September 1, 2010 - כ"ב אלול תש"ע
Monthly Archive
September 27, 2010 - י"ט תשרי תשע"א

Es ist schon gruselig, was der ambitionierten Strickerin (und dem ambitionierten Stricker natürlich auch) an Büchern zum Thema “Stricken für Kinder” auf dem deutschen Buchmarkt so geboten wird. Im günstigsten Fall, der nicht die Regel ist, sind es klassische Schnitte, die zwar nichts Aufregendes bieten, einem dafür aber auch nicht auf den Wecker gehen. Im ungünstigen Fall sind es Grausamkeiten, die auf niedlich getrimmt sind (Bärchen, Entchen, Kätzchen) und auf den Fotos oft in den klassischen Kinderfarben rosa und hellblau daherkommen (welcher Idiot hat sich das eigentlich ausgedacht), und Ausnahmen sind rar gesät. Es ist die Art von “Kindermode”, die alte Tanten in Entzückensschreie ausbrechen lässt, die sonst nur Kindern in den Filmen des Dunklen Zeitalters (vulgo: den fünfziger Jahren: kein Haar tanzt aus der Reihe, keine Socke rutscht und kein Kind vergisst je, seinen Knicks oder seine Verbeugung zu machen) zuteil wird. Und mal ehrlich: Möchte man so ein Kind sein und sich dem Spott der Altersgenossen aussetzen?
Dass es auch anders geht, beweist die Designerin Annette Danielsen mit ihrem Buch, das nun auf Deutsch erschienen ist und den etwas uninspirierten Titel Freche Masche trägt. Von diesem sollte man sich nicht irreführen lassen, denn die Modelle können sich sehen lassen (eine Übersicht gibt es hier). Das Thema ist keinesfalls Bärchen und Hündchen, sondern Obst und Gemüse, das jedoch auf eine so abstrakte Art umgesetzt wurde, dass dabei praktische, schicke und ungewöhnliche Modelle herauskamen, mit denen man das bestrickte Kind nicht zum Gespött des Spielplatzes macht. Zugleich sind sie eine Wohltat für von Armeen comichaft verniedlichter Tiere geplagte Erwachsene.
Es ist Mode für echte Kinder von zwei bis acht Jahren, die auch mit den unabdingbaren Accessoires der Kindheit gut aussieht (Schrammen, Schürfwunden, aufgeschlagene Knie), in denen das Kind sich auch vernünftig bewegen kann. Zu erwähnen ist auch die von der Designerin gewählte Farbigkeit. Kein unpraktisches Weiß, kein Albtraum in Pastell, sondern kräftige Farben, die kräftig was abkönnen. Den Hingucker bilden, nein, nicht Tiere, sondern farbige Akzente oder Strukturmuster, die so schön sind, dass das Buch auch als Inspiration abseits des Strickens für Kinder taugt.
Titel: Freche Masche. Raffinierte Strickmuster inspiriert von jungem Gemüse
Design: Annette Danielsen
Verlag: Landwirtschaftsverlag GmbH.
September 24, 2010 - ט"ז תשרי תשע"א
Ja, es läuft nicht immer so, wie es sollte, so auch mit diesem Teil. Das sollte eigentlich etwas anderes werden, doch dafür ist es viel zu groß. Daher habe ich es umgewidmet, zu einem Behältnis für mittelgroße Projekte.
Well, things don’t always work out as they’re expected to do, like thisone. It was supposed to become something completely different, but it turned out to be much too big. Therefore I use it now for medium size projects.

Der Projektklops wurde in einem Stück gestrickt, in der Waschmaschine gefilzt und anschließend befüllt. Oben hat er eine Schlaufe, sodass man ihn auch aufhängen kann.
The Project Dumpling was knitted in one piece, felted in the washing machine an filled with a project. On top it has a loop for hanging it … well, somewhere.
Bei dieser Aufnahme von oben sieht man die Pyramidenform.
This picture taken from above shows the pyramid-like shape.
Technische Details/Technisches
Name: Projektklops/Project Dumpling
Designer: ich /me, myself and I
Material: Rowan Colourscape Chunky, 430
Weight/Gewicht: 130 g
Technik/method: in Runden gestrickt und gefilzt / knitted in the round and felted
Needles/Nadestärke: 6,5 mm
September 23, 2010 - ט"ו תשרי תשע"א

Nachdem ich dieses Jahr an zwei Decken mitgearbeitet habe und meine Entwürfe recht annehmbar aussahen, habe ich mich entschlossen, selbst mal eine Decke zu entwerfen, und dies sind die ersten drei Patches.
After I contributed to two afghans this year and my designs looked rather acceptable, I decided to design an entire afghan, and these are the first three patches.

Ich habe schon einige Versuche gemacht, Decken aus Resten zu stricken, und nie hat mir das Ergebnis gefallen. Daher beschränke ich mich auf zwei Farben aus Shibui Sock Yarn (100% Merino Superwash) und auf kraus rechtes Gestrick. Eine solche Beschränkung kann auch ziemlich befreiend sein.
I already made some attempts to knit an afghan from leftovers, but I was never satisfied with the result. Therefore I chose two colours (Shibui Sock Yarn, 100% Merino Superwash) and will limit myself to garter stitch exclusively. Limiting oneself can be rather liberating.

Ich werde das Rad natürlich nicht komplett neu erfinden.
Of course not each and every patch will have a design which has never been before.

Es wird auch nicht alles grafisch werden.
And there won’t be graphic patches exclusively.

Aber ein paar ungewöhnliche Ideen will ich schon einbringen.
But I have some rather unusual ideas for patches in mind.
September 22, 2010 - י"ד תשרי תשע"א

Fertig ist das Garn Pink Cocoa, was ich immer mal wieder unterwegs mit dem Ashford Joy spann. Es ist eine verführerische Merino-Seidenmischung von der Corgi Hill Farm, die sich leicht und schön ausspinnen lässt.
I recently finished the yarn Pink cocoa which I spun with an Ashford Joy wheel. It’ s a tempting merino silk blend from Corgi Hill Farm and it spins exremely well.

… und noch ein eher mäßiges Detailfoto.
… and a rather unpleasant detail shot.
Technisches / Technical Details:
Name: Pink Cocoa
Source/Quelle: Corgi Hill Farm
Material: merino-silk blended batts
WPI: 18
Length/Länge: 466 yards/426 m
Plying/Verzwirnung: 2-ply
September 20, 2010 - י"ב תשרי תשע"א
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Da die Fähre am Abreisetag erst um 17.00 Uhr ablegte, hatten wir genügend Zeit, die wir in Lerwick verbrachten.
Wie in den vorangegangenen Posts zu erkennen war, sind die traditionellen Häuser aus grauem Granit erbaut, modernere gern auch in Beton. Doch es gibt auch eine skandinavisch inspirierte Bauweise: fröhliche Holzhäuser.

Dies entspricht natürlich der skandinavischen Tradition, die sich u.a. auch in den Orts- und Straßenbezeichnungen wiederfindet.

Zunächst brachten wir den Wagen zurück, und die Autovermietung zeigt deutlich, dass hier alles eine Nummer kleiner ist. Dennoch ist sie genauso professionell wie die “Großen”, und die Leute sind – wie überall hier – sehr freundlich.


Auch wenn die meisten modernen Wohnhäuser eher schlicht-funktional sind, gibt es auch Beispiele für eine aufwändigere Architektur.

Fort Charlotte, das Bollwerk gegen die Niederländische Flotte auch dem 17. Jahrhundert.

Vom Hafen aus hat man einen Blick auf die Insel Bressay (die Haa am Ufer wäre was für mich …)

Als wir ein paar Cracker aßen, stellte sich prompt eine Möwe ein, …

… die uns belagerte.

Aber zum Glück …

… sind Möwen ausgesprochen leicht zu amüsieren.

Mutter Jinx begutachtet die Auslagen eines Souvenirgeschäftes, das einen für die Inseln sehr passenden Namen trägt (aber keine Spinnräder führt).

Eine enge Gasse, die zur Commercial Road, der Hauptstraße, führt.

Die Einkaufsstraße selbst (an einem ganz gewöhnlichen Werktag um die Mittagszeit)

Alles ist klein und freundlich hier.

The Lounge, die poplärste Kneipe hier.

High Level Music beschallt den Marktplatz tagsüber mit shetlandischer Musik und führt CDs und Musikinstrumente.

Die Post ist verhältnismäßig groß und repräsentativ, ist sie doch eines der wenigen Gebäude, die das Wort “Royal” im Namen führt.

Eines der traditionellen Häuser, dort, wo die Commercial Road beginnt.

Hinter dem Gebäude mit dem Turm: Das Queen’s Hotel, wo man sehr gut und reichlich essen kann. Hier gibt es auch eine der wenigen Bars in Lerwick.

Nochmal das Wikingerschiff, diesmal in der Sonne. Es wird das Jahr über gebaut, um zu Up Helly Aa in einer feierlichen Prozession durch die Stadt gezogen und dann feierlich im Wasser verbrannt zu werden. Also, jeder amüsiert sich ja auf seine Weise.

Die Commercial Road, wo kein commerce ist.

Dies ist der älteste erhaltene Teil von Lerwick.


Wir gingen zurück zum Hafen, vorbei am vielleicht schicksten Café von Lerwick.

Hier sahen wir übrigens den freundlichen jungen Mann zufällig wieder, der uns an unserem ersten Tag in der Touristeninformation beraten hat (dies war übrigens der achte Tag). Er grüßte uns freundlich, da er uns offensichtlich wiedererkannte. Da weiß man doch wieder, dass die Natur hier zwar unendlich groß wirkt, aber die Welt doch sehr klein ist.
Gegen Mittag gingen wir ins Shetland Museum, um zu essen. Vom Museum aus drohte schon die Fähre nach Aberdeen.

Da wir müde waren, beschlossen wir, uns auf einer Bank in der Eingangshalle niederzulassen, um ein paar entspannende Reihen zu stricken. Und das bewirkte Erstaunliches.
Die Besucher begannen, sich entzückt zu nähern. Sie hielten uns für eine Art Aktionsgruppe bei der Vorführung. Sie waren erstaunt, dass wir weder unsere Sachen verkaufen noch Shetlander sind (und nein, wir sind auch keine Norwegerinnen …). Das Personal war verwirrt, sie wurden in tiefstes Nachdenken gestürzt, wahrscheinlich ob sie nicht stundenweise ein paar strickende Ömchen installieren sollen, da das Ganze beim Publikum gut ankam. Sogar ein Systemadministrator, der einen Rechner in den ersten Stock tragen sollte, nahm einen bizarren Umweg, um sich die Geschehnisse aus der Nähe anzusehen.
Und dann war es so weit: Wir gingen an Bord und warfen letzte Blicke auf den neuen Hafen von Lerwick.


Moderne Verwaltungsgebäude am Hafen

Und nochmal: Das Shetland Museum

Nie fiel mir ein Abschied von einem Ort schwerer.

Und nie war ich dem Zustand des “Zu-Hause-Fühlens” näher als hier.

Und nie zweifelte ich an dem Leben, wie man es bei uns führt, mehr als hier.

Auf dem Weg nach Aberdeen kam sie schließlich in Sicht:

The Fair Isle

Und während das Schiff langsam an der Insel (75 Einwohner, kein Shop, keine Bar, kein Hotel) vorbeifuhr, wurde uns wirklich bewusst, dass dieser Urlaub nun zu Ende war.

Es war der beste meines Lebens.
September 20, 2010 - י"ב תשרי תשע"א

… sondern ein traditioneller Shetland Hap Shawl, für den ich einen Teil meines kleinen Wollkaufs verwurste. Gestrickt wird er in Jamieson & Smith Lace 2-ply, und ich bin an der Kante angelangt (die allerdings sehr breit ist).
… but a traditional Shetland Hap Shawl. I use some balls of the minor yarn purchases I did. Knitted with Jamieson & Smith Lace 2-ply, and I’m currently working on the border (which will be rather wide).
September 19, 2010 - י"א תשרי תשע"א
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Am letzten vollständigen Tag, den wir auf den Inseln verbringen durften, erkundeten wir den Norden von Mainland. 
Der Norden ist dünner besiedelt als der Süden, leerer, ursprünglicher. Man begegnet nur selten einem Auto.

Lunna House, erbaut im 17. Jahrhundert. Dass es keine Ruine ist, liegt vielleicht daran, dass dieses Herrenhaus während des Zweiten Weltkriegs für den Shetland Bus eine wichtige Rolle spielte.

Lunna Kirk – der Norden ist skandinavischer geprägt als der Süden der Insel.

Das Innere der kleinen Kirche. Man ist hier nicht so wahnsinnig religiös, und viele der kleinen Gebäude sind heute säkularisiert.

Neben der Kirche: ein enorm entspanntes Schaf (Herr Jinx nennt die übrigens Pulloverschweine).

Verlassene Cottages.

Die Küste bei Northmavine

Busta House. Das schlossähnliche Anwesen beherbergt ein sehr schönes Hotel, wo man hervorragend essen kann, was wir natürlich taten. Ah, Banoffee!

Dann ging es weiter, die Küste entlang nach Norden, nach Eshaness

The Drinking Horse

(der Name ist irgendwie selbsterklärend …)

Dann erreichten wir Eshaness, das als spektakulärster Küstenabschnitt Mainlands gilt (dies ist allerdings erst mal der Leuchtturm).

Doch bevor wir die Küstenlinie erreichten, mussten wir das tun, was Mutter Jinx am liebsten tut: in Turnschuhen ein Sumpfgebiet queren und über Gräben hüpfen. Optisch hatte das aber durchaus was.

Na, jetzt aber: Die berühmte Küste von Eshaness.

Kein Ausflugsziel für Blödis: Da es auf den Inseln so wenig Tourismus gibt, fehlen (neben Wurstbuden) Absperrzäune, Warnschilder und alles, was den Menschen das selbständige Denken abnimmt. Jeder ist selbst dafür verantwortlich, hier bei Sturm nicht entlang zu gehen oder der Abbruchkante in ausreichendem Maße fernzubleiben (und wir haben es tatsächlich überlebt!).

Wie ein Riss in der Landschaft

… und auf seinem Grund: das Meer


Die Risse enstanden natürlich durch das Meer. Das Wort “Naturgewalt” bekommt bei diesem Anblick eine neue Dimension.

Die Inseln: mehr für Naturfreunde als für Strandlieger.


Manchmal …

… muss man gar nicht so viel sagen, …

… finde ich.

Die Einsamkeit auf den Bildern täuscht übrigens. Es waren tatsächlich außer uns noch ein paar Leute da, noch vier (glaube ich).

Das kommt einem hier fast vor wie ein Menschenauflauf.

Wir fuhren weiter zu einem Küstenabschnitt, der aus rosa Granit besteht, der im schwachen Sonnenlicht leuchtete, und dann zurück nach Lerwick. Damit war der Urlaub fast zuende.
September 18, 2010 - י' תשרי תשע"א
Heute kam die zweite Lieferung der Lace- und Fiber-Clubs von Susanne, und es sind wieder prächtige Sachen. Das Motto war diesmal “Film”.
Today I received the second lot of the lace and fiber clubs from Susanne, and they are blissful again. The device was “movies” this time.

Das Lacegarn Blade Runner, eine wunderbare Mischung aus Suri-Alpaka, Merino und Seide in einem changierenden Graublau. Die Lauflänge beträgt 1200 Meter/100 g.
The lace yarn Blade Runner is a wonderful Suri alpaca/merino/silk-blend in a variegating blueish grey. The 100 g skein has 1200 meters.

Der Faserclub thematisiert den Film Lost in Translation, der Strang besteht aus Blue Faced Leicester.
The fiber club theme comes from the movie Lost in Translation, it’s Blue Faced Leicester.

Als Zugabe gab es 10 g einer Black Shetland/Tussahseidenmischung, eingefärbt in einem leuchenden Pink.
The additional giveaway is 10 grams of a black Shetland / Tussah silk blend, dyed with a crisp pink shade.
September 14, 2010 - ו' תשרי תשע"א
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Am 6. Tag wollten wir in den ganz fernen Norden aufbrechen, zur nördlichsten Insel der Shetlands, Unst. Das ist ja alles immer ein wenig wetterabhängig, aber wir hatten Glück, es war ein wunderbarer sonniger Tag, und frühmorgens brachen wir auf, zunächst auf die Fähre nach Yell.

Die Insel Yell liegt zwischen Mainland und Unst. Man setzt zunächst hierher über, fährt dann von Süd nach Nord und nimmt eine weitere Fähre. Yell ist landschaftlich wunderschön, und es ist nicht so viel los wie auf Mainland.

Weite Landschaft und wenig Häuser.

Blick nach Unst (links) und Fetlar (rechts)

Neben den obligatorischen Schafen ist die Gegend um den Fährhafen recht dicht bebaut. Neben dem Bauernhaus …

… mit einem gigantischen Blick zu den beiden anderen Inseln …

… gibt es hier eine Art Schuppen …

… und ein Wohnhaus mit Telefonzelle, wo täglich zwei Stunden lang Tee, Kaffee und Kuchen angeboten wird. Die Striche auf der Straße teilen die Wagenkolonnen (haha) in “privat mit Reservierung”, “privat ohne Reservierung” und “kommerziell” ein.

Nach einer sehr kurzen Überfahrt hieß es dann auch schon: Welcome to Unst.

Auf Unst ist nicht so viel los wie auf Yell, und die Insel ist nicht nur sumpfig (das war uns ja nicht neu), sondern der Boden ist auch sehr steinig.

Es gibt auch zwei etwas weniger kleineAnsiedlungen, Baltasound (ehemals ein bedeutender Heringshafen, verfügt über ein Hotel und einen Flughafen, jawohl) und Haroldswick. Aber die meisten der etwas über 700 Bewohner leben anscheinend lieber für sich.

Das Unst Heritage Center mit unserem treuen Mietwagen. Man weiß übrigens, dass es etwas ländlicher zugeht, wenn einen Handwerker fragen, ob man die Mobiltelefonnummer von “Farmer Nigel” hätte. Hatten wir nicht, aber die Dame im Heritage Center konnte natürlich behilflich sein.

Auch im Heritage Center nimmt die Faserverarbeitung einen breiten Raum ein.

Spinnräder und Handspindel

Die Spezialität von Unst ist die Lacestrickerei, die in beeindruckender Feinheit ausgeführt wird (weitere Exponate befinden sich in den Schubladen).


Werkzeuge, Pullover und ein Webstuhl

Die Public Hall von North Unst (der Süden wird seine eigene haben …)

Auf Unst sieht man besonders viele alte, aufgegebene Crofthouses und Cottages.

Unst hat nicht nur felsige Küsten, sondern auch ein paar schöne Strände.

Und – zerklüftet, wie die Insel ist – auch zahlreiche Fjorde.

Bis auf wenige Ausnahmen sind die Straßen auf den Shetland Isles einspurig, und das gilt besonders für Unst.

Aber danach wurde es ernst: Wir machten uns auf in Richtung “nördlichster Punkt Großbritanniens” und natürlich auch vor allem der Shetlands, nach Hermaness Wir waren nicht recht in Form, meine Knöchelsehnen zickten, und Mutter Jinx hatte die falschen Schuhe an, daher wollten wir nur einen Blick auf die nördliche Landschaft werfen. Wir begaben uns also auf den komfortablen Wanderweg. Mit den Wanderwegen ist das hier so eine Sache, denn sie verlieren sich in der Landschaft, und die einzige Orientierung, die bleibt, sind ein paar Pflöcke. Aber wir wollten ja auch nur mal gucken.

Wir bewegten uns durch eine beeindruckende Moor-Heide-Hügellandschaft …

… mit großartigen Ausblicken

Das Gelände wurde zunehmend schwierig, aber wir waren irgendwie mit der Gesamtsituation unzufrieden, denn in Richtung Norden sah man immer nur Hügel, aber nicht das Meer. Wir beschlossen mehrmals, dass der nächste Hügel der letzte sein sollte, denn mit meinen Sehnen wurde es nicht besser und Mutter Jinx stand das Wasser schon zwischen den Zehen.

Aber irgendwann gab es dann kein Halten mehr, und mit deutlich mehr Motivation als Kondition beschlossen wir, bis zum nördlichen Ufer der Insel zu gehen.

Kein Sumpfloch zu tief, kein Graben zu breit: Mutter Jinx auf dem Weg nach Ultima Thule.

In Turnschuhen (!!!)

Keine Kneipe, kein Klo, kein Shop.

Dafür Wollgras und immer noch ‘n Hügel mehr.


Ein Blick zurück, den Hügel hinunter. Dieses Sumpfgebiet muss man queren.

Der Sumpf ist nicht gefährlich, aber nass.

Sehr nass.

Und immer wieder: der Blick zurück.

Aber irgendwann war’s dann wirklich der letzte Hügel, und man sah das Meer. Wenn der Weg gar zu arg wurde (man darf die Route wegen der Brutgebiete nicht verlassen), gab es Plankenstege.

Reste menschlicher Präsenz

Aber irgendwann hatten wir es dann wirklich: die nördlichsten Felsen, recht der mit dem “impossible Lighthouse”. Nun mussten wir nur noch einen steilen Abhang hinunter (den wir dann bedauerlicherweise auch wieder hinauf mussten …)

Der Leuchtturm ist nur per Boot und auch nur bei passendem Wetter zu erreichen.

Die Felsen sind ein berühmtes Brutgebiet, u. a. für Papageientaucher (die schon wieder aufs Meer hinaus geflogen waren). Und wer ganz genau hinsieht, wird links sehen …

dass auf den Inseln nichts so abgelegen ist, dass es nicht mindestens ein Schaf dort gibt, und hinter dem Schaf befindet sich die Steilküste. Weitergehen war also nicht.
Bis die Wikinger die Meere erkundeten, dachte man, dass dies das Ende der Welt ist (und man irgendwo herunterfällt, wenn man auf dem Meer weiterfährt), und wenn man hier steht, könnte man es fast glauben.
Ich stand schon mal an einem “Ende der Welt”, in der Bretagne. Dort heißt es Finisterre. Aber mein persönliches Weltende ist hier, in Unst. Und wenn man da so steht, merkt man, dass einem der ganze Nervkram (Politik, Autoverkehr, Ballungsgebiete, Fernsehwerbung, Lampuken) total am Arsch vorbeigeht.

Der Blick die Küste entlang

Zurück ging es dann wieder durch den Sumpf

Das Panorama auf dem Rückweg ist beeindruckend

Aber auch sehr nass

Auf Unst gibt es sogar Herden wilder Shetlandponies, und wir haben sogar eine gesehen. Es ist ein unglaublicher Anblick, aber fotografiert habe ich sie nicht, denn ich hatte alle Hände voll zu tun, das Auto an ihnen vorbeizumanövrieren, ohne sie aufzuscheuchen.
Nach diesem Ausflug in die Wildnis begaben wir uns zum krassen Gegenstück, einer zivilisatorischen Errungenschaft der Insel, dem Unst Bus Shelter.

Es ist nicht die einzige Bushaltestelle, aber die berühmteste: Sie wird jedes Jahr neu ausgestattet, wobei es ein Motto gibt. Dieses Jahr ist es die Farbe Orange. Es begann mit einem Sofa, das jemand hineinstellte, und heute gibt es sogar jemanden, der sich um die Blumen kümmert.


Bushaltestellen-Dekoration

Es gibt sogar Kommunikations- und Unterhaltungselektronik
Bevor wir nach Mainland zurückkehren mussten, statteten wir noch dem nördlichsten Schloß Großbritanniens, das gleichzeitig die nördlichste Ruine ist, einen Besuch ab: Muness Castle

1598 nervte der Bruder es Herzogs von Orkney die Shetlander auf Unst damit, dass er unbedingt ein Schloss wollte. Das nahmen die Leute übel, und so ist das Schloss in dem üblichen Zustand, in dem historische Relikte der schottischen Herrschaft hier allgemein zu sein pflegen.


Nein, man hat ihn nicht lieb, den Herzogsbruder, und das Schloss nimmt man ihm immer noch ein bisschen übel. So steht auf der Informationstafel, dass es aus dem Schweiß und den Tränen der Shetlander erbaut wurde.

Die Ruine ist hervorragend konserviert und kann begangen werden. Sogar der Keller ist zugänglich; für Interessierte gibt es Taschenlampen in einem Schränkchen.Dies ist jedoch die Halle mit dem offenen Kamin.



Dann war es Zeit für die Rückfahrt, und wir begaben uns zum südlichen Ufer, wo die Fähre nach Yell ablegt.

Es war leider Zeit, dieser sehr leeren,

sehr felsigen und sehr einmaligen Insel auf Wiedersehen zu sagen.
Zurück in Lerwick und immer noch benommen von den Eindrücken, sahen wir den schönsten Abendhimmel unseres Urlaubs – ein perfekter Abschluss.

September 12, 2010 - ד' תשרי תשע"א
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Am 5. Tag stimmten wir uns für das Nachmittagsprogramm ein, indem wir zunächst den Clickimin Broch aufsuchten, der sich nur wenige Gehminuten von unserem Quartier entfernt befindet.

Ein Broch ist ein Wohnturm, wie er um die Zeitewende üblich war und auch von den Pikten genutzt wurde. Die Anlage ist sehr gut gepflegt, wie es hier allgemein üblich ist (es sei denn, es handelt sich um ein Relikt der schottischen Fremdherrschaft, die man gerne so richtig abranzen ließ).

Von diesem Broch ist nur noch ein Rest erhalten.


Auch wenn er auf den Fotos recht einsam aussieht, täuscht das: er liegt eigentlich in der Stadt, in unmittelbarer Nähe zu einigen Neubaugebieten und einem Wellness-Center.

Wie fast überall kann man sich innerhalb der Anlage ungehindert bewegen, vor brüchigen Mauern wird durch Schilder gewarnt; die Verantwortung liegt bei den Besuchern.

Der Eingang

Lauschige Kojenreste um den Broch.

Die Leute damals waren winzig, sodass Menschen wie wir (1,80 und 1,90 groß) nur gebückt ins Innere gelangen können.

Eine Ruine, aber eine beeindruckende.



Der Treppenaufgang ist teilweise erhalten, aber nicht mehr begehbar.

Danach begaben wir uns per Auto in den Süden von Mainland, wo wir in Fladdabister einen kurzen Halt machten, denn dort gibt es eine kleine Ansammlung von verfallenen Crofthouses.

Hier ist sogar mal so eine Art Baum auf dem Foto, denn die Shetlands sind praktisch baumlos. Ein paar zähe Exemplare halten sich in der Nähe von Gebäuden, aber Wälder gibt es nicht. Die Inseln sind somit vielleicht nicht das ideale Reiseziele für den Freund des deutschen Waldes.

Es gibt viele Ruinen von Crofthouses und Cottages auf den Inseln. Während Crofthouses nur unter großem Aufwand zu modernisieren sind und nach heutigen Ansprüchen erweitert werden müssen, ist dies bei den geräumigeren Cottages anders. Dennoch genießen die Inselbewohner lieber die Annehmlichkeiten moderner Wohnhäuser.


Neben dieser Stätte der morbiden Romantik des Verfalls befindet sich ein modernes Haus.
Die nächste Station war Hoiswick mit seinem Besucherzentrum.

In diesem schlichten Gebäude gibt es nicht nur zwei sehenswerte Ausstellungen, sondern auch leckeren hausgemachten Kuchen und Tee oder Kaffee.

Im Inneren werden in einer originellen Mischung Maschinen zur Textilherstellung und alte Radio- und Kommunikationsgeräte gezeigt. Hier im Vordergrund ist ein Webstuhl zu sehen.

Schirmhaspeln, Sweater Blocker und ein Handrad.

Strickwaren und ein Spinnrad

Ich glaube, dieses Gerät dient dem Schären der Kette (bin keine Expertin für Webtechnik).

Strickwaren. Hier sind Fair-Isle-Pullover für ihre Farbenpracht bekannt, aber auf den Inseln selbst sieht man sehr viele Exemplare in Naturfarben.

Die Sammlung alter Radiogeräte.

Eine Privatsammlung wird öffentlich.

Die empfindlicheren Exponate befinden sich in Vitrinen, doch das meiste steht offen in Regalen.


Funk- und Kommunikationsgeräte.
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Alte Röhren, einige waren offensichtlich Strandgut.
Nach dem Verzehr eines sehr empfehlenswerten Stücks Kuchen war es Zeit, uns zur Fähre zu begeben, denn wir setzten auf die Insel Mousa über.

Die kleine Fähre fährt nur einmal am Tag. Es gibt auf den Inseln eine Besonderheit, die angesichts der wenigen Touristen ein wenig eigenwillig wirkt: Man legt Wert auf Reservierungen. So erfuhren wir, dass der Fährmann gern seine Passagiere namentlich kennt – mittels einer Reservierung, selbst wenn das Boot nur halb voll ist.

Mousa ist eine kleine Insel, die heute unbewohnt ist.

Einen Strand gibt es nicht, die Küste ist felsig und weist beeindruckende Formationen auf.

Die Insel ist zwar nicht bewohnt, wird jedoch bewirtschaftet: Es werden Schafe gehalten, und das Haus dient dem Crofter für seine Gerätschaften.

Die Schafe wurden gerade geschoren, diese warten noch auf den Friseur.

Diese haben es bereits hinter sich.


Normalerweise haben die Schafe die Insel für sich und sind natürlich nicht eingepfercht.

In der Nähe der Anlegestelle stehen immer noch Mauerreste, die aus den Zeiten stammen, als die Insel noch besiedelt war.
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Blick von der Insel auf das Festland

Vogelkundler besuchen diese Insel wegen der Brutkolonien, aber hier befindet sich auch der Mousa Broch, der am besten erhaltene Broch der Welt. Und da mussten wir natürlich hin.

Was einem klar sein sollte, wenn man die Inseln besucht: Das Gelände ist fast immer sumpfig, feste Wanderstiefel sind emfehlenswert.

Der Broch ist hervorragend erhalten.

Die Schautafel zeigt einen Rekonstruktionsversuch. Ein Broch war immer doppelwandig, und zwischen den Wänden befindet sich der Aufgang (dies kann auf Mousa jeder mit seinen eigenen Augen sehen). Der Rest der Rekonstruktion ist spekulativ und somit umstritten.

Im Inneren des (zumindest heute) dachlosen Turms. Die Öffnungen beleuchten den Treppenaufgang (mehr oder weniger jedenfalls).

Der Boden im Inneren

Die Treppe zwischen den Wänden. Sie ist befestigt und sicher, und natürlich mussten wir hinauf (wenn man das nicht macht, ärgert man sich doch sein Leben lang …).

Mutter Jinx immer auf Ballhöhe - nach erfolgreicher Besteigung des Broch.

Die Treppe ist zwar sicher, aber für moderne Menschen nicht ganz ohne Tücken. Dies sind meine Füße in Stiefeln, in durchaus handelsüblicher Größe 43. Die Stufen sind sehr kurz, und der Abstieg ist nur rückwärts zu empfehlen.

Der Broch von der anderen Seite. Nach erfolgreicher Besteigung dieses einmaligen Kulturdenkmals umrundeten wir die Insel.

Leere Landschaften.

Die einsturzgefährdeten Reste eines Wohnhauses (es muss Schotten gehört haben …)


Ein Pond. Dieser kleine Meerwassersee dient den Seehunden, die ihr Fell wechseln, als Rückzugs- und Erholungsgebiet. Da Naturschutz auf den Inseln oberstes Gebot ist, darf man nicht zu nah herangehen, um die Tiere nicht zu stören.

Die Tierchen wollen ja ungestört bräsig abhängen (also, es gibt actionreichere Tiere, aber Seehunde und Robben sind schon sehr niedlich).


Die Küste: mal sanfter …

… mal schroffer.

Blick in Richtung Lerwick.

Heidelandschaft

Das Ende der Wanderung: wieder unter Schafen.

Zeitvertreib bis zur Abfahrt.
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