April 15, 2010 - א' אייר תש"ע

Alle Jubeljahre mal probiere ich es wieder – deutsche Strickhefte. Meine ersten, trüben Erfahrungen liegen vier Jahre zurück, und seitdem kaufe ich sporadisch mal wieder eins, um zu sehen, ob sich etwas ändert. Diesmal traf es die neue Verena, genauer gesagt die diesjährige Sommerausgabe.
Nun ist Sommerstrick nicht jedermanns Sache, und auch ich tue mich damit schwer. Theoretisch gefällt mir einiges, praktisch stricke ich nur weniges wirklich gern, was teilweise am Material liegt, aber auch daran, dass bei wirklich warmem Wetter Baumwoll- und Leinenstrick eigentlich zu warm sind.
Aber wie auch immer, ich habe mir die neue Verena zu Gemüte geführt und mein Eindruck ist – sehr gemischt. Ich finde, das Heft hat sich verbessert, zumindest zum Teil, aber es sind mir auch einige Dinge sehr negativ aufgefallen.
Positiv finde ich:
- es gibt einen redaktionellen Teil und Texte zu verschiedenen Themen. In diesem Heft ist es vor allem der Schwerpunkt Lace, der recht ausführlich besprochen wird. Teilweise sind diese Texte durchaus lesenswert, z. B. der über Orenburg-Lace und das Portrait der Addi-Stricknadelmanufaktur.
- die meisten Fotos lassen das Strickstück gut erkennen, und es steht nicht allzuviel Tand im Mittel- und Hintergrund herum (die berüchtigten Heuballen fehlen zum Beispiel).
- es gibt einige durchaus ansprechende Modelle und viele, die man auch wagen kann zu tragen, wenn man unter siebzig ist und nicht in der ganz tiefen Provinz wohnt. Meine Favoriten sind: Bristol, Kopenhagen, Violet (auch wenn ich mal bezweifle, dass Mohair wirklich das Garn der Wahl für hohe Temperaturen) ist und das Orenburg-Tuch (das nicht mein Stil ist, das ich jedoch sehr schön finde).
- die vorgestellten Produkte rund um den Bedarf der Strickerin von heute sind zeitgemäß und blicken weit über den Tellerrand der deutschen Produktwüste hinaus.
- es gibt wenige Stücke, die ich wirklich grottig finde (mein persönliches Souterrain des Geschmacks sind das Modell Perth, das man wirklich nur tragen kann, wenn man so alt ist, dass man gar nichts mehr mitkriegt, der Augenquäler Wellington, der rüschige Albtraum Coconut Kiss und Ihre Trutschigkeit, Scarlet).
Bei meiner Betrachtung geht es allerdings weniger darum, wie viel mir gefällt; diese Modell-Erbsenzählerei war noch nie meine Sache; für mich steht bei einer Publikation immer im Vordergrund, ob sie mich inspiriert, unabhängig davon, ob ich zehn Modelle nachstricken würde oder nur eines. Und mit der Inspiration ist das hier so eine Sache, und das bringt mich zur Negativliste.
- Es sind zu viele gleichartige, austauschbare Modelle im Heft. Und das gilt für eigentlich jeden Themenbereich. Die Einförmigkeit fand ich ermüdend. Vielleicht liegt es daran, dass relativ viele Modelle von sehr wenigen DesignerInnen gestaltet wurden.
- Ach ja, die Themenbereiche: Muss man wirklich zwanghaft ein Motto finden, unter das man die Modelle zwingt?
- Das bringt mich gleich zu den Texten, die die Modelle bzw. die Modellgruppen beschreiben. Hier ein paar Kostproben, die dem Souterrain eines Werbetexterhirns ensprungen sein müssen: “Salsa – Rassiger Strick im Latin-Style”; “Sommer im Paradies – Maschen, so üppig und farbenfroh wie die Farben der Südsee”. Geht’s noch? Aber mein persönlicher Anti-Favorit ist dies: “Viva la Mexico (wirklich “la”?, aber wie auch immer …) – Nein, wir möchten an dieser Stelle keine Klischees dunkler Schönheiten, exotischer Aztekenkrieger, lässiger Lebensart und finster blickender Sombreroträger bedienen …” Finde ich toll. Aber warum tut Ihr’s dann?
- Die Anwesenheit von redaktionellen Beiträgen ist durchaus positiv, einige der redaktionellen Beiträge hätte ich mir mit etwas mehr Niveau gewünscht. Besonders der sogenannte Lace-Workshop “Faszination Lace” kommt mit viel Blabla und wenig Info daher. Dazu passen allerdings auch die Fotos. Anders als bei den übrigen Modellen sind die Muster kaum bis gar nicht zu erkennen. Fein, dass man die Anleitungen in Bälde käuflich erwerben kann, allerdings von eher theoretischem Interesse für mich, denn ich sehe gerne vorher, was ich kaufe. Wenigstens im Bild.
- die Garnauswahl – Ich nehme an, dass die Firmen, deren Garne für die Modelle verwendet wurden, die Rolle eines Sponsors einnehmen und dass eine Zeitschrift wie Verena dies braucht, um überleben zu können. Aber die plumpe, vordergründige Farbigkeit kenne ich zu Genüge aus dem deutschen Standardwollgeschäft, und sie in einer Zeitschrift wiederzusehen, finde ich ermüdend. Eine löbliche Ausnahme bildet die Lace-Sektion, da besagte Großhersteller kaum oder keine Lacegarne herstellen.
- Auch wenn mir einiges gefällt, inspiriert mich dieses Heft überhaupt nicht. Und Inspiration ist für mich ein sehr weites Feld, praktisch alles kann mich inspirieren. Aber das da? Non.
Alles in allem kann ich sagen, dass ich das Heft nicht schlecht finde, aber ich finde es eben auch nicht gut. In überhaupt keinem Bereich. Um einen Vergleich zur Interweave Knits zu bemühen: Die hat stark nachgelassen, was die Modelle angeht, seit Eunny Jang die Chefredaktion übernommen hat. Aber was das Heft für mich immer noch rettet, sind die hochklassigen Garne, die zu betrachten mir immer eine Inspiration ist, und die teilweise hochwertigen redaktionellen Beiträge. Und beides sucht man hier leider vergeblich (mit Ausnahme der Lace-Abteilung). Ich würde die Verena unter Mittelmaß einordnen, doch auch Mittelmaß kann mittelfristig tödlich sein.
April 16, 2010 - ב' אייר תש"ע at 7:38 am
Du sprichst aus der Seele ! Ich habe sie auch durchgeblättert und nur einen Gedanken gehabt – laaangweilig. Für mich noch nicht mal Mittelmaß. Aber ich finde die Strickmagazine im allgemeinen in der letzten Zeit immer schlechter.
LG Eva
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April 16, 2010 - ב' אייר תש"ע at 9:44 am
Jepp!
In Bezug auf die Verwendung von Mohair sprichst Du aus, was ich dachte.
Ich unterschreibe mit lieben Grüße, Ev
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April 16, 2010 - ב' אייר תש"ע at 9:42 pm
Ich unterschreibe deine Aussagen. Sommerstrick trifft nicht mein Gesmack
Grüsse aus Bern
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April 17, 2010 - ג' אייר תש"ע at 8:21 am
Darf ich mich anschließen?
Auch ich sehe wenig Sinn in hoher Frequenzzahl pro Jahr mit hoher Anzahl an kaum individualisierten Modellen.
Der Adressat solcher Konzeptionen kann nur der willig folgende Massengeschmackslemming sein und dies ist in Deutschland derzeit wohl immer noch lohnend.
Es ist sicher schwieriger, gleichzeitig vielleicht mal ein Quentchen innovativ sein zu wollen.
Sachkenntnis in der Tiefe erwarte ich schon lange nicht mehr.
Für ein Sprachrohr zu zahlen erscheint mir aber ebenso fremd wie unzeitgemäß.
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April 19, 2010 - ה' אייר תש"ע at 9:20 pm
danke, meine liebe jinx,
deiner ausführung ist nix hinzuzufügen, sie ist einfach ‘eine punktlandung’
mit besten grüßen sende ich dir auch meine unterschrift.
geli
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