May 20, 2010 - ז' סיון תש"ע
Schloss Gottorf
Heute war wieder Ausflugstag, und diesmal waren Mutter Jinx und ich in Schleswig. Der erste Teil des Besuchs war Schloss Gottorf und dem Nydamboot gewidmet. Von diesem Boot hat mir schon mein Vater erzählt, und seit meiner Kindheit wollte ich es unbedingt sehen. Für die Bewohner des nördlichen Schleswig-Holstein hat dieses Boot fast schon identitätsstiftenden Charakter (obwohl der Fundort im heutigen Dänemark liegt). Es ist in dem oben gezeigten Schloss Gottorf ausgestellt, und ihm ist sogar eine eigene Halle gewidmet.

Das Nydamboot – 1. Hälfte 4. Jahrhundert

23 Meter Länge – zum Größenvergleich: Mutter Jinx

Das Innere mit den Ruderbänken

Unübertroffene Formgebung. Der hervorragende Erhaltungszustand erklärt sich durch die Tatsache, dass das Boot in einem Opfermoor versenkt wurde.


Dieses Boot zu sehen ist ein großartiges Erlebnis, für das allein sich die Fahrt gelohnt hat. Da Mutter Jinx und ich beide der Überzeugung anhängen, dass man lieber weniger und dafür richtig besichtigt, haben wir uns im Schloss nur noch die archäologische Abteilung angesehen, mit Relikten von Stein- bis Eisenzeit und wunderbarer Keramik. Ja, die Moorleichen sah ich auch.
Dann ging es weiter in den Barockgarten (ich wollte die Leichen sehen, Mutter Jinx den Garten).

Dieser See liegt hinter dem Schloss und wirkt sehr ursprünglich – als käme gleich das Nydamboot um die Ecke.

Auf dem Weg zum Barockgarten: Klassizistische Gartentempelimitation und barocke Wasserspiele.

Das Globushaus

Der Barockgarten wurde nachempfunden und verbindet die Idee der barocken Gartengestaltung auf orignielle Weise mit einer zeitgemäßen Formensprache.

Spannender Gegensatz: Barockisierende Anlage und Globushaus

Gestaltung mit Rasen und Buchsbaum

Terrassen, Treppen, Wasserspiele

Blumengarten mit moderner Bepflanzung vor einem Gartenteich. Die Skulptur zeigt Herkules wie er die Hydra erschlägt. Die mehrköpfige Schlange sieht aus der Entfernung aus, als würde sie mehrstrahlig pieseln. Als ich die sah, wusste ich wieder, warum barocke Plastik, sei sie innen, außen, sakral oder profan, so gar nicht mein Thema ist.
Der zweite Teil des Ausflugs war dem Holm gewidmet. Ich muss ja gestehen, dass unser Verhältnis zu Schleswig nicht ungetrübt ist: Die Stadt wirkt eigenartig unbelebt bis ausgestorben, obwohl wir bereits zum zweiten Mal an einem Wochentag hier waren. Sie wirkt irgendwie sehr langweilig, was bereits zum zweiten Mal dazu führte, dass wir müde wurden.

Blick auf den Holm
Der Holm stellt jedoch eine Ausnahme dar: Ehemals eine Insel, die heute mit der Stadt verbunden ist, siedeln hier traditionell Fischer, und das bis heute. Das Besondere dieses kleinen Viertels ist der Friedhof, der im Zentrum der Ansiedelung liegt, wo man normalerweise den Marktplatz vermuten würde.

Der baumumstandene Friedhof im Zentrum

Fischerhäuser.
Das Viertel ist angenehm untouristisch und wirkt, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Die Häuser sind bewohnt. Wenig Gastronomie, keine Souvenirshops, keine Busparkplätze

Zwischen den Häusern gibt es schmale Durchgänge, die privat sind und manchmal auch zu erstaunlich großen Gartengrundstücken führen.

Der Friedhof, der bis heute belegt wird, mit Kapelle

Im Hintergrund der Domturm – ganz nah und doch weit weg.

Gasse auf dem Weg zur Schlei

Die Tür zeigt den Berufsstand an.

Viele Häuser stammen aus dem achtzehnten Jahrhundert.

Am Ufer der Schlei

Der Holm – irgendwie eine Zeitinsel.
May 20, 2010 - ז' סיון תש"ע at 10:34 pm
Hallo Jinx,
Ein tolles Feature zur Kulturgeschichte des Buchsbaums findest du übrigens hier: http://baumwoodch.federargumenteuropa.eu/buchsbaum.html
die Fotos von den barocken Buchsbaumbeeten sind prima. Und schon gewusst? Handarbeit war Inspirationsquelle! Denn die barocken Gartengestalter haben ihre Ornamente von der zeitgenössischen Spitzenstickerei abgeguckt.
Viele Grüße,
Ferula
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May 21, 2010 - ח' סיון תש"ע at 1:24 am
…mir war das Boot nur als “Opfergabe” bekannt, es wurde im Opfermoor versenkt. Eigentlich ist es doch eher eine Art von Kriegsschiff zum schnellen Truppentransport gedacht. Wem wurde denn dieses Schiffsbegräbnis zu teil? Ich finde Geschichten rund um Schiffe und Boote sehr spannend, mag natürlich auch daran liegen das ich gegenüber vom Hamburger Hafen geboren bin;-)
viele liebe Grüße Rubinengel
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Jinx Reply:
May 21, 2010 - ח' סיון תש"ע at 9:14 am
Du hast natürlich recht, habe mich einfach verbaselt, denn auch ich habe natürlich “Opfergabe” gelesen. Man sollte keine Einträge schreiben, wenn man müde ist.
Hab’s geändert.
Vielen Dank,
Jinx
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May 22, 2010 - ט' סיון תש"ע at 10:38 pm
die leute, die das boot gefunden haben, staunten sicher nicht schlecht – das teil ist ja riesig! und schoen zu sehen, dass es immer noch diese kleinen rosenbuesche direkt an den hauswaenden gibt in schleswig – ich war als teenager mal da (30 jahre her!) und fand es damals schon huebsch.
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