December 1, 2010 - כ"ד כסלו תשע"א


Obwohl ich momentan so viel Stress habe, dass selbst für Weihnachten kaum Zeit blieb, will ich doch meine persönliche Strickbilanz hier vorstellen. Der Bildcollagenrückblick muss warten, dafür gibt es viele Links.

Die (nicht ganz) nackte Fakten:

  • mein persönlicher Garnverbrauch: 90 Knäuel, und da ist alles dabei, von Lace bis Aran. Das Gesamtgewicht habe ich nicht notiert, ist mir auch nicht so wichtig.
  • fertige Strickstücke: 29 Teile, von ganz groß bis ganz klein.
  • Lieblingsstücke: British Knight, Celtic Warrior (aka British Knight II), Elsewhere, Tulip Mitts, Emily Dickinson
  • Garnentdeckungen: Hifa Ullgarn, Aade Long, Rowan British Breeds
  • Meine persönliche Weiterentwicklung (stricktechnisch): Es ist mir dieses Jahr gelungen, den Sprung zum eigenen Design zu schaffen. Ich habe Deckenpatches, Kleinteile und sogar Pullover nach eigenen Ideen gestrickt, die (wie ich finde) gut gelungen sind. Was ich hingegen (bis auf eine Ausnahme) nicht getan habe, ist Anleitungen zu verfassen. Der Grund ist einfach: Ich hatte keine Lust.
  • Meine liebsten Buchanschaffungen (unabhängig vom Erscheinungsjahr): Vogue Knitting – the ultimate Knitting Book; Norwegian Patterns for Knitting; Heirloom Knitting’s Shetland Hap Shawls, then and now; Twined Knitting, a Swedish Folkcraft Technique (vergriffen, nur noch antiquarisch zu haben).
  • Horizonterweiterung des Jahres: Mein Urlaub auf den Shetland Isles – stricktechnisch gesehen, aber nicht nur
  • Meine ganz persönlichen Event-Highlights: dass ich bei einer anspruchsvollen Radiosendung mitmachen durfte, die meinen Blick auf das Stricken enorm erweitert und bereichert hat; und als wäre das nicht genug, meine Beteiligung an einer kleinen Ausstellung zum Thema Stricken im Textilmuseum in Bocholt nebst zweier Vorträge bei der Eröffnung/der Förderkreis-Advents-Matinee
  • Mein Bruch im bisherigen Strickerleben: Mein Abschied von der deutschen Strickszene; nicht total (dazu finde ich manche zu nett und anregend), aber zu einem großen Teil. Dazu gehört, dass ich mich bei Mailinglisten und Foren abgemeldet habe (z. B. bei einigen Ravelry-Foren) und dass ich an großen Stricktreffs kaum noch teilnehme. Ich habe einfach festgestellt, dass es nicht reicht, eine so vielfältig interpretierbare Beschäftigung wie das Stricken zu teilen, um sich etwas zu sagen zu haben oder verstanden zu werden. Ich habe außerdem gemerkt, dass ich vom Stricken mehr habe, wenn ich da kosequent meinen ganz eigenen Weg gehe, unabhängig davon, was andere dazu sagen, meinen oder denken. Und interessanterweise gelingt es mir leichter, dahin vorzudringen, wo ich hinwill (siehe Highlights: Shetland, Radio, Ausstellung) und zu dem, was mich interessiert, wenn ich tue, was ich für richtig halte. Wirklich lustig ist in diesem Zusammenhang ist, dass mir verstärkt Kontakte mit StrickerInnen zuwachsen, mit denen ich wirklich auf einer Wellenlänge bin – auch hier: Horizonterweiterung, Inspiration und intensiver Austausch. Ich funktioniere eben nur, wenn ich ganz bei mir bin, mit dem, was ich tue und wie ich es tue, und daher ist meine Strickwelt nun auch wieder in Ordnung.
  • Was mit diesem Blog wird, weiß ich noch nicht. Muss ich überdenken.

In diesem Sinne: Ein gutes Neues für alle, ob strickend oder nicht strickend.

A Happy New Year to all my readers, knitters or non-knitters!

Bitte hier entlang und auf die Viecher klicken. In diesem Sinne: Frohes Fest.

Please follow the link and don’t forget to click the reindeers. Merry Christmas!

Und für Traditionalisten: Die Weihnachtsgeschichte
And for my more traditional readers: the story of nativity

Wo und wann strickt ihr? Begleitet euch das Strickzeug ueberall hin? Strickt ihr schon morgens auf dem Weg zur Arbeit, oder nur abends, z.B. zuhause auf dem Sofa vor dem Fernseher? Habt ihr spezielle Projekte fuer die verschiedenen “Strickzeiten” und “Strickplaetze”?
Ich stricke einfach immer und überall, zumindest wenn genügend Zeit ist und ich einen Sitzplatz habe. Bevorzugt sind:

  • U- und S-Bahn-Fahrten. Besonders lustig, wenn ich zwischen Jugendlichen sitze. Wirkt auf die Umwelt vielleicht ein bisschen sinister, ich, mit meinen Jeans und Bikerboots nebst Kapuzenshirt und einer Körpergröße von 1,90. Ist nun mal so.
  • in Fernzügen
  • Regelmäßige Parteitreffen – bei uns sind überwiegend Männer organisiert, aber die haben sich gewöhnt. Dies sind inzwischen meine liebsten Stricktreffen, auch wenn ich die einzige bin, die strickt.
  • Auch sehr empfehlenswert: Vorstandssitzungen und Presseteam-Treffen
  • In Cafés
  • generell bei langweiligen Wartezeiten
  • bei Ausflügen, in Erholungspausen

Ich nehme da immer etwas mit, was nicht zu groß ist und was nicht zu viel Aufwand erfordert; also nichts, wo ich Bücher oder Anleitungen mitschleppen muss.

Zu Hause stricke ich natürlich auch, gern abends vor dem Fernseher, das Programm ist dann nicht mehr so langweilig.

Vor Monaten bereits gab es in einer Landlust-Ausgabe Strickpackungen zum bestellen, und dies ist eine davon. Nach gravierenden Lieferengpässen kam das Ding endlich ein, zwei Knäule wunderbaren Kilcarra-Tweeds und die Anleitung. Angeboten war der Schal in Petrol, geliefert wurde eine Blaubeerfarbe, die ich jedoch behielt, weil sie mir gut gefällt.

Months ago the German Landlust magazine offered some knitting kits to order, and this is one of them. After they had been overrun by orders the kit arrived finally: two balls of a wonderful Kilcarra tweed and the instructions. The scarf was offered in teal, but the yarn has a blueberry shade. I decided to keep it since I like it.

Die Anleitung ist denkbar einfach: glatt rechts stricken und zum Schluss Maschen fallen lassen, das ist alles. Hätte ich auch ohne hinbekommen, aber ich wollte das Material testen. Nach dem Stricken filzte ich den Schal in der Waschmaschine an (Schongang), was gut funktionierte und nicht zu viel Länge gekostet hat.

Knitting is really easy: it’s simply stockinette, and at the end you’ll have to drop several stitches, and that’s it. I would have done this easily without any further help or instructions, but I wanted to try the Kilcarra Tweed. After knitting Islightly  felted the scarf in my washing machine. It worked very well, and the scarf didn’t shrink too much.

Technisches/Technical Details
Name: Gefilzter Schal aus Fallmaschen / Felted Scarf with Drop Sitches
Design: Landlust
Material: Kilcarra Tweed, Landlust
Nadelstärke/Needles: 6,0 mm
Verbrauch/Yarn used: 100 g

Vor Monaten bereits hatte ich zugesagt, mit Margarete Dolff zusammenarbeiten, die für das LWL-Textilmuseum Bocholt an einer Ausstellung mit dem Titel Verstrickungen mitwirkte und mich um Unterstützung bat.

Da ich über Museumserfahrung verfüge, war ich begeistert, auf diesem Gebiet mal wieder tätig zu werden, und ich sagte zu. Erzählt habe ich jedoch erst mal nix, denn das ist oft ja etwas schwierig mit einigen Teilen der hiesigen Strickszene. Es ist auch nur eine ganz kleine Ausstellung, da nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht  in diesem wunderbaren Museum, das ein echtes Juwel für jeden ist, der sich für Textiles und seine Entstehungsgeschichte mitsamt der dazugehörigen Arbeiterkultur interessiert. Also, Zähne halten, damit nichts durchsickert (ich sage nur “Radiobeitrag”) und Diskretion wahren bis zur Eröffnung.

Das Museum selbst ist eine alte Weberei, die zu einem Ensemble erweitert wurde, das Einblick in Technik und Lebenswelt der Arbeiter vermittelt. So wurden die Bestände ergänzt und historische Arbeiterhäuser zum Teil auf das Gelände verpflanzt. Die Weberei ist heute wieder tätig; nicht im großen Stil, sondern für Demonstrationszwecke und für den Museumsshop; gewebt wird mit Garnspenden der Textilindustrie, und die Produkte sind wirklich sehenswert und sehr praktisch und alltagstauglich (also nicht die üblichen Staubfänger, mit denen man nichts anzufangen weiß, wenn man wieder zu Hause ist).

Aber zurück zur Ausstellung; mein eigener Beitrag ist eher bescheiden; ich habe zwei Texte verfasst (über Elizabeth Zimmermann und ihren intellektuellen Ansatz und über Fischerpullover), einige Exponate beigesteuert und den Eröffnungsvortrag gehalten (Thema: Das strickende Universum – Einblicke in eine Parallelwelt).

Zunächst gibt es einen kurzen Einblick in das Stricken im Deutschland der Nachkriegszeit. Es ist überhaupt nicht einfach, hierfür Exponate aufzutreiben. Textiles hält sich ja generell schlecht, und bei der zunehmenden Wegwerfmentalität der letzten Jahrzehnte ist vieles, was im 20. Jahrhundert entstand, entsorgt worden, als es dem Geschmack nicht mehr entsprach oder beschädigt war. Gar nicht aufzutreiben waren Dinge, die in der Nachkriegszeit aus der Not heraus entstanden sind, also Socken aus Zuckersäcken und ähnlich hautfreundlichem Material, denn die flogen in ganz hohem Bogen als erste, sobald Kleidung wieder käuflich zu erwerben war.

Ausgestellt sind z. B. ein echtes Familienstück; eine sehr geliebte, handgestrickte Taufdecke, typische Kinderkleidung der frühen Fünfziger im Trachtenstil (vermutlich das passende Outfit zur Heimatfilmwelle), dann – sehr interessant – die an einem Handstrickapparat hergestellten Proben nebst dem Abschlusswerk der Strickerin – alles in verblüffender Feinheit, wie man es von heutigen an der Strickmaschine hergestellten Dingen überhaupt nicht kennt und schließlich eine Reverenz an die letzte große Strickwelle der Achtziger, als alles kastig, klobig, übergroß und sehr bunt war.

Der Höhepunkt dieses Ausstellungsabschnitts ist allerdings dieser Strickmantel aus den Siebzigern in typischer Hippie-Flower-Power-Optik – gestrickt aus reinem Acrylgarn und somit völlig unbelastet von jeglichem ökologischen Bewusstsein. Es ist ein faszinierendes Teil, das heute kaum jemand wagen würde zu tragen (außerhalb der Karnevalsaison) und das haptisch auch eher unangenehm ist.

Die Stricktradition der arbeitenden Bevölkerung wird anhand der berühmten Fischerpullover dargestellt – praktische, alltagstaugliche und hoch strapazierfähige Teile, die identitätsstiftend wirkten und in einer feineren Variante auch zu Sonn-, Fest- und Feiertagen getragen wurden.

Nicht fehlen darf natürlich auch der Deutschen liebstes Projekt: die Socke. Die hier gezeigten Exponate sind technisch und ästhetisch ausgefeilt und bis ins Detail durchdacht – Socken auf höchstem Niveau eben. Alle Designs stammen von MAZ.

Das zeitgenössische Strickdesign, u. a. Ravelrys populäre Projekte, haben eine eigene Vitrine, die gleichzeitig die heutige Liebe zum gestrickten Accessoire thematisiert. Man sieht Designs von Stephen West, Kieran Foley (einem der Meister des Lace), von Shibui und von Maz (der faszinierende Zebra-Schal rechts, den ich unbedingt auch stricken muss).

Ein weiterer moderner Trend ist das Stricken von Dingen, die man eigentlich nicht braucht, die nicht zum Bekleiden, zur Abrundung des Outfits oder als Tischdecke bzw. Gardine für das eigene Heim gedacht sind: gestrickte Pilze und Pflaumen von capstatt – braucht man nicht, sehen aber bezaubernd und witzig aus (und erwiesen sich leider als unfotografierbar, aber es gibt ja die Website).

Ebenfalls eine Nische nimmt das Stricken von Kleidern für alte Miniaturpuppen ein; sie werden aus Nähgarn oder feinstem Baumwoll-Häkelgarn mit langen Stecknadeln gestrickt – eine unendlich feine und diffizile Arbeit, die große Akribie und Sorgfalt verlangt.

Das Herzstück der kleinen Ausstellung ist die sogenannte Hall of Fame. Hier werden einige richtungsweisende Designer mit Arbeiten und der entsprechenden Literatur präsentiert, die die zeitgenössische Strickkultur nachhaltig beeinflussten und wichtige Trends begründeten oder perfektionierten.

Links: Barbara Walker. Sie verfolgt einen feministischen Ansatz und veröffentlichte einige Musterbücher, die bis heute kopiert werden und trotzdem unerreicht blieben. Außerdem – und das ist hier dargestellt – veröffentlichte sie ein Rezept, um Oberteile vom Halsausschnitt beginnend in einem Stück zu stricken.

Rechts: Alice Starmore. Die schottische Designerin interpretiert Aran- , Fair-Isle- und Strukturmusterstrickerei auf individuelle Weise und schuf viele berühmte Designs.

Elizabeth Zimmermann: Die Ingenieurin des Strickens befreite eine riesige und ewig dankbare Strickgemeinde vom lästigen Zusammennähen und von der sklavischen Befolgung von Anleitungen. Ihre “Rezepte” bestechen durch hervorragende Passform, universelle Anwendbarkeit, der Freiheit bei der Material- und Musterwahl und ihren logischen und glasklaren Aufbau.

Vorne, rechts: Kaffe Fassett. Der Meister der Farben und Muster brachte einen malerischen Aspekt in die Farbstrickerei. Seine Muster sind auf unterschiedlichste Weise und in verschiedenen Techniken umsetzbar.

Hinten, links: Cat Bordhi. Ihre verspielte Umsetzung mathematischer Grundlagen begeistert nicht nur Stricker, sondern auch Naturwissenschaftler und Programmierer.

Abgerundet wird die Ausstellung durch Hörbeispiele, Mitmachsektionen, einer Diashow zum Thema Yarn Bombing und einem originalen Garnschrank, der von der Firma Zitron mit unterschiedlichen Handstrickgarnen bestückt wurde.

Mag die Ausstellung noch so klein sein, war es für mich doch überwältigend, dass einige meiner Gestricke tatsächlich in einem Museum ausgestellt werden, als Beispiele für die Umsetzung der Entwürfe moderner Designer. So richtig begriffen habe ich das erst am Samstag, als ich die Gelegenheit hatte, die Ausstellung vor der offiziellen Eröffnung zu sehen.

Der Sonntag schließlich war sehr lustig, denn da fand die Adventmatinee des Förderkreises statt. Der Raum war bis auf den letzten Platz besetzt, und irgendwie hatte ich im Vorfeld übersehen, dass da keine einfachen Museumsbesucher anwesend sind, sondern eben die Honoratioren Bocholts (ich war davon ausgegangen, dass es sich um eine einfache Ausstellungseröffnung handelt). Es muss schon arg gewesen sein, denn ich war in einem für mich typischen Outfit gekommen (schwarze Jeans, schwarzes T-Shirt, schwarze Kapuzenjacke und Bikerboots), was sicherlich nicht ganz das war, was erwartet wurde, aber einen interessanten Kontrast zu Anzügen und eleganten Kostümen darstellte. Vorgestellt wurde ich auch noch als “politische Aktivistin”, was so nicht ganz vorgesehen aber sachlich nicht falsch war; aber da muss man eben durch. :D (Und ehrlich, hätte ich es gewusst, hätte ich auch nichts anderes angezogen)

Im Outlaw-Outfit hielt ich dann auch den Vortrag; 15 Minuten über die Vielfalt des heutigen Strickens vor einem kulturell interessierten, aber gänzlich strick-unaffinen Publikum (wie gut, dass es nicht mein erster Vortrag war und ich wusste, dass man die Leute nicht durch endloses Herunterleiern allzu technischer Details langweilen sollte). Ich hatte Glück, es ging gut; das Publikum fühlte sich unterhalten und sogar amüsiert, und ich habe viel positive Resonanz erfahren, interessanterweise auch und vor allem von den männlichen Zuhörern. Ich wurde gebeten, nach dem Mittagessen spontan einen zweiten Vortrag zu halten; auch das beruhte auf einem Missverständnis, denn ich hatte die DVD mit den Fotos meines Shetland- Urlaubs eingereicht, damit sie während der Ausstellung (also: irgendwann mal) in Endlos-Schleife gezeigt werden; das heißt, vorbereitet hatte ich das nicht und durcheinander waren die Bilder auch geraten, also ging es völlig konzeptfrei und ohne halbwegs sinnvolle Reihenfolge zur Sache (irgendwas ist ja immer), und auch das funktionierte (die ersten Mitreise-Interessenten meldeten sich unmittelbar danach).

Ein wenig bizarr war es insgesamt schon, was nicht an den Leuten und auch nicht an mir lag, sondern eher an unserem Zusammentreffen bei dieser Gelegenheit, aber es war auf eine gute Art bizarr, da sehr anregend und horizonterweiternd. Ich begegnete sehr aufgeschlossenen und freundlichen Menschen, mit denen ich interessante Gespräche führte und die vielleicht ganz froh waren, dass eine solche Veranstaltung auch mal für die eine oder andere Überraschung gut sein kann.

Es war eine tolle Erfahrung für mich; ich bin dankbar, dass ich die Gelegenheit hatte, meinen Beitrag für diese Ausstellung und die Matinee zu leisten und vor allem die herzliche Gastfreundschaft im Hause Dolff genießen zu dürfen.

Als ich Mutter Jinx von der Matinee erzählte, meinte sie: “Du solltest vielleicht über die Anschaffung eines offiziellen Outfits nachdenken”.

Das IST mein offizielles Outfit, Mami.

Ähnlich wie es dem letztjährigen Blogwichtel erging, fehlt auch mir
jedwede Fachkenntnis, die mir einen qualifizierten Beitrag über
Stricktechniken, Materialen oder gar schöne Strickergebnisse
ermöglicht. Mir fiel jedoch ein, dass ich es ja nicht selbst können
muss, ich möchte ja nur darüber schreiben.
Kurzerhand habe ich mir die Fachmenschen zum Thema Stricken
gesucht, mit diesen gesprochen und ihre Arbeit fotografiert.

Die fleißigen Hände auf den Bildern gehören zu einigen Damen im
Alter von 62 – 88 Jahren sowie zu einem Herrn im passenden Alter.
Manche nennen sie Handarbeits- und Bastelgruppe, sie selbst
nennen sich schlicht Strickkreis. Bereits Ende der 60-er Jahre
fanden sich die ersten Teilnehmenden um gemeinsam zu stricken.
Regelmäßig treffen sich manche der heutigen Strickenden seit 1987.

Stricken ist Frauen- und Männersache, sie alle stricken für einen
guten Zweck. Bergeweise Wolle wird Jahr für Jahr verstrickt, so
rund 100 Kilogramm werden es wohl j?¤hrlich sein. Zuweilen kommen
von Außenstehenden Fragen, die ein Schmunzeln im Strickkreis
hervorrufen: “Wieviele Maschen strickst du, bis ein Pulli fertig ist?”
“Das kommt drauf an” ist die lächelnde, einstimmige Antwort der Damen.

Ich hatte mich vorher angekündigt und wurde freundlich mit Kaffee und
Kuchen empfangen, der Gemeinderaum in der Kirche ist recht groß.
Ein Gedeck mitten unter den anderen steht für mich bereit, Kaffee wurde
direkt hier gekocht, den Kuchen hat eine der Damen mitgebracht. “Wir
beginnen immer mit einem Kaffee oder auch einem zweiten Tässchen.”
erklären sie mir gut gelaunt.

Schon nach wenigen Minuten hört man im Hintergrund die ersten Nadeln
klimpern, zu lange lassen sie sich doch nicht Zeit, bevor sie emsig stricken.
“Im Sommer sind wir lieber bei einer der Unseren im Garten, das macht mehr
Spaß.” erzählt eine der Strickerinnen. “Spaß ist uns sowieso wichtig, wir füllen
unser gemeinsame Kasse wöchentlich und ein- zweimal im Jahr unternehmen
wir zusammen etwas.” Die Antworten kommen reihum, alle beteiligen sich:
“Mal gehen wir essen, mal ins Theater, Belohnung darf auch sein.”

“Wir treffen uns immer um 15 Uhr, so ist ausreichend Zeit für ein
Mittagsschläfchen vorab.” Ein Großteil der Wolle stammt aus Spenden
von Menschen, die nicht mehr stricken, oft gibt es auch angefangene
Teile. “Ich stricke gerade die Ärmel, die fehlten dem Pullover noch”.
“Manches kommt aus Haushaltsauflösungen, nur Sockenwolle kaufen
wir immer zu, die verarbeiten alle wohl selbst, da bekommen wir keine
Spenden.”

“Letzte Woche haben wir beim Jahresbasar wieder 800.- Euro
eingenommen.” Der Ältestenrat wollte irgendwann mal bestimmen,
was mit dem Geld des Strickkreises passieren soll, sie kündigten an
nicht mehr zu stricken, falls es nicht weiterhin ihre Entscheidung
sei, was mit ihren Einnahmen geschieht. So bekommt alljährlich
der Kindergarten kurz vor Weihnachten zu einer Extraspende.

Aus dem Nähkästchen plauderten sie auch noch ein bisschen:
Ja, sie stricken teils schon seit dem Kindergartenalter. “Einmal
bekam ich in der Schule einen Tadel, weil mein Wollknäuel dem
Lehrer vor die Füße rollte.” “Die Jungs haben uns in der Uni oft
verpfiffen und gepetzt, dass wir mehr am Stricken, als an der
ein oder anderen Vorlesung interessiert waren.” “Stricksachen
verschickt man heute doch nicht mehr Post, das ist viel teurer
als die anderen Paketservices.”

Was macht die Freude am Stricken denn aus? Einstimmig kam:
“das Ergebnis”. “Das sei das was wirklich Spaß macht, ein
besonderes Muster, ein aufwändiges Stück.” Klar um beim
Fernsehen nicht einzuschlafen, da seien auch die ganz
einfachen Sachen gut, da müsse man ja glücklicherweise
nicht hinsehen.

Ich hatte viel Spaß mit den Strickenden, vom Küken, die für
Puppenkleider zuständig ist, Über den Herrn der ausschließlich
Socken strickt, bis hin zu jeder einzelnen der Damen, die
bereitwillig meine Fragen beantworteten.

Jinx, ich hoffe, dass ein bisschen von meiner Freude an diesem
Nachmittag im Beitrag ankommt. Fröhliche und erholsame
Feiertage schon mal, vom Blogwichtel.


Ganz herzlichen Dank für diesen tollen und sehr passenden Beitrag und
auch für die Mühe, die dahintersteckt! Ich finde die Idee, einfach einen
Kreis zu besuchen, großartig und bin ganz begeistert, denn ich weiß,
dass mein Blog eine Art Heimsuchung für jeden ist, der ihn zugeteilt
bekommt. 1000 Dank dafür!

Wie man am Christmas Stocking unschwer erkennen kann, beschäftige ich mich gerade mit dem Kulturgut Setesdal-Pullover und experimentiere gerade mit den Mustern und den traditionell verwendeten Garnen. Mich fasziniert die strenge Beschränkung in Farben und Mustern.

As you clearly can see when taking a look at the Christmas Stocking, I’m currently thinking of a special object of cultural value, the Setesdal sweater. I’m trying out the patterns and the Norwegian yarn traditionally used for this type of sweater. I’m fascinated by the strict limitation of colours and patterns right now.

Das Wollschaf fragt:

Welches sind Deine momentanen Lieblingsgarne in den Bereichen
- Handstrickgarn
- Sockenwolle
- Handgefärbtes?

  • Handstrickgarn: Hier bevorzuge ich “nordische Wollen”, also reine Wollgarne mit Griff und Biss. Meine Favoriten sind die Garne von Jamieson (of Shetland), Hifa und die leider nur im Kit erhältlichen Materialien von Hanne Falkenberg und Christel Seyfarth. Neu entdeckt und für gut befunden: Kilcarra-Tweedgarne aus Irland. Die rustikalen, nicht die Luxusvariante.
  • Sockenwolle: Hier ist die Antwort für mich klar: Zitron, sowohl Trekking als auch die anderen Qualitäten.
  • Handgefärbtes. Die Auswahl ist riesig, die Optik verstrickt oft bescheiden. Überzeugt haben mich bisher die Garne von lollipop.yarns by Filzflash, die Drachenwolle und die Auswahl, die ich von MAZ bisher gesehen habe.

Ja, dieses Jahr war ich ambitioniert und habe tatsächlich einen selbst entworfenen Christmas Stocking angefertigt. Der wird zum ersten Mal zu Nikolausi befüllt und Mutter Jinx überreicht (die vermutlich in Ohnmacht fallen wird, weil das Ding so riesig ist).

Yeah, this year I was quite ambitious and knitted a self-designed Christmas Stocking. It will be filled for the first time for St. Nicholas and given to Mother Jinx (who will probably just faint since it came out so huge).

Es gibt diverse Inspirationsquellen für das Design, und die wichtigsten sind:

  • Miss Kathryn Alexander
  • Setesdal-Pullover
  • Türkische Socken
  • Lettische Handschuhe
  • Britische Weihnachtstraditionen

I was inspired by different sources for thisone, and the most important are:

  • Miss Kathryn Alexander
  • Setesdal Sweaters
  • Turkish Socks
  • Latvian Mitts
  • British Christmas traditions

Es hat Spaß gemacht, diese Riesensocke zu stricken (vor allem, weil ich sie nicht verpaaren muss); nächstes Jahr mache ich vielleicht wieder einen.

It was fun to knit this huge sock (and I don’t have to knit a matching one), maybe I’ll knit another one next year.

Technisches/Technical Details:
Name: Mother Jinx’s multicultural Christmas/Yuletide Stocking
Design: my very own / mein eigenes
Size/Größe: riesig (ca. 70 cm lang)
Material: Lang Yak /Austermann Alpaca Silk and scraps of colourful yarn / und Reste farbiger Garne
Needles/Nadeln: 3,75 mm

Auch wenn’s in diesen Kreisen keiner mitbekommen haben sollte: der JMStV droht, und damit ein paar bizarre Änderungen für die Bloggerwelt, inklusive praktisch undurchführbarer Gesetze, laienhaft umgesetzten Ideen von der Materie völlig ahnungsloser Politiker. Die ersten nehmen ihre Blogs bereits vom Netz, aber meine Antwort ist klar: Nicht mit mir.

Gefunden habe ich diese wunderbare Grafik hier, und Pantoffelpunk war so freundlich, mir zu erlauben, sie zu verwenden. Herzlichen Dank dafür.