Ich habe einige Mails bekommen von StrickerInnen, die sich an diese Technik nicht herantrauen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, wenn man ein paar Dinge beachtet.
Was im Deutschen landläufig als Fair-Isle bezeichnet wird, ist korrekterweise ausschließlich auf Strickstücke bezogen, die von der gleichnamigen Insel stammen und die traditionellen Muster aufweisen. Die Technik selbst, die auch modern umgesetzt werden kann heißt im Englischen “stranded knitting”.
Fadenspannung
Dies ist der erste und wichtigste Punkt beim Stricken in Fair-Isle-Technik . Sie kann man gut an einem kleinen Projekt üben. Traditionell wird beidhändig gestrickt, d. h. jede Hand führt einen Faden. Der linke wird “kontinental” gestrickt, wie wir Mitteleuropäer dies allgemein zu tun pflegen, der rechte wird über die Nadel geworfen. Dies ist zu Anfang nicht ganz einfach, doch für die meisten ist es Übungssache. Ein hervorragendes Video in deutscher Sprache, auf das man gar nicht oft genug hinweisen kann, findet man hier (Damit habe ich es gelernt). Hilfreich ist das Verweben der Fäden auf der Rückseite. Dies ist vor allem bei modernen Neuschöpfungen notwendig, bei denen eine Farbe über mehr als fünf (oder sogar mehr als zehn) Maschen hinweg auf der Rückseite entlanggeführt wird. Die Abstände, in denen man die Fäden einweben will, sollte man selbst herausfinden. Ich stricke maximal drei Maschen ohne Einweben, manche stricken fünf.
Wer sich mit dieser Methode hartnäckig so gar nicht anfreunden kann, der kann beide Fäden über dem linken Zeigefinger führen oder sich eines handelsüblichen Strickfingerhuts bedienen.
Projektauswahl
Es gibt einfachere und kompliziertere Muster. Erstere sind übersichtlich, kleinteilig und meist geometrisch, während kompliziertere eher großflächig, unübersichtlicher und teilweise asymetrisch sind (Beispiel). Erstere sind eingängiger und erlauben, sich auf die korrekte Ausführung der Technik zu konzentrieren (Beispiel). Für das Stricken selbst gilt jedoch, dass das Muster Reihe für Reihe abgearbeitet wird. Das Ergebnis, die konkrete Form wird abstrahiert und quasi in horizontale Streifen zerlegt. Letztendlich ist das Muster beim Stricken zweitrangig, da es erst durch den Fortschritt sichtbar wird.
Farbwahl
Die Wahl der Farben ist ausgesprochen wichtig, da zu geringe Kontraste oder zu große Ähnlichkeit von Motiv- und Hintergrundfarbe zu einem optischen Chaos führt und das Muster bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen lassen können. Ein solches Durcheinander ist einem guten Fair-Isle-Strickstück abträglich; es zeichnet sich immer dadurch aus, dass das Muster deutlich hervortritt, selbst wenn man sich dafür entscheidet, Ton-in-Ton zu stricken.
Möglich ist prinzipiell alles, über reine Naturtöne (direkt vom Schaf, sozusagen) über Pastelltöne bis hin zu kräftigen Farben. Traditionelle Fair-Isle-Pullover weisen eher helle, kontrastierende Schattierungen auf, moderne Kreationen unterliegen diesen Beschränkungen nicht. Sehr wichtig bei vielfarbigen Projekten ist, dass mindestens eine Farbe vorkommt, die man mit den anderen zusammen als disharmonisch empfindet, da das Gestrick sonst meist langweilig und spannungslos wirkt (dies gilt nicht für Projekte, die lediglich in zwei Farben ausgeführt werden). Meiner Erfahrung nach wirkt das Gestrick am besten, wenn eine Farbe dabei ist, in der man nicht mal beerdigt werden möchte und die als Knäul neben den übrigen unpassend wirkt (kein Witz! Falls Ihr das Bedürfnis habt, das Knäul mit spitzen Fingern aufzunehmen und aus dem Fenster zu werfen, seid Ihr auf dem richtigen Weg). Verstrickt fügen sich diese Farben meist harmonisch ein und sorgen für interessante Kontraste, die das Gestrick erst lebendig machen. Am einfachsten ist es, einer Auswahl von kalten Farben eine warme hinzuzufügen (oder umgekehrt). Ebenso wichtig ist, auf harmonische Kontraste und Hell-Dunkel-Effekte zu achten. Man sollte immer das Gesamtbild visualisieren und nicht einfach Farben zusammenstellen, die einem einzeln zusagen.
Die grafische Darstellung
Die ist nicht immer, was sie sein sollte. Manchmal briefmarkengroß, manchmal knallbunt und oft rein schwarzweiß mit unterschiedlichen Symbolen für die verschiedenen Farben, was in der Praxis kaum zu bewältigen ist. Da hilft nur mittels Farbkopie vergrößern oder umzeichnen. Beim Umzeichnen genügen übrigens zwei Farben, eine für die Hintergrund- und eine für die Kontrastfarbe (oder hat wer gerade acht gut unterscheidbare Blautöne da?); Farbwechsel kann man am Rand markieren.
Die Übersicht behalten
Bei grafischen, klar voneinander abgegrenzten Mustersätzen ist das einfach, bei komplizierteren, die ineinander wabern … nicht ganz so. Hilfreich ist, die einzelnen Mustersätze horizontal voneinander mittels Maschenmarkierern zu trennen. Wenn man sich verstrickt, merkt man dasmeist zum Ende des Mustersatzes und muss nicht über 300 Maschen anhand der Grafik überprüfen.
Steeking
Neben der Fadenspannung hält diese Technik, bei der das in Runden angefertigte Gestrick schließlich aufgeschnitten wird, die meisten Leute davon ab, sich an einem Fair-Isle-Projekt zu versuchen. Die Ängste sind nicht gerechtfertigt, vorausgesetzt man wählt das richtige Material (rauere Wollqualitäten, keine Superwash-Ausrüstung, keine oder nur geringe Kunstfaser-, Baumwoll- oder Seidenbeimischung). Wenn man die zahlreichen detaillierten Anleitungen befolgt, die es im Internet gibt, kann nichts schiefgehen (ehrlich nicht!). Steeks werden durch Häkeln, Nähen (mit der Nähmaschine) oder gar nicht befestigt. Wer einmal ein Strickstück aufgeschnitten hat, wird es skrupellos immer wieder tun; es hat sogar etwas lustvoll-anarchistisches. Wer sich wirklich nicht traut oder z. B. reine, rauere Wolle nicht gut verträgt, sodass er auf andere Materialien zurückgreifen muss, kann auch Raglanschnitte oder Pullover/Jacken mit Rundpasse in einem Stück stricken. Socken, Handschuhe und Mützen werden ebenfalls nicht aufgeschnitten.
(Anmerkung: Es gibt Stricker, die Gestrick aus jedem möglichen und unmöglichen Material aufschneiden, dessen Schnittkanten sie zuvor mit der Nähmaschine befestigt haben. Da ich Wolle bevorzuge, kann ich keine eigenen Erfahrungen beisteuern)
Elastizität und Fertigstellung
Fair-Isle-Gestrick ist unelastisch, was durch die Technik bedingt ist. Daher ist es notwendig, Bündchen mit kleineren Nadeln und sehr fest zu stricken und nach Fertigstellung dieser Partie Maschen zuzunehmen. Gerade bei Mützen oder Handschuhen ist die mangelnde Elastizität zu berücksichtigen.
Bei häufigen Farbwechseln ergeben sich entsprechend viele Fäden. Diese müssen bei den traditionell verwendeten Garnqualitäten nicht vernäht werden; die Wolle filzt sich durch Waschen und Tragen zusammen, sodass es genügt, die Fäden zu verknoten und kurz abzuschneiden (wer sich bemüßigt fühlt, die Fäden zu vernähen, kann das natürlich tun. Bei der Verwendung anderer Materialien kann dies notwendig sein).
Unabdingbar für die Fertigstellung ist das Waschen und Spannen des Strickstücks. Dies gilt besonders für Pullover und Jacken. Es sorgt für ein regelmäßiges Maschenbild und die endgültige Passform.
Eine kleine Zusammenstellung entsprechender Literatur findet sich hier.
Ich muss im Januar öffentlich spinnen und darf damit rechnen, dass einige Zuschauer es auch mal probieren wollen. Daher betrat ich ein lokales Wollgeschäft, dass manchmal kleine Kontingente von Rohwolle führt. Ich wollte eine griffige, nicht zu störrische Wolle erwerben, da ich so etwas nicht in meinem Spinnstash habe.
In January, I’ll have to spin in public, and maybe some of the spectators will want to give it a try themselves. In my spinning stash there are only very soft, smooth yarns which are not suitable for absolute beginners. Therefore I entered a local yarn store which sometimes has some fibres in stash.
Mit einer Verkäuferin dort führte ich folgenden Dialog:
Ich: Guten Tag, haben Sie zufällig noch etwas Rohwolle da?
V: Was?
Ich: Rohwolle, ungesponnene Wolle, Kardenband, Vlies, Batts?
V: Äh …
Eine andere Dame, die dort arbeitet, zeigte auf ein Regal, wo sich das Gesuchte befand.
Die erste Verkäuferin eilte zur bezeichneten Stelle und zog etwas Kammzug hervor.
V: Ich habe aber keine Ahnung, was man damit macht
Ich: Na, Spinnen zum Beispiel
Es ist immer schön, im Einzelhandel mit Verkäufern zu sprechen, die sich mit ihrer Ware gut auskennen.
With a lady who works there I had the following conversation:
I: Good evening, do you have some unspun fibres in stock? Lady: What? I: Unspun fibres, carded fibres, batts, tops, roving? Lady: Huh?
Another lady who works in the shop told us there is still some in one of the shelves, and the lady who served me hurried there and pulled out a small amount of roving from the shelf
Lady: Here seems to be some, but I have no idea what to do with this. I: Well, spinning, for example?
I’m alwalys happy to talk to people who know something about the products they sell.
Ab und an bekommen wir sicher alle Wolle geschenkt. Was macht ihr, wenn Farbe und/oder Material so gar nicht eures ist? Oder wenn euch zum Verhältnis Menge/Projekt überhaupt nichts einfallen will.
Die Frage istfür mich nicht ganz leicht zu beantworten, und Sockenwolle lasse ich mal außen vor. Ich bekomme nämlich fast nie Wolle geschenkt, und wenn, dann suche ich sie mir aus, sodass die o. g. Problemfelder keine Rolle spielen.
Falls ich einmal Garn geschenkt bekommen sollte, das mir farblich und/oder vom Material her nicht gefällt, so würde ich es weitergeben, an jemanden, der mehr damit anfangen kann als ich. Oder bitten, ob man es umtauschen kann, denn mit einem Garn, das in meinem Stash einen Bart bekommt und dass ich nie verstricken werde ist niemandem gedient. Wobei ich nicht glaube, dass das vorkommt, denn wer mich kennt, weiß, dass ich mit den “schmeichelnden, leuchtenden Farben des Herbstes” aussehe wie ein Stück Käse und dass ich Polyester nicht leiden kann und nur in Sockenwolle toleriere – notgedrungen, der heiligen Haltbarkeit wegen. Die Menge ist weniger ein Problem – ich stricke auch mal gerne ein kleines Projekt und habe Einfälle für praktisch jede Garnstärke (außer diesen Schiffstauen, die mit Baumstammnadeln verstrickt werden).
Die Farben stimmen nicht zu 100%, aber dies ist ein erstes Bild meines neuen Fair-Isle-Projekts. Ich kann es gar nicht zur Seite legen, so viel Spaß macht mir das Stricken in dieser Technik.
Of course the colours are not as they look like, but it’s a first impression. I hardly can put it aside since it’s so much fun to knit.
Zu den Farben: Die hat mir Frau Kaufmann (ehemals Wolle und Design) zusammengestellt, nach meinen Vorgaben. Ich wünschte mir Rot- und Blautöne, insgesamt nicht zu hell. Mit ihrer Auswahl bin ich sehr zufrieden, man soll den Profis eben nicht zu sehr dazwischenquatschen.
About the colours: Ms. Kaufmann (ex Wolle und Design) choose this selection for me, after I told her that I wanted the sweater in blues and reds, not too bright, please. I’m more than satisfied with her choice, it was a good idea not to fiddle around when real professionals are doing their work.
Das Garn lagerte dann erst mal in meinem Stash, bis ich mich traute, den Pullover zu beginnen. Es ist mein zweites großes Fair-Isle-Projekt.
After I received it, I put the yarn in my stash until I had the courage to start knitting. It’s my first big project in stranded knitting.
Der Rücken der Viften-Jacke ist nun auch fertig. Das ging schnell, war abwechslungsreich und machte Spaß. Besonders schön ist das Garn: Artesano 100% Alpaca DK.
The back of the viften cardi is done now. It was a quick knit, not boring at all and brought lots of fun. I really fell for this yarn, it’s Artesano 100% Alpaca DK.
Am 16. Januar 2010 werde ich im Rahmen des VHS-Festes in Farmsen (Hamburg) anwesend sein und auch etwas vorführen.
Das finde ich insofern sehr angenehm, da es ein langer Tag wird und ich so dort nicht nur herumsitzen muss sondern mit meinen Projekten sicherlich ordentlich vorankommen werde, denn ich soll dort nicht nur meine Zeit absitzen, sondern auch zeigen, was ich so tue. Neben dem obligatorischen Stricken (das ich ja an der Volkshochschule unterrichte) werde ich auch mit Handspindeln und Spinnrad zugange sein.
Nun sehe ich, was den grauen Pullover aus Naturwolle angeht, auch wieder etwas klarer: Er wird ganz schlicht, bis auf einen Zopf auf Ärmel und Schultern.
Now I know how I’ll knit the gray sweater. It will be very plain, except one small braid on sleeves and shoulders.
Die Idee stammt aus dem Buch In the Hebrides von Alice Starmore, jedoch stricke ich ihn nicht in Einzelteilen, wie die Anleitung vorsieht (bäääh!), sondern in einem Stück, als Sattelschulterpullover, wie unserer Meisterin aller Pulloverklassen, Ms. Elizabeth Zimmermann, uns lehrte.
The idea comes from the book In the Hebrides by Alice Starmore, but I don’t knit it flat and in pieces, as the instruction suggests, but in the round as saddle shoulder sweater, as the champion of all sweater classes, Ms. Elizabeth Zimmermann, taught us.
Auf dem Bild kann man es schon sehen: Es wird “dies”, mit den im Rohzustand gezeigten Farben, zusammengestellt von der unvergleichlichen Frau Kaufmann.
You can recognize what I chose when having a closer look: I’ll knit “this” first, as seen in the picture with the yarn selected by the unbelievable Mrs. Kaufmann.
Leicht war es nicht, ich schwankte hin und her, aber letztendlich gab das Argument, dass dies Modell “winterlicher” wirke, den Ausschlag. Es ist ja bald Wintersonnenwende (in mancher Hinsicht denke ich doch eher pagan), und da passt das Muster in dieser Farbigkeit doch ganz gut. Außerdem habe ich momentan Lust auf die richtig harte Tour beim Stricken.
It was not an easy decision for me; I was not sure what to do for some days, but finally the lady who called this pattern “more suitable for winter” helped me to decide. It will be winter solstice soon (and I sort of think pagan in many ways), and I think this pattern and these shades will be perfect. Besides this, I like it tough when knitting at the moment.
Herzlichen Dank an alle, die ihre Meinung kundgetan haben, Ihr wart mir eine große Hilfe!
Thanks a lot to all who told me their opinion, you were all very helpful!
Ich habe dieses Jahr an einer Blogwichtelaktion teilgenommen, und dies ist der Beitrag, der mir zugedacht ist. Leider ist mir die Verfasserin (ich gehe mal anhand des Geschriebenen davon aus, dass Du ebenfalls ein weibliches Wesen bist) bisher nicht bekannt.
Das nenne ich mal eine Herausforderung fürs diesjährige Blogwichteln. Ein Strickblog. Also thematisch etwas, was mir ungefähr so vertraut ist wie Perlentaucherei vor Tuvalu.
Ich erinnere mich, dass ich in der Schule den Handarbeitskurs eher skeptisch verfolgt habe, mit Ergebnissen, die man nur sehr wohlwollend und mit einem liebenden Mutterherz als schön bezeichnen konnte. Meine besten Resultate erzielte ich mit einer Strickliesel, allerdings ist man da gestalterisch ja ziemlich limitiert. Was kann man schon mit einer elf Meter langen Strickwurst anfangen? Richtig. Nichts.
Im Teenageralter hatte ich dann die verwegene Idee, mir einen Pullover zu stricken. Wolle war schnell gekauft, passende Stricknadeln auch und selbstverständlich hatte ich eine ganz und gar großartige Vorlage. Die ich vor dem Einkauf hätte lesen sollen, dann hätte ich gleich gemerkt, dass ich ungefähr 70% der in der Vorlage vorausgesetzten Fähigkeiten schlichtweg nicht hatte. Also war kurzfristige Planänderung angesagt, die natürliche Schönheit der Wolle liess auch ein ganz einfaches Muster (rechts, links und irgendwann fallenlassen) zu. Frohgemut ans Werk also. Mit dem Rückenteil ging es auch recht schnell, bis die Ärmelaussparungen dran waren. Ohne die halbprofessionelle Unterstützung meiner Großmutter wäre der Pullover schon an dieser Stelle zum „Unvollendeten“ geworden, sie half mir zumindest über diese erste Klippe weg. Wie es genau dann weiterging, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich Jahre später eine Tüte im Keller fand, in der sich ein fertiges Rückenteil, ein halbfertiges Vorderteil und ein angefangener Ärmel befanden.Da war er, der „Unvollendete“. Und mein Neid auf Menschen, die in Rekordzeit sehr schöne Dinge stricken können, hatte weiter Bestand. Heute weiß ich, dass ich vielleicht mit so etwas Simplem wie einem Schal hätte anfangen können, aber ich wusste es schon damals besser. Dachte ich.
Und nun bekomme ich ein Strick-Blog als Blogwichtel. Der unbekannte Kontinent also. Ein anarchistisches Strickblog dazu. Hat mich etwas beruhigt, weil meine anarchistische Ader ja weltweit bekannt ist. Und gleich der erste Beitrag http://knittinganarchist.de/2009/11/30/stricken-in-den-medien-mal-wieder/ brachte mich an der Stelle „aus der dunklen Nische des autistischen Herumprökelns“ musste ich herzlich lachen und es ging mir gleich besser, weil die Art des Schreibens mir sofort sympathisch war. Im weiteren Verlauf der Blogsichtung schwankte ich zwischen Ehrfurcht und Entsetzen. Ehrfucht vor den Strickmustern und Entsetzen. Vor den Strickmustern. Immer eingedenk der eigenen Versuche. Schon erstaunlich, was man mit Einsatz, Übung und Talent so herstellen kann. Fragte mich sofort: würden mir diese drei Dinge nutzen, wo ich doch absolut hautempfindlich auf fast jede Art von Wolle reagiere? Angora kommt schon deswegen nicht in Frage, weil man diese Angoraflusen gern vor allem im Bereich in und um die Augen wiederfindet. Was mich wahnsinnig macht. Und es juckt. Egal. Zurück zum Thema.
Das Strickblog bietet eine Menge Bilder -scharf- von einer Menge Muster –schwer- und einer Menge fertiger Wunderbarkeiten –beeindruckend-.Und das Ganze dann auch noch des Öfteren zweisprachig.Und schon seit August 2006, ohne dass ich jemals den Weg dahin gefunden hätte.Und dann beim Weiterlesen stelle ich fest: Piratenpartei. Strickanarchistische Piratenpartei-Twitterin. Aus Hamburg. Und so eruiere ich dann, dass man nur genauer lesen muss, um Gemeinsamkeiten zu finden. Würde ich @Jinx_HH mal im realen Leben treffen, könnte gerne gestrickt werden, während wir an der Elbe sitzen und den Tag bei einer Hopfenkaltschale beschließen. Also ich nur sitzen und Kaltschale, sie stricken.
Herzlich gelacht habe ich übrigens auch über die Einblicke in das „Stricken des Grauens“ mit diesem Ergebnis:
Ein Marshmellow-StrickMan! Naja gut, für Profis sind sowas Schaustücke aus dem Souterrain des Geschmacks –eine großartige Formulierung, die ich mir erlaube, bei passender Gelegenheit in mein Blog zu entführen.
Wie auch immer, natürlich gehört auch eine zünftige Google-Recherche zum Thema Stricken dazu.
Gefunden habe ich unter der reißerischen Überschrift „Nackt stricken bei der BBC“ leider nur das hier http://www.ksta.de/html/artikel/1140561296403.shtml , dafür aber auch den gestrickten Maulwurf von Rene Marik. (Anmerkung: Da ich die Rechte an dem Bild nicht habe, kann ich es aus rechtlichen Gründen leider nicht gemäß dem Autorenwunsch einarbeiten. Daher nur der Link. )
Kennen Sie nicht? Da, hier:
Sehen Sie, ich bin schon wieder abgeschweift. Geschwiffen. Habe den Faden verloren. Was nun wieder sehr gut zum Thema passt. Was mir beim Stricken ständig passiert ist. Jinx_HH macht mir hingegen den Eindruck, als wisse sie, was sie tut. Zumindest sehen ihre Werkstücke so aus. Und sie hat mich zum Googlesuchen gebracht, einige Erinnerungen aus meiner nur kurz vom Stricken erhellten Jugend geweckt und ich habe zwischen den Strickpostings auch andere interessante Sachen gefunden. Mich also sehr lange auf dem Blog aufgehalten. Erst habe ich gedacht, oh jemine, was soll ich da schreiben, aber so schwer war es gar nicht. Zwar ein sehr themenlastiges, aber auf keinen Fall einseitiges und schon gar kein langweiliges Wollverarbeitungs-Blog. Ich hatte jedenfalls Spaß bei der vorweihnachtlichen Betrachtung und ich hoffe, mein Blogwichtelbeitrag hat wenigstens ein bißchen Spaß gemacht. Wenn nicht, bin ich zu einem Strafmaß von nicht unter zwei Ärmeln bereit J
Liebe/r Blogwichtelpartner/in: Es ist überhaupt nicht nötig, dass Du eine Strafarbeit in Form zweier Ärmel ableistest, denn Dein Beitrag hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wenn meiner nur halb so gut gefällt, kann ich mehr als zufrieden sein. Ich hoffe doch, wir können uns mal kennenlernen, bei einem Bier und fakultativer Strickerei. Herzlichen Dank jedenfalls für diesen sehr amüsanten Einblick, wie dieses Themenblog auf jemanden wirkt, der meinem liebsten Hobby so gar nichts abgewinnen kann! Es ist mir eine Ehre, diesem wunderbaren Beitrag einen Platz in meinem bescheidenen Blog einräumen zu dürfen!
P.S. für ein 11 Meter lange Strickwurst fiele mir übrigens so einiges ein …
Ich muss gestehen, wir sind dieses Jahr ein wenig weihnachtsmarktgeschädigt. Es ist ja nicht so, dass es in Hamburg keine gäbe, ganz im Gegenteil, in der innersten Innenstadt sind es allein vier. Aber man wünscht sich schon ein wenig mehr Qualität und ein wenig weniger Quantität. Die Märkte sind riesig, krampfhaft einem Motto gewidmet, dem das Angebot bei näherer Betrachtung nicht standhält und so überlaufen, dass die einzig halbwegs erträgliche Zeit, um sie zu besuchen, gegen 11.00 Uhr morgens ist (aber dann, husch, weg, bevor die Mittagspause für die Mitarbeiter in den umliegenden Büros beginnt!). Auch unsere Ausflüge zu alternativen Veranstaltungen hielten nicht, was die Pressemitteilungen bzw. die Ankündigungen auf dem Homepages versprachen. Der Kunsthandwerkermarkt im Freilichtmuseum Kiekeberg war eine trübe Veranstaltung mit einem sehr trüben Angebot, und der “Wüstenzauber” im Museum für Völkerkunde war so unterirdisch, dass ich mich weigerte, darüber in diesem Blog auch nur ein einziges Wort zu verlieren. Eigentlich hatten wir genug von diesem Trash, aber heute war das Wetter schön, sodass man ja doch vielleicht noch mal einen Versuch … kurz gesagt, Mutter Jinx und ich fuhren nach Stade.
Stade ist zu jeder Jahreszeit wunderschön, und der Weihnachtsmarkt ist nichts besonderes (wenigstens tun sie nicht so, als wären sie im Mittelalter und reden einen mit “Holde Frouwe” oder so einem Quatsch an), aber nett. Und das im besten Wortsinn. Wenig Tand, viele Fressalien, sehr lecker und für uns, die wir an Hamburger Spitzenpreise gewohnt sind, ein verhältnismäßig günstiges Vergnügen vor wunderschöner Kulisse, die man noch dazu völlig gebührenfrei genießen kann. Da wir recht früh vor Ort waren, entgingen wir der Stampede der Weihnachtswütigen und wandelten entspannt durch die alten Gassen. Neben dem vernünftigen Angebot (ich erstand zwei Schafwollsockenpaare sowie ein paar Süßigkeiten für Herrn Jinx und mich) bestach der Markt dadurch, dass man nicht fünf Buden auf einen Raum quetscht, wo eigentlich maximal drei stehen sollten: Die Platzierung der Verkaufsstellen ist locker, und auch das macht den Bummel so entspannt. Nach der obligatorischen Wurst nebst dem ebenso obligatorischen Glühwein kehrten wir zum Kaffeetrinken ein, wobei mein Stader Stammcafe leider voll war, aber die Alternativlocation war auch sehr angenehm, und der Kuchen auch hier selbstgebacken.
Das Stammcafe – diesmal leider nicht. Bis zum Frühjahr dann!
Hamburger pflegen ja ein wenig auf die Städte im Umland herabzusehen, aber bei meinen Besuchen in Stade wurde ich bisher immer positiv überrascht – von der Atmosphäre, den reizenden Gastronomiebetrieben, den Preisen, den interessanten Geschäften und nun auch vom Weihnachtsmarkt. Die können doch alle denken, was sie wollen – Ich schwöre auf Stade!