August 1, 2010 - כ"א אב תש"ע
Die Kunst des Zwirnens / The Art of Plying
Posted by Jinx under Spinning / Spinnen , Techniken / Techniques[9] Comments
Ich gehöre zu denen, die gern spinnen und ungern zwirnen; obwohl es schnell geht und immerhin (mit Ausnahme des Waschens) der letzte Schritt vor der Vollendung eines Garnes ist, finde ich es langweilig, und das ist der Grund, warum ich das Zwirnen lange vernachlässigt habe. Meine Garne ließen sich daher mit dem Satz „gut gesponnen, schlecht gezwirnt“ zusammenfassen. Und da ich nicht gern zwirne, habe ich mich auch nicht weiter damit beschäftigt; zwirnen blieb für mich das einfache Zusammenführen zweier gesponnener Fäden, um daraus einen zu machen.
I’m one of the kind who loves to spin but dislikes to ply, although it’s much quicker and the last step before the yarn is finished (except the washing procedure, of course). To me it always seemed to be rather boring, and that’s the reason why I neglected the plying procedure for quite a long time. The yarns I spun can be called “nicely spun but poorly plied”. And because I disliked plying I didn’t bother with studying this procedure or trying to improve. To me plying was just bringing two threads together for making one.

So sahen meine Garne früher aus: lose und unregelmäßig verzwirnt. Ich nutzte niemals eine andere Methode als ein einfaches zweifädiges Verzwirnen.
That’s how the yarns I spun looked like: loosely and irregularily plied, never doing anything but a simple 2-ply.
Das änderte sich vor einigen Monaten, als ich einen Kurs zur Herstellung von Artyarn besuchte und dort gezwungen war, mich mit dem Zwirnen eingehender zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Die dort gesponnenen Garne führten mir vor Augen, dass Zwirnen ein entscheidender Schritt zur Gestaltung eines Garnes ist, dem man ebensolche Aufmerksamkeit widmen sollte wie dem Spinnen. Ich kann also meine Garne in “davor” und “danach” einteilen.
This changed some months ago, when I attended a class for artyarn spinning. This forced me to dive deeper in the different ways to ply and to concentrate on it. The yarns I spun there showed me clearly that plying is a vital element of yarn design and it should be executed with the same attention than the spinning itself. This means I can divide the yarns I spun in “before” and “after”.
Nun ist Artyarn für mich eher eine Nebenbeschäftigung, ich ziehe glatte Garne vor. Dennoch ist so ein Spinnkurs auch hierfür sehr wertvoll und unbedingt empfehlenswert, denn auch für die Herstellung klassischer Handstrickgarne erhält man wichtige Anregungen und erweitert seinen Horizont.
Artyarn is not my favourite for spinning, I prefer plain yarns and most of my spinning is dedicated to it. Nevertheless an advanced spinning class is highly recommendable because you’ ll get lots of inspiration for your everyday spinning, and it broadens one’s horizont dramatically.

Ein sorgfältig verzwirntes “Danach”-Garn (zweifach) – fest und regelmäßig …
A carefully plied “after”- yarn (2-ply) – neatly and tightly plied …

… aber gut ausbalanciert.
… but well balanced.
Wichtig ist, beim Zwirnen jederzeit mit den Fingern die Fäden zu kontrollieren und den Einzug wie die Geschwindigkeit zu steuern.
It’s higly important for plying to control the singles with the fingers and to manage the drawing and the speed.
Außerdem entdeckte ich die Vorzüge des dreifach verzwirnten Garnes. In Abby Franquemonts Buch “Respect the Spindle” wird es besonders als für Pullover und Oberbekleidung geeignet empfohlen. Nun werden die meisten Garne zweifach verzwirnt, denn dies hat unbestreitbare Vorteile: man schafft eine längere Lauflänge, kann dünnere Garne spinnen, und es geht schneller. Mein erster Versuch mit dem dreifach Verzwirnen fand daher auch mit der Handspindel statt. Das Rohmaterial, pommersches Landschaf, ist relativ rau und hart, sodass mir ein wenig mehr Weichheit von Vorteil erschien.
Besides this I discovered the advantage of 3-ply yarn. In Abby Franquemont’s book “Respect the Spindle” I read that these yarns are very suitable for sweaters or cardis. Most spinners prefer the normal 2-ply yarn, and there are several good reasons for this: you get more yardage, the yarns become thinner, and it doesn’t take so long to finish them. For my first attempt with 3-ply yarn I used a hand spindle. The material, roving from the Pommeranian Sheep is quite coarse, and so a little more softness as promised should become it well.

Das Ergebnis war sehr zufriedenstellend: Aus dem rauen Rohmaterial wurde ein fluffiges Garn, das erstaunlich weich ist.
The result was very satisfying: the coarse material turned into a fluffy yarn that came out rather soft.

Den nächsten Versuch machte ich mit dem Spinnrad. Ich spann eine Merino-Seidenmischung dünn aus und verzwirnte dreifach. Das Ergebnis ist ein weicher, “runder” Faden, der hervorragend für Oberbekleidung geeignet ist.
The next attempt I made with a spinning wheel and a merino-silk blend. I spun very thin threads and used the 3-ply method. The result is a soft, “round” thread which is extremely well for outerwear.

August 1, 2010 - כ"א אב תש"ע at 8:37 pm
Das ist ja wirklich erstaunlich – dieser Unterschied! Ich habe auch noch viel gesponnenes, aus den gleichen Gründen (noch) nicht verzwirntes Garn. Mal sehen, ob ich das nicht doch noch hinkriege; danke für den Motivationskick!
Herzlich, Katarina
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August 1, 2010 - כ"א אב תש"ע at 10:13 pm
Klasse, danke für den Tipp! Ganz dünn und dann dreifach – ich glaube, das ist so richtig gut!
Werd´ich die Tage mal probieren.
Eine schöne Woche und herzliche Grüße
Vroni
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August 2, 2010 - כ"ב אב תש"ע at 7:50 am
Hallo Anne,
schön gleichmäßig, super-sauber. Hast Du die 3-fach-Verzwirnung in der “Navajo”-Technik gemacht? Ich bin begeistert… Mein 1. Versuch darin sah nicht so perfekt aus…..
Beste Grüße
Nadja
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Jinx Reply:
August 2, 2010 - כ"ב אב תש"ע at 7:55 am
Nee, das ist nicht Navajo, sondern wurde mit drei Fäden gemacht.
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August 2, 2010 - כ"ב אב תש"ע at 10:14 am
Ich verzwirne auch nicht gern. Dein dreifach Verzwirntes sieht sehr genial aus, aber meine dreifachen werden einfach zu dick, da muss ich wohl noch üben.
Und beim zweifachen verzwirnen habe ich bisher immer viel zu fest gezwirnt, nun zwinge ich mich dazu, nicht so schnell zu treten
LG
Sonja
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August 2, 2010 - כ"ב אב תש"ע at 10:38 am
Ist es nicht herrlich, immer noch dazu lernen zu können. Das Zwirnen mit der Spindel ergibt fast immer flauschiges Garn. Da können immer ruhig noch ein paar Drehungen mehr als man denkt getan werden. Am Rad hingegen braucht man oft nur ganz wenig Drall. Ach ich finde es schön, dass du ähnilche Erfahrungen und Beobachtungen machst. LG Sabine
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August 2, 2010 - כ"ב אב תש"ע at 11:11 am
Hallo Jinx,
könnte das 2-fach verzwirnte Garn oben nicht auch “zu gut abgelagert” gewesen sein. Das sieht oft ähnlich aus, wenn der Drall sich zu sehr gesetzt hat. Dann wollen die Fäden nicht mehr miteinander gehen.
Ich zwirne übrigens lieber als zu spinnen.
LG
Sabine
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Jinx Reply:
August 2, 2010 - כ"ב אב תש"ע at 11:32 am
Nein, ganz sicher nicht. Es lagerte vor dem Zwirnen nur sehr kurz, und es sah auch immer so aus wie jetzt. Ich konnte einfach nicht anständig zwirnen.
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August 2, 2010 - כ"ב אב תש"ע at 2:14 pm
ich finde, zwirnen macht sehr oft aus ganz normalem einfachgarn etwas besonderes! natuerlich dauert es seine zeit, wenn man erst drei oder vier faeden spinnen und dann noch verzwirnen muss – aber ein guter 3fachzwirn und erst recht ein schoenes cabliertes garn sind was besonderes – auch ohne “art effects”! wobei ich gerade das navajozwirnen (wieder)entdeckt habe – das beim verzwirnen besondere farbeffekte geben kann… (ich weiss, du magst kein multicolor:))
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