Gestern war Muttertag, und ich lese in fast allen Blogs etwas dazu, entweder von Autorinnen, die Mütter sind, oder von welchen, die eine haben. Nur bei mir herrscht zu diesem Thema gähnende Leere. Und das hat einen Grund: Meine Mutter kann Muttertag nicht leiden, und ich auch nicht so sonderlich, was mich aber generell weniger betrifft, da ich keine Kinder habe.

Im Kindergarten und in der Grundschule wurde ich – wie alle – dazu angehalten, dieses freudige Ereignis zu bebasteln, was ich auch tat. Diese Produkte des pädagogisch induzierten kindlichen Schaffensdrangs wurden von meiner Mutter zu ihrem Ehren- und Freudentag mit leicht gequältem Gesichtsausdruck, aber mit dem Maß an Begeisterung entgegengenommen, die als akzeptabel gilt. Das lag nun weniger an den Produkten selbst als vielmehr am Anlass. Als ich alt genug war (ich denke, ich war so sechs oder sieben), wurde mir taktvoll beigebracht, dass ich diesen Tag bitte schnellstmöglich vergessen solle. Mir war’s recht, und ich habe meiner Mutter einfach so etwas geschenkt, immer mal wieder und ohne Anlass. Wenn ich gefragt wurde, was ich meiner Mutter denn zu ihrem Ehrentag geschenkt hätte, antwortete ich regelmäßig mit dem Wort “nichts”, was betretenes Schweigen zur Folge hatte – durch alle Altersgruppen hindurch. Folglich galt ich als Abweichlerin und vor allem als schlechte Tochter. Auch gut. Mich entband es jedenfalls für Jahrzehnte von der Verpflichtung, mit vorgebundenen und überteuerten Blumensträußen aufzuwarten, die aussehen wie ein welker Kohl.

Der Muttertag ist bis heute Anlass, bei der Meinigen zu panikartigen Anfällen zu führen, zuletzt, als ich am Freitag ankündigte, ein Gedicht zu ihren Ehren in meinem Blog zu veröffentlichen. Und das, obwohl ich überhaupt keine Gedichte schreiben kann, wie meine Mutter sehr wohl weiß (ich kann über alles mögliche und auch unmögliche schreiben, aber nicht, wenn es sich reimen soll).

Wenn ich auf Nachfrage, warum ich meine Mutter nicht bedenke, antworte, dass sie diesen Tag zutiefst ablehnt, werde ich – nach der obligatorischen betretenen Schweigeeinheit – gefragt, warum das denn so ist, folgen Erklärungen, die ebenfalls zu betretenem Schweigen führen, aber irgendwas ist ja immer. Für die Ablehnung gibt es mehrere Gründe.

  • Der Muttertag wurde in Deutschland vom Verband der Blumenhändler etabliert. Es ist also ein Feiertag mit kommerziellem Fundament, ebenso wie hierzulande der Valentinstag (den mein Freund und ich ebenso ignorieren, wir sind einfach das ganze Jahr nett zueinander).
  • Die Nazis betrieben einen echten Kult um diesen Tag, was bei mir und den Meinen zu einer instinktiven Abwehrhaltung führt.
  • Meine Mutter ist der Meinung, dass es in jedem Fall vorzuziehen ist, wenn sich ein Kind das ganze Jahr über um seine Mutter kümmert, etwas mit ihr unternimmt und Kontakt hält, dann braucht man auch keinen Muttertag. Trifft das nicht zu, kann sich besagtes Kind seinen Blumenstrauß auch in den Arsch stecken (nicht meine Formulierung).

Ich gehe da mit meiner Mutter völlig konform, aber natürlich habe ich auch wieder Unsinn im Kopf, ob ich nicht doch irgendwann mal … nur ein bisschen … und weil es lustig werden könnte. Dieses Jahr hatte ich zur fraglichen Zeit hartnäckig ein Bild im Kopf von einer mit Blumen umkränzten Klobrille in der mütterlichen Wohnung. Das löste übrigens das Bild von einem ca. 1 Meter breiten Blumenstrauß aus Strumpfgewebe ab, das mich jedes Jahr zu nämlichen Zeit heimsuchte. Also, liebe Mama, ich wünsche Dir auch an dieser Stelle ganz ausdrücklich nicht alles Gute zum Muttertag. Wir werden es auch weiterhin ignorieren, dass die Blumenhändler verrückt spielen mit ihren Preisen. Aber sollte ich das Bild von dem umkränzten Lokus nicht loswerden bis nächstes Jahr, weißt Du, worauf Du Dich einstellen darfst. :D