Gestern war endlich wieder ein Ausflug dran, und zwar nach Worpswede. Das alte Künstlerdorf in der Nähe von Bremen ist ja ziemlich verrufen, wie fast alle Künstlerdörfer. Denn es ist so: Erst kommen die Künstler, dann die Anbeter und schließlich der Kommerz einschließlich Bustourismus und meist künstlich aufrechterhaltenem Künstlerbetrieb. Da haben die meisten Künstler jedoch schon lange das Weite gesucht. So hatte ich von Worpswede auch genügend Abschreckendes gehört.

Vieleicht darf man nicht am Wochenende kommen und auch nicht in der Hauptsaison, jedenfalls war vom jahrmarktähnlichen Betrieb, wie u. a. Herr Jinx ihn mir höchst abschreckend beschrieb, nichts zu sehen. Es waren relativ wenig Gäste da, und so konnte man das Dorf weitgehend ungestört genießen.

Es ist nämlich ein schönes Dorf, sehr grün und mit wunderbarer alter Bausubstanz. Mich interessierten auch nicht die zeitgenössischen Kunsthandwerker, sondern die Relikte der Künstlerkolonie der ersten Generation, die sehr stimmungsvoll und gelungen restauriert sind. Man spürt, dass sich eine engagierte Stiftung um die Erhaltung bemüht.

Zunächst besuchten wir (Mutter Jinx und ich) den Barkenhoff, Heinrich Vogelers künstliches Paradies inmitten einer zerfallenden Welt, das der Wirklichkeit nicht standhalten konnte. Innen beherbergt das aus einer Moorkate gestaltete Haus eine Ausstellung.

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Das Haus hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich, von der Moorkate zum Künstlerhaus zum Hort einer sozialistischen Kommune (zu der der Künstler es selbst umbaute), zum Kinderheim der Roten Hilfe, zum Privateigentum wechselnder Besitzer bis zu dem Museum, das es heute ist.

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Barkenhoff – Anbauten

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Barkenhoff – Ein Heim für ein Leben als Gesamtkunstwerk: Jugendstil und Fachwerk

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Das Anwesen liegt am Rand von Worpswede, sehr abgelegen und nur über einen Waldpfad zu erreichen. Es wirkt noch heute so entrückt, wie es geplant worden war – eine künstlerische Utopie abseits des Ungemachs des Alltags (also von Störfaktoren wie Bauern, Moorarbeitern, Armut und Krieg).

Natürlich besuchten wir auch die kleine aber feine Sammlung der alten Worpsweder Meister, also Fritz Mackensen, Fritz Overbeck, den Modersohns, Hans am Endes und natürlich Heinrich Vogelers. Sie werden in einer Rotunde äußerst stilvoll präsentiert. Gestaltet wurde das Ensemble, das ein hervorragendes Beispie für norddeutsche Backsteinarchitektur des Expressionismus ist, von Bernhard Hoetger.

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Museumskomplex: Das Café

Rund um den weitläufigen Museumskomplex, der stimmungvoll inmitten eines Kiefernwaldes liegt, sind Skulpturen Hoetgers aufgestellt.

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Alles ist Geschmackssache – aber expressionistische Skulptur ist vielleicht noch ein wenig mehr Geschmackssache als alles andere. ;)

Auch das andere Anwesen, das mit Heinrich Vogeler eng verbunden ist, haben wir besucht: Das Haus am Schluh, den Wohnsitz seiner ersten Frau Martha.

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Das traditionelle Anwesen beherbergt eine Pension, ein Museum und eine Museumsweberei, die von Martha Vogeler begründet und von einer Nachfahrin weitergeführt wird.

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Die Pensionszimmer sind mit Originalmöbeln Vogelers ausgestattet und auch im originalen Installationen aus der Zeit (also Klo irgendwo und Waschschüsseln – dazu werde ich Herrn Jinx nie überreden können). In den Häusern wird die Sammlung Martha Vogelers gezeigt, so auch Möbel, die Heinrich Vogeler entwarf (von den Stühlen hätte ich glatt welche mitnehmen können).

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Auch gern mitgenommen hätte ich mein persönliches Highlight: Die Käseglocke. Das ist ein Haus im Wald, das von Bruno Taut entworfen wurde. Es ist so knuffig und auch innen so genial aufgeteilt, dass ich in Gedanken bereits eingezogen bin. Ich würde es natürlich versetzen lassen – nach Schottland oder auch nach Cornwall und mich ganz der Faserverarbeitung, dem Schreiben und meinen Studien widmen. Also, die Logistik steht bereits. ;)

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Heute beherbergt die Käseglocke eine Sammlung Worpsweder Kunsthandwerks (abzüglich Vogelers Schaffen). Vor allem die Möbel sind sehenswert. Am verblüffendsten ist jedoch die geniale Raumaufteilung des zweigeschossigen Baus.

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Das Haus liegt ebenfalls in dem Kiefernwald und ist innen völlig mit Holz vertäfelt – eine echte Höhle!