Eigentlich wollte ich über die Demo Freiheit statt Angst nichts in diesem Blog berichten, aber mein politischer ist noch nicht fertig, und die Berichterstattung der Öffentlich-Rechtlichen geht mehr in Richtung ignorieren. Also tu ich’s doch.

Initiiert wurde die Demo von der AK Vorrat und anderen überparteilichen Organisationen, die sich für die immer schwieriger werdende Erhaltung von Bürgerrechten einsetzen. Parteien waren als Teilnehmer ebenfalls zugelassen.

Herr Jinx und ich fuhren also gestern mit dem Frühbus nach Berlin. Die Fahrt war unbequem, aber wir wurden durch herrliches Wetter entschädigt und begaben uns zum Potsdamer Platz, wo die Auftaktkundgebung stattfand und der Demonstrationszug beginnen sollte. Wir waren für die Piratenpartei da, und deren Landesverband Niedersachsen hatte einen echten Love-Parade-Truck angemietet, der nebst Techno-DJ im Demonstrationszug mitfahren würde. Der Truck ist doppelstöckig und 25 Meter lang. Und ich hatte sogar einen Platz auf dem Truck ergattert. Das freute mich besonders, da ich es leider nie zur Love Parade nach Berlin geschafft hatte (mich schreckten immer 1 MIllion Menschen und kein Klo weit und breit …).

Wie auch immer. vor dem Demonstrationszug kommt immer die Kundgebung und das Sich-die-Beine-in-den Bauch-stehen. Zu Wort kamen parteilose Redner der Gewerkschaften und Bürgerrechtsorganisationen.

Leider kann man bei manchen der Pressefotos leicht den Eindruck bekommen, dass nur ein paar Leute da waren, aber dem war nicht so: Der Potsamer Platz bei der Auftaktkundgebung:

Und das ist nur ein Teil der Leute, es waren zu viele, als dass ich sie von meinem Standpunkt aus aufnehmen konnte.

Der Potsdamer Platz war nämlich zu klein für alle.

Ich muss schon sagen, die Aktion mit dem Truck hatte etwas Maßloses an sich, vor allem war sie eine Demonstration für sich: Nämlich dass man beim Demonstrieren auch Spaß haben kann, sowohl auf, als auch neben dem Truck, oder als Zuschauer.

Zumindest bei dieser Demo war der Bundestag im Reichstag nicht das Ziel, aber man konnte ihn zumindest sehen. ;)

Jens Seipenbusch, der Käpt’n (natürlich auf dem Flaggschiff – äh – Truck).

Hamburger waren auch da.

Am Holocaust-Mahnmal vorbei

Es hat schon was, unter den Linden entlangzuraven. ;)

Auf diesem Foto habe ich Herrn Jinx entdeckt! :D

Abschlusskundgebung (wieder am Potsdamer Platz) mit Rednern, Musik und Datenkrake (vorne in der Menge).

Meine Bilder sind leider etwas einseitig, was daran liegt, dass man nicht überall zugleich sein kann – es waren von den Parteien noch Bündnis90/die Grünen, die Linke und die FDP vertreten. Doch die bekam ich einfach nicht ins Bild, so viele Menschen waren dort. Vor allem waren viele parteilose Leute da, die für die unterschiedlichen Bürgerrechtsbewegungen (Ak Vorrat, AK Zensur, Humanistische Union etc.) demonstrierten, natürlich auch der Chaso Computer Club und auch solche, die einfach der Sache wegen mitkamen.

Es war alles in allem eine sehr beeindruckende, friedliche Demo – die leider allerdings nicht ohne Zwischenfälle ablief.

Tja, in diesen Zeiten funktioniert die Überwachung nicht nur in eine Richtung, aber wir sind besser, was die virale Verbreitung angeht.

Das Fazit stammt von Herrn Jinx: Die Grundrechte werden mit dicken Füßen verteidigt.

Jetzt brauche ich nur noch jemanden, der mir erklärt, warum manche Männer in (teilweise sehr knappen) Unterhosen am Fenster stehen.