Wasserfall auf dem Weg nach Armadale

Gestern fuhren wir in den Süden, nach Armadale. Die Fahrt dorthin führte uns durch das beeindruckende Gebiet des Cullin, eine karge Landschaft mit hohen Bergen, Lochs (von denen einige keine Seen sind, sondern eigentlich Fjorde und Wasserfällen.

Im Gebiet des Cuillin.

A propos gälische Namen: Skye ist im Prinzip zweisprachig, wobei der Norden, wo wir sind, eher englisch spricht (präziser gesagt, die Einheimischen untereinander sprechen ein Idiom, dass man im ersten Moment auch für Gälisch halten könnte …). Der Süden spricht eher Gälisch, hier dominieren auch gälische Ortsbezeichnungen. Das ist insofern ganz lustig, als wir keine Ahnung haben, wie man das ausspricht. Wir gehen also streng phonetisch vor (was in der Bretagne wunderbar funktioniert, hier aber nicht so). Verwirrend ist, dass Mutter Jinx und ich anscheinend ein unterschiedliches phonetisches Empfinden haben und es so bei der Fahrt bzw. der Navigation zu Missverständnissen kommt. Mein persönlicher Favorit ist übrigens Bealas Ollasgairte, aber Meall na Suiramach ist auch nicht schlecht. Es ist jedoch nicht so schliimm, wie es sich anhört, da ganz Skye nur über drei Hauptstraßen verfügt, über die ein paar einspurige Pisten abgehen. Verfahren ist also nicht wirklich.

Armadale: Waldlehrpfad

In Armadale begingen wir einen Waldlehrpfad. Die kennt man in Deutschland eher als Klassiker der gepflegten Langeweile, als dröge Veranstaltungen mit beamtigen Oberförster-Charme, aber hier war alles anders. Dieser wird von Privatleuten angelegt und gepflegt.

Waldlehrpfad – Ausblick aufs Meer

Der Pfad hält einige überraschende Ausblicke bereit, unter anderem auf die Bucht vor Armadale.

Waldlehrpfad – üppige Vegetation, fast undurchdringlich

Überhaupt sind die Wälder hier ein Fall für sich. Im Süden gibt es mehr Bäume als im Norden, und da das Klima auf den Hebriden außerordentlich mild ist, wachsen hier nicht nur Palmen, sondern auch andere Gewächse, die man nicht unbedingt in Schottland vermuten würde, darunter hier sehr viele Rhododendren.

Dafür gibt es auch Flechten, die man eher in Hochgebirgsregionen vermutet und nicht unbedingt auf Meereshöhe.

Waldlehrpfad – Aufgang mit Holzpilzen

Waldlehrpfad in Armadale

Windflüchter und darunter: Mein Freund, der Farn. Ich bin dagegen allergisch und außerdem wohnen da bestimmt riesige Spinnen … bäh!

Waldlehrpfad – ein besonders feuchter Abschnitt (also feuchter als die anderen) war mit Rohwolle ausgelegt. Uns blutet da natürlich das Herz, aber das Scheren der Schafe ist teurer als das, was die Halter für das Rohmaterial bekommen, und daher kann man großzügig sein.

Dieses wegen der großen Entfernung leider etwas diffuse Bild zeigt einen weiteren Ausblick vom Waldlehrpfad – nämlich eine Seehundbank. Da die Viecher bräsig abhängen und sich kaum bewegen, erkennt man sie mit bloßem Auge nicht – mir half mein Fernglas weiter. Da sieht man sie sehr deutlich, als graue Würste, die schlafen oder dösen und sich ab und zu träge von einer Seite zur anderen rollen. Aber niedlich sind sie schon.

Ausblick durch die Bäume auf das Meer.

Waldlehrpfad – Rückweg durch eine Art Märchenwald. Hier war der Weg trockener, was in den sumpfigen Highlands ein eher relativer Begriff ist.

Armadale bietet neben großartiger Natur auch noch das ehemalige Schloss der MacDonalds, das heute eine Ruine ist. Erhalten ist der Park, in dem sich auch ein Museum zur Geschichte dieses berühmten Clans befindet.

Armadale, Schlosspark. Nadelbäume, die ich für caledonische Fichten halte.

Armadale – Schlossruine des ehemaligen Anwesens der MacDonalds

Armadale – Die Schlossruine von der anderen Seite. Es ist ein relativ neuer Bau, der Ende des 18. Jahrhunderts im neogotischen Stil errichtet wurde, also nix sonderlich Aufregendes, aber so als Ruine gewinnt der Bau natürlich.

Auf dem Weg zum Coral Beach (der ist recht weit und auch recht steinig)

Da das Wetter nur ganz, ganz wenig schottisch war, entschlossen wir uns, nach der Rückkehr nach Dunvegan noch zum Coral Beach zu fahren. Die Strände auf Skye sind dünn gesät und außerdem mit großen Steinen belegt. Der Coral Beach sticht da in mehrerer Hinsicht heraus: Er ist ohne Weiteres begehbar, und er ist hell.

Das Weiße ist jedoch kein Sand, sondern kleine, splittrige Stücke versteinerter Algen und Muschelfragmente.

Coral Beach – immerhin ist er weiß.

Da die Stücke recht scharfkantig sind, ist Barfußlaufen nicht so empfehlenswert, auch baden nur sehr wenige Menschen hier (als ich da war, badete gar keiner). Das Wasser ist sehr kalt. Wassersport wird hier eher mit dem Boot betrieben, und natürlich ist Skye ein Paradies für Angler.

Coral Beach – durch den hellen Untergrund schimmert das Wasser leicht türkisfarben (bei Sonne ist der Effekt wesentlich stärker, aber irgendwas ist ja immer)

Rückweg vom Coral Beach – Abendstimmung