August 22, 2010 - י"ב אלול תש"ע
Da ich mit dem Bearbeiten der Fotos nicht hinterherkomme, gibt es heute eine kleine Plauderei zum Thema “Besonderheiten” wie sie sich mir mitgeteilt haben (denn nach dieser kurzen Zeit kann ich wirklich nicht behaupten, eine Kennerin der Materie zu sein).
Was man hier nicht findet, ist der sonst allgegenwärtige Union Jack oder auch die schottische Flagge mit dem weißen Andreaskreuz auf blauem Grund. Es scheint so, als ob die Leute die nur aufhängen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Stattdessen sieht man die Flagge der Shetland-Inseln sehr häufig. Auch das Wort “royal” oder “Scottish” liest man kaum. Ich habe nichts über einen Sonderstatus der Inseln gefunden, daher nehme ich an, dass die einfach so weit weg sind, dass man hier die Regierung oder die Schotten gut ignorieren kann.
Dies mag eigenbrödlerisch klingen, aber es ist ausgesprochen einfach, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen, denn sie sind offen und sehr freundlich, und sie laufen sich die Beine ab, um einem etwas zu zeigen oder zu erklären. Es ergeben sich interessante Gespräche, vorausgesetzt man kommt mit dem hiesigen Dialekt zurecht, der manchmal nicht ganz einfach zu verstehen ist.
Die Kultur ist wenig britisch geprägt, so haben Pubs keine große Tradition, es gibt nur wenige, und in denen wird kein Essen serviert. Überhaupt ist Gastronomie außerhalb Lerwicks dünn gesät, man kann nicht damit rechnen, auf eine Gelegenheit zur Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme zu stoßen. Die Shetlands gelten ja als Großbritanniens letzte Wildnis, und da ist durchaus was dran.
Kultur
Die Shetlander sind traditionell eine Crofter- und Fischergesellschaft, die Inseln waren recht arm und abgelegen. Arm ist man hier nicht mehr, abgelegen ist es noch immer. Es gibt neben dem Shetland Museum mit seiner sehr sehenswerten Ausstellung eine Menge kleiner und kleinster Museen, die einem Kultur und Alltagsleben nahebringen, aber auch ganz Modernes, so eine Ausstellung modernen Avantgardeschmucks auf dem Weg nach Sandness.
Der Eintritt ist normalerweise frei. Bei den Ausstellungen, die sich mit der Tradition der Inseln beschäftigen, fehlt der Teil niemals, der sich mit Textilien und Faserverarbeitung beschäftigt. Dies machte in der Vergangenheit einen großen Teil der Volkskultur aus und hat seinen Identitätsstiftenden Charakter nicht verloren. Neben Fair-Isle-Strickerei wird dem Lacestricken, dem Spinnen und dem Weben der inseleigenen Wolle breiter Raum gegeben.
Hoiswick Visitors’ Center: auch Sonntags geöffnet, werden hier sowohl Faserverarbeitung als auch Alltagsleben und auch eine große Sammlung historischer Radio- und Kommunikationsgeräte gezeigt.
Auffällig ist, dass in allen Museen und Ausstellungen viele Exponate völlig offen stehen und auch angefasst werden können. Ist das nicht erwünscht, steht dies auf einer kleinen Tafel. Der Grund ist zweifellos, dass die Inseln verhältnismäßig wenig Touristen haben; es gibt mit Ausnahme einiger Busreisenden nur Individualtouristen.
Spindeln und Nostepinnen in der Böd of Gremista in Lerwick
Man merkt, wie stolz die Shetlander auf ihre Vergangenheit und ihre Kultur sind und diese auch am Leben erhalten; trotzdem wirken die Leute modern und sehr aufgeschlossen.
Ebenso wie man vieles anfassen kann, darf man in allen Museen fotografieren.
Schlösser und Burgen
Während Großbritannien ein gewissen Schloss- und Burgaufkommen aufweist, ist das hier auf den Shetlandinseln anders. Die Kultur ist bäuerlich geprägt, und die Inseln standen lange unter norwegischer Herrschaft und kamen erst im 15. Jahrhundert unter schottische Herrschaft, was nicht auf Gegenliebe stieß. Man versucht wohl bis heute, diese Tatsache weitgehend zu ignorieren. Die schottischen Herrscher errichteten einige Schlösser, von denen keines mehr intakt ist. Nun besichtigen wir nicht so gern Schlösser und Burgen, denn für die meisten gilt “hat man eines gesehen …” (oder, wie Mutter Jinx es auf den Punkt bringt: “Mich interessiert nicht so, wie andere Leute wohnen …”), und da braucht man sich auf diesen Inseln nicht mal als Kulturbanause zu fühlen.
Zwei Beispiele für herrschaftliche schottische Architektur haben wir bereits gesehen. Das erste war das Herrenhaus auf dem Gelände des Jarlshofs, das im Audiokommentar der dort erhältlichen elektronischen Führung als ausgesprochen lästig und das ansonsten beliebte Ensemble störend bezeichnet wird.
Am liebsten würde man wohl mit der Abrissbirne vorfahren, gehörte das Ensemble nicht dem schottischen National-Trust.
Als zweites Beispiel mag das Schloss von Scalloway dienen, erbaut um 1600. Es steht eigentlich an einer bevorzugten Stelle an einem See, wirklich sehr romantisch gelegen. Heute sieht es so aus:
Ich sollte dazusagen, dass die Schlossruine sich ziemlich in Bildmitte befindet, denn sie ist von allen möglichen industriellen Zweckbauten umstellt. Der Kontrast ist umso auffälliger, als hier archäologische Stätten und sonstige Baudenkmäler wohlgepflegt und hervorragend begehbar sind und wirken, als würden die Steine mit einer Zahnbürste geputzt werden.
Einkaufen und anderes Touristisches
Es gibt W-Lan, auch wenn das manchmal instabil ist und die Verbindungen nicht sonderlich schnell sind, Handyempfang ist auch an vielen Stellen gegeben. Die Geschäfte schließen meist um 17.00 Uhr, Supermärkte und Tankstellen haben länger offen. Restaurants und ähnliche Etablissements schließen um 20 oder 21.00 Uhr.
Man kann hier natürlich schottischen Whisky kaufen, aber er ist nicht typisch und wird auch nicht auf den Inseln destilliert. Fair-Isle- und Lacestrickereien gibt es an jeder Ecke, ebenso alle möglichen Dinge aus Shetlandwolle zu günstigen Preisen; das Rohmaterial ist bei den einschlägigen Manufakturen erhältlich (wir berichteten …). Schön sind Bücher (Inseltypisches gibt es im Bookshop der Shetland Times), es gibt einiges zum Thema Textil und Stricken. Weitere nette Mitbringsel sind CDs mit der inseltypischen Musik (KEINE Dudelsäcke, die hört man hier gar nicht) oder auch Seifen und Badezusätze aus lokaler Produktion, ebenso wie Fudge oder andere hier hergestellte Süßigkeiten.
Bücher zum Thema Stricken, ein Knitting Belt und lange Metallstricknadelspiele – typisch für die Shetlandinseln. Dazu zwei moderne, schlichte Designer-Schalnadeln.
Mutter Jinx kauft Wolle: Lustig ist, dass sie bei der letzten Zusammenkunft der Hamburg Knitters, Section Underground getönt hat, dass sie nur Material für ein einziges Projekt kaufen würde, da die Wollberge sie nerven. Nun hat sie Wolle für vier Projekte erworben …
Alles irgendwie Jamieson … Garne aus Shetlandwolle: Lace – Aran – Spindrift (für Fair-Isle-Strickerei).
Überhaupt wird man hier von einer großen Lässigkeit erfasst: Das Wetter ist, wie es ist und lässt sich ohnehin nicht ändern (weswegen sich kein Mensch hier darüber aufregt), die Umgangsformen der Bevölkerung sind freundlich aber lässig (eine Kellnerin hat mir in den hinteren Ausschnitt meines Pullovers gefasst, um das Etikett zu lesen, und das ist völlig normal, es ergab sich eine längere Unterhaltung daraus). Mutter Jinx ergibt sich dieser Stimmung ganz und gar; sie ist ja eigentlich ein vornehmer Mensch, entledigt sich aber des städtischen Geschnörkels: Ich kenne sie seit fast 44 Jahren, und ich bin mir sicher, dass ich den Satz “Ich muss jetzt kacken” vorher von ihr noch nie gehört habe.









August 23, 2010 - י"ג אלול תש"ע at 6:57 am
Ich lach mich jetzt grad schlapp über Deinen letzten Satz….
ansonsten wunderschöne Berichte. Das macht Lust auf selber hinfahren. Ich bräuchte dann nur noch jemanden, der Englisch kann
Liebe Grüße, Ruth
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August 23, 2010 - י"ג אלול תש"ע at 9:41 am
So schnell kann’s gehen. Paß blos auf, das Mutter Jinx nicht noch völlig verwildert. Nachher kriegst Du sie nicht mehr mit zurück!
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Katja Reply:
August 23, 2010 - י"ג אלול תש"ע at 5:45 pm
Ja genau. Kurz bevor es wieder auf das Schiff geht, wirft sie ihre Koffer weg, streckt die Zunge heraus und flüchtet mit dem Satz: “Fang mich doch, wenn du kannst”
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August 23, 2010 - י"ג אלול תש"ע at 10:55 am
Bilder und Berichte sind sehr anregend!
Liebe Grüße und weiterhin schönen Urlaub
Brigitte
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August 23, 2010 - י"ג אלול תש"ע at 5:46 pm
Wunderbar deine Berichte und Fotos. Dankeschön
Liebe Grüße
Katja
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August 23, 2010 - י"ג אלול תש"ע at 11:04 pm
also, ich bin ja echt angetan, ich will da jetzt auch mal hin!!!
lg eva
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