Wir (der Mann und ich) erlauben uns, Sie höflich darauf aufmerksam zu machen, dass wir Norddeutsche sind, außerdem Protestant bzw. Ex-Protestantin (und unsere Familien sind das seit der Reformation, jawohl). Daher behalten wir uns vor, gegen die Beföhnung mit faschings- oder karnevalsähnlichen Inhalten in den überregionalen Medien zu protestieren. Wir finden’s nicht lustig. Wir wollen dieses Fest, das ja ein katholisches ist, nicht feiern. Wir leben in einem Landstrich, wo es wahrscheinlich mehr Moslems als Katholiken gibt, und erstere feiern das als Norddeutsche mit Migrationshintergrund auch nicht. Wir haben übrigens nichts gegen das Verkleiden von Kindern im Kindergarten oder in der Grundschule, wie es auch hier vorkommt.

Außerdem können Sie mir Bilder und Filmchen zeigen, bis Sie schwarz werden, es wird nichts nützen, denn ich habe sie gesehen: die ganze, traurige Wahrheit. Und ich verbeuge mich vor der handwerklichen Leistung, ansehbare Menschen und halbwegs saubere Straßen zu zeigen, denn ich bin eine Wissende.

Ich war nämlich mal an Rosenmontag in Mainz. Und was ich sah, hatte mit Ihrer Hochglanzberichterstattung gar nichts zu tun. Ich erspare sensiblen Gemütern eine detailreiche Darstellung der schwerst Alkoholisierten, die immer wieder zwischen Wagen und Gruppen herumtorkelten und entsprechend grölten. Desweiteren bin ich der ehrlichen Meinung, dass man nicht überallhin schiffen, kacken oder kotzen muss, nur weil da noch eine Ecke frei ist. Die Innenstadt hatte etwas von einem Endzeit-Szenario. Die Fenster der Erdgeschoss- und Hochpaterrewohnungen waren verschalt, sodass man sich fragte, ob die Russen jetzt doch noch kommen. Der Müll lag in Bergen herum, und man musste aufpassen, dass man nicht ausrutschte auf verschiedenen, höchst ekligen … nennen wir es Flüssigkeiten. Auch hier waren natürlich die allgegenwärtigen Suffeulen unterwegs, was stellenweise wirklich etwas unangenehm war. Das Ganze hatte schon etwas von einem Endzeitszenario, bei dem man versucht war, sich die vier apokalyptischen Reiter herbeizuwünschen, damit die mal aufräumen und ein wenig saubermachen. Man erwartete fast, dass Mad Max im nächsten Moment um die Ecke biegt, um in der Donnerkuppel anzutreten (vermutlich gegen einen Besoffenen). Sie nennen es Stimmung, aber ich weiß es besser.

Insofern bitten wir Sie höflich, uns mit derartigen Belustigungen zu verschonen, vor allem, weil’s nicht lustig ist. Die Wagen sind es nicht, die Reden auch nicht. Wer Spaß am Karnelval hat, soll ihn feiern. Aber DIES IST NORDDEUTSCHLAND!!!

Mit freundlichem Gruß