubelklientel (früher hieß das mal “Jubelperser”, wobei ich keinen Menschen aus dem Iran beleidigen möchte mit diesem Ausdruck), und da gibt es durchaus Unterschiede.

Zunächst gibt es das hier beschriebene Phänomen: auch noch der simpelste Lappen wird bejubelt, auch wenn das Teil jeder Anfänger nachstricken könnte. Die Gründe sind vielfältig, zunächst könnte es sich tatsächlich um das Werk eines Anfängers handeln, und dann ist der Jubel durchaus berechtigt, da eine Leistung dahintersteht, die man bei einem Fortgeschrittenen so nicht zuerkenenn würde. Meist jedoch stammen diese Teile nicht von Anfängern, und da wird die Motivsuche richtig interessant.

Ich habe beobachtet, dass es eine Art Gruppenjubel gibt: Es haben sich – ob im Internet oder außerhalb davon – Strickerinnen zu losen oder festeren Gruppen zusammengeschlossen, die ihr Strickleben miteinander teilen. Da kommt es leicht zum Rudeljubel, wenn eine ein Teil fertiggestrickt hat, und zwar unabhängig von Qualität, Aussehen oder Schwierigkeitsgrad. Das ist m. E. so eine Art Ritual, so wie diese beschallerten Saufgelage mit nationalen Gesängen bei Burschenschaften, dass gemeinsame Pinkeln an Hauswänden von Männern, die in Gruppen unterwegs sind etc. Es muss nicht intelligent oder eigenständig sein, Hauptsache, es machen alle.

Dann gibt es den Jubel des Hofstaats, also Leute, die eher eine Person bejubeln, unabhängig, was die nun gemacht hat, ob das eine anspruchsvolle Großtat, eine gestrickte Abscheulichkeit oder etwas total Banales ist. Die Kommentare wirken dann wie mit Copy&Paste erstellt und lauten “Oh wie toll”, “wie großartig du das wieder gemacht hast” und ähnlich allgemein und belanglos gehalten. Die ganze Sache ist weniger egalitär als beim obigen Fall, denn es wird nicht mehr oder weniger gleichmäßig rundum gejubelt (je nach Ausstoß), sondern die Begeisterung kommt einer Person zu, in deren Glanz sich die Masse sonnt. Hier gehören zwei Parteien dazu, nämlich die willigen Jubler, aber auch die, die sich ebenso willig bejubeln lassen.

Welche Variante auch immer zutrifft, es ist so eine Art Herdending, und der Beitrag, nämlich der Jubel, entbehrt immer irgendeiner eigenen geistigen Leistung oder der Auseinandersetzung mit dem Gegenstand der Begeisterung. Mich erinnert das immer an eine Serie von Kunstwerken des DDR-Künstlers Hans Ticha, die  “Klatscher“.

Und zu guter Letzt zum Thema der Würdigung von eigenen Entwürfen: Gerade in einer gigantischen Datenbank findet sich eben auch viel Beliebiges, was eigene Entwürfe angeht. Das muss nicht negativ sein, aber es ist nicht alles der ganz große Entwurf, was der Attraktivität des Modells ja keinen Abbruch tun muss. Zudem werden viele Objekte begeistert aufgenommen, die optisch außergewöhnlich sind, ohne dass man sich groß Gedanken macht, ob man das Teil auch wirklich im täglichen Leben oder auch sonst anziehen würde. Vieles, was zu einem echten Lieblingsstück wird, wirkt auf einem Foto nicht so gut wie im Original. Da bleibt der Beifall eben auch mal aus, das sollte aber niemanden ernsthaft stören, der das Stricken mit Begeisterung betreibt.