Mutter Jinx hatte wieder Hummeln im Hintern, ich irgendwie auch, und das Wetter war gestern einfach unschlagbar. Kurz gesagt, es war wieder Zeit für einen Ausflug. Unsere Wahl war auf Hitzacker gefallen, eine winzige Stadt im Wendland. Der Weg dorthin führt mit einer Kleinbahn von Lüneburg durch grüne Wälder, und wenn ich klein sage, dann meine ich auch klein, und das gilt nicht nur für die Bahn, sondern auch für die Bahnhöfe

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Zum Beispiel Leitstade (Deutschland bizarr): Dies ist der Bahnhof, mitten im Nirgendwo. Neben dem großzügigen und sehr luftigen Bahnhofsgebäude im Obstkisten-Design steht ein Aschenbecher nebst Schild, dass dies ein rauchfreier Bahnhof ist und das Rauchen nur in den bezeichneten Raucherbereichen erlaubt ist. Geht’s noch? Kein Wunder, dass hierzulande alles pleite ist.

Der Bahnhof von Hitzacker ist größer, aber unspektakulär. Er liegt in einem Wohngebiet mit Einfamilienhäusern und großen Gärten. Hier sieht der Rasen aus wie mit dem Staubkamm gekämmt und mit der Nagelschere geschnitten, die Blumen stehen in militärischer Ordnung, und auch Gartenzwerge und ähnlicher Tand Zierrat fehlen nicht. Da Mutter Jinx und ich zu dem Schluss kamen, dass Leute, die ihren Grundstücken so etwas antun, potentiell gefährlich sein müssen, suchten wir rasch das Weite. Und das mit der Weite ist wörtlich zu nehmen, denn die eigentliche Stadt (mit völlig normalen Gärten, wie wir erleichtert feststellten) ist ca. 2 – 3 Kilometer vom Bahnhof entfernt. So kamen wir an der Elbe vorbei.

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Auf dem Weg in die Stadt liegt das Archäologische Zentrum Hitzacker, eine hochinteressante Rekonstruktion einer slawischen Siedlung der Bronzezeit. Da musste ich natürlich hin.

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Dieses Freilichtmuseum zeigt mehrere bronzezeitliche Langhäuser und andere Gebäude, die man damals so brauchen konnte.

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Giebel eines Langhauses

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Zum Beispiel den Vorratsspeicher, dessen Konkurrenz der kostbaren da raren Nahrung einen gewissen Schutz vor bronzezeitlichem Ungemach bot, wie zum Beispiel wilden Tieren (das andere Ungemach, Hochwasser, hält sich zäh bis in unsere Zeit).

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Die Langhäuser sind begehbar, und man erhält einen Einblick in die Konstruktion dieser Bauten, die eine Großfamilie nebst Vieh beherbergten.

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Die Aufteilung im Inneren – mehrere kleine Abteile und ein großer Raum für die ganze Familie.

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Komfort geht anders, Privatsphäre auch, aber innen war die Luft selbst an diesem heißen Tag angenehm kühl.

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Neben dem Langhaus: ein Kräutergärtchen

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Wo die Schädel waren,  wurde es kultig: Kultstele

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Den Opferteich fand ich sehr inspirierend, dachte ich doch sofort an unseren derzeitigen Außenminister. Aber hier wurden nur Tongefäße gefunden.

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Das Grubenhaus: Halb in die Erde eingelassen, ist es dort angenehm kühl. Es diente der gemeinsamen Arbeit, also dem Handwerk oder der Nahrungsmittelzubereitung.

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Das Grubenhaus – Detail des Giebels

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Im Inneren, das übrigens sehr gemütlich ist, befindet sich ein Ofen …

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… und Mahlsteine zur Mehlgewinnung. Die Bänke sind mit Fellen belegt.

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Das andere Langhaus: beeindruckend lang. Im Inneren befindet sich eine kleine Ausstellung über die Lebensbedingungen vor 3000 Jahren.

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Irgendwie schmusig: das tiefgezogende Reetdach

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Gewichtswebstuhl – denselben Typ findet man im Museumsdorf in Haithabu, wie auch die Häuser sich von der Konstruktion her nicht so sehr von den dortigen unterscheiden – nur dass Haithabu ca. 2000 Jahre jünger ist.

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Durch die fehlenden Fenster war es im Inneren entsprechent duster – Licht bot vor allem die Feuerstelle.

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Das Langhaus mit der Ausstellung. Die Erklärungen sind knapp gehalten, man hat auch auf allzuviel Tand verzichtet – im Vordergrund steht das unmittelbare Erleben von Architektur und Anlage.

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Kulthaus mit Schädel

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Archäologische Phantasie? Ein kleines Labyrinth aus Weidengeflecht (leider teilweise durch Vandalismus zerstört) führt zum Eingang des Kulthauses.

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Eingang zum Kulthaus

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Und am Eingang wieder ein Schädel. Mutter Jinx fand’s befremdlich, ich lustig.

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Nee, diesmal kein Schädel, sondern Hörner: Versuch einer Rekonstruktion eines bronzezeitlichen Idols. Wie weit das nun authentisch ist, mögen Ur- und Frühgeschichtler beurteilen. Urig ist es auf alle Fälle.

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Alle zusammen: Öfen, Kochstellen etc. wurden gemeinschaftlich genutzt. Das autistische Herumprökeln im eigenen Zimmer ist eine Errungenschaft der Neuzeit. Es gibt Öfen für alle möglichen Zwecke: zur Bronzeschmelze, zum Brennen von Ton und zum Backen von Brot.

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Zum Schutz vor Wind und Wetter sind die Öfen überdacht.

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Die Kochstelle

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Eine Art Designklassiker: Die Fischreuse

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Kippeliges Fahrgefühl? Einbäume, wie der Name sagt, aus einem Baum gefertigt.

Das Museum fand ich absolut sehenswert; es verfügt über eine rudimentäre Gastronomie, einen hübschen Shop und viele Angebote für erlebte Archäologie. Gerade für Kinder ist es sehr lohnend, da man überall hin und alles anfassen kann.

Nach diesem Erlebnis machten wir uns in die eigentliche Stadt auf, die noch ein Stück weiter direkt an der Elbe liegt.

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Blick auf die Elbe von Hitzacker aus

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Blick auf die Stadt mit Kirche. Der gedrungene Bau ist typisch für die Gegend.

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Das Nest ist bewohnt, die Viecher sind echt: Storch mit drei Jungvögeln.

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Fachwerkhäuser bestimmen das Straßenbild

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Straße zur Elbe

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Die älteren, größeren Häuser sind oft recht verwinkeln (und unerhört romantisch!)

Und nun komme ich zu dem Punkt, warum dieser Bericht Irgendwie Hitzacker und nicht Hitzacker heißt. Da der Name an diesem Tag irgendwie Programm war und es glühend heiß war, beschlossen wir, uns auf die Elbe zu verfügen. Von der Stadt selbst haben wir leider nicht so viel gesehen, was wir jedoch schnellstmöglich nachholen wollen (wir fahren einfach nochmal hin).

Wir fuhren auf einem Schiff von Hitzacker nach Lauenburg, und auf der Elbe war es viel angenehmer.

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Blick auf Hitzacker von der Elbe aus

Während der nächsten drei Stunden passierte eigentlich … gar nichts. Aber es war so unerhört entspannend, denn man verlor jegliches Zeitgefühl.

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Die Elbe war weit, wegen des Hochwassers weiter als sonst, blau und ziemlich leer.

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Ab und zu kam ein Schiff vorbei.

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Und noch eins …

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Oder auch mal ein Dorf

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Aber natürlich nicht zu oft.

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Ansonsten fuhr man durch die berühmten Elbauen

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Relikte der Vergangenheit mit leichtem Verschandelungscharakter:

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Wachtürme an der ehemaligen Grenze zur DDR, heute ein Mahnmal.

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Doch meist sah es eher so aus. Es ist kaum zu glauben, dass Gorleben ganz in der Nähe ist. Die Laune der Wendländer ist diesbezüglich entsprechend.

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Angler bei Bleckede

Also, es war so weit und grün und blau und ruhig, dass die Einfahrt nach Boizenburg fast ein Kulturschock war.

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Einfahrt in den Hafen

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Fabrikationsanlage

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Blick auf Boizenburg

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Bauernhof hinter dem Deich. Den fehlenden freien Blick aufs Wasser zu bemängeln spricht von einer gewissen Unkenntnis der Gegebenheiten.

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Einfahrt nach Lauenburg

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Auch die Altstadt von Lauenburg ist sehr sehenswert (aber wir mussten sehen, wie wir nach Hause kamen nach dieser spontanen Planänderung und eilten zum Busbahnhof). Auch hier wollen wir wiederkommen.