Nicht, dass es heißt, ich fahre immer dahin, wo es regnet: Dies war der Himmel heute Morgen um 6.00 Uhr: ein sattes, strahlendes Blau.

Auch der Blick über die Bucht war entsprechend erfreulich – und das heißt: ein idealer Tag für eine Wanderung. Unser Ziel war St. Ninians Beach mit St. Ninians Isle.

Dieser geradezu karibische Anblick zeigt eine natürliche Brücke von Mainland aus zu der vorgelagerten Insel St. Ninian. Sie ist auch bei Flut begehbar, und die Aussicht zu beiden Seiten ist spektakulär.

Es ist ein feiner, fast weißer Sandstrand, und das Wasser ist kristallkar. Es kann hier auch gebadet werden, auch wenn es etwas … nun, frisch ist, von der Temperatur her.

Auch wenn das Wetter von der Landseite her zeitweise ein wenig schottisch daherkam, blieb es während der Wanderung eher so:

Wir begnügten uns nicht mit einem Strandspaziergang, sondern umrundeten die Insel praktisch vollständig. Sie hat fast nur Steilküsten, an deren Rand man entlangwandert. Die Ausblicke sind wirklich lohnend und immer wieder neu und überraschend.

Es existieren auf dieser Insel noch ein paar Mauerreste, und früher war sie bewohnt. Heute wird sie von Schafen beweidet.

Ein einsames Schaf.

Die Kapelle St. Ninian. Ein frühchristlicher Bau, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgegraben wurde. Hier fand man auch einen berühmten Schatz, der Stücke aus verschiedenen Epochen enthält.

Auf der Tafel sind sie gezeigt, und Repliken sind im Shetland Museum zu sehen. Die Originale wurden in größere Museen auf dem Festland verbracht, weswegen die Shetlander beleidigt sind (und das völlig zu recht).

Nach dieser kleinen Wanderung (ca. 6 km) fuhren wir ganz in den Süden von Mainland, nach Sumburgh. Hier gibt es einen kleinen Flughafen.

Dieser Flughafen ist genauso beschaulich, wie es hier aussieht. Wenn man zum Jarlshof und zu dem gleichnamigen Hotel möchte, muss man die Landebahn queren, wobei man nicht abbiegen darf (darauf wird extra hingewiesen) und halten muss, wenn die entsprechenden Lichter leuchten (keine Ampel). Mutter Jinx war von diesen Zuständen so irritert, dass sie dachte, ich wäre versehentlich auf den Flughafen gefahren.

Das Sumburgh Hotel. Hier haben wir zu Mittag gegessen (Steak and Ale Pie, sehr empfehlenswert).

Das Hotel aus der Nähe. Jimmy Perez war leider nicht im Haus (Insider für Krimifans).

Nachdem wir uns verpflegt hatten, besuchten wir den Jarlshof, der als bedeutendste Ausgrabungsstätte Großbritanniens gilt.

Der Jarlshof ist ein ganz besonderes Ensemble archäologischer Funde von der Bronze- bis zur Neuzeit. Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe zueinander. Das Gelände kann exessiv begangen werden, das heißt, man kann die Reste betreten und auch anfassen.

Man findet Rundhäuser aus verschiedenen Epochen, eines davon wird als Schmiede assoziiert, und überall stehen primitive Mahlvorrichtungen herum.

In den Alkoven wurde wahrscheinlich geschlafen.

Das Gebäude oben links im Bild ist neu und enthält eine kleine Ausstellung.

Neben bronzezeitlichen Rundhäusern findet sich ein halber Broch (ein Wohnturm aus den ersten vorchristlichen Jahrhunderten, die andere Hälfte wurde vom Meer weggerissen), dann ein Hof aus der Wikingerzeit, mittelalterliche und spätere shetländische Bauernhäuser und ein Herrensitz. Letzerer ist wirklich klein, dominiert aber das Gelände und wird von den Ansässigen als störend empfunden, als handele es sich um ein Hochhaus, da er von einem schottischen Adligen errichtet wurde, und Shetländer sind nun mal keine Schotten.

Der Landsitz des Anstoßes.

Blick vom Herrenaus über einen Teil der Anlage. Der Name Jarlshof ist übrigens irreführend, er stammt von dem Schriftsteller Walter Scott (Ivanhoe, den Film dürften alle gesehen haben …), der das Herrenhaus so bezeichnete, was daran liegen dürfte, dass die romantisierenden Historienschriftsteller des 19. Jahrhunderts in dieser Hinsicht nicht so den Überblick hatten. Die Wikingersiedlung dürfte einen Jarl nie erlebt haben, dafür sind die Gebäude wohl zu klein.

Auf dem Rückweg erlebten wir die irritierende Straßenführung zum zweiten Mal und besuchten das Shetland Croft House Museum. Hier ist ein typisches Bauernhaus zu einem Museum gestaltet worden, mit authentischer Einrichtung. Man kann es begehen und die Dinge sogar anfassen.

Das Innere ist recht eng und besteht aus zwei Wohnräumen, einer Diele und einem Stall – es befand sich also alles unter einem Dach. Dies ist Heizung und Kochstelle in einem.

Ein typischer Shetland Shawl, wie er von den Bewohnerinnen getragen wurde.

Die Schlafschränke hielten die Wärme und sorgten für ein wenig Privatsphäre. Oben das unvermeidliche Spinnrad.

Die Anlage vom Garten aus.

Zweitverwertung: kleinere Nutzbauten wurden gern mit ausrangierten Booten gedeckt.

Der Nutzgarten wird durch eine Mauer vor dem Wind geschützt.

Shetlandponies gehören auch dazu. Also, die sind wirklich ganz, ganz klein und gehen mir nicht mal bis zur Hüfte.

Beschlossen haben wir den Tag in Lerwick, und zwar hier: Bei Jamieson & Smith. Noch ‘n Paradies, sozusagen. :D

Im Inneren herrscht Fülle, ein großer Verkaufsraum mit dem Sortiment.