May 1, 2010 - י"ז אייר תש"ע
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May 31, 2010 - י"ח סיון תש"ע
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So, nachdem ich meine lieben Leser mit kunsthistorischen Betrachtungen gequält habe, geht es nun weiter mit dem Brüsseler Reisebericht. Zunächst etwas allgemeines über die Stadt.
After torturing my dear readers with some art history, the Brussels report is now continued. First something general about the city itself.

Kleine Altstadtgasse / a small alley in the old city
Brüssel ist gemischt flämisch/wallonisch, wobei heute das Französische dominiert. Die Beschilderung ist zweisprachig, in der Stadt selbst wird eher französisch gesprochen. Belgien ist nicht Frankreich; manche Leute sprechen durchaus Englisch, vor allem in den touristischeren Gegenden. Obwohl Deutsch dritte Staatssprache ist, wird es kaum gesprochen. Mir persönlich ist das völlig gleichgültig, schließlich sind es die Belgier, die mit meinem manchmal etwas bizarren Französisch zurechtkommen müssen, und Sprachhemmungen sind mir völlig fremd. Am besten kommt man also mit Französisch herum.
Bruxelles is actually kind of a mixed zone of Flemish and Wallonian, but today French dominates. The signposting is bilingual, but in the city most people speak French. Since Belgium is not France, English is spoken at least in the more touristical areas of the city. Although German is the third official language in Belgium, but it’s hardly spoken here. Personally, I don’t mind at all, it’s the Belgians after all who have to deal with my sometimes a bit bizarre way to speak Frenc, and not me, and cumpunctions to speak foreign languages never has been one of my problems. French is the best way to get along here.

Die Börse – in Zeiten der Finanzkrise besonders obszön / The stock exchange – in times of depression this is extra-obscene

Unter der Börse: Mittelalterliche Ausgrabungen / Unter the stock exchange: medieval excarvations

Gründerzeit und Coca-Cola – a building from the Wilhelminian era and Coca-Cola
Während es in der Altstadt mit ihren engen Gassen durchaus flämische Einflüsse gibt, orientiert sich die neuere Architektur eher an Frankreich; dies betrifft vor allem die Gebäude seit dem 19. Jahrhundert.
The old city with its narrow streets shows some Flemish influence, but since the 19th century architecture follows more the French example.

Brüssel ist nicht Paris – Die Straßen sind enger, und die Hauptstraße, die zur Altstadt führt, beherbergt ein Mini-Rotlichtviertel und recht trashige Geschäfte.
Brussels is not Paris – The streets are more narrow, and the main road leading to the old city houses sort of a miniature redlight quarter and some weird shops.

Gründerzeit und der widerstehliche Charme der Siebziger – Buildings from the end of the 19th century and the absolutely resistable charme of the seventies.

Belgischer Jugendstil an einem Barockgebäude – Belgian Art Nouveau at a baroque building.

Der Nordbahnhof – belgische Einschüchterungsarchitektur / The northern railway station – Belgian architecture to intimidate

Innen ist der Bahnhof eher gruselig, weswegen man ihn durch beeindruckende Wandgemälde aufzuwerten versucht (am Busbahnhof). Der dämliche Gesichtsausdruck der Person rechts ist gut getroffen.
The inside of the station is rather weird, and this is why they tried to brush it up a bit with murals (where the busses leave). The stupid facial expression of the person on the right is quite well done.

Die moderne Architektur ist international und durchaus beeindruckend.
The modern architecture is international and rather impressing

Niedrigere Gebäude sind gern postmodern.
Lower buildings tend to be pomo.

Eine belgische Spezialität – Das Manneken Pis / A Belgian speciality – The Manneken Pis

Ja, ich habe es auch gesehen. Es steht an einer Ecke in der Altstadt und ist meist umlagert von Touristen. Natürlich ist es viel kleiner als ich es mir vorgestellt habe.
Yes, of course I saw this. It can be found at a corner in the old part of the city, and it’s mostly surrounded by tourists. Of course it’s much smaller than I’ve guessed.

Über diese unprätentiöse frühbarocke Figur habe ich einiges gelernt, denn sie ist ein Symbol für die Freiheitsliebe der Belgier, und zumindest den Älteren ist sie sehr wichtig.
I learned a bit about this rather unpretentios statue from the early baroque, because it’s a symbol for the Belgians, expressing their love for freedom, and for the elder people it’s quite important.
Sie wird gefeiert – und regelmäßig bekleidet. Eine Kommission widmet sich den Fragen der Garderobe des Manneken Pis, und es gibt inzwischen über 700 Kostüme aus aller Welt – unter anderem als Nelson Mandela (mit grauer Perücke) oder als Samurai. Momentan geht es als junger Obelix.
It’s celebrated – and gets dressed on a regular base. A comission dedicates its work to the questions of fashion of this little statue. There are more than 700 costumes from all over the world, i. e. as Nelson Mandela (with a grey wig) or as a samurai. At the moment it’s young Obelix.

Manneken Pis – viel größer als das Original und aus Schokolade / much bigger than the original and entirely made of chocolade.
Als französische Soldaten die kleine Figur im 18. Jahrhundert stahlen, sorgte der französische König für die Rückgabe, schickte ein aufwändiges Kostüm nebst Degen (zur Besänftigung der Bevölkerung) und erhob es in den Adelsstand, sodass französische Soldaten es fortan grüßen mussten. Sie verstehen da keinen Spaß, die sonst so liberalen Belgier, obwohl bei der Kostümierung alles gestattet ist, auch Strapsen und Kondome (zum Welt-Aids-Tag).
When French soldiers stole the little guy, the French king took care of its return, sent a rather elaborate costume with an epee (for calming the Belgians down) and ennobled it, what meant that French soldiers had to greet it. Don’t mess with the manneken pis, the liberal Belgians definately will mind, but regarding the costumes there can be the widest range you can imagine – even suspenders and condoms (for World Aids day).
Und nun kommen wir zu den richtig interessanten Dingen: Einkaufen. Nach Wollgeschäften habe ich nach einem Blick auf Ravelry nicht gesucht und auch keines gesehen, aber es gibt so viele andere interessante und typische Dinge.
And now we come to the real interesting stuff: shopping. I didn’t hold out for yarn shops after taking a look at ravelry’s, and I didn’t see any, but there are so many other interesting things to find.

An erster Stelle sind hier die Belgischen Pralinen zu nennen, weswegen ich die Stadt für Menschen, die gerade Diät halten, ausdrücklich nicht empfehlen kann. Sie sind wirklich überall, sie sind köstlich und kosten viel weniger als hier.
At the first place Belgian chocolade is to mention, and that’s why I really can’t recommend people who are on a diet to visit the city. It’s literally everywhere, it’s delicious and it’s much cheaper than abroad.

Ein Schokoladenbrunnen im Fenster eines Geschäfts / A chocolate well in a shop window
Kann man da widerstehen? Nee, ich nicht.
Can one really resist? No, I can’t.

Sauber getrennt von der Schokolade gibt es Geschäfte mit belgischem Gebäck.
Clearly separated from the chocolate shops there are some which offer Belgian pastries.

Wo gibt’s denn so was? Ein sehr exklusives Geschäft mit orientalischem Gebäck? Na, in Brüssel!
Even a shop with very exclusive arab pasties can be found in Brussels.

Das gibt es natürlich auch: Spitzen und Gobelins. Gegenüber Schokolade und anderen Fressalien sind sie eindeutig in der Minderheit, da sehr retro und irgendwie aus der Mode.
Of course you also can find lace from Brussels and tapestry. It’s much less than probably some decades ago (the vast majority of the shops offers chocolate and other eatables), because it’s really retro and somewhat outdated.

Ein Relikt aus der Vergangenheit – Brüssel ist modern!
A relic from the past – Brussels is very contemporary!

Die große Zeit der Gobelins ist vorbei. Daher findet man vor allem so was.
The big time of tapestry is over, therefore you find mostly stuff like this.
Charakteristisch für Brüssel sind außerdem Geschäfte für Bier, für Comics, die eine eigene Kunstform darstellen und für Messer. Man findet vor allem wunderschöne Taschenmesser.
Typical for Brussels are besides this beer shops, shops for comics and graphic novels (Belgians love this), and for knives. You find wonderful pocket knives here.

Brüssel ist eine alte Handelsmetropole: Die Kirche St. Nicholas, gewidmet dem Schutzpatron der Händler und Marktleute, ist von Geschäften umlagert.
Brussels was a merchants’ city: The church St. Nicholas, dedicated to the patron of merchands, is surrounded by shops.

Ganz nah dran: Geschäftshaus an der Kirche.
Very close: A shop at the church.
Das ganze Gerede von Keksen und Schokolade bringt mich direkt zum Kulinarischen. Belgien ist auch hier nicht das ideale Land für Leute mit Kalorienbewusstsein. Die Küche ist eine Mischung aus flämischen und französischen Einflüssen, und es wird sehr viel fritiert. Die Pommes Frites wurden hier erfunden und sind einfach köstlich. Sie sind die Standardbeilage zu den Gerichten. Getrunken wird vor allem Bier, das einfach großartig ist und in unendlicher Sortenvielfalt erhältlich.
The whole chit-chat about chocolate and pastries brings me directly to the eating stuff. Frankly, Belgium is everything but ideal for people who keep an eye on their weight. The kitchen is a blend of Flemish and French influences, and many things are deep-fried. French fries were invented here, and they’re delicious! They come with most of the dishes you order. Beer is widely drunken, and it’s one of the best in the world. You can find an unbelievable variety of sorts.

Hier haben Herr Jinx und ich es am zweiten und letzten Abend krachen lassen. Dies ist ein exzellentes Restaurant mit traditioneller belgischer Küche. Ich aß landestypisch: Ardennenschinken und fritierten Käse, Pferdefilet mit Pommes Frites (ja, die Belgier essen es, und ich auch, und vor allem diskutiere ich es nicht) und flambierte belgische Waffeln. Dazu gab es natürlich Bier.
Here Mr. Jinx and I took our dinner on our second and last evening in Brussels. It’s an excellent restaurant where traditional Belgian food is served. I ate rather typical meals: ham from the Ardennes and deep-fried cheese, horse fillet (it’s eaten in Belgium, I eat it, too, and I don’t discuss this) with French fries and flambeed Belgian wafers. Of course we drank beer.
In dieser entzückenden Kneipe nahmen wir unseren Absacker. Keine Touris, viel Atmosphäre und exzellente Cocktails.
In this cute bar we took our last drinks. No tourists, a lot of atmosphere and excellent cocktails.

Aber nun zurück zur Stadt: Es hat sich nur wenig Mittelalterliches in Brüssel erhalten, so gibt es von der Stadtmauer nur noch einen Rest, umbaut von einem Hotelkomplex.
But back to the city now: There are only very few remnants from the middle ages; only a small part of the city wall still exists, and they build a hotel around it.

Die Kirche St. Catherine / St. Catherine church

Dass Belgier eher praktisch als repräsentativ denken, zeigt sich an dieser Kirche: An ihrer Mauer befindet sich ein Pissoir, damit es mit den Mannekens im Straßenbild nicht überhand nimmt.
It seems to me that the Belgians think more in a practical than in a prestigious way: At St. Catherine’s wall there is an ancient urinal, and it probably helps not to be overrun by mannekens in the city.

Neben der Kirche befindet sich ein hübscher Platz mit Wasserspielen und Restaurants.
Besides the church there is a pretty place with fountains and restaurants.

Typische Brüsseler Häuser / Typical houses in Brussels

Wasserfläche und ein Brunnen mit dem Heiligen Michael / Waters and a well with St. Michael

Ja, die gründerzeitliche Plastik ist auch nicht immer das, was sie sein sollte: Olm in Extase
Well, 19th century sculpture is not always what it’s supposed to be: an ecstatic olm.

Nach zwei anstrengenden Besichtigungstagen war ich etwas ruhebedürftig und entschloss mich, den botanischen Garten direkt im Zentrum aufzusuchen. Diese Statue der Göttin Flora vermittelt jedoch einen völlig falschen Eindruck.
After two exhausting days of touristic activities I felt the urge for calming down and taking a rest, and so I decided to visit the botanical garden, located in the very center of Brussels. But this statue of the goddess Flora gives a completely wrong impression of this place.

Das hier triffts schon eher. Ein kleiner Streifen Grün, umbaut und vor allem umtost vom Verkehr.
This gives a better impression: a small strip of green, surrounded by different buildings and with a lot of traffic around it.

Spektakulär ist er nicht, der botanische Garten. Im 19. Jahrhundert der Öffentlichkeit übergeben, sollte er als Erholungsgebiet erhalten bleiben. Dies ist jedoch nicht geschehen, stattdessen wurde er ständig verkleinert, um Baumaßnahmen durchzuführen. Sogar eine Straße durchschneidet das kleine Areal.
Well, it’s not spectacular, the botanical garden. In the 19th century it was given to the public as a recreation area and should remain to be so. But this didn’t happen. Since that time bits and pieces were taken from it for the sake of building more or less representative architecture around it. Today it’s even crossed (and cut in two) by a road.

Das Gewächshaus / The greenhouse

Auch hier täuscht der erste Eindruck – Die Glasfläche zwischen den Ästen zeigt, wie nah die Bebauung ist.
Here the first impression also is wrong – the dark glass window between the branches shows how close the housing areas are.

Grüne Geometrie / Green geometry en gros …
et en detail.

Ein letzter Blick, fast schon von der Straße aus.
A last overview picture, taken almost from one of the roads.
Der botanische Garten von Brüssel ist fast schon typisch für die Stadt: ein bisschen durcheinander, sehr gemischt, aber auch sehr lebendig. Ich habe so viel nicht gesehen, aber mir ist es wichtiger, eine Stadt auch zu erleben und nicht nur Besichtigungspunkte abzuhaken (weswegen ich Gesellschaftsreisen strikt meide). Durch das alte Regierungsviertel bin ich leider nur nachts durchgefahren – sehr aufgeräumt, sehr repräsentativ. Das Atomium war nicht auf meiner Route, ebensowenig wie die “Europaarchitektur”. Aber ich würde gern wiederkommen, um auch das alles noch zu sehen.
The botanical garden of Brussels is somewhat typical for the whole city: a bit chaotic a bit mixed, but very vivid. I didn’t see so many things this time, but to me it’s more important to feel how a city works and not only to visit the touristic point you “have to see” (that’s why I strictly avoid group travelling). I just drove through the old governmental quarter by night; it’ very clean, very broad and very prestigious. I didn’t manage to get to the Atomium this time, and I didn’t see the architecture dedicated to the European administration. But I’d love to come back to see it.

May 30, 2010 - י"ז סיון תש"ע
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Da Herr Jinx nicht Autofahren kann, aber sehr kurzfristig nach Brüssel gefahren werden musste, kam ich zu einer sehr kurzfristigen und sehr spontanen Reise in die europäische Hauptstadt.
Because Mr. Jinx has no driving licence but had to visit Brussels for the short term, I got the opportunity to visit Europe’s capital.
Nach einer Nachtfahrt hatten wir zunächst die Gelegenheit, am nordbelgischen Stau teilzunehmen. Nachdem dieser überstanden war und wir auch aus einem sehr verwirrenden Dorf namens Zaventem herausgefunden hatten, lieferte ich Herrn Jinx fristgerecht ab und machte mich auf dem Weg in die Stadt.
After driving half of the night we had the opportunity to participate in the North-Belgian traffic jam. After we managed this and found our way out of a very strange village called Zaventem without getting lost, I brought Mr. Jinx to his destination and took a bus to the city of Brussels.
Belgien im Allgemeinen und Brüssel im Besonderen gehören zu den Orten, von denen ich nur wenig weiß, und ich hatte auch keine Zeit, mich vorzubereiten. Daher konnte ich die Stadt unmittelbar auf mich wirken lassen.
Belgium and Brussels are places I hardly knew anything about, and since I had no time for preparations, I got a very direct impression of the city.

Nach der anstrengenden Fahrt und weil es regnete, entschloss ich mich, zunächst ein kräftigendes Frühstück einzunehmen, und zwar in Form von Räucherlachs, Krabben, Kaviar und Tee. Es war nicht nur köstlich, sondern die Umgebung war auch eine Augenweide: Ein echtes Gründerzeit-Interieur.
Due to the rain and the exhausting night drive, I decided to take a healthy and bracing breakfast first, and I chose smoked salmon, shrimps, caviar, and tea. It was not only very tasty, but also a feast for the eyes: a real Wilhelminian style interior.

Nach diesem ermutigenden Beginn machte ich mich dann auf, die Altstadt zu erkunden.
After this encouraging start I found my way to the old part of the city to discover it.

Brüssel ist eine Stadt, die bewohnt und in der gelebt wird, kein museal erhaltener Komplex musterhaft restaurierter Gebäude. Der nervige Nachteil ist der Autoverkehr, der auch in vielen der schmalen Gassen stattfindet, die für Autoverkehr überhaupt nicht geeignet sind.
Brussels is a city people live in and not sort of carefully restored museum town. The disadvantage is the traffic that takes place even in the smaller streets which are definately not suitable for cars.

Charakteristisch sind die meist schmalen Häuser, die unterschiedlich gestaltet sind.
Many of the houses are quite narrowly built and individually designed, what is characteristic for the old city of Brussels.

An einigen Stellen haben sich die öffentlichen Brunnen erhalten, die heute natürlich eine reine Zierfunktion haben.
At some places you can still find public fountains which have no function any more except embelleshing the neighbourhood.

Die Altstadt ist natürlich ein Touristenmagnet, was sich in den Geschäften und in der Gastronomie niederschlägt.
The old city is a magnet for tourists, so you find lots of souvenir shops and restaurants there.

Das Herzstück der Altstadt ist der Grand Place mit dem Rathaus und dem Maison du Roi. Hier finden sich Gebäude von Mittelalter bis Klassizismus, und da Belgien nach der Reformationszeit katholisch blieb, haben die Jungs es architektonisch während der Barockzeit so richtig krachen lassen. Das gotische Rathaus mit seinem charakteristischen hohen Turm ist das auffälligste Gebäude hier.
The central place of the old city is the Grand Place where you find the city hall and the Maison du Roi. Here you can see buildings from the medieval times til classicism, and since Belgium remained catholic after reformation, the baroque buildings are exceptionally elaborate. The gothic town hall with its high tower is the most eye-catching building.

Rathaus, Detail / Detail of the town hall

Rathaus, Detail / Detail of the town hall

Gegenüber dem Rathaus befindet sich das Maison du Roi. Der mittelalterliche Bau wurde mehrfach beschädigt und im 19. Jahrhundert nach Abbildungen im Stil der Gotik restauriert, was erstaunlich gut gelang.
On the opposite side of the town hall the Maison du Roi is located. The medieval building was heavily damaged several times, and finally restored in the 19th century, following historical images. The gothic style was executed extremely well.

Der etwas flamboyante Bau beherbergt heute das Stadtmuseum.
The rather flamboyant buliding hosts the museum of Brussels.

Grand Place, barocke Gebäude / baroque buildings

Grand Place, vom Früh- zum Hochbarock / From early to flourishing baroque

Grand Place: Vor allem Gastronomie / lots of restaurants
Die Altstadt von Brüssel ist überschaubar und nicht zu groß, und als nächstes besuchte ich die Kathedrale St. Michel et Gudule.
The old city of Brussels is rather small, and so I found my way to the cathedral St. Michel et Gudule.

Der imposante Bau aus hellem Sandstein im Stil der französischen Gotik liegt am Rand der Altstadt.
The impressing cathedral is built of yellow sandstone and follows the style of the French gothic. It’s located on the outskirts of the old city.

Vor der Kathedrale wurden Bäume angepflanzt und Bänke aufgestellt, die zum Verweilen einladen (allerdings nicht an diesem regnerischen Tag).
In front of the cathedral there were trees planted and benches placed which are rather inviting (but not on a rainy day like thisone).

Das Innere ist vor allem für Gotikfreaks interessant (für alle anderen: Es ist scheiße langweilig). Die dreischiffige Basilika ist durchaus wohlproportioniert, aber die barocken Apostelstatuen stören den Rhythmus der Säulen empfindlich, und die Orgel ist belanglos. Nicht falsch verstehen, ich kann mich durchaus für die Spannung zwischen historischer Bausubstanz und modernem Orgelbau begeistern, aber nicht, wenn die Orgel mich an eine Schrankwand (Nussbaumfurnier, repräsentativ) erinnert.
The interior might be of some interest for people who are extremely fond of gothic architecture (for the rest of us: it’s fucking boring). The trinaved basilica is well proportioned, but the baroque statues of the twelve apostles disturb the rhythm of the pillars, and the organ is really insignificant. Don’t get me wrong: I can get rather enthused about the tension between historical fabric of a building and a contemporary organ, but not if the latter reminds me of a wall unit (walnut veneer, representative style).

Das gotische Gewölbe / the gothic ceiling

Leider wirkt der Platz um die Kathedrale ansonsten ein wenig verbaut; die modernen Gebäude, die sie flankieren, sind im gleichen Material erbaut, sind jedoch architektonisch nicht wirklich gelungen.
Unfortunately the space around the cathedral appears to be a bit malconstructed; the building at its sides are executed in the same material but in a rather inconvincing way.

Architektonisch geschlossen wirkt hingegen der Place des Martyrs, dessen harmonischer Klassizismus Ruhe ausstrahlt.
The Place des Martyrs is an extreme opposite; the harmonic classicism gives a peaceful impression to the spectator.

Brüssel wirkt überhaupt an manchen Stellen sehr gegensätzlich; was nur manchmal beabsichtigt ist, jedoch einen Teil der Lebendigkeit der Stadt ausmacht.
Brussel is quite often rather antithetic, what sometimes happens on purpose, but not always. But this makes a part of the vivid impression the visitor gets.

Blühender Historismus, trashiger Inhalt – Blooming historism but a rather cheap content
Fortsetzung folgt – To be continued

May 25, 2010 - י"ב סיון תש"ע
Endlich mal wieder eine interessantere Frage, die beantworte ich auch mal wieder.
Welche Bücher sind Musthaves, welche kann man sich schenken?
Die Frage lässt sich pauschal nicht beantworten, da es darauf ankommt, welche Dinge man gern strickt bzw. welche Techniken einen interessieren. Daher gibt es hier eine sehr persönliche Auswahl:
- Die Bücher von Elizabeth Zimmermann – weil sie meinen Geist befreite und mir die Unabhängigkeit von Anleitungen verschaffte
- Vogue Knitting – für mich das beste Buch für Technik im Überblick
- Beth Brown Reinsel: Knitting Ganseys – für alle Liebhaber traditioneller Fischerpullover
- Susanna Pagoldh: Nordic Knitting – alt aber gut: ein Überblick über nordische Stricktraditionen
- Shirley Paden: Knitwear Design Workshop – sehr technisch, für alle, die Strickstücke selbst entwerfen das beste seiner Art
- Lynne Barr: Reversible Knitting – für innovative Muster
- Kaffe Fassett: Pattern Library – eine geniale Mustersammlung des Meisters
- Margaret Radcliffe: The Essential Guide to Colour Knitting Techniques - wie der Name sagt: ein Überblick über die verschiedenen Techniken der Farbstrickerei
- Janet Szabo: Aran Sweater Design – für die, die Arans lieben
- Barbara Walker: The … Treasury of Knitting Patterns – immer noch die beste Mustersammlung
- Priscilla A. Gibson-Roberts: Simple Socks, plain and fancy
- Ann Feitelson: The Art of Fair Isle Knitting – besser als das Buch von Starmore zum Them
Das sind meine Essentials, der Rest ist Geschmackssache und eine Frage der persönlichen Vorliebe. Es gibt noch sehr viele gtue Bücher, viel gesundes (oder ungesundes Mittelmaß) und auch viele schlechte bzw. welche aus dem Souterrain des Geschmacks.
Sparen kann man sich auf jeden Fall das x-te Buch zum Thema Pullover, Socken, Schals etc., das nur Altbekanntes enthält und einen weder technisch noch vom Design her weiterbringt.
May 22, 2010 - ט' סיון תש"ע
Für die Freunde nordischen Strickens gibt es ein isländisches Online-Strickmagazin. Bitte hier entlang: Knitting Iceland
May 21, 2010 - ח' סיון תש"ע

Dies ist das Anstrickbild. Gemäß Frau Seyfarth erfolgt der Farbverlauf willkürlich. Natürlich stricke ich das Ding in Runden, mit Steeks. Die Farben stimmen leider nicht.
This is the starting picture. According to Ms. Seyfarth the colour gradient happens accidentally. Of course I’m knitting thisone in rounds with steeks. Unfortunately the colours don’t show like they are but like the camera made them up.
May 20, 2010 - ז' סיון תש"ע
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Schloss Gottorf
Heute war wieder Ausflugstag, und diesmal waren Mutter Jinx und ich in Schleswig. Der erste Teil des Besuchs war Schloss Gottorf und dem Nydamboot gewidmet. Von diesem Boot hat mir schon mein Vater erzählt, und seit meiner Kindheit wollte ich es unbedingt sehen. Für die Bewohner des nördlichen Schleswig-Holstein hat dieses Boot fast schon identitätsstiftenden Charakter (obwohl der Fundort im heutigen Dänemark liegt). Es ist in dem oben gezeigten Schloss Gottorf ausgestellt, und ihm ist sogar eine eigene Halle gewidmet.

Das Nydamboot – 1. Hälfte 4. Jahrhundert

23 Meter Länge – zum Größenvergleich: Mutter Jinx

Das Innere mit den Ruderbänken

Unübertroffene Formgebung. Der hervorragende Erhaltungszustand erklärt sich durch die Tatsache, dass das Boot in einem Opfermoor versenkt wurde.


Dieses Boot zu sehen ist ein großartiges Erlebnis, für das allein sich die Fahrt gelohnt hat. Da Mutter Jinx und ich beide der Überzeugung anhängen, dass man lieber weniger und dafür richtig besichtigt, haben wir uns im Schloss nur noch die archäologische Abteilung angesehen, mit Relikten von Stein- bis Eisenzeit und wunderbarer Keramik. Ja, die Moorleichen sah ich auch.
Dann ging es weiter in den Barockgarten (ich wollte die Leichen sehen, Mutter Jinx den Garten).

Dieser See liegt hinter dem Schloss und wirkt sehr ursprünglich – als käme gleich das Nydamboot um die Ecke.

Auf dem Weg zum Barockgarten: Klassizistische Gartentempelimitation und barocke Wasserspiele.

Das Globushaus

Der Barockgarten wurde nachempfunden und verbindet die Idee der barocken Gartengestaltung auf orignielle Weise mit einer zeitgemäßen Formensprache.

Spannender Gegensatz: Barockisierende Anlage und Globushaus

Gestaltung mit Rasen und Buchsbaum

Terrassen, Treppen, Wasserspiele

Blumengarten mit moderner Bepflanzung vor einem Gartenteich. Die Skulptur zeigt Herkules wie er die Hydra erschlägt. Die mehrköpfige Schlange sieht aus der Entfernung aus, als würde sie mehrstrahlig pieseln. Als ich die sah, wusste ich wieder, warum barocke Plastik, sei sie innen, außen, sakral oder profan, so gar nicht mein Thema ist.
Der zweite Teil des Ausflugs war dem Holm gewidmet. Ich muss ja gestehen, dass unser Verhältnis zu Schleswig nicht ungetrübt ist: Die Stadt wirkt eigenartig unbelebt bis ausgestorben, obwohl wir bereits zum zweiten Mal an einem Wochentag hier waren. Sie wirkt irgendwie sehr langweilig, was bereits zum zweiten Mal dazu führte, dass wir müde wurden.

Blick auf den Holm
Der Holm stellt jedoch eine Ausnahme dar: Ehemals eine Insel, die heute mit der Stadt verbunden ist, siedeln hier traditionell Fischer, und das bis heute. Das Besondere dieses kleinen Viertels ist der Friedhof, der im Zentrum der Ansiedelung liegt, wo man normalerweise den Marktplatz vermuten würde.

Der baumumstandene Friedhof im Zentrum

Fischerhäuser.
Das Viertel ist angenehm untouristisch und wirkt, als wäre die Zeit stehengeblieben.

Die Häuser sind bewohnt. Wenig Gastronomie, keine Souvenirshops, keine Busparkplätze

Zwischen den Häusern gibt es schmale Durchgänge, die privat sind und manchmal auch zu erstaunlich großen Gartengrundstücken führen.

Der Friedhof, der bis heute belegt wird, mit Kapelle

Im Hintergrund der Domturm – ganz nah und doch weit weg.

Gasse auf dem Weg zur Schlei

Die Tür zeigt den Berufsstand an.

Viele Häuser stammen aus dem achtzehnten Jahrhundert.

Am Ufer der Schlei

Der Holm – irgendwie eine Zeitinsel.
May 19, 2010 - ו' סיון תש"ע

Bestellt. Gewartet. Da. (Das Blumentuch von Christel Seyfarth, genauer gesagt: die Strickpackung. Jawohl. Ihr habt richtig gehört: Blumen. Das liegt wohl daran, dass die Blumen dänischer Designer an mir nicht bescheuert aussehen.)
I ordered. I waited. Now it’s here. (The Large Poppy Shawl by Christel Seyfarth, exactly: the kit. Yeah, you got this right: it’s a flowery pattern. Maybe because the flowers designed by Danish designers do not look so stupid with me.)
May 18, 2010 - ה' סיון תש"ע

Diese drei Stränge habe ich für einen Cowl gesponnen; sie sind aufeinander abgestimmt. Bei der Auswahl der Materialien habe ich auf eine gewisse Spannung geachtet, was Farbe und Textur angeht.
I spun these three skeins for a cowl, and they are sort of adapted to each other. When I chose the materials I wanted some tension regarding colours and textures.
Von links nach rechts: Stansborough natur, 2-ply, 12 WPI; schottische Hochlandwolle, handgefärbt (lollipop.yarns by Filzflash), 2-ply, 12 WPI; Mohair natur, single, 16 WPI.
From left to right: Stansborough, undyed, 2-ply, 12 WPI; Scottish Highland wool, handdyed (lollipop.yarns by Filzflash), 2-ply, 12 WPI; mohair unddyed, single, 16 WPI
Ich finde es wichtig, beim Spinnen von Rohmaterial auf die natürlichen Eigenschaften der Faser zu achten und diese im Garn zur Geltung kommen zu lassen. Im Klartext: Ich will keine raue schottische Wolle, die so aussieht, als wäre es Merino (wenn es aussehen soll wie Merino, dann nehme ich auch Merino).
I think it’s important to bring out the natural character of a fiber for spinning it. That means, I don’t want Scottish Highland wool to look as if it was merino (if I want it to look like merino, I’ll use merino).
May 17, 2010 - ד' סיון תש"ע

Nachdem ich ein wenig geübt hatte, habe ich ein Projekt in der tunesischen Häkeltechnik begonnen. Es wird ein Inlet für meinen Strickkorb. Das gibt mir zugleich eine wunderbare und sehr passende Gelegenheit, diese bescheuerte Kauni Rainbow loszuwerden, die ich mir in einem Anfall von ich-weiß-auch-nicht-was gekauft habe
After practicing a bit, I started my first real Tunisian crochet project. This will become an inlet for my knitting basket. It’s an excellent and very conveniant opportunity to get rid of this stupid Kauni rainbow wool I once purchased in a mood that I call now rather strange. #
Es ist nicht so, dass ich Kauni nicht mag, ganz im Gegenteil. Es ist ein wunderbares Garn mit einem unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich mag auch die Farben der Rainbow, aber ich möchte sie nicht tragen. Die meisten Projekte aus der Sektion “Oberbekleidung” finde ich eher gruselig, da zu gakelig für mich. Außerdem stehen mir zu viele der enthaltenen Schattierungen nicht. Eine kleine, körperfern getragene Decke ist da ideal. Zusammengefasst: Ich mag die Kauni Rainbow theoretisch, aber praktisch … nicht so. Ich wette, ich bin nicht allein, denn viele nutzen diese Farbe für Stuhlkissen und Taschen.
It’s not that I don’t like Kauni, the opposite is the case. It’s a wonderful yarn for an unbeatable price. I even like the colours, but I don’t want to wear them. Most projects I see knitted with this yarn I don’t like at all, there are too many different colours in it. Besides this, too many shades used with Kauni rainbow don’t become me at all. A small blanket not worn close to the body seems to be ideal. To cut a long story short: I like Kauni rainbow more in a theoretical way, but practically … it’s not my cup of tea. And I bet I’m not alone – many knitters seem to use it for pillows or bags.
Tunesisch verhäkelt gefällt sie mir allerdings richtig gut. Es ist ein ideales Projekt für unterwegs, da mindless. Es macht Spaß, sieht gut aus. Gefällt.
Using it for this Tunisian crochet project the colours don’t bother me any more. It’s an ideal project for on the go, because it’s mindless. It’s fun, and I like the way it looks. Love it.
May 15, 2010 - ב' סיון תש"ע
Wie die Leser meines Blogs in regelmäßigen Abständen erleiden dürfen, habe ich ein besonderes Interesse an Handspindeln, und zwar auch in kulturhistorischer Hinsicht. Natürlich muss ich die verschiedenen Handspindeln auch austesten, so lernte ich nicht nur Spinnen mit den gängigen Fallspindeln, sondern auch die Bedienung von Supportspindeln, inklusive der Exoten.
As a reader of my blog you have to suffer from my posts about handspindles and their use. I’m really interested in these things, not only in the practical aspects but also in spindles as part of an ancient and worldwide part of the cultural heritage of mankind. Of course I wanted not only to read and to see pictures, but aso to use them – and I have learned not only to deal with top- and low whorl types but also with support spindles and all kind of exotic types.
Nun kann ich endlich sagen, welcher Spindeltyp mir der liebste ist, also welchen ich am liebsten benutze. Und nein, es ist nicht die Kopfspindel, die unter modernen westlichen SpinnerInnen die größte Verbreitung genießt. Es ist die türkische Kreuzspindel. Warum die so heißt, ist mir schleierhaft, da sie eher im mittleren Osten und in Ägypten beheimatet ist als in der Türkei (vielleicht liegt der Grund für die Bezeichnung in der früheren Ausdehnung des Osmanischen Reiches).
Now I can eventually tell which type is my favourite, the one I like best for my personal use. And, no, it’s not the top whorl spindle which is the favourite type of the contemporary spinner in the western hemisphere. It’s the Turkish spindle. I really don’t know why it’s called Turkish since it’s home can be located more in the Middle East and Egypt (maybe it’s because of the former dimensions of the Osman Empire).

Ich finde Türkische Spindeln von den Eigenschaften her einfach unschlagbar: Sie sind zerlegbar (wenn nicht in Benutzung), enorm drehfreudig, und ich bekomme mehr Garn drauf als auf eine Kopfspindel. Mit zunehmender Praxis gelingt es ja, immer mehr Garn in einem Durchgang zu spinnen, und meine Grenze ist inzwischen nicht mehr das Gewicht der Spindel, sondern das Garnvolumen, und das macht das Spinnen sehr mühsam. Türkische Spindeln sind in dieser Hinsicht einfach belastbarer. Als besonderen Gimmick bekommt man noch ein fertiges Knäul, das von beiden Seiten verwendet werden kann.
I think Turkish spindles have unbeatable advantages. They are dismountable (when not in use), they spin like hell, and I can load them with more yarn than I can with a top-whorl spindle. Becoming an intermediate spinner also means one can spin more with one spindle, and getting more yarn means for me that my top-whorl spindles suffer quite often from a heavy overload, and I don’t mean the weight but the volume of the yarn. And this makes spinning enormously cumbersome. I can wind much more yarn on a Turkish spindle. As a special gimmick one gets a ball of yarn which can be used from both sides.
Auch mein zweitliebster Spindeltyp ist ein Exot, der hierzulande nur wenig bekannt und verbreitet ist: Die Akha. Sie ist extrem leicht und wird traditionell, also in ihrer ostasiatischen Heimat, für Baumwolle und Seide verwendet. Sie ist ein Mischtyp aus Fall- und Supportspindel und geeignet, hauchdünne Fäden zu spinnen.
My second favourite – after the Turkish is a rather exotic type, which is quite unknown in Europe. It’s the Akha. It’s an extreme lightweight. In it’s natural habitat – the Far East – it’s used for spinning cotton and silk. It’s kind of a hybrid type, between a drop and a support spindle and is perfect for spinning very, very thin yarn.

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