Diese MIttwochsaktion wäre eigentlich ein ideales Thema für die Weihnachtszeit gewesen, wo alle sich um Harmonie bemühen, um sich dann unter Stress zu setzen und sich unterm Weihnachtsbaum nach allen Regeln der Kunst zu beharken und sich das zu sagen, was man sich schon seit Jahren mal sagen wollte. Ah, ich könnte einen Roman verfassen, aber da wir Weihnachten nun alle glücklich überstanden haben, lasse ich das lieber. Stattdesssen schreibe ich über Terror im Glücksbärchiland, auch Strickblogszene genannt.

Ich habe den Eindruck, dass weite Teile der Strickblogszene doch recht harmoniesüchtig ist. Nichts gegen Harmonie, das ist was Schönes, ehrlich. Und es gibt sie auch, die harmonische Koexistenz friedlich grasender strickender BloggerInnen, die in ihrem eigenen Stall Blog ihre Werke präsentieren und sich konstruktiv und sehr erbaulich austauschen in einer pastoralen Idylle, deren Nährboden sinnvolles Lob und konstruktive Kritik sind.

Aber es gibt auch die anderen, die zwar SAGEN, dass sie harmonisch, glücklich und zufrieden sind, deren Handeln jedoch nicht immer mit diesen schönen Worten in Einklang zu bringen ist. Man trifft sie auf unterschiedlichen Weiden an verschiedenen Stellen an: in Foren, in Mailinglisten, in Communities und natürlich in Blogs. Und es gibt ein paar untrügliche Anzeichen, wie man sie erkennt, die latenten Unruhestifter.

  • Wenn in Mailinglisten, Foren oder Communities extra betont wird, dass doch eigentlich alle eine große, glückliche Familie oder zumindest ganz dick befreundet sind, wird es wirklich gefährlich. Denn hinter den Kulissen geht es dann oft richtig zur Sache. Wenn man sagt, dass einem ein Detail nicht ganz so gut gefällt, wird einem gerne das Wort entzogen, da “man keinen Unfrieden will”. Das hindert sie selbsternannten Friedenstauben jedoch nicht daran, hinter dem Rücken anderer über selbige herzuziehen, Gruppenbildungen zu fördern und Leute auszuschließen. Es bilden sich Zweiklassengesellschaften: die, die alles dürfen und auch tun und die, die bitte das Maul halten. Sehr beliebt auch: die beleidigte Abmeldung.
  • Auch ein schönes Thema: Freunde. Befreundete Blogs, befreundete Menschen in Communities. Also, mein Blog ist mit niemandem befreundet, was nicht daran liegt, dass er irgendwie böse ist, sondern das es sich um eine Softwareinstallation auf einem Server handelt. So etwas befreundet sich eher selten. Natürlich entstehen im Internet Freundschaften oder herzliche Onlinebekanntschaften, nur nimmt das oft etwas eigenartige Formen an. Z.  B. gibt es Menschen, die nur bei Freunden kommentieren, unabhängig davon, ob ihnen das Gezeigte nun gefällt oder eher doch nicht so. Die vergeben auch ihre Herzchen bei Ravelry nur an Freunde. Die Linkliste im Blog sieht auch entsprechend aus. Verlinkt werden Freunde, selbst wenn die den langweiligsten Blog der Welt haben, in dem seit Monaten nichts mehr passiert. Klar, wenn einen selbst der Freundesblog langweilt, warum soll es den eigenen Lesern dann besser ergehen? Eben. Diese Menschen verfeinden sich meist auch so leicht, wie sie sich befreunden. Dann gibt es keine Herzchen mehr. Jawohl. Ich bin nun der Meinung, dass man Beifall nur dann äußern sollte, wenn einem die Sache auch wirklich gefällt. Man kann sehr wohl Menschen nett finden, deren Produkte den eigenen Geschmack nicht treffen, oder man findet Leute unsympathisch, deren Handarbeiten man exquisit findet. Jemandem, den man mag, kein Herzchen zu geben oder keinen positiven Kommentar zu hinterlassen heißt nicht, dass man den oder die auf einmal blöd findet, sondern nur, dass man dem Produkt zumindest neutral gegenüberstellt. Oder andersherum: Wenn man einen positiven Kommentar bei jemandem hinterläßt, den man vielleicht kaum kennt oder der einem nicht so sympathisch erscheint, dann heißt das nicht, dass man den jetzt heiraten will, sondern nur, dass einen das Präsentierte anspricht.
  • Freie Meinungsäußerung. Das ist auch so ein Thema für sich. Die ist natürlich erwünscht, aber oft nur, wenn sie positiv ausfällt. Ein “das gefällt mir nicht, weil …” wird doch eher ungern gesehen und kann leicht dazu führen, dass man sich irgendwann für Dinge rechtfertigen darf, die man so nie gesagt oder geschrieben hat. Auch sehr schön: Von der Tatsache, dass ein Blog viele Leser hat, wird automatisch abgeleitet, dass dort bitte keine negativen Meinungen geäußert werden sollen, selbst wenn diese begründet sind. Denn das könnte ja die Scharen der LeserInnen beeinflussen, sodass sie die geäußerte Meinung kritiklos übernehmen. Ich persönlich verwahre mich dagegen, meine Leserschaft für so dämlich zu halten, dass sie sich ihre eigene Meinung nicht selbst bilden können. Außerdem kann jede/r im Rahmen der Legalität in seinem Blog schreiben, was er will. Denn wenn das nicht mehr möglich sein soll, wird das Bloggen so langweilig, dass man auch fernsehen kann. Besonders empfindlich reagieren manche, wenn Dinge (konstruktiv) kritisiert werden, die mit den eigenen Händen und im Schweiße des Angesichts hergestellt wurden. Es scheint ein weit verbreiteter Irrtum zu sein, dass Handarbeiten automatisch in den Stand der Heiligkeit erhoben werden, eben weil sie mit der Hand hergestellt wurden. Dem ist nicht so, und jeder produziert mal Müll. Ja, auch mit der eigenen Hand. Und nur weil es das Label “kreativ” trägt, heißt das nicht, dass es gelungen ist oder allen gefallen muss. Ich persönlich finde eine gesunde Distanz zum eigenen Werk viel kreativitätsfördernder.

Insofern: Friede, Freude, Eierkuchen? Bullshit! In diesem Zusammenhang hätte ich eine Frage: Wenn das wirklich die Geschenke der Heiligen Drei Könige sind, kann ich die dann bitte umtauschen?