November 1, 2009 - י"ד חשון תש"ע


Wer sich im Internet mit seinem Gestricke präsentiert, weiß auch, dass die Medien das entdeckt haben … leider. In regelmäßigen Abständen melden sich Journalisten, die das Stricken als Thema auch entdeckt haben und unbedingt darüber schreiben oder sprechen wollen, im unidealsten Fall mit StrickerInnen aus der freien Wildbahn. So erfahren wir aus den Medien, dass Stricken “voll im Trend ist”, das neue Yoga sogar, und dass auch Prominente wie Julia Roberts stricken. Aha.

Wer einen gut besuchten Blog hat und vielleicht noch ein Stricktreffen dort erwähnt, bekommt recht häufig solche Anfragen. Erstaunlicherweise tun die lieben Leute immer so, als würden sie der Strickwelt im Allgemeinen und uns im Besonderen einen Riesengefallen tun, wenn sie uns aus der dunklen Nische des autistischen Herumprökelns ins strahlende Licht des Fünf-Minuten-Ruhms hervorzerren. Die Story ist da meist schon fertig, bevor die erste Frage gestellt wurde: Mir wurden Reportagen unter den folgenden Headlines angetragen: “Frauengruppen”, “Das neue Wir-Gefühl”, “Stricken – voll im Trend”, “Die neue Lust am Selbermachen”, “Handarbeiten in der Krise”. Identifizieren kann ich mich mit keiner dieser Schlagzeilen. Wir sind vom Selbstverständnis her keine Frauengruppe und heißen auch strickende Männer willkommen, das Wir-Gefühl bei unserem sehr informellen Stricktreff ist nicht so wahnsinnig groß, ich fühle mich mit 43 nicht bemüßigt, jedem Trend hinterherzulaufen, das Selbermachen macht mir nur sehr begrenzt Spaß (die meisten Techniken beherrsche ich gar nicht), und ja, ich habe vor der Krise auch schon gestrickt (wer die Garnpreise kennt, wird die letzte Headline sehr bizarr finden).

Wenn man dann kein Interesse hat, sich öffentlich zu produzieren, reichen die Reaktionen von gelindem Unverständnis bis hin zu “aber Ihr Stricktreff könnte so bekannt werden”. Danke, ich verzichte. Wer den Stricktreff finden will, wird ihn finden, und mehr Bekanntheit schadet nur, da wir am Rande der Kapazität sind mit über 20 TeilnehmerInnen. Außerdem verwechselt man mich anscheinend mit den Leuten, die im Fernsehen sehr eigenartige Dinge tun, um bekannt zu werden. Kurz gesagt, ich freue mich nicht ganz doll, wenn jemand mir Öffentlichkeit verschaffen will, denn mein Blog ist bereits öffentlich, und als Mitglied des Presseteams einer Kleinpartei bin ich exponiert genug, herzlichen Dank.

Der letzte, mit dem ich sprach, war ein Herr von der FAZ. Der stellte fest, dass ich zu dem, was er über das Thema Basteln & Werken schreiben wollte, nicht recht passte, aber er hörte aufmerksam zu und brachte mich trotzdem irgendwie unter, auf eine Art und Weise, in der ich mich sogar irgendwie wiederfand, wenn auch das Motto des Artikels nicht passte (nachzulesen hier). Damit konnte ich leben.

Nun fand ich diesen Artikel, den ich nur als recycled bezeichnen kann. Geredet habe ich mit denen nicht, hätte ich auch nicht, unter diesem Motto. Und herausfinden, dass ich mehrere tausend Besucher pro Tag habe, kann man auch so, allerdings möchte ich in diesem Kontext nicht erscheinen, nicht mal mit einer einfachen Nennung meines Blogs. Es scheint diesen Leuten unvorstellbar zu sein, dass man einfach etwas mit der Hand tut, weil es Spaß macht. Dass wir nicht alle in unserer Freizeit vor dem Fernseher veröden oder das Fitness- oder Sonnenstudio belagern, muss enorm befremdlich sein.

Wir leben in einer Gesellschaft, in der die meisten Menschen ihre Freizeit damit verbringen, das zu tun, was die Industrie ihnen vorgibt, und das, ohne groß etwas lernen zu müssen (Malen nach Zahlen in unendlicher Variation). Man scheint davon auszugehen, dass die Menschen ein einfach zu erreichendes Endziel wünschen, das beliebig reproduzierbar ist, zumindest in dem, was sich so im Kreativbereich findet. Das heißt, wenn meine Nachbarin und ich dieselbe Bastelpackung kaufen, haben wir auch dasselbe Ergebnis, und niemand muss sich schlecht fühlen, weil seins nicht so gelungen ist. Das ist bei anspruchsvollen Handwerksarbeiten anders, und das scheint enormes Aufsehen zu verursachen in einer Welt, in der mehr konsumiert als kreativ geschaffen wird.

Nun ist es mir egal, was irgendwelche Medienonkel und -tanten von dem, was ich tue, halten. Ich finde es nur ermüdend, immer mit der geballten Klischeeladung konfrontiert zu werden. Faserverarbeitung ist ein unendlich weites und sehr interessantes Feld. Ein Leben reicht nicht, um es auszuloten, und die Herangehensweise ist sehr vielfältig und bei jedem anders. Das große Erstaunen (“warum machen Sie das denn?”) ist unangebracht und wäre eher bei Menschen angemessen, die eine 40-Stunden-Woche vor dem Fernseher verbringen, wöchentlich ihr Auto waschen, sich regelmäßig ins Koma saufen oder ihren Zweitwohnsitz im Fitnessstudio haben. Aber nicht bei denen, die ihr Leben dadurch bereichern, dass sie etwas tun, was tatsächlich ein eigenständiges Ergebnis bringt.

Falls also mal jemand kommt, der wirklich Interesse hat an dem, was ich mache und nicht an dem, was er glaubt, dass ich tue, werde ich es mir überlegen, ob ich mit dem rede. Ansonsten: eher nicht.

Ich habe mich dieses Jahr zum Blogwichteln angemeldet. Das funktioniert so, dass man einen Blogbeitrag für jemanden schreibt, und selbst ebenfalls ein Post für seinen Blog erhält. Der Fremdbeitrag sollte dem Bewichtelten natürlich gefallen, das heißt: Man muss sich Mühe geben.

Das Ganze hat mit der Strickszene im Internet überhaupt nichts zu tun, gefunden habe ich die Aktion über Twitter.

Heute war die Verlosung, und ich habe soeben den besucht, den ich bewichteln bzw. bedichten soll. Es ist ein thematisch vielfältiges Blog, bei dem es viele Dinge gibt, über die man schreiben kann. Ich habe also die Qual der Wahl.

Der oder die, der für mich einen Beitrag verfassen darf, tut mir jetzt schon leid, denn hier geht es zwar nicht völlig monothematisch zu, aber der Schock dürfte trotzdem tiefsitzen. ;)

Mein erster richtiger Versuch in der Nalbinding-Technik (natürlich mit einer Nadel aus meinem Lieblingsmaterial Knochen).

My first real attempt in Nalbinding, of course I used a needle made of my favourite material: bone.

Strickt ihr am liebsten vor dem Fernseher, Radio? Oder mit Musik (cd) evtl. bei einem Hörbuch, in Gesellschaft oder ganz in Ruhe?

Das kommt darauf an, was ich stricke, meist ist es mir egal, denn ich stricke überall gerne.

Morgen, 24. November 2009, treffen wir uns wieder zum gemeinsamen Stricken und Schnacken. Weitere Informationen zum Wann und Wo gibt es hier.

Tomorrow, November 24, 2009 we will meet again for knitting and chatting. Please view this page for details.

Bevor es zu Unmutskundgebungen kommt, habe ich heute die lil’ entrelac bags gefilzt. Dies sind sie also, die Kleinen, die nun zum Trocknen ausliegen. Sie sehen schon sehr vielversprechend aus. :D

Before my dear readers start expressing their discontent, I felted the lil’ entrelac bags today. Here they are, after felting. Currently they’re drying and look rather promising.

Dieses Foto ist eine Momentaufnahme des Filzprozesses, der auf diese Weise genau kontrolliert werden kann.

This is a picture of the felting process which can be controlled exactly if done by hand.

Und weil’s so schön war: Hier das Foto mit allen Säckchen – vor dem Filzen.

Because it was real fun to knit: This is a picture showing all lil’ entrelac bags – before felting.

Ja, ich weiß, es ist furchtbar, aber es hilft nichts. Diese Wolle ist praktisch unfotografierbar, und außerdem ist das Muster bei künstlichem Licht praktisch nicht zu stricken. Daher wachsen die Ärmel auch nicht so schnell, wie sie es eigentlich könnten. Ich leide also beim Stricken, und meine LeserInnen leiden beim Betrachten von Fotos, bei denen man nur Umrisse sieht, aber da kann man nichts machen. Wie auch immer, der erste Ärmel ist fertig, und das Ende ist somit absehbar.

Yes, I know, it’s not a pleasure to see pictures of this sweater. It’s almost impossible to take a proper photo of this yarn indoors, and it’s not possible at all to knit this pattern without daylight. Therefore the sleeves don’t grow as fast as they could. However, the first sleeve is done, and the end is near.

Nur ein Versuch

Just an attempt

Wie verhältst Du Dich, wenn Dich kurz vor Weihnachten die totale Strick- und Häkelunlust überfällt, Du aber noch jede Menge angefangene Projekte herumliegen hast, die eigentlich noch als Weihnachtsgeschenk fertig werden sollen?

Ich denke, ich würde zumindest teilweise umdisponieren und mir etwas anderes ausdenken.

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