Ich war wieder auf Tour, nach einem langen und sehr eisigen Winter, und diesmal war es Rostock, wohin ich einen Tagesausflug unternahm. Meine Vorstellungen von Rostock waren vage, ich wusste, dass es vor dem Zweiten Weltkrieg eine der schönsten Städte in Deutschland war, mit weitgehend erhaltener historischer Bausubstanz.

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Zunächst besuchten wir ein schönes Cafe in dem mittelalterlichen Kloster Zum Heiligen Kreuz, wo man gut essen und gemütlich sitzen kann.

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Rostock – in der Nähe der Universität: Alt neben Neu-Alt

Da wir uns während des langen Winters in ausreichendem Maße in geschlossenen Räumen aufgehalten hatten, beschlossen wir, auf Kirchen- und Museumsbesuche zu verzichten und stattdessen den historischen Stadtkern zu Fuß zu erkunden.

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Rostock – Der Neue Markt

Da die Altstadt zum größten Teil zerstört war, findet sich dort eine Mischung aus wenigen historischen Bauten und vielen Rekonstruktionen. Für mich als Kunsthistorikerin war es ein Lehrstück zum Thema Wiederaufbau und dessen Grenzen. Der Neue Markt mit dem Rathaus wurde als zentraler Platz sehr sorgfältig und aufwändig wiederhergestellt, die barocken Fassaden, die an holländische Giebelhäuser erinnern, sind liebevoll und wohl auch weitgehend historisch restauriert worden. Dies gilt auch für das Rathaus, einer Schaufassade in mittelalterlicher norddeutscher Backsteingotik, dem ein barocker Vorbau vorangestellt wurde.

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Neuer Markt – Rathaus

Der Neue Markt vermittelt auch heute noch einen Eindruck, wie schön Rostock gewesen sein muss. Er ist das Zentrum des neueren Teils der Altstadt, der ältere liegt in der Nähe der Warnow, und auf diesen waren wir besonders neugierig.

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Auf dem Weg in die Altstadt: Hinteransichten


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Während der obere Teil des historischen Stadtkerns breitere Straßen und einen großzügig angelegten Platz (den Neuen Markt) aufweist, ist der mittelalterliche Teil deutlich enger bebaut; die Straßen sind kleine Gassen, und die Häuser sind deutlich schmaler und niedriger.

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Internationaler Klub der Seeleute – ein leider verfallenes Relikt aus DDR-Zeiten

Auch hier gilt: Es steht Alt neben Neu, das dem Alten nachempfunden wurde, und hier zeigen sich deutlich die Grenzen des Wiederaufbaus.

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Altstadt – Speicherhaus

Es ist möglich, bei entsprechendem Dokumentenbestand, zerstörte Gebäude originalgetreu wiederaufzubauen. Dies ist vor allem bei zentralen Sehenswürdigkeiten, also bedeutenden Kirchen, Rathäusern, Schlössern oder auch dem Baubestand von zentralen Plätzen möglich. Existieren entsprechende Dokumente wie Pläne, Fotografien oder Zeichnungen nicht, kann man nur versuchen, die historischen Bauten nachzuempfinden, das heißt dann “im Stile von”. Letztendlich darf auch der finanzielle Aspekt nicht außer Acht gelassen werden; Gelder für den Wiederaufbau fließen eher in gut dokumentierte Projekte von hohem denkmalpflegerischem Rang.

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Altstadt – Speicherhaus

Es ist offensichtlich, dass reichere Rostocker die Altstadt verließen um an höher gelegenen Plätzen zu bauen, die Stadt dehnte sich in die vom Fluss abgewandte Richtung aus. Die engen Altstadtgassen mit ihren schmalen, kleinen Häusern dürften auf begütertere Bürger wenig Anziehung ausgeübt haben. Heute bietet sich ein oberflächlich einheitliches Bild, was aufgrund der stilisiert aufgebauten Häuser für das Auge eher anstrengend ist. Abträglich ist auch, dass die engen Gassen für den Autoverkehr offen sind.

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Getreidespeicher an der Warnow mit den allgegenwärtigen PKWs. Ein Gebäude aus einer Zeit, in der Rostock vermeintlich großen, in Wahrheit aber sehr kaputten Zeiten entgegensah.

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Altstadt – Getreidespeicher aus dem 19. Jahrhundert. Auch hier wieder: Alt neben Neu-Alt

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An der Warnow – Stadtansichten, die zu vermeiden sind: Ein hübsches Gebäude und ein liebevoll gestalteter Container (?) vor nervtötendem Straßenverkehr und wenig Fußgängerüberwegen (Querung für Fortgeschrittene, Paris-Erfahrung ist von Vorteil)

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Am Hafen – Historischer Kran

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Am Hafen – Die Warnow ist noch zugefroren

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Am Hafen – Aufwändig gestalteter Container (?)

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Windspiel – Segel im Wind, Metallplastik von Achim Kühn, 1988

Erfreulich ist, dass dieses für die DDR typische Kunstwerk nicht entfernt wurde. Die Gebäude sind modern, passen sich aber der für Rostock und dieses Viertel typischen Bauweise an.

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Auch neuere Plastik und die Laternenmasten verweisen auf die maritime Tradition Rostocks. Die Möwe auf der Möwe war allerdings reiner Zufall.

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Und noch ‘n Speicherhaus, unterhalb der Langen Straße.

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An der Langen Straße – Stalinistische Zuckerbäcker-Einschüchterungsarchitektur meets norddeutsche Backsteingotik. Diese Straße wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitert und neu gestaltet.

Es ist offensichtlich, dass man sich in Rostock bemüht hat, die historische Altstadt so aufzubauen, dass man einen Eindruck vom historischen Stadtbild bekommt. Wo man sich zur Neugestaltung entschloss, wurde auf die regionale Architekturtradition Rücksicht genommen, das heißt, in der Innenstadt sucht man großflächige Plattenbauwüsten vergeblich. Rostock ist nicht Dresden, aber leider lässt auch die liebevollste und sorgfältigste Rekonstruktion die frühere Schönheit Rostocks nur erahnen.

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Just some impressions from my one-day trip to Rostock.