December 23, 2009 - ו' טבת תש"ע
Fair-Isle: Tipps und Tricks
Posted by Jinx under Fair Isle / Stranded , Techniken / Techniques[7] Comments
Ich habe einige Mails bekommen von StrickerInnen, die sich an diese Technik nicht herantrauen. Dabei ist es eigentlich ganz einfach, wenn man ein paar Dinge beachtet.
Was im Deutschen landläufig als Fair-Isle bezeichnet wird, ist korrekterweise ausschließlich auf Strickstücke bezogen, die von der gleichnamigen Insel stammen und die traditionellen Muster aufweisen. Die Technik selbst, die auch modern umgesetzt werden kann heißt im Englischen “stranded knitting”.
Fadenspannung
Dies ist der erste und wichtigste Punkt beim Stricken in Fair-Isle-Technik . Sie kann man gut an einem kleinen Projekt üben. Traditionell wird beidhändig gestrickt, d. h. jede Hand führt einen Faden. Der linke wird “kontinental” gestrickt, wie wir Mitteleuropäer dies allgemein zu tun pflegen, der rechte wird über die Nadel geworfen. Dies ist zu Anfang nicht ganz einfach, doch für die meisten ist es Übungssache. Ein hervorragendes Video in deutscher Sprache, auf das man gar nicht oft genug hinweisen kann, findet man hier (Damit habe ich es gelernt). Hilfreich ist das Verweben der Fäden auf der Rückseite. Dies ist vor allem bei modernen Neuschöpfungen notwendig, bei denen eine Farbe über mehr als fünf (oder sogar mehr als zehn) Maschen hinweg auf der Rückseite entlanggeführt wird. Die Abstände, in denen man die Fäden einweben will, sollte man selbst herausfinden. Ich stricke maximal drei Maschen ohne Einweben, manche stricken fünf.
Wer sich mit dieser Methode hartnäckig so gar nicht anfreunden kann, der kann beide Fäden über dem linken Zeigefinger führen oder sich eines handelsüblichen Strickfingerhuts bedienen.
Projektauswahl
Es gibt einfachere und kompliziertere Muster. Erstere sind übersichtlich, kleinteilig und meist geometrisch, während kompliziertere eher großflächig, unübersichtlicher und teilweise asymetrisch sind (Beispiel). Erstere sind eingängiger und erlauben, sich auf die korrekte Ausführung der Technik zu konzentrieren (Beispiel). Für das Stricken selbst gilt jedoch, dass das Muster Reihe für Reihe abgearbeitet wird. Das Ergebnis, die konkrete Form wird abstrahiert und quasi in horizontale Streifen zerlegt. Letztendlich ist das Muster beim Stricken zweitrangig, da es erst durch den Fortschritt sichtbar wird.
Farbwahl
Die Wahl der Farben ist ausgesprochen wichtig, da zu geringe Kontraste oder zu große Ähnlichkeit von Motiv- und Hintergrundfarbe zu einem optischen Chaos führt und das Muster bis zur Unkenntlichkeit verschwimmen lassen können. Ein solches Durcheinander ist einem guten Fair-Isle-Strickstück abträglich; es zeichnet sich immer dadurch aus, dass das Muster deutlich hervortritt, selbst wenn man sich dafür entscheidet, Ton-in-Ton zu stricken.
Möglich ist prinzipiell alles, über reine Naturtöne (direkt vom Schaf, sozusagen) über Pastelltöne bis hin zu kräftigen Farben. Traditionelle Fair-Isle-Pullover weisen eher helle, kontrastierende Schattierungen auf, moderne Kreationen unterliegen diesen Beschränkungen nicht. Sehr wichtig bei vielfarbigen Projekten ist, dass mindestens eine Farbe vorkommt, die man mit den anderen zusammen als disharmonisch empfindet, da das Gestrick sonst meist langweilig und spannungslos wirkt (dies gilt nicht für Projekte, die lediglich in zwei Farben ausgeführt werden). Meiner Erfahrung nach wirkt das Gestrick am besten, wenn eine Farbe dabei ist, in der man nicht mal beerdigt werden möchte und die als Knäul neben den übrigen unpassend wirkt (kein Witz! Falls Ihr das Bedürfnis habt, das Knäul mit spitzen Fingern aufzunehmen und aus dem Fenster zu werfen, seid Ihr auf dem richtigen Weg). Verstrickt fügen sich diese Farben meist harmonisch ein und sorgen für interessante Kontraste, die das Gestrick erst lebendig machen. Am einfachsten ist es, einer Auswahl von kalten Farben eine warme hinzuzufügen (oder umgekehrt). Ebenso wichtig ist, auf harmonische Kontraste und Hell-Dunkel-Effekte zu achten. Man sollte immer das Gesamtbild visualisieren und nicht einfach Farben zusammenstellen, die einem einzeln zusagen.
Die grafische Darstellung
Die ist nicht immer, was sie sein sollte. Manchmal briefmarkengroß, manchmal knallbunt und oft rein schwarzweiß mit unterschiedlichen Symbolen für die verschiedenen Farben, was in der Praxis kaum zu bewältigen ist. Da hilft nur mittels Farbkopie vergrößern oder umzeichnen. Beim Umzeichnen genügen übrigens zwei Farben, eine für die Hintergrund- und eine für die Kontrastfarbe (oder hat wer gerade acht gut unterscheidbare Blautöne da?); Farbwechsel kann man am Rand markieren.
Die Übersicht behalten
Bei grafischen, klar voneinander abgegrenzten Mustersätzen ist das einfach, bei komplizierteren, die ineinander wabern … nicht ganz so. Hilfreich ist, die einzelnen Mustersätze horizontal voneinander mittels Maschenmarkierern zu trennen. Wenn man sich verstrickt, merkt man dasmeist zum Ende des Mustersatzes und muss nicht über 300 Maschen anhand der Grafik überprüfen.
Steeking
Neben der Fadenspannung hält diese Technik, bei der das in Runden angefertigte Gestrick schließlich aufgeschnitten wird, die meisten Leute davon ab, sich an einem Fair-Isle-Projekt zu versuchen. Die Ängste sind nicht gerechtfertigt, vorausgesetzt man wählt das richtige Material (rauere Wollqualitäten, keine Superwash-Ausrüstung, keine oder nur geringe Kunstfaser-, Baumwoll- oder Seidenbeimischung). Wenn man die zahlreichen detaillierten Anleitungen befolgt, die es im Internet gibt, kann nichts schiefgehen (ehrlich nicht!). Steeks werden durch Häkeln, Nähen (mit der Nähmaschine) oder gar nicht befestigt. Wer einmal ein Strickstück aufgeschnitten hat, wird es skrupellos immer wieder tun; es hat sogar etwas lustvoll-anarchistisches. Wer sich wirklich nicht traut oder z. B. reine, rauere Wolle nicht gut verträgt, sodass er auf andere Materialien zurückgreifen muss, kann auch Raglanschnitte oder Pullover/Jacken mit Rundpasse in einem Stück stricken. Socken, Handschuhe und Mützen werden ebenfalls nicht aufgeschnitten.
(Anmerkung: Es gibt Stricker, die Gestrick aus jedem möglichen und unmöglichen Material aufschneiden, dessen Schnittkanten sie zuvor mit der Nähmaschine befestigt haben. Da ich Wolle bevorzuge, kann ich keine eigenen Erfahrungen beisteuern)
Elastizität und Fertigstellung
Fair-Isle-Gestrick ist unelastisch, was durch die Technik bedingt ist. Daher ist es notwendig, Bündchen mit kleineren Nadeln und sehr fest zu stricken und nach Fertigstellung dieser Partie Maschen zuzunehmen. Gerade bei Mützen oder Handschuhen ist die mangelnde Elastizität zu berücksichtigen.
Bei häufigen Farbwechseln ergeben sich entsprechend viele Fäden. Diese müssen bei den traditionell verwendeten Garnqualitäten nicht vernäht werden; die Wolle filzt sich durch Waschen und Tragen zusammen, sodass es genügt, die Fäden zu verknoten und kurz abzuschneiden (wer sich bemüßigt fühlt, die Fäden zu vernähen, kann das natürlich tun. Bei der Verwendung anderer Materialien kann dies notwendig sein).
Unabdingbar für die Fertigstellung ist das Waschen und Spannen des Strickstücks. Dies gilt besonders für Pullover und Jacken. Es sorgt für ein regelmäßiges Maschenbild und die endgültige Passform.
Eine kleine Zusammenstellung entsprechender Literatur findet sich hier.
December 23, 2009 - ו' טבת תש"ע at 12:18 pm
Baumwolle kann man auch steeken, wichtig ist dann daß man vorher mit der Nähmaschine rangeht (notfalls auch von Hand)
LG Steffi
[Reply]
Jinx Reply:
December 23, 2009 - ו' טבת תש"ע at 12:21 pm
Äh, das hab ich doch geschrieben?
Viele Grüße
Jinx
[Reply]
December 23, 2009 - ו' טבת תש"ע at 6:52 pm
Liebe Anne,
danke für diese ausführlichen Infos. Wenn Du so weitermachst, komme ich doch noch auf die Idee, statt Löchern lieber Farbe zu stricken….;-))
Liebe Grüße
Andrea
[Reply]
December 23, 2009 - ו' טבת תש"ע at 8:52 pm
Hallo Jinx,
vielen Dank für deine umfassenden Erklärungen zusammen mit den kommentierten Literaturtipps. Meine Stricklust auf Fair-Isle ist geweckt.
Viele Grüße, Ferula
[Reply]
December 24, 2009 - ז' טבת תש"ע at 12:06 am
[...] Nun rattern natürlich die Strickzellen im Kopf. Was mir sehr entgegen kommt: die Wollqualität ist eine 75/25iger Sockenwolle. Ganz verwegen dachte ich sofort an Overknees und am besten mit einem Fair Isle Muster (Dazu gibt es ganz aktuell übrigens einen sehr informativen Artikel bei Jinx). [...]
December 25, 2009 - ח' טבת תש"ע at 8:35 pm
Hallo Jinx,
kennst du schon dieses nagel-neue Buch “The New Stranded Colorwork” von Mary Scott Huff? Und wenn ja, wie bewertest du es?
Viele Grüße, Ferula
[Reply]
Jinx Reply:
December 25, 2009 - ח' טבת תש"ע at 8:49 pm
Dazu kann ich nichts sagen, da ich es nicht besitze. Mir haben die Modelle nicht so zugesagt.
Viele Grüße
Jinx
[Reply]