Leider war der Aufenthalt auf Skye viel zu kurz, und am 19. hieß es: Abfahrt Richtung Endinburgh, wo wir übernachteten, bevor wir am 20. zu nachtschlafender Zeit (also um 6.20) in Richtung Heimat abflogen.

Da es in Schottland sowieso kaum Autobahnen gibt, beschlossen wir, einen Abstecher in Richtung Inverness, nach Culloden, zu machen und dort das Schlachtfeld zu besichtigen, wo 1746 eine Schlacht zwischen den Regierungstruppen und den Jakobiten stattfand. Die Schotten verloren, und dies beendete den Traum von einem unabhängigen Schottland und führte (durch darauf folgende Repressalien) auch zum Untergang der traditionellen schottischen Kultur der Highlands.

Zunächst gurkten wir durch Inverness, was nicht ganz einfach war. Inverness ist zwar klein, aber auch unübersichtlich, vor allem, da es zwar haufenweise Hinweisschilder zu irgendwelchen Kleinstkäffern gibt, aber die großen Richtungen nicht angezeigt werden. Als wir schon aufgeben wollten, entdeckten wir endlich das Schild, das uns den Weg nach Culloden wies.

Culloden ist eine teilweise sumpfige Heidefläche, die heute Gedenkstätte ist. Angeschlossen ist ein modernes Besucherzentrum, wo man über die Schlacht und ihre Folgen informiert wird. Der Bau ist schlicht und fügt sich in die raue Landschaft ein.

Das Gebäude wurde in funktionalem Stil aus lokalen Materialien errichtet. Leider reichte unsere Zeit nicht, uns die Ausstellung anzusehen.

Die eigentliche Gedenkstätte ist ebenso schlicht. Es gibt ein zentrales Mahnmal in Form eines traditionellen keltischen Cairns.

Man sieht, dass Schotten bis heute dieses für sie so tragischen Ereignisses gedenken: Blumen und Kränze sind an der Platte mit der Inschrift abgelegt.

Neben diesem Denkmal gibt es schlichte Steine, die die Stellen markieren, an denen die Kämpfer der Clans auf die Regierungstruppen trafen.

Auch hier werden Blumen abgelegt.

Schlichte Steine in ursprünglicher Landschaft

Remembering the MacGillivray:

Dies ist der einzige Gedenkstein, der einer Person gewidmet ist.

Der Weg vom Parkplatz zum Schlachtfeld ist mit Platten gepflastert, auf denen Schotten aus aller Welt ihre Hingabe an ihre Heimat zum Ausdruck bringen. Nach der Schlacht von Culloden wurde das traditionelle Clanwesen durch die Briten abgeschafft, was zu einer für die Bewohner der Highlands desaströsen Boden- und Besitzreform führte. Zahlreiche Schotten entzogen sich dem (und der Verfolgung) durch Auswanderung. Diese Emigration hielt bis weit ins 19. Jahrhundert an. Ziele waren vor allem die USA, Kanada, Neuseeland und Australien. Eine Entvölkerung der Highlands war die Folge, sodass heute mehr Schotten im Ausland leben als in Schottland selbst.

Auch Clans haben sich hier verewigt.

Culloden ist ein sehr schottischer Ort, nicht nur in historischer Hinsicht. Der Gedenkstätte fehlt die unmittelbare Verherrlichung von Heldentum, die britischen Örtlichkeiten dieser Art eigen ist. Gerade die Abwesenheit von Heroisierung durch aufwändige Denkmäler uns sonstiges Tschingerassabum macht den Besuch hier so unvergesslich.

Nicht nur die oben gezeigten Tafeln beweisen, dass die Schotten Culloden nicht vergessen haben (und auch in Zukunft nicht gewillt sind, das zu tun), sondern auch die Gedenkfeiern, bei denen Vertreter der Clans regelmäßig aus aller Welt anreisen, um mit Kilt, Tartan, Dudelsäcken und Flaggen an die Schlacht von Culloden zu erinnern – also mit all den Merkmalen der schottischen Kultur der Highlands, die nach Culloden von den Briten verboten wurden.

Nach diesem Besuch fuhren wir über eine sehr komfortable Straße in Richtung Perth und Edinburgh. Wir machten Station in einem ganz bezaubernden Ort namens Pitlochry. Dort aß ich noch einmal Haggis, weil es so schön war.

Und ja, wirklich, ich finde es total lecker. :D (Herr Jinx findet allerdings, dass es aussieht wie Moppelkotze)

Nach einem nächtlichen Rundgang im phantastischen Edinburgh nebst dem obligatorischen Pubbesuch flogen wir am nächsten Morgen zurück nach Deutschland. Es war schon ein Kulturschock, nach den menschenleeren und schafreichen Highlands wieder in Hamburg zu sein, und ein Teil von mir ist immer noch nicht angekommen. Aber ich habe meinen Herrn Jinx wieder, und das ist die Hauptsache.