In letzter Zeit haben wieder einige Leute ihre Blogs aufgegeben und engagieren sich vermehrt bei Ravelry, bei mir ist es eher umgekehrt. Ich mag Ravelry, bin jeden Tag dort, um mir Dinge anzusehen, Muster herauszusuchen, fertige Projekte zu betrachten usw., aber mein Blog ist irgendwie meine Burg. Hier kann ich sein, und vor allem: Hier kann ich schreiben, was ich will, wie ich es will, in einer Ausführlichkeit, für die Ravelry schlicht keinen Raum bietet und auch gar nicht bieten kann.

Ich bedaure das Verschwinden einiger Blogs ebenso wie die Tatsache, dass andere nicht mehr oder kaum noch gepflegt werden. Dort sah man nicht nur Strickstücke, sondern bei den interessanteren war auch eine Menge von der Persönlichkeit der Autorin zu erkennen und von ihrer Individualität. Bei Ravelry verschwindet dies fast völlig, sie gehen in der Masse unter. Sind Blogs im Idealfall Aran oder Fair-Isle, so ist Ravelry in der Gesamtheit eher glatt rechts, sozusagen.

Da ich weiß, wie man anständig und zielführend recherchiert, ist es mir nie passiert, dass ich mich dort verfranzt habe und zwischen “friends”, Projekten, Foren und Gruppen verlor, wie machmal zu lesen ist. Ravelry ist die größte und beste Mustersammlung, die ich kenne, und ich verdanke ihm einige meiner schönsten und lohnendsten Projekte. Und dennoch sehe ich das Ganze eher pragmatisch.

Ich stricke nunmal lieber, als endlos über das Stricken zu lesen oder zu diskutieren, vor allem wenn ich dabei nicht stricken kann, weil ich tippen muss. Obwohl ich das bin, was man “internetaffin” nennt, findet der wichigste Teil meiner Hobbyausübung – auch abseits des Strickens und Spinnens – offline statt. So passiert es mir nie, dass ich “friends” mit Freunden verwechsle, und eine nette Bekanntschaft per Internet vertieft sich bei mir immer nur außerhalb desselben (sagt die Frau, die ihren Herrn Jinx zum ersten Mal im Internet traf …). So projiziiere ich auch keine bizarren Erwartungen an Online-Bekanntschaften, und ich komme am besten mit denen aus, die das genauso sehen.

Was mich jedoch am meisten auf eine innere Distanz zu großen Communities wie Ravelry gehen lässt, ist das Problem mit der kollektiven Intelligenz. Menschen sind keine Ameisen oder Bienen, die automatisch wissen, was sie zu tun haben, ohne dass es ihnen jemand erklärt. Bei Menschen ist das anders; im Idealfall bietet eine Gemeinschaft Gleichgesinnter jedem den Raum zur Entwicklung, zum Lernen, zur gemeinsamen Inspiration, der alle irgendwie voranbringt. Doch das funktioiniert nicht, wenn die Gemeinschaft zu groß wird. Je größer eine Gruppe, desto größer auch die träge Masse, die ebenfalls bewegt werden will – von denen anderen, denn würde sie sich selbst bewegen, wäre sie weniger träge. Dazu kommt, dass große Gruppen immer irgendwie auf einen eigenartigen Personenkult anspringen – oder zumindest Teile davon, und das geht für mich gar nicht. Wenn irgendwo Personenkult ist, bin ich ganz weit weg. Das menschliche Kollektiv wird niemals schlauer, zumindest nicht, wenn es eine gewisse Größe übersteigt.

Zu guter Letzt beherbergt eine große Datensammlung, wie eine Community es letztendlich ist, auch immer sehr viel Belangloses. Die fünf Bazillionen glatt rechts gestrickter Socken kann man bei der Mustersuche gut filtern, aber in den Foren … Es kann wirklich unglaublich mühsam sein, eine Antwort auf eine etwas speziellere Frage zu finden, wenn man in den Foren danach suchen muss. Wenn man Pech hat, wühlt man sich durch eine Million Banalitäten, bevor man so etwas wie eine passende Antwort findet. Im Zweifelsfall konsultiere ich zunächst Quellen außerhalb von Ravrelry, und erst wenn ich dort nicht fündig werde, betrete ich die Sümpfe der Beliebigkeit, also die Foren.

Momentan habe ich einen Inspirationsschub, viele neue Ideen warten auf ihre Umsetzung, und da ich keinerlei Bedürfnis habe, Anleitungen zu verkaufen oder nur aufzuschreiben (Entwerfen ist toll, ausformulierte Anleitungen schreiben ist doof), wird dies hier mein virtueller Hauptwohnsitz bleiben.