January 1, 2010 - ט"ו טבת תש"ע



Erinnert Ihr Euch an die Blogwichtelaktion? Meine Gastautorin war Frau Jekylla, mit der sich danach noch ein netter Kontakt ergab. Sie suchte nämlich jemanden, der ihr einen St.-Pauli-Fanschal strickt, der weder aus kratziger Wolle noch aus einem dubiosen Acrylzeug besteht. Was Exklusives eben.

Nun lehne ich es ja aus Prinzip ab, Auftragsstrickereien zu machen, da die Bezahlung ein Witz ist. Und bei adäquater Vergütung ist es für den Auftraggeber uninteressant bis unbezahlbar. Aber dies hat mich so gereizt, dass ich zugesagt habe, gegen Naturalien, versteht sich, denn das ist lustiger. Ich werde als Vergütung im Februar zu einem St.-Pauli-Spiel eingeladen, denn da wollte ich schon immer mal hin.

Nun gestaltete sich die entsprechende Garnbeschaffung schwieriger als gedacht. Frau Jekylla und ich einigten uns auf eine Kaschmirmischung eines renommierten Herstellers, die ich auch bestellte. Einige Tage später erhielt ich einen Anruf, dass der gewünschte Braunton nicht vorrätig und auch schwer zu beschaffen sei, da die Händler alle auf Sommerware umrüsten. Die Dame bot mir hartnäckig Schlammtöne etc. an, wobei ich mehrfach wiederholte, dass ich keinen Schlamm-, sondern einen Braunton benötige. Daraufhin schickte sie sich an, mit dem Telefon ihre Regale zu begehen und mich auf dem Laufenden über ihre Nicht-Bestände zu halten. Alles was recht ist, aber das dauert mir zu lange. Ich bat also, mich per E-Mail zu informieren, was bisher nicht geschah.

Also stornierte ich die Bestellung und ging los, um doch noch etwas Geeignetes in geeigneter Farbigkeit aufzutreiben. Es war nicht viel einfacher: Entweder die Brauntöne gingen nicht oder waren nicht vorhanden, oder es gab kein passendes Rot. Schließlich habe ich doch etwas in adäquaten Schattierungen gefunden, das qualitativ stimmt. Allerdings werde ich es doppelfädig verstricken müssen, aber irgendwas ist ja immer.

stpauli

Auf einer Mailingliste, in der ich Mitglied bin, tobt mal wieder ein Konflikt, den ich nicht verstehe, da mir vermutlich ein paar Hintergrundinformationen fehlen. Aufgrund dessen, was über die Liste geschrieben wurde, ist mir das Ganze total unbegreiflich.

Ein guter Teil des strickszenigen Gezickes beruht nach meiner unmaßgeblichen Beobachtung auf dem Wir-haben-uns-alle-lieb-sind-alle-Freundinnen-und-sind-daher-auch-immer-einer-Meinung-Syndrom. Anhängerinnen dieser Theorie sind oft eher wenig internetaffin oder haben Blogs mit winkenden Bärchen, tanzenden Elfen und sonstigem Zeuch. Nur bin ich nicht niedlich. Ich bin groß und böse.

Ich bin nicht mit Leuten befreundet, nur weil wir zufällig dasselbe Hobby pflegen und ich finde so manche Befindlichkeit, die aus der ganz, ganz dunklen Kammer, in der sie entstand (wo sie verbleiben sollte) in die Öffentlichkeit des Internets getragen wird, befremdlich, und derart Befremdliches interessiert mich nicht nur so gar nicht, ich möchte davon auch verschont bleiben, wenn’s möglich ist.

Es ist daher Zeit, ein stricktechnisches Statement zu machen, wider das allzu Niedliche und die verkitschte Harmonie, die nicht nur im “echten Leben” keinen Bestand hat, sondern nicht mal im Internet.

Daher stelle ich hier zwei Maschenmarkierersets vor, erstens das Modell “Vorsicht, bissige StrickerIn”.

teeth

Lustig, was? Da weiß jeder gleich, mit wem er es zu tun hat.

Außerdem gibt es noch das Modell “Vorsicht, Hirn!!!”, besonders geeignet für die, die auch gern mal das komische, graue Zeug benutzen, dass man zwischen seinen Ohren findet. Erfreut sicherlich auch Fans von Zombiefilmen (Herr Jinx war begeistert, obwohl er nicht strickt).

brains

Mit diesen beiden bezaubernden Strickaccessoires ist man sicherlich gegen alle möglichen Spinner gewappnet.

lazykateIch habe früher meine mit der Spindel gesponnenen Garne immer ohne irgendwelche Hilfsmittel verzwirnt, was oft genug in einem elenden Tüddelkram endete. Nun habe ich mir einen Prototyp einer einfachen, zweckmäßigen Lazy Kate gebaut. Sie besteht aus einem kleinen Karton, in dem die Achsen (eigentlich sind es Stricknadeln) und auch die noch zu verzwirnenden Knäule verschwinden, wenn sie nicht benutzt wird. Diesem Karton (aus dem Kaufhaus) bin ich heute mit Herrn Jinx’ Dremel zu Leibe gerückt.

I always plied the singles I spun with a handspindle without any further ado or additional tools, what ended up in a mess often enough. Now I build a prototype of a simple but practical lazy kate. It’s just a cardboard box I bought in a department store. When not in use, the balls which wait to be plied and the shafts (made of knitting needles) can be stored inside. I just punched six holes in the cardboard, using Mr. Jinx’ precious Dremel tool.

lazykate2

Dies ist das Ganze in geschlossenem Zustand, zusammen mit dem ersten verzwirnten Garn.

This is the closed box, together with the first yarn plied.

Und wer baut mir das Ganze jetzt schön in Holz???

anfang

Dies ist nun mein allererster richtiger Versuch im Nalbinding, nach dem Anfilzen. Es macht Spaß, und natürlich wollte ich gleich das ganze Programm: Ab- und Zunahmen und Farbwechsel. Das mit dem Abnehmen muss ich nochmal üben, aber ansonsten bin ich – fürs erste Mal – recht zufrieden. Es ist eine Art Sack geworden, wobei ich mir die Form anders vorgestellt habe. Ich werde ihn wohl für Fasern o. ä. verwenden und zum Verschließen einen Lederriemen anbringen.

This is my very first real attempt to practice nalbinding, after I felted it lightly. It’s fun, and of course I wanted to have it all: increases, decreases, and colour changes. Well, I’ll have to practice the decreasing stuff a bit more, but I’m quite satisfied with the result. A kind of bag came out, but of course I visualized its shape slightly different. Never mind, I think I’ll use it for fibers and close it with some leather strap.

takhli

Angeregt durch den Spinnwirtel aus Mali und das Buch Respect the Spindle, habe ich angefangen, mich damit zu beschäftigen, wie in anderen Regionen der Erde das mit dem Spinnen so gehandhabt wird. Zudem ist es so, dass nicht jedes Material für die Spindeltypen geeignet ist, wie sie in Europa und den USA üblich sind (immerhin soll ich ja demnächst anfangen, auch das Spinnen zu unterrichten, und da ist eine kleine Horizonterweiterung nie verkehrt).

Inspired by the whorl from Mali as well as by the book Respect the Spindle I started to inform me in which way people spin in other regions of the world. Besides this, not every material is suitable for the spindles which are common here in Europe / The U.S. (I’ll start teaching spinning soon, and I think it’s a good idea to know more before …).

Die Takhli ist eine Spindel, wie sie in Südostasien, im vorderen Orient und in Afrika vor allem für Baumwolle (also ein sehr kurzfaseriges Material) verwendet wird. Sie ist sehr klein und leicht, dies ist ein ganz einfaches Modell, das aus einer gelochten Münze und einem geraden, sehr spitz zulaufenden Metallstab gefertigt wurde (“Basismodell India”, sozusagen). Es ist eine Supportspindel, die zusammen mit einer kleinen Schüssel verwendet wird (sie ist wirklich sehr spitz). Meine Schüssel ist übrigens eine kleine Teeschale.

The Takhli is a spindle used in East Asia, the Middle East, and in Africa for spinning cotton and materials with very short fibres. It’s a very small lightweight spindle, and this is a very simple one, made of a coin with a hole and a plain, thin metal shaft (the basic version “India”). It’s a support spindle used with a small bowl (the tip is really pointy). I chose a small tea bowl.

Da ich keine Baumwolle hier habe, habe ich eine flusige, wattige und mühsamst zu verspinnende Filzwolle gewählt. Mit der Takhli funktionierte es wesentlich besser als mit meinen Hoch- und Tiefwirtelspindeln. Visuelle und mentale Unterstützung lieferte – wie so oft – eine nette Dame auf Youtube.

I don’t have any cotton fibre in my stash, therefore I used a rather waddy and very hard to spin wool quality, and with the Takhli it worked much better than with the high and low whorl spindles I own. My first attempt was supported visually and mentally by a nice lady via Youtube.

Es gelang mir auf Anhieb erstaunlich gut, wenn natürlich auch noch Raum für Optimierungen besteht, und hier ist das allererste Ergebnis. Der Faden ist sehr dünn, zum Vergleich habe ich ein 1-Cent-Stück daruntergeklemmt.

I managed quite well from the beginning, but of course there is still room for optimization. This is the very first result. The thread is really thin, see the size of the 1 cent coin (Euro).

takhli2

matchingagansey1

Ein Paar Stulpen ist fertig geworden, und zwar die Mitts in Helix Knitting Technique. Sie sind einfach zu stricken und gehen auch recht schnell, trotz des dauernden Farbwechsels und der sehr dünnen Nadeln.

A pair of mitts is done, the Mitts in Helix knitting Technique. They’re fairly easy and quick to knit, although the frequent colour changes and the small needle size used.

matchingagansey2

Technisches / Technical Details
Name: Matching a Gansey
Pattern/Muster: Mitts in Helix Knitting Technique
Designer: myself
Material: ShibuiKnits Sock, colours: 402, Sand; 06, Ink
Weight/Gewicht: appr. 85 g
Size/Größe: L
Needles/Nadelstärke: 2mm

Ich würde gern wissen, wie ihr eure Pullover entwerft. Strickt ihr nur nach fertigen Anleitungen? Rechnet ihr diese im Zweifel um oder hofft ihr einfach das Beste? Habt ihr vielleicht einen Idealpullover daheim, an dem ihr euch orientiert? Malt ihr einen Schnitt auf Zeitungspapier? Oder nutzt ihr gar eine Software, und wenn ja: welche und wie sind eure Erfahrungen damit?
Ich stricke viele Pullover selbstberechnet und meist in Runden. Entweder als Gansey oder nach dem Zimmermann-Prinzip mit verschiedenen Konstruktionsprinzipien.

schild

Gestern war nun der große Tag, an dem ich als Kursleiterin am Volkshochschulfest in Hamburg/Farmsen teilnahm. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber es war auf jeden Fall anders und auch sehr positiv.

Untergebracht war ich im Textilraum, wo der Webkurs samt Kursleiterin sich eingefunden hatte, um seine Kunst an Tischwebrahmen und Webstühlen zu demonstrieren und auch fertige Werke zu präsentieren. Ich war hingegen die einzige, die fürs Stricken dort war und bestritt die kleine Ausstellung von Strickstücken ausschließlich mit meinen Werken. Außerdem wurde ich auch spinnend, also am Spinnrad und an der Handspindel tätig. Der guten Atmosphäre förderlich war, dass ich eine der Weberinnen bereits vom Stricktreff kannte, sodass ich sofort integriert war und auch zum Verpflegungsbuffet eingeladen wurde (wenn man acht Stunden dort sitzt, zunächst ohne Plan, was dort überhaupt los ist oder was eigentlich erwartet wird, ist das sehr von Vorteil).

Die Resonanz war sehr gut, auch wenn die Textilgestaltung eher ein Nischenbereich ist. Ich habe einer netten alten Dame (einer Patchworkerin) eine kleine Einführung in das Spinnen mit der Handspindel gegeben und zweien der Weberinnen gezeigt, wie man wirklich elastisch abkettet (wie gut, dass ich das gerade erst gemacht und so noch richtig im Kopf hatte).

Ich musste außerdem sehr viele Fragen zum Thema Technik beantworten (ein Tipp für alle, die ihre Kurse auch bei einem Volkshochschulfest vertreten müssen: Nehmt mindestens ein Fair-Isle-Strickstück mit; die Leute stehen dann in Reihen vor dem Tisch, dasselbe gilt für Lace – die Hanami Stole und die Transition Gloves hätte ich mehrfach verkaufen können). Es entstand ein sehr guter Kontakt zu der Kursleiterin für Weben, und ich habe sehr viel von dieser interessanten und vielfältiken Kunst gelernt.

Ein wenig sinister war es ja schon, als jemand, der noch nicht mal vier Jahre strickt, als Expertin aufzutreten, neben einer studierten Textildesignerin (wobei ich keine Probleme hatte, alle Fragen korrekt zu beantworten, von Sockenkonstruktionen bis hin zu Fair-Isle-Spezialtechniken, und so ein Schild ist da sehr hilfreich) oder zu erleben, dass Leute an den Tisch kamen, die nach “Knittinganarchist” oder “Jinx” fragten – obwohl ich meine Besucherzahlen kenne, glaubt ein Teil von mir eben immer noch, dass den Blog keiner liest. ;)

Kurz gesagt, ich würde es wieder tun, es war eine sehr positive und bereichernde Erfahrung und natürlich auch eine Werbemaßnahme für die Strickkurse, die nun bald wieder beginnen werden. Abgesehen davon gibt es wirklich Schlimmeres, als einen Tag lang zu stricken und zu spinnen.

bosworth3_a

Sie waren fast einen Monat unterwegs, aber nun sind sie hier: Meine Spindelbestellung vom letzten Jahr bei Bosworth. Von links nach rechts: Zebrawood, Schaft Walnuss, 15 g; Spalted Padauk, Schaft: Bloodwood, 36 g; Canarywook, Schaft Kirsche, 17 g. Das von einem Pilz befallene Padauk ist eine besondere Rarität, da sie das nicht mehr im Programm haben; ich habe gerade noch die allerletzte Spindel erwischt.

It took them one month to arrive finally here in Hamburg, but now I got them: My spindle order which I placed last year from Bosworth is with me now. From the left to the right you see: Zebrawood with walnut shaft, 15 g, spalted Padauk, shaft bloodwood, 36 g, canarywood, shaft cherry, 17 g. The spalted padauk (the look comes from some weird fungus who settled on it) is a real rarity, Bosworth doesn’t get this any more, and I caught the very last one!

bosworth3

Neben den KawKawEsque-Socken bekommt Mutter Jinx eine Nostepinne zum Geburtstag, da sie auch Stränge verstrickt, die vorher zu einem Knäul gewickelt werden müssen. Entsprechendes teilte ich Herrn Jinx mit (immerhin sind die Geschenke von uns beiden). Nun muss man wissen, dass Herr Jinx sich das Wort Nostepinne nicht merken kann, nicht gewillt ist, in die Feinheiten der Faserverarbeitungsterminologie tiefer einzudringen, und entsprechendes Utensil daher Wikingerdildo nennt, was sich inzwischen bei uns als Bezeichnung eingebürgert hat. Daraus entstand folgender Dialog:

Ich: Wir schenken meiner Mutter auch noch einen Wikingerdildo.
Herr Jinx: Wieso?
Ich: Das ist sehr praktisch. Ich werde ihr auch gleich zeigen, wie man ihn benutzt. (nur zur Info: Wir treffen uns in einem Speiserestaurant …)
Herr Jinx: *brüll*

Lange bevor der Mann aufhörte zu lachen, fiel mir auf, dass das dieses Gespräch Außenstehenden ein wenig eigenartig erscheinen mag, aber zum Glück hat es ja niemand gehört. Aber wie auch immer, ich habe mich entschlossen, das Teil – passend zum Dialog – ein wenig bondagemäßig einzupacken. Wenn schon, denn schon.

Die Anleitung habe ich dann aus Sicherheitsgründen doch lieber ausgedruckt.

wikingerdildo

« Previous PageNext Page »