August 1, 2010 - כ"א אב תש"ע
Monthly Archive
August 31, 2010 - כ"א אלול תש"ע
Bereits 2007 habe ich Studio Long von Hanne Falkenberg gestrickt, und ich war richtig begeistert, obwohl er sehr groß war. Leider wurde er nach einer Wäsche noch größer, und dieser Prozess setzte sich fort, bis das Teil untragbar wurde. Er verschwand in meinem Schrank, wo ich ihn fast vergaß.
In 2007 I knitted Studio Long by Hanne Falkenberg, and I was really enthused although it was really big from the very beginning. Unfortunately it grew bigger and bigger after washing and wearing it, until it vanished in my wardrobe – unworn and almost forgotten.
Einen dritten Schrankwinter wollte ich jedoch nicht für ihn, und so entschloss ich mich zu einem Filzversuch in der Waschmaschine. Ich wusch ihn bei 30 Grad mit Schmierseife und bei reduziertem Schleudergang – und er kam einfach perfekt heraus. Das Gestrick wurde wunderbar dicht (und filzig natürlich), Ärmellänge, Länge und Weite sind auf den Punkt gelungen. Plan B (für den Fall, dass der Filzprozess nicht funktioniert, war übrigens, Handstulpen, Nadelkissen und eine Tasche o. ä. daraus zu machen, aber das ist ja nun nicht nötig.
I didn’t want a third winter in the darkness of my wardrobe and so I decided to make an attempt with felting. I washed it in my washing machine, 30 degr. celsius, reduced tumbling, together with a bit of soap, and it came out just perfect. The fabric became dense and cozy and – of course – felty, the length of sleeves and body and the withs came out exactly as they are supposed to be. Of course I had an alternative plan, just in case it would not work: I wanted to make mitts, pincushions and maybe a bag of it, but this is not necessary at all.
August 30, 2010 - כ' אלול תש"ע
Einige der wollverwandten Souvenirs von den Shetlandinseln habe ich bereits vorgestellt: Bücher, Nadeln, ein Knitting Belt und ein wenig Wolle. Doch es gibt noch anderes, was Faserbegeisterte erfreut, und das ist durchaus nicht immer traditionell.
In der Weisdale Mill Gallery besuchten wir mehr aus Versehen eine interessante Ausstellung avantgardistischer Ringe, teils tragbar, teils verrückt, und der Souvenirshop der Galerie kann sich sehen lassen: schick, modern, stylish. Hier gibt es unterschiedliche Bücher zum Thema Schmuck, und inspiriert von der Ausstellung habe ich das Folgende mitgebracht:

Außerdem noch diesen witzigen Schafring aus Plastik:

Der passt zu meiner Auffassung, dass der klassische “hochwertige” und völlig überteuerte Schmuck in der heutigen Zeit eigentlich obsolet geworden ist.
Ich habe ja das Problem, dass ich die meisten Schalnadeln einfach grauenvoll finde, die es hier so auf dem Markt gibt. So flüchtete ich mich in silberne Repliken von germanischem oder Wikingerschmuck – schön, aber manchmal einfach zu schwer. In einem Designerladen, wo wir noch einen phantastischen avantgardistischen Wrap erwarben, gab es diese Schalnadeln, die sich auch für leichteres Gestrick eignen.

Und das Beste kommt wie immer zum Schluss: Ich habe einen Freund von den Inseln mitgebracht. Dies ist ein Burra-Bear, den mir Mutter Jinx am letzten Tag schenkte. Diese Bären gibt es in drei Größen, und sie werden aus abgelegten und gefilzten Fair-Isle-Pullovern gefertigt, und somit zu 100% Recyclingprodukte. Keiner ist wie der andere, alle sind einmalig, und sie haben sogar einen Namen. Meiner heißt Ian o’ Linkseter, und er hat einen Ehrenplatz. Aber keine Angst, es wird keine Blogposts unter seinem Namen geben.

August 30, 2010 - כ' אלול תש"ע

Zwar schon vor meinem Urlaub angefertigt, zeige ich es erst jetzt: die zweite Aufgabe meines Online-Filzkurses. Es ging wieder um Stickerei, und diesmal waren es so viele Stiche, dass ich nur eine Auswahl getroffen habe.
I finished thisone before I went on holiday, the second homework for the online felting class. It was about embroidery again, and there were so many stitches that I selected some of them.
Obwohl ich noch neu auf dem Gebiet bin, habe ich schon einige Vorlieben entdeckt:
- Ton-in-Ton-Stickerei
- feine Linien
- abstrakte oder stark stilisierte Formen und Symbole
- ungewöhnliche Materialien
Durch meinen Urlaub bin ich etwas im Verzug, aber ich freue mich auf die nächste Lektion, da geht es um das Herstellen plastischer Formen mittels Stickerei.
Although I’m a newbie in the embroidery business, I already found some preferences:
- monochrome embroidery
- fine lines
- abstract or heavily simplified motives and symbols
- unusual materials
Due to my stay on the Shetland Isles I fell a bit behind with the class, but I really look forward to the next lesson, it’s about reliefs witht the help of embroidery.
August 30, 2010 - כ' אלול תש"ע

Kurz nach dem Urlaub wurde mein Urlaubsgestrick fertig; es ist der Cowl/die Kapuze Polo von Hanne Falkenberg. Es ist ein schönes Projekt, das dazu noch unter weitestgehendem Ausschluss jeglicher Gehirnleistung gestrickt werden kann.
Shortly after my return from the Shetland Islands I finished my holiday knit: it’s the cowl/hood Polo by Hanne Falkenberg. It’s a nice project which can be done almost mindlessly.

Ausgebreitet wirkt das Teil weniger spektakulär; es ist eine einfache Röhre mit farbigen Rippen, die durch die unterschiedliche Garndicke sehr schön fällt.
Unfurled it looks rather mundane, it’s a simple tube with colourful ribs which drapes beautifully because of the different gauge of the yarn used.
Wie immer ist das Garn bzw. die Anleitung nur als Strickpackung erhältlich.
As usual, the yarn respectively the instructions are available as a kit only.
Technisches / Technical Details
Name: Polo
Designer: Hanne Falkenberg
Material: Hanne Falkenberg Shetland No. 2
Colours / Farben: black/schwarz, Cyclam, Tomato, Dark Orange
Weight / Gewicht: appr. 230 g
Needles / Nadelstärke: 4 mm
August 22, 2010 - י"ב אלול תש"ע
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Da ich mit dem Bearbeiten der Fotos nicht hinterherkomme, gibt es heute eine kleine Plauderei zum Thema “Besonderheiten” wie sie sich mir mitgeteilt haben (denn nach dieser kurzen Zeit kann ich wirklich nicht behaupten, eine Kennerin der Materie zu sein).
Was man hier nicht findet, ist der sonst allgegenwärtige Union Jack oder auch die schottische Flagge mit dem weißen Andreaskreuz auf blauem Grund. Es scheint so, als ob die Leute die nur aufhängen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Stattdessen sieht man die Flagge der Shetland-Inseln sehr häufig. Auch das Wort “royal” oder “Scottish” liest man kaum. Ich habe nichts über einen Sonderstatus der Inseln gefunden, daher nehme ich an, dass die einfach so weit weg sind, dass man hier die Regierung oder die Schotten gut ignorieren kann.
Dies mag eigenbrödlerisch klingen, aber es ist ausgesprochen einfach, mit den Einheimischen in Kontakt zu kommen, denn sie sind offen und sehr freundlich, und sie laufen sich die Beine ab, um einem etwas zu zeigen oder zu erklären. Es ergeben sich interessante Gespräche, vorausgesetzt man kommt mit dem hiesigen Dialekt zurecht, der manchmal nicht ganz einfach zu verstehen ist.
Die Kultur ist wenig britisch geprägt, so haben Pubs keine große Tradition, es gibt nur wenige, und in denen wird kein Essen serviert. Überhaupt ist Gastronomie außerhalb Lerwicks dünn gesät, man kann nicht damit rechnen, auf eine Gelegenheit zur Nahrungs- oder Flüssigkeitsaufnahme zu stoßen. Die Shetlands gelten ja als Großbritanniens letzte Wildnis, und da ist durchaus was dran.
Kultur
Die Shetlander sind traditionell eine Crofter- und Fischergesellschaft, die Inseln waren recht arm und abgelegen. Arm ist man hier nicht mehr, abgelegen ist es noch immer. Es gibt neben dem Shetland Museum mit seiner sehr sehenswerten Ausstellung eine Menge kleiner und kleinster Museen, die einem Kultur und Alltagsleben nahebringen, aber auch ganz Modernes, so eine Ausstellung modernen Avantgardeschmucks auf dem Weg nach Sandness.

Der Eintritt ist normalerweise frei. Bei den Ausstellungen, die sich mit der Tradition der Inseln beschäftigen, fehlt der Teil niemals, der sich mit Textilien und Faserverarbeitung beschäftigt. Dies machte in der Vergangenheit einen großen Teil der Volkskultur aus und hat seinen Identitätsstiftenden Charakter nicht verloren. Neben Fair-Isle-Strickerei wird dem Lacestricken, dem Spinnen und dem Weben der inseleigenen Wolle breiter Raum gegeben.

Hoiswick Visitors’ Center: auch Sonntags geöffnet, werden hier sowohl Faserverarbeitung als auch Alltagsleben und auch eine große Sammlung historischer Radio- und Kommunikationsgeräte gezeigt.

Auffällig ist, dass in allen Museen und Ausstellungen viele Exponate völlig offen stehen und auch angefasst werden können. Ist das nicht erwünscht, steht dies auf einer kleinen Tafel. Der Grund ist zweifellos, dass die Inseln verhältnismäßig wenig Touristen haben; es gibt mit Ausnahme einiger Busreisenden nur Individualtouristen.

Spindeln und Nostepinnen in der Böd of Gremista in Lerwick
Man merkt, wie stolz die Shetlander auf ihre Vergangenheit und ihre Kultur sind und diese auch am Leben erhalten; trotzdem wirken die Leute modern und sehr aufgeschlossen.
Ebenso wie man vieles anfassen kann, darf man in allen Museen fotografieren.
Schlösser und Burgen
Während Großbritannien ein gewissen Schloss- und Burgaufkommen aufweist, ist das hier auf den Shetlandinseln anders. Die Kultur ist bäuerlich geprägt, und die Inseln standen lange unter norwegischer Herrschaft und kamen erst im 15. Jahrhundert unter schottische Herrschaft, was nicht auf Gegenliebe stieß. Man versucht wohl bis heute, diese Tatsache weitgehend zu ignorieren. Die schottischen Herrscher errichteten einige Schlösser, von denen keines mehr intakt ist. Nun besichtigen wir nicht so gern Schlösser und Burgen, denn für die meisten gilt “hat man eines gesehen …” (oder, wie Mutter Jinx es auf den Punkt bringt: “Mich interessiert nicht so, wie andere Leute wohnen …”), und da braucht man sich auf diesen Inseln nicht mal als Kulturbanause zu fühlen.
Zwei Beispiele für herrschaftliche schottische Architektur haben wir bereits gesehen. Das erste war das Herrenhaus auf dem Gelände des Jarlshofs, das im Audiokommentar der dort erhältlichen elektronischen Führung als ausgesprochen lästig und das ansonsten beliebte Ensemble störend bezeichnet wird.

Am liebsten würde man wohl mit der Abrissbirne vorfahren, gehörte das Ensemble nicht dem schottischen National-Trust.
Als zweites Beispiel mag das Schloss von Scalloway dienen, erbaut um 1600. Es steht eigentlich an einer bevorzugten Stelle an einem See, wirklich sehr romantisch gelegen. Heute sieht es so aus:

Ich sollte dazusagen, dass die Schlossruine sich ziemlich in Bildmitte befindet, denn sie ist von allen möglichen industriellen Zweckbauten umstellt. Der Kontrast ist umso auffälliger, als hier archäologische Stätten und sonstige Baudenkmäler wohlgepflegt und hervorragend begehbar sind und wirken, als würden die Steine mit einer Zahnbürste geputzt werden.
Einkaufen und anderes Touristisches
Es gibt W-Lan, auch wenn das manchmal instabil ist und die Verbindungen nicht sonderlich schnell sind, Handyempfang ist auch an vielen Stellen gegeben. Die Geschäfte schließen meist um 17.00 Uhr, Supermärkte und Tankstellen haben länger offen. Restaurants und ähnliche Etablissements schließen um 20 oder 21.00 Uhr.
Man kann hier natürlich schottischen Whisky kaufen, aber er ist nicht typisch und wird auch nicht auf den Inseln destilliert. Fair-Isle- und Lacestrickereien gibt es an jeder Ecke, ebenso alle möglichen Dinge aus Shetlandwolle zu günstigen Preisen; das Rohmaterial ist bei den einschlägigen Manufakturen erhältlich (wir berichteten …). Schön sind Bücher (Inseltypisches gibt es im Bookshop der Shetland Times), es gibt einiges zum Thema Textil und Stricken. Weitere nette Mitbringsel sind CDs mit der inseltypischen Musik (KEINE Dudelsäcke, die hört man hier gar nicht) oder auch Seifen und Badezusätze aus lokaler Produktion, ebenso wie Fudge oder andere hier hergestellte Süßigkeiten.

Bücher zum Thema Stricken, ein Knitting Belt und lange Metallstricknadelspiele – typisch für die Shetlandinseln. Dazu zwei moderne, schlichte Designer-Schalnadeln.

Mutter Jinx kauft Wolle: Lustig ist, dass sie bei der letzten Zusammenkunft der Hamburg Knitters, Section Underground getönt hat, dass sie nur Material für ein einziges Projekt kaufen würde, da die Wollberge sie nerven. Nun hat sie Wolle für vier Projekte erworben …

Alles irgendwie Jamieson … Garne aus Shetlandwolle: Lace – Aran – Spindrift (für Fair-Isle-Strickerei).
Überhaupt wird man hier von einer großen Lässigkeit erfasst: Das Wetter ist, wie es ist und lässt sich ohnehin nicht ändern (weswegen sich kein Mensch hier darüber aufregt), die Umgangsformen der Bevölkerung sind freundlich aber lässig (eine Kellnerin hat mir in den hinteren Ausschnitt meines Pullovers gefasst, um das Etikett zu lesen, und das ist völlig normal, es ergab sich eine längere Unterhaltung daraus). Mutter Jinx ergibt sich dieser Stimmung ganz und gar; sie ist ja eigentlich ein vornehmer Mensch, entledigt sich aber des städtischen Geschnörkels: Ich kenne sie seit fast 44 Jahren, und ich bin mir sicher, dass ich den Satz “Ich muss jetzt kacken” vorher von ihr noch nie gehört habe.
August 21, 2010 - י"א אלול תש"ע
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Lerwick (mehr als 5000 Einwohner) ist so etwas wie die pulsierende Metropole der Shetlandinseln. Wir aßen dort heute in einem hervorragenden Restaurant, die gleichzeitig die Gastronomie des Shetland Museums ist. Der Ausblick vom Restaurant aus ist wirklich sehr erfreulich.

Das Essen ist modern, leicht und hervorragend, auch wenn Mutter Jinx sich beschwerte, dass anstelle des bestellten Rumpsteaks ein gefühltes halbes Rind serviert wurde.
Eine Eigenheit gibt es hier allerdings, die man beachten sollte: Besonders abends kann man nicht einfach in ein Restaurant gehen und sich an einen Tisch setzen. Man wird immer nach der Reservierung gefragt, und man wird immer zum Tisch geführt, selbst wenn der Laden gähnend leer ist. Eine Ausnahme stellen nur Schnellimbisse dar.
Die folgenden Bilder entstanden kurz nach 21.00 Uhr Ortszeit.


Der Parkplatz am Hafen mit Blick auf die Stadt



Auf dem letzten Bild sind tatsächlich Menschen drauf, aber das ist nicht so repräsentativ.
August 20, 2010 - י' אלול תש"ע
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Nicht, dass es heißt, ich fahre immer dahin, wo es regnet: Dies war der Himmel heute Morgen um 6.00 Uhr: ein sattes, strahlendes Blau.

Auch der Blick über die Bucht war entsprechend erfreulich – und das heißt: ein idealer Tag für eine Wanderung. Unser Ziel war St. Ninians Beach mit St. Ninians Isle.

Dieser geradezu karibische Anblick zeigt eine natürliche Brücke von Mainland aus zu der vorgelagerten Insel St. Ninian. Sie ist auch bei Flut begehbar, und die Aussicht zu beiden Seiten ist spektakulär.



Es ist ein feiner, fast weißer Sandstrand, und das Wasser ist kristallkar. Es kann hier auch gebadet werden, auch wenn es etwas … nun, frisch ist, von der Temperatur her.


Auch wenn das Wetter von der Landseite her zeitweise ein wenig schottisch daherkam, blieb es während der Wanderung eher so:

Wir begnügten uns nicht mit einem Strandspaziergang, sondern umrundeten die Insel praktisch vollständig. Sie hat fast nur Steilküsten, an deren Rand man entlangwandert. Die Ausblicke sind wirklich lohnend und immer wieder neu und überraschend.






Es existieren auf dieser Insel noch ein paar Mauerreste, und früher war sie bewohnt. Heute wird sie von Schafen beweidet.



Ein einsames Schaf.

Die Kapelle St. Ninian. Ein frühchristlicher Bau, der in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgegraben wurde. Hier fand man auch einen berühmten Schatz, der Stücke aus verschiedenen Epochen enthält.

Auf der Tafel sind sie gezeigt, und Repliken sind im Shetland Museum zu sehen. Die Originale wurden in größere Museen auf dem Festland verbracht, weswegen die Shetlander beleidigt sind (und das völlig zu recht).
Nach dieser kleinen Wanderung (ca. 6 km) fuhren wir ganz in den Süden von Mainland, nach Sumburgh. Hier gibt es einen kleinen Flughafen.

Dieser Flughafen ist genauso beschaulich, wie es hier aussieht. Wenn man zum Jarlshof und zu dem gleichnamigen Hotel möchte, muss man die Landebahn queren, wobei man nicht abbiegen darf (darauf wird extra hingewiesen) und halten muss, wenn die entsprechenden Lichter leuchten (keine Ampel). Mutter Jinx war von diesen Zuständen so irritert, dass sie dachte, ich wäre versehentlich auf den Flughafen gefahren.

Das Sumburgh Hotel. Hier haben wir zu Mittag gegessen (Steak and Ale Pie, sehr empfehlenswert).

Das Hotel aus der Nähe. Jimmy Perez war leider nicht im Haus (Insider für Krimifans).
Nachdem wir uns verpflegt hatten, besuchten wir den Jarlshof, der als bedeutendste Ausgrabungsstätte Großbritanniens gilt.

Der Jarlshof ist ein ganz besonderes Ensemble archäologischer Funde von der Bronze- bis zur Neuzeit. Sie befinden sich in unmittelbarer Nähe zueinander. Das Gelände kann exessiv begangen werden, das heißt, man kann die Reste betreten und auch anfassen.

Man findet Rundhäuser aus verschiedenen Epochen, eines davon wird als Schmiede assoziiert, und überall stehen primitive Mahlvorrichtungen herum.

In den Alkoven wurde wahrscheinlich geschlafen.

Das Gebäude oben links im Bild ist neu und enthält eine kleine Ausstellung.

Neben bronzezeitlichen Rundhäusern findet sich ein halber Broch (ein Wohnturm aus den ersten vorchristlichen Jahrhunderten, die andere Hälfte wurde vom Meer weggerissen), dann ein Hof aus der Wikingerzeit, mittelalterliche und spätere shetländische Bauernhäuser und ein Herrensitz. Letzerer ist wirklich klein, dominiert aber das Gelände und wird von den Ansässigen als störend empfunden, als handele es sich um ein Hochhaus, da er von einem schottischen Adligen errichtet wurde, und Shetländer sind nun mal keine Schotten.




Der Landsitz des Anstoßes.

Blick vom Herrenaus über einen Teil der Anlage. Der Name Jarlshof ist übrigens irreführend, er stammt von dem Schriftsteller Walter Scott (Ivanhoe, den Film dürften alle gesehen haben …), der das Herrenhaus so bezeichnete, was daran liegen dürfte, dass die romantisierenden Historienschriftsteller des 19. Jahrhunderts in dieser Hinsicht nicht so den Überblick hatten. Die Wikingersiedlung dürfte einen Jarl nie erlebt haben, dafür sind die Gebäude wohl zu klein.
Auf dem Rückweg erlebten wir die irritierende Straßenführung zum zweiten Mal und besuchten das Shetland Croft House Museum. Hier ist ein typisches Bauernhaus zu einem Museum gestaltet worden, mit authentischer Einrichtung. Man kann es begehen und die Dinge sogar anfassen.



Das Innere ist recht eng und besteht aus zwei Wohnräumen, einer Diele und einem Stall – es befand sich also alles unter einem Dach. Dies ist Heizung und Kochstelle in einem.

Ein typischer Shetland Shawl, wie er von den Bewohnerinnen getragen wurde.

Die Schlafschränke hielten die Wärme und sorgten für ein wenig Privatsphäre. Oben das unvermeidliche Spinnrad.

Die Anlage vom Garten aus.

Zweitverwertung: kleinere Nutzbauten wurden gern mit ausrangierten Booten gedeckt.

Der Nutzgarten wird durch eine Mauer vor dem Wind geschützt.

Shetlandponies gehören auch dazu. Also, die sind wirklich ganz, ganz klein und gehen mir nicht mal bis zur Hüfte.
Beschlossen haben wir den Tag in Lerwick, und zwar hier: Bei Jamieson & Smith. Noch ‘n Paradies, sozusagen.

Im Inneren herrscht Fülle, ein großer Verkaufsraum mit dem Sortiment.


August 19, 2010 - ט' אלול תש"ע
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Am zweiten Tag unseres Aufenthalts besuchten wir zunächst das Shetland Museum am Hafen.

Von der Eingangsseite recht unauffällig, ist die Rückseite von architektonischer Dramatik.

Gezeigt wird die Geschichte der Shetland-Inseln unter unterschiedlichen Aspekten:

Geologisch …

… archäologisch

… zoologisch

… und vor allem kulturhistorisch. Dies ist ein Nachbau eines typischen Hauses, wie es auf den Inseln noch bis ins 18. Jahrhundert bewohnt wurde.

Alles auf engstem Raum, und das Schwein (eine Art Wild-Hausschwein-Kombination) mittendrin.

Nix für Individualisten: Schlafen in einer Schublade, mit allen in einem Raum.

Der Bootsraum

Natürlich darf auch …

… Up Helly Aa nicht fehlen.
Beleuchtet wird das Leben auf den Inseln unter verschiedenen Aspekten von der Steinzeit bis in die Moderne. Für Stricker und sonstige Faserverrückte ist das Museum ein Paradies, denn diesem Bereich sind diverse Vitrinen gewidmet, die Fair-Isle-, Lace- und sonstigen Gebrauchsstrickereien zeigen.

Es beginnt mit einfachen Geräten zur Faser- und Wollverarbeitung …

… wobei Spinnräder auch nicht fehlen dürfen …

… kommen dann die Strickwaren, die zunächst mit der Seefahrt eng verbunden sind.

Diese Exponate stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Weitere frühe Exemplare

Die Britische Oberschicht entdeckt die Fair-Isle-Strickerei

Verbindung zur Heimat in schwieriger Zeit: Der Fair-Isle-Pullover eines Shetlanders in Kriegsgefangenschaft (2. Weltkrieg)

Kontinuität: moderne Beispiele lokaler Stricktradition

Auch die Lace-Strickerei wird thematisiert.

Im Vordergrund: die feinste hier hergestellte Strickspitze aller Zeiten.

Das Museumsrestaurant: In jeden Tisch ist ein Beispiel lokaler Textilkunst eingelassen.
Das Museum ist rundherum empfehlenswert: Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist gut aufgebaut und sehr informativ und spannend, und die Gastronomie ist ausgezeichnet.

Nach dem Museumsbesuch gingen wir erst mal den Mietwagen abholen und kamen am nördlichsten Barbier Großbritanniens vorbei.
Nun motorisiert, entschlossen wir uns, nach Sandness zu fahren. Sandness ist kaum auf einer Karte zu finden, und die Straße ist überwiegend einspurig, kurvenreich und voller Schafskacke. Aber man könnte Sandness durchaus als eine Art Nabel der Welt bezeichnen.
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Die Straße nach Sandness

… und die Landschaft

Sogar die Heide hat geblüht.

Und Schafe gab es reichlich.
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Die meisten ignorieren Autofahrer völlig. Die hiesigen Schafe sind klein, meist hornlos und meist weiß.

Shetlandponies gibt es natürlich auch. Sie sind unwesentlich größer als die Schafe, zäh und vom Charakter eher schwierig.

Der Untergrund ist auch gern mal torfig oder sumpfig; Torf gestochen wird hier auch.

Dies ist Sandness, das Ziel unserer Reise. Nun werdet Ihr Euch fragen: “Was will die da eigentlich, und die Antwort ist hier:

Man macht sich von Orten, die man nicht kennt, ja immer so seine Vorstellungen, und die stimmen nicht immer mit der Wirklichkeit überein. Dies, liebe Damen, ist Jamieson’s of Shetland höchstpersönlich. Das Hauptquartier, sozusagen. Man kann also behaupten: So sieht das Paradies aus.

Und hier ist der Verkaufsraum. Es gibt Jamieson-Garne in allen möglichen Qualitäten, dazu Strickwaren aus ihrer Wolle und das alles zu wirklich sehr günstigen Preisen.
Die Leute, die dort arbeiten, sind unglaublich freundlich, und wir durften auch die Manufaktur besichtigen. Wir konnten uns völlig frei bewegen und uns alles ansehen. Hier ein paar Impressionen:

Hier werden Strickwaren maschinell hergestellt.

Hier werden die Teile zusammengenäht.

Straße der Spinnmaschinen

Spinnmaschinen

Das Kardieren

Wollwaschstraße

Nach dem Waschen, vor dem Kardieren

Das Lager mit der Rohwolle

Die hauseigene Weberei

Das Schären der KettfädenH
Und ein hauseigener Veteran, an dem auch gearbeitet wird.

Überall stehen hauseigene Produkte herum, in jeglicher Form

Als kardierte und gefärbte Ware

… und als Endprodukt.
Es war ein hochinteressanter und lohnender Besuch, der jedem, der sich für Faserverarbeitung interessiert, nur wärmstens zu empfehlen ist.
Als wir diesen Garten Eden wieder verließen, fuhren wir noch zu einem wunderschönen Strand. Wenn ich im Zusammenhang mit Schottland von “Strand” spreche, meine ich möglicherweise etwas anderes, als die meisten assoziieren. Gebadet wird eigentlich nicht, dafür ist es zu kalt, aber die Orte sind einfach wunderschön, verwunschen und abgeschieden.
Dies ist jedenfalls Meal Beach:

Das Wetter war inzwischen sehr schottisch (wobei man sagt, dass man auf den Shetlands jede Jahreszeit täglich ein Mal erlebt), und hier macht man natürlich so etwas wie “mit dem Auto direkt am Strand parken” oder sogar direkt auf den Strand fahren nicht, und vermutlich würden die lieben Leute hier eine Art kollektiven Herzinfarkt erleiden, wenn man das spärliche aber völlig ausreichende Straßennetz in dieser Richtung erweitert wollte. Jedenfalls hat das Wasser in Strandnähe auch bei zunehmender Schottischkeit des Wetters noch eine fast schon karibische Farbe (Mutter Jinx und ich hatten völlig durchnässte Hosen, und den Rucksack von M. J. konnte man auch auswringen).

An den Wassertropfen auf der Linse sieht man, wie schottisch es war.

Shetland-Mainland ist ausgesprochen wasserreich; meistens sieht man entweder das Meer oder aber einen See.

Natürlich ist von solchen Bedingungen die Tierwelt begeistert: Es gibt zahlreiche Vogelarten (hier befrage man einen Ornithologen) und sogar Straßenschilder, die vor Otterwechsel warnen, was bei dem vielen Süßwasser kein Wunder ist.

Die Shetlands sind einfach grandios, und das bei jedem Wetter.
Fortsetzung folgt!
August 19, 2010 - ט' אלול תש"ע
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Wie ich inzwischen feststellen durfte, kommt man in 24 Stunden entweder nach Australien (so habe ich zumindest gehört), oder aber auf die Shetland Islands. Zunächst flogen wir nach Aberdeen, wo wir dann die Fähre nach Lerwick bestiegen.

Wir hatten eine Kabine, was ausgesprochen komfortabel war, denn die Überfahrt dauert 14 Stunden.

The vessel is leaving the harbour …
Nach der Überfahrt kamen wir mitten in der Nacht (also um 7.00 Uhr morgens) in Lerwick, der Inselmetropole (auf Mainland, ca. 5000 Einwohner) an, und da wir den Mietwagen erst am nächsten Tag abholen können, warfen wir unser Gepäck im B & B ab und gingen ins Zentrum. Wir machten einen Umweg an der Küste entlang.

Küste bei Lerwick

Küste bei Lerwick II – das Wetter: schottisch.
Wir machten das, was Frauen gern tun, nämlich erst mal einen ausgedehnten Stadtbummel (so ausgedehnt das in Lerwick eben sein kann).

Typische Häuser in der Commercial Road. Alle Gebäude sind aus grauem Stein errichtet. Die Commercial Road ist die Haupt- und Einkaufsstraße, was man hier noch nicht so sieht.

Die Fischerei ist traditionell eine der Haupteinnahmequelle der Shetlander (die Leute sind übrigens ausgesprochen freundlich, aber der Dialekt ist wirklich nur was für Fortgeschrittene).

Das Wasser – glasklar und eiskalt.

Wen haben wir denn hier?

Die Shetlander sind keine Schotten und somit auch keine Kelten, sondern stammen von Wikingern ab. Das merkt man an den Namen, der Sprache und auch an den lokalen Traditionen – hier ein kleines Wikingerschiff, das als Nachbau im Hafen liegt.

Viele der Zugänge und Gassen im alten Teil von Lerwick sind eher schmal.

Der Marktplatz. Er ist wirklich winzig und wird von einem dort befindlichen Musikgeschäft (Instrumente und CDs) mit der für die Inseln typischen Musik beschallt (nein, keine Dudelsäcke, sondern Fiddles). Da habe ich für Herrn Jinx, der keinen Urlaub bekommen hat und leider nicht mitkommen konnte, zum Trost ein paar CDs gekauft.

Selbst hier, praktisch am Ende der Welt, gibt es Historismus: Türmchen und schottische Distel.

Und nun ein Bild, das die meisten meiner LeserInnen interessieren dürfte: JAMIESON!!! Einer der beiden Hersteller feiner Shetlandwolle hat einen kleinen Laden in Lerwick. Natürlich waren wir da drin …
Fortsetzung folgt
August 16, 2010 - ו' אלול תש"ע
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