Ich habe dieses Jahr an einer Blogwichtelaktion teilgenommen, und dies ist der Beitrag, der mir zugedacht ist. Leider ist mir die Verfasserin (ich gehe mal anhand des Geschriebenen davon aus, dass Du ebenfalls ein weibliches Wesen bist) bisher nicht bekannt.

Das nenne ich mal eine Herausforderung fürs diesjährige Blogwichteln. Ein Strickblog. Also thematisch etwas, was mir ungefähr so vertraut ist wie Perlentaucherei vor Tuvalu.

Ich erinnere mich, dass ich in der Schule den Handarbeitskurs eher skeptisch verfolgt habe, mit Ergebnissen, die man nur sehr wohlwollend und mit einem liebenden Mutterherz als schön bezeichnen konnte. Meine besten Resultate erzielte ich mit einer Strickliesel, allerdings ist man da gestalterisch ja ziemlich limitiert. Was kann man schon mit einer elf Meter langen Strickwurst anfangen? Richtig. Nichts.

Im Teenageralter hatte ich dann die verwegene Idee, mir einen Pullover zu stricken. Wolle war schnell gekauft, passende Stricknadeln auch und selbstverständlich hatte ich eine ganz und gar großartige Vorlage. Die ich vor dem Einkauf hätte lesen sollen, dann hätte ich gleich gemerkt, dass ich ungefähr 70% der in der Vorlage vorausgesetzten Fähigkeiten schlichtweg nicht hatte. Also war kurzfristige Planänderung angesagt, die natürliche Schönheit der Wolle liess auch ein ganz einfaches Muster (rechts, links und irgendwann fallenlassen) zu. Frohgemut ans Werk also. Mit dem Rückenteil ging es auch recht schnell, bis die Ärmelaussparungen dran waren. Ohne die halbprofessionelle Unterstützung meiner Großmutter wäre der Pullover schon an dieser Stelle zum „Unvollendeten“ geworden, sie half mir zumindest über diese erste Klippe weg. Wie es genau dann weiterging, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich Jahre später eine Tüte im Keller fand, in der sich ein fertiges Rückenteil, ein halbfertiges Vorderteil und ein angefangener Ärmel befanden. Da war er, der „Unvollendete“. Und mein Neid auf Menschen, die in Rekordzeit sehr schöne Dinge stricken können, hatte weiter Bestand. Heute weiß ich, dass ich vielleicht mit so etwas Simplem wie einem Schal hätte anfangen können, aber ich wusste es schon damals besser. Dachte ich.

Und nun bekomme ich ein Strick-Blog als Blogwichtel. Der unbekannte Kontinent also. Ein anarchistisches Strickblog dazu. Hat mich etwas beruhigt, weil meine anarchistische Ader ja weltweit bekannt ist. Und gleich der erste Beitrag http://knittinganarchist.de/2009/11/30/stricken-in-den-medien-mal-wieder/ brachte mich an der Stelle „aus der dunklen Nische des autistischen Herumprökelns“ musste ich herzlich lachen und es ging mir gleich besser, weil die Art des Schreibens mir sofort sympathisch war. Im weiteren Verlauf der Blogsichtung schwankte ich zwischen Ehrfurcht und Entsetzen. Ehrfucht vor den Strickmustern und Entsetzen. Vor den Strickmustern. Immer eingedenk der eigenen Versuche. Schon erstaunlich, was man mit Einsatz, Übung und Talent so herstellen kann. Fragte mich sofort: würden mir diese drei Dinge nutzen, wo ich doch absolut hautempfindlich auf fast jede Art von Wolle reagiere? Angora kommt schon deswegen nicht in Frage, weil man diese Angoraflusen gern vor allem im Bereich in und um die Augen wiederfindet. Was mich wahnsinnig macht. Und es juckt. Egal. Zurück zum Thema.

Das Strickblog bietet eine Menge Bilder -scharf- von einer Menge Muster –schwer- und einer Menge fertiger Wunderbarkeiten –beeindruckend-. Und das Ganze dann auch noch des Öfteren zweisprachig. Und schon seit August 2006, ohne dass ich jemals den Weg dahin gefunden hätte. Und dann beim Weiterlesen stelle ich fest: Piratenpartei. Strickanarchistische Piratenpartei-Twitterin. Aus Hamburg. Und so eruiere ich dann, dass man nur genauer lesen muss, um Gemeinsamkeiten zu finden. Würde ich @Jinx_HH mal im realen Leben treffen, könnte gerne gestrickt werden, während wir an der Elbe sitzen und den Tag bei einer Hopfenkaltschale beschließen. Also ich nur sitzen und Kaltschale, sie stricken.

Herzlich gelacht habe ich übrigens auch über die Einblicke in das „Stricken des Grauens“ mit diesem Ergebnis:

Ein Marshmellow-StrickMan! Naja gut, für Profis sind sowas Schaustücke aus dem Souterrain des Geschmacks –eine großartige Formulierung, die ich mir erlaube, bei passender Gelegenheit in mein Blog zu entführen.

Wie auch immer, natürlich gehört auch eine zünftige Google-Recherche zum Thema Stricken dazu.

Gefunden habe ich unter der reißerischen Überschrift „Nackt stricken bei der BBC“ leider nur das hier http://www.ksta.de/html/artikel/1140561296403.shtml , dafür aber auch den gestrickten Maulwurf von Rene Marik. (Anmerkung: Da ich die Rechte an dem Bild nicht habe, kann ich es aus rechtlichen Gründen leider nicht gemäß dem Autorenwunsch einarbeiten. Daher nur der Link. :( )

Kennen Sie nicht? Da, hier:

Sehen Sie, ich bin schon wieder abgeschweift. Geschwiffen. Habe den Faden verloren. Was nun wieder sehr gut zum Thema passt. Was mir beim Stricken ständig passiert ist. Jinx_HH macht mir hingegen den Eindruck, als wisse sie, was sie tut. Zumindest sehen ihre Werkstücke so aus. Und sie hat mich zum Googlesuchen gebracht, einige Erinnerungen aus meiner nur kurz vom Stricken erhellten Jugend geweckt und ich habe zwischen den Strickpostings auch andere interessante Sachen gefunden. Mich also sehr lange auf dem Blog aufgehalten. Erst habe ich gedacht, oh jemine, was soll ich da schreiben, aber so schwer war es gar nicht. Zwar ein sehr themenlastiges, aber auf keinen Fall einseitiges und schon gar kein langweiliges Wollverarbeitungs-Blog. Ich hatte jedenfalls Spaß bei der vorweihnachtlichen Betrachtung und ich hoffe, mein Blogwichtelbeitrag hat wenigstens ein bißchen Spaß gemacht. Wenn nicht, bin ich zu einem Strafmaß von nicht unter zwei Ärmeln bereit J

Liebe/r Blogwichtelpartner/in: Es ist überhaupt nicht nötig, dass Du eine Strafarbeit in Form zweier Ärmel ableistest, denn Dein Beitrag hat mir sehr viel Spaß gemacht. Wenn meiner nur halb so gut gefällt, kann ich mehr als zufrieden sein. Ich hoffe doch, wir können uns mal kennenlernen, bei einem Bier und fakultativer Strickerei. :D Herzlichen Dank jedenfalls für diesen sehr amüsanten Einblick, wie dieses Themenblog auf jemanden wirkt, der meinem liebsten Hobby so gar nichts abgewinnen kann! :D Es ist mir eine Ehre, diesem wunderbaren Beitrag einen Platz in meinem bescheidenen Blog einräumen zu dürfen!

P.S. für ein 11 Meter lange Strickwurst fiele mir übrigens so einiges ein …