Meine erste Begegnung mit Horst Schulz und seinen Büchern hatte ich bei einem Stricktreff hier in Hamburg, als eine Strickfreundin die Bücher mitbrachte. Ich hatte vorher schon davon gehört und wusste, dass sie seit längerem vergriffen waren. Mein erster Eindruck war nicht sehr positiv. Ich strickte erst seit einem Jahr und stand dem modularen Stricken ablehnend gegenüber, da ich absurderweise dachte, man müsse am Ende eine gefühlte Million Läppchen zusammennähen.

Die Modelle atmeten noch sehr den Geist der Achtziger, was die Farbigkeit anging, aber auch die Schnitte und manche der verwendeten Garne. Obwohl mir die Farbenpracht ebenso gefiel wie die phantasievolle Umsetzung, war ich iinsgesamt nicht sehr angetan. Zudem sind die Schulz-Bücher nicht als Anleitungsbücher zu verstehen, sondern als grobe Richtlinien und Inspirationsquellen. Die Instruktionen erschienen mir zu nebenlhaft, was meiner mangelnden Erfahrung geschuldet war, und so ordnete ich die Bücher unter “außergewöhnlich, aber für mich unbrauchbar” ein und vergaß sie. Modulares Stricken war eben nichts für mich.

Das änderte sich mit dem Buch Knit to be Square von Vivian Hoxbro, in dem sich Modelle mit klaren Formen und leutenden Farben befanden. Ich war begeistert und stürzte mich in das Abenteuer des Modularen. Da mir das Stricken der Patches und das Konstruieren mittels Anstricken Spaß machte, forschte ich weiter und stieß bald auf viele Bücher, die sich diesem Thema widmeten. Ich organisierte mir die entsprechende Literatur, die vor allem aus den USA stammt, und stieß dort immer wieder auf den Namen Horst Schulz. Die Designerinnen erwähnten ihn sozusagen als ihren Meister, der ihre Art, das Stricken zu sehen und auszuüben, revolutioniert hatte. Also kehrte ich zu dem einst von mir Verstoßenen zurück.

Es gelang mir tatsächlich, seine Bücher zu einem vernünftigen Preis zu ersteigern, und ich musste mein Urteil revidieren. Ich finde sie außerordentlich inspirierend, und schließlich zwingt mich niemand, die Modelle in gleicher Kastigkeit, Farbigkeit oder partieller Fransigkeit nachzuarbeiten. Blieb nur die Frage der Anleitung. Ich stellte fest, dass meine in den letzten zwei Jahren gewonnene Erfahrung mir ermöglichte, viele Fragen zum Thema Konstruktion und Strickweise zu beantworten.

Zudem waren meine neueren Bücher zum Thema ebenfalls hilfreich, denn hier wurde die Frage des Schnittes bzw. der Schnittkonstruktion recht ausführlich erläutert. Besonders positiv fiel mir hier das Buch Dazzling Knits von Patricia Werner auf, das ich mir glücklicherweise ebenfalls noch zu einem akzeptablen Preis organisieren konnte (dass der Kram auch immer so schnell vergriffen sein muss …). Die Autorin beruft sich direkt auf Horst Schulz und greift viele seiner Modelle auf, um sie in einer quasi modernisierten Form zu präsentieren und mit einer recht ausführlichen Anleitung zu versehen. Hinzu kommen Tipps zum Thema Schnittkonstruktion und Garn- bzw. Farbwahl. Ungeheuer inspirierend, die beiden!