November 1, 2008 - ג' חשון תשס"ט


Prag wird immer wahnsinnig gelobt wegen seiner alten Bausubstanz, wegen der Kunstschätze, der Geschichte, die jeder Stein atmet (wie Reiseführer dies schwülstig auszudrücken pflegen), und all dies ist zweifellos richtig. Aber Prag ist kein Museum, hat auch wenig Museales an sich, sondern es ist eine moderne Stadt in einem modernen Staat, die von modern denkenden Menschen bewohnt wird. Und das merkt man auch.

Wer sich nur auf die kunsthistorisch wertvollen Dinge konzentriert, die hier zu finden sind, tut der Stadt und seinen Bewohnern unrecht. Das zeitgenössische Prag ist mehr als einen Blick wert, und das nicht nur, weil auch die Wendung zur Gegenwart ihre Tradition hier hat.

Ich habe bereits Bilder von Jugendstilgebäuden gezeigt, von Bauwerken, die in dem Versuch errichtet wurden, einen nationalen Stil zu schaffen (Nationalmuseum, Nationaltheater), wobei letzteres hier ebenso misslang wie anderswo auch. Diese Gebäude waren zu ihrer Zeit Beispiele einer modernen Bau- und Denkweise. Prag dachte zeitgenössisch und tut das bis heute. Die Reminiszenzen an die Vergangenheit sind in erster Linie für die Touristen, auch wenn Prag selbst sehr geschichtsbewusst ist – aber dennoch macht man nicht den Fehler, in der Vergangenheit zu leben.

Neogotischer Brunnen vor neogotischen Fassaden

New-gothic well in fron of new-gothic facades

Dieser Brunnen, der in ein Ensemble passender Häuserfassaden eingebettet liegt, beweist, dass man auch im 19. Jahrhhundert bereits auf der Höhe der Zeit war. Neogotik in seiner besten Form eben. ;)

Kampa, Museum für moderne Kunst

Kampa, Museum of modern and contemporary art

Auf der Insel Kampa, die eher für ihre bezaubernde parkähnliche Anlage bekannt ist, befindet sich ein einem natürlich historischen Gebäude ein Museum für zeitgenössische Kunst (warum etwas neu bauen, wenn im Zentrum ohnehin kein Platz ist und man so viele alte Gebäude herumstehen hat?). Der Bau wurde teilweise modernisiert und beherbergt mehrere interessante Ausstellungen.

Kampa Museum, Modern Art

Aufmerksam wurden wir auf das Museum durch zwei Außeninstallationen, zunächst die Reihe der Pinguine unterhalb der Ufermauern.

Nachts werden die Teile übrigens beleuchtet.

Kampa Museum, Sculptures

Ebenfalls vor dem Museum stehen diese Skulpturen. Wer mit dem entzückten Ausruf “ach, wie niedlich!” auf die Plastiken zueilt, wird die Nahansicht eher verstörend finden:

Der Innenhof wurde modern gestaltet, so erlaubt eine Glasarchitektur den Durchblick zum gegenüberliegenden Ufer.

Kampa Museum, water installation

Kampa Museum, Water installation, nightshot

Die Wasserinstallation zieht sich durch den gesamten Hof und wird bei Dunkelheit teilweise beleuchtet.

Kampa Museum – an exhibition of contemporary Eastern European art

Die Ausstellung zeitgenössischen osteuropäischer Kunst ist ebenfalls sehenswert. Hier der Durchblick durch den kurzen Glasgang auf eines der Exponate.

Kampa Museum, the roof

Obwohl das Museum auf der Insel Kampa in einem historischen Gebäude untergebracht ist, wurde die Dachkonstruktion erweitert. Man kann hinaufsteigen und steht dann auf einem Glasboden, der den Blick ins Treppenhaus bis ganz nach unten freigibt (der Lebensgefährte verzichtete dankend). Durch die Stahlträger sieht man den Hradschin – besonders beeindruckend bei Nacht.

In der Altstadt ist selbstredend kaum Platz für neue Gebäude – es reicht ja nicht mal für die Kirchen. Doch etwas weiter außerhalb findet man durchaus interessante Beispiele moderner Architektur, so wie das Dancing House, auch genannt Ginger and Fred.

The Dancing House (Ginger and Fred)

Wie gesagt, Prag ist eine moderne Stadt. Wer sich die Mühe macht, abseits ausgetretender Pfade die Stadt zu erkunden, wird auf zahlreiche Galerien und Ausstellungen stoßen, in der zeitgenössische Kunst sowie die neue Geschichte der Stadt gezeigt wird. Aber auch an ganz ungewöhnlicher Stelle findet sich Modernes.

Wall Painting

Mein Eindruck war immer, dass die Tschechen dem Militär eher distanziert gegenüberstehen, was in der Geschichte des Landes begründet ist (man könnte von ihnen sagen, dass sie das MIlitär nicht erfunden haben, ebensowenig wie die Italiener, was ich persönlich enorm sympathisch finde). So finden sich in der Stadt keine maritalischen Denkmäler und ähnliches Geraffel, wie es in London oder Paris überall herumsteht. Auf dem Weg zum Nationaltheater fiel uns diese Wandmalerei einer Moebiusschleife mit pazifistischer Botschaft auf.

Nun werde ich Euch nicht länger mit meinen Berichten aus Prag quälen. Ich hoffe, es hat Euch gefallen, und ich bedanke mich für die netten Kommentare!

Beschließen werde ich den Bericht mit dem Bild eines Vogels, das ich auf der Insel Kampa aufnahm. Wir halten in unserer ornithologischen Unwissenheit das Tier für eine Dohle, die von ein paar Möwen umflattert wird (bei den Möwen sind wir uns sicher). Das ist nun nicht sonderlich modern, aber das Tierchen war sehr zutraulich, und in die anderen Rubriken passt es auch nicht.

Jackdaw

Jeder hat ja so seine Vorlieben und Abneigungen beim Material. Was für Garne magst oder kannst Du überhaupt nicht verstricken, sei es von der Zusammensetzung, der Dicke oder der Struktur her? Warum?

Mein Herz für Garne ist ziemlich eng, es gibt weniges, was ich wirklich gern verstricke, vieles, was ich nicht sonderlich mag, aber verstricken kann, und vieles, was ich grauenhaft finde. Und das wären:

  • 100% Kunstfasergarne (Ausnahme: Viscose u. ä.)
  • die meisten Effektgarne, also Fransenzeug, Pomponwolle, Papierfähnchen, viele Bändchengarne etc.
  • langhaariges Mohair (ja, bin ich denn der Yeti, oder was?)
  • sehr dickes Garn. Meine Wohlfühl-Nadelstärke geht bis 5 mm. Wenn ich filzen will, stricke ich auch mit dickeren Nadeln. Aber Strickstücke mit NS 10mm+ kommen für mich überhaupt nicht infrage. Das Stricken ist unbequem, und das Gestrick sieht mir zu grob aus.
  • selbstmusterndes Garn für Pullover. Geht im Allgemeinen überhaupt nicht, Ausnahmen mögen die Regel bestätigen.
  • Gefachte Garne – da entwischt mir zu oft ein Faden, und dann wird es mir zu fummelig.
  • sogenannte Designergarne. Die gefallen mir verstrickt überhaupt nicht.

Neustädter Rathaus, astronomische Uhr

New City Hall, astronomical clock

Prag ist ein Touristenmagnet, und das merkt man auch. Nun kommen wir zu den eher profanen Bedürfnissen. :D

Meine erste Pragreise fand 1987 statt. Das Land war sozialistisch, auch wenn man es in Prag verstand, rote Sterne aus dem Stadtbild herauszuhalten. Es gab alles, auch Mercedesse, man musste es nur bezahlen können. Und man wusste überhaupt nicht, wohin mit seinem Geld. Ich hatte so viele Kronen, dass ich mir einen Diorlippenstift kaufte (ja, auch Dior und Benetton gab es hier).

Bei meinen nächsten Reisen war es immer noch enorm günstig. Ein hervorragendes böhmisches Drei-Gänge-Menü kostete etwa 10 DM, ein Glas Bier zwischen 50 Pfennig und einer Mark usw. (Hotels in der Innenstadt waren allerdings schon immer recht teuer). So ist es nicht mehr. Auch Prag ist teurer geworden. Und das ist irgendwie auch gut so, denn ich bin der Meinung, dass man für etwas Gutes auch einen angemessenen Preis bezahlen sollte. Wer gut essen und trinken will, bezahlt nicht so viel wie in Deutschland, aber es ist eben auch nicht mehr so billig wie früher.

Café Slavia

Prag dividiert sich preislich auseinander. Schnellrestauants und Billigsouvenirläden zogen vermehrt ein, die ein Publikum bedienen, das nur wenig Geld hat (so ist Prag immer noch ein sehr beliebtes Ziel für Klassenreisen). Wer jedoch Prag kennenlernen will, soll, muss und wird auch in den Kaffeehäusern sitzen, die für diese Stadt so typisch sind und die hervorragende Kaffeespezialitäten servieren. Auch die Kuchen sind jede Sünde wert, ebenso die tschechischen Käse- und Wurstplatten. Hier sitzen immer auch viele Prager und nehmen noch einen Kaffee, bevor sie nach Hause, einkaufen oder sonst wohin gehen.

Café Slavia

Als eines meiner Stammcafés möchte ich das Slavia bezeichnen. Es war zur Zeit des Prager Frühlings einer der Treffpunkte von Schriftstellern und Intellektuellen. Der Innenraum ist eine Freude jedes Kunsthistorikers, den das Interieur ist reines Art Déco, und nachmittags sorgt ein Pianist für diskrete musikalische Untermalung. Wenn ich in Prag bin und man mich sucht, hat man gute Chancen, mich einmal täglich hier zu erwischen. Der Knaller ist übrigens die heiße Schokolade mit Absinth. Absinth wird hier fast überall angeboten, doch Vorsicht, wenn man die tschechische Variante nicht gewöhnt ist.

Art Nouveu, the Obecni Dum

Prag ist ja auch die Stadt des Jugendstils, u. a. wirkte Alfons Mucha hier. Nicht versäumen sollte man einen Besuch des Cafés im Repräsentationshaus. Auch hier bin ich bis jetzt noch bei jedem meiner Pragbesuche gewesen.

Art Nouveau, Entrance to the Obneci Dum

Das Repräsentationshaus liegt nur wenige Minuten vom Karlsplatz entfernt. Es beherbergt Festsäle, ein französisches Spitzenrestaurant und ein Café, das sehr nobel daherkommt und auch so ist. Es gibt nachmittags Kaffeehausmusik, der Kuchen wird auf einem Wagen gebracht, sodass man sich sein Stück am Tisch aussucht, und auch hier ist eine reiche Getränkeauswahl vorhanden.

Obneci Dum, the Coffeehouse

Das Ganze findet in künstlerisch wertvoller Atmosphäre statt, denn die Einrichtung ist reinster Jugendstil in Gold und Weiß. Da man innen nicht fotografieren darf und ich das im Gegensatz zu vielen anderen respektiere, hier nur ein flaues Foto durch die Scheibe.

Gran Café Orient

Egal, wie oft man in Prag ist, es gibt immer etwas Neues zu entdecken, das man vorher nicht kannte. So zum Beispiel das Gran Café Orient. Es befindet sich in einem im kubistischen Stil errichteten Haus (und die sind selten, da nirgendwo nach dem ersten Weltkrieg sonderlich viel gebaut wurde) und ist in reinem kubistischen Stil eingerichtet.

Gran Café Orient - Innenraum

Gran Café Orient - Innenraum

Gran Café Orient – Inside

Auch dies ist ein Traum für Architekturfreaks, im Haus ist ein Museum für Kubismus eingerichtet, das wir beim nächsten Mal garantiert besuchen werden. Das Café serviert Kaffees und Kuchen zum Niederknien, und alles ist kubistisch, bis hin zu Kleiderhaken und Stühle (für letztere braucht man allerdings einen kubistischen Hintern, um wirklich bequem für längere Zeit zu sitzen).

Gran Café Orient

Wer in Prag auf den Besuch eines typischen Kaffeehauses verzichetet, nimmt sich einen ziemlichen Teil des Erlebnisses. Sie sind auch bei Einheimischen so beliebt, dass im Winter dort saunaähnliche Temperaturen herrschen und die Tschechen in kurzen Ärmeln dasitzen – es ist eben eine Art Wohnzimmer. Und enorm entspannend (die Altstadt will zu Fuß erwandert werden und verfügt über originales Kopfsteinpflaster).

Gran Café Orient – Treppenhaus

Gran Café Orient – Staircase

Noch ein Wort zum europaweiten Rauchverbot. Also, wir haben in Prag auch Tische gesehen, an denen nicht geraucht wurde. Zumindest stand da so ein Schild. Die hatten aber eher Alibicharakter. In jedem Café, in jeder Bar, die wir besuchten, wurde geraucht. Von “abgetrennten Raucherräumen ohne Arbeitsplatz” konnte gar keine Rede sein.  War das Lokal groß genug, war ein Teil für Nichtraucher reserviert (meist der erheblich kleinere). Tschechen rauchen nunmal sehr viel, und da sie außerdem gerne weggehen, rauchen sie eben auch in Gaststätten.

Aber man will ja nicht nur Kaffee und Kuchen konsumieren – man will auch mal was Ordentliches essen. Neben den üblichen, internationalen Schnellrestaurants (billig und schlecht) und den Gaststätten, die den üblichen Tourifraß anbieten (“internationale Küche”) gibt es immer noch genügend Restaurants, die böhmische Küche offerieren, und die ist allein schon eine Reise wert. Wir haben eine echte Entdeckung gemacht – ein böhmisches Nobelrestaurant, das die regionalen Spezialitäten auf hohem Niveau zubereitet, von außen aber aussieht wie eine abgeranzte Weinstube (vermutlich, um die Tourischaren abzuhalten).

Restaurant Blaue Ente

Restaurant Blue Duck

Das Restaurant liegt auf der Kleinseite, im Botschaftsviertel, und so unscheinbar es von außen wirkt, so ungewöhnlich ist das Interieur und das Essen. Man sitzt umgeben  von Antiquitäten und handbemalten Wänden (original aus dem frühen 20. Jahrhundert) und isst phantastisch zubereitete böhmische Spezialitäten. Nein, man zelebriert sie eher. So ein Essen hier dauert recht lang und ist auch nicht gerade günstig, aber wir schwärmen immer noch. Reservierung empfohlen.

Jazz and Blues Club Ungelt

Was für mich immer zu einem Pragbesuch dazugehört, ist der Besuch eines Jazz- und Bluesclubs. Dort wird eher leichte Kost zu Gehör gebracht (keine fuddeligen Ohrenquäler), und man sitzt – hier bei Ungelt hinter der Teynkirche – entspannt bei einem Bier unter einem mittelalterlichen Gewölbe und lauscht der Musik.

In Prag hat man es überhaupt nicht so mit Umtata und Tralala; wenn man das hört, ist es immer für ältere deutsche Touristen. In den zahlreichen Cafés, Bars und Restaurants hört man kompromisslos moderne Musik – oder auch mal Klassik. Prag ist eine moderne Stadt, die von modernen Menschen bewohnt wird.

Pinocchio – Czech toys and woodworks

Pinocchio – Tschechische Spielwaren und Holzarbeiten

Nun möchte der moderne Tourist auch mal einkaufen gehen. Die Auswahl ist riesig: Böhmische Glaswaren von einfach bis kunstvoll, Marionetten, Granatschmuck, aber auch sehr schöne Bücher (auch auf Deutsch oder Englisch), CDs, Modeschmuck, Holzarbeiten, Kleidung, Schuhe, Lederwaren – alles, was das Herz begehrt. Gerade für Kleidung, Schuhe und Lederwaren gilt allerdings, dass es die Sachen überall gibt – wie es halt so ist. Leider nehmen die ramschigen Souvenirläden zu, aber es gibt sie immer noch – die hochwertigen, liebevoll hergestellten Dinge, meist in Seitenstraßen und kleinen Gassen, die es zu entdecken gilt.

Markt in der Altstadt

Market in the Old City

Diesen Markt kenne ich, seit ich zum ersten Mal in Prag war, und auch er verändert sich ständig. Früher gab es hier mehr Lebensmittel, heute gibt es vor allem Souvenirs. Viel Holz, Karlsbader Oblaten und ein wenig Leder. Ich habe mir hier einen soliden Hornkamm gekauft. Da weiß man doch, was man hat, und praktisch ist er auch.

Sightseeing with a vintage car (a Skoda)

Stadtrundfahrt mit einem Oldtimer

Zum Schluss dieses Kapitels noch eine Prager Spezialität, nur für Touris, aber hübsch: Eine Stadtrundfahrt in einem echten Oldtimer. Hier stilecht und passend: ein Skoda.

Karlsbrücke. Blick von der Insel Kampa

Charles Bridge, view from Kampa island

Eine der bekanntesten Ansichten der Altstadt ist die mittelalterliche Karlsbrücke, die das alte Zentrum Prags mit der Kleinseite verbindet. Sie ist mit Skulpturen aus mehreren Jahrhunderten geschmückt und gehört sicherlich zu den beliebtesten Fotomotiven Prags. Zur Hauptsaison ist überhaupt kein Durchkommen hier, zudem gibt es noch Stände, an denen Kunsthandwerker ihre Waren anbieten. Momentan ist ein Teil der Brücke wegen erhaltender Baumaßnahmen gesperrt.

Karlsbrücke, Statuen

Charles Bridge, Sculptures

Was wäre die Karlsbrücke ohne die Statuen? Obwohl die meisten aus der Barockzeit stammen, halfen sie, den mittelalterlichen Gesamteindruck maßgeblich zu prägen.

Karlsbrücke, Türme, Kleinseite

Mala Strana, Bridge Tower

Dies gilt noch mehr für die Brückentürme, hier auf der Kleinseite.

Karlsbrücke, Turm, Altstadt

Bridge tower, old city

… und der Turm auf der Altstadtseite.

Karlsplatz

Charles Place

Das Herz der Stadt ist natürlich der Karlsplatz mit Rathaus, Teynkirche und dem dominierenden, expressiven Hus-Denkmal.

Karlsplatz

Charles Place

Die Häuser sind vielgestaltig und stammen aus alles Epochen von der Gotik bis zum Klassizismus.

Teynplatz

Tyn Place

Nur wenige Meter hinter der Teynkirche befindet sich ein weniger belebter, kleiner Platz, der geradezu italienisch anmutet. Er gehört zu meinen absoluten Lieblingsorten in Prag, ebenso wie das Café, das sich dort befindet. Hier meldeten sich früher die Händler, die in Prag Geschäfte machen wollten an, und warteten auf den Zugang zur Altstadt.

Teynplatz

Tyn Place

Hier finden sich neben besagtem Café Ebel auch kleinere Geschäfte, die nicht den typischen Touristenramsch anbieten, den es überall in den Gassen der Altstadt gibt.

Gasse in der Altstadt

Narrow Street in the Old City

Charakteristisch für Prag sind die vielen Gässchen, die immer wieder überraschende Blicke auf architektonische Juwelen und charmante Details freigeben.

Durchgang

Alleyway

Natürlich sind berühmte Persönlichkeiten, deren Biographie mit Prag verknüpft ist, allgegenwärtig. Die Liste ist endlos: Rudolf II, Franz Kafka, Alfons Mucha, Jan Hus, Rabbi Löw etc. Aber eben auch Mozart, der seine Oper Don Giovanni hier zum ersten Mal aufführte.

Laubengang

Access Balcony

Viele der Renaissance- und Barockhäuser weisen Laubengänge auf.

Barocker Brunnen

A baroque Well

Das Ständetheater

The former German Theater

Die charakteristischen Bauwerke (hier rechts das Ständetheater) erleichtern die Orientierung. Da ich die tschechischen Straßennamen nicht aussprechen kann, kann ich sie mir auch nur schlecht merken.

Gasse zum Karlsplatz

Narrow street to Charles Place

Aber irgendwie führen alle Gassen zum Karlsplatz.

Karlsplatz mit Teynkirche

Charles place and Tyn church

Prag ist auch eine Stadt der Kirchen … aber auch irgendwie nicht. Das Stadtbild wird durch sie mitbestimmt, ihre Türme trugen dazu bei, Prag den Namen “Stadt der Tausend Türme” zu verleihen, aber immer, wenn ich in Prag bin und mich mit den dortigen Kirchen beschäftige, habe ich das Gefühl, dass es nicht so recht was wird mit der Kirche und dem tschechischen Volk, vor allem nicht mit der katholischen.

Es gibt natürlich den Veitsdom auf dem Hradschin, und die Teynkirche, beide sehr beeindruckend und beide so charakteristisch für Prag: man lässt den Kirchen wenig Platz. Sie sind eingepfercht in Profanbauten, die ihnen von allen Seiten zu Leibe rücken. Große Plätze vor einer Kirche sieht man kaum.

Teynkirche – Der Eingang

Tyn church – The entrance

Ein extremes Beispiel ist die mittelalterliche Teynkirche. Sie ist wunderschön, ein prachtvolles Beispiel der Prager Gotik, wirklich. Andere Städte wären froh, ein solches Juwel an prominenter Stelle … naja. Die Prager lieben ihre Teynkirche sicherlich auch, waren aber vielleicht seit der Renaissance der Meinung, dass es völlig ausreicht, nur den oberen Teil zu lieben: Sie bauten nämlich was davor. Und daneben. So sehr, dass es keine Gasse gibt, die zum Eingang führt. Man muss durch das linke der Häuser, durch einen gewölbeähnlichen Gang gehen, bis man auf einen winzigen Platz kommt (naja, sehr wohlwollend: 20 qm), und da führt eine im Vergleich mit der majestätischen Kirche winzige Eingangstür tatsächlich in den Kirchenraum. Es ist immer wieder lustig, Touristen zu beobachten, die verzweifelt die Theinkirche mehrmals umrunden, weil sie den Eingang nicht finden.

St. Nikolaus, heute Hussitenkirche

The Church of the Hussites

Etwas mehr Mühe gab man sich dann mit der Nikolauskirche, ebenfalls am Karlsplatz gelegen. Die wird nur von hinten durch hochherrschaftliche Bürgerhäuser bedrängt. Eindeutig noch dem Geist der Gegenreformation verpflichtet, gibt es vor der Kirche wenigstens ein paar Quadratmeter Platz.

Die Prager sind in der Mehrheit religiös indifferent, jedoch wird Jan Hus als “unser großer Reformator” sehr verehrt. Ich hatte oft den Eindruck, dass die Tschechen den Katholiken die Hinrichtung Hus’ und die Gegenreformation niemals verzeihen werden. Hus ist – abseits konfessioneller Zugehörigkeit eine historische Persönlichkeit, die für die Tschechen von nationsbildendem Charakter ist, predigte er doch in der Landessprache.

Die barocke Nikolauskirche jedenfalls dient heute den Hussiten als Gotteshaus, und auch der Eingang ist viel leichter zu finden als bei der katholischen Teynkirche.

Im Inneren der Hussitenkirche befindet sich übrigens ein riesiger Leuchter aus böhmischem Glas. Ich bin nun nicht der größte Fan böhmischer Glaswaren, wie sie in den zahllosen Geschäften angeboten werden, aber dieser Leuchter hat es mir angetan. Ich sehe ihn mir jedes Mal an, wenn ich in Prag bin, und zu gerne würde ich ihn mitnehmen. Ich müsste nur ein paar Wände einreißen, und er würde natürlich auf dem Boden liegen. Aber das wären alles Marginalien, man muss eben auch Opfer bringen können.

Die Botschaft des Malteserordens

The Embassy of the order of the Maltese

Als mein Freund dieses Gebäute anlässlich seines ersten Besuchs in Prag sah, musste er so sehr lachen, dass wir schnell weitergegangen sind, um nicht zu sehr aufzufallen. Es ist nicht die Botschaft der Republik Malta (das wäre ganz normal), sondern die des geistlichen Malteserordens. Dieses Relikt längst vergangener Jahrhunderte befindet sich auf der Kleinseite im Botschafterviertel, in der sich sonst seriöse Niederlassungen ganz normaler Staaten befinden (na, Finnland, Dänemark, Italien und so …). Neben dieser sogenannten Botschaft unterhält der Malteserorden auch eine eigene Kirche, direkt nebenan. Dort gehen wir aber nie hinein, da es dort sehr streng riecht.

Blick auf den Hradschin und die Kleinseite

A view of the Hradschin and the Mala Strana

Nein, liebe Damen, ich habe letztes Wochenende nicht geheiratet. Ich war zu einem romantischen Wochenende in Prag. Es war nicht meine erste Reise dorthin, sondern die siebte, und diesmal hatten wir nur ein Wochenende Zeit. Da liegt es auf der Hand, dass man nicht alles machen kann – und auch gar nicht soll.

Da ich die Stadt inzwischen recht gut kenne (ich brauche keinen Stadtplan für das Zentrum und finde alles, was sich dort befindet), suche ich immer wieder dieselben Ecken auf, es ist fast schon ein bisschen wie zu Hause. Ich habe inzwischen eine Menge Ecken in Prag, und welche dran sind, hängt auch von der Jahreszeit ab. Diesmal waren es die “Winterecken”.

Ich hab ein paar kleine Fototouren zusammengestellt, die “mein Prag” ein wenig illustrieren sollen. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben, so habe ich mir die Judenstadt diesmal gespart (als Judaistin kenne ich die von vorne, von hinten, von oben und von unten, ich habe mehr als einmal Leute durchgeführt, und da mein Freund vor zwei Jahren mit mir auch schon mal da war, stand sie diesmal nicht auf dem Programm, auch wenn sie sehr sehenswert ist).

Moldau, Hradschin mit Veitsdom und Kleinseite in der Dämmerung.

The Vltava, Hradischin and St. Vitus Cathedral and the Mala Strana

Wir kamen am Nachmittag an, sodass wir Prag in der beginnenden Dämmerung erlebten. Prag gehört zu den Städten, die bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit schön sind. Für mich ist es außerdem eine Stadt, in der ich keine schlechte Laune haben oder unglücklich sein kann. Ankommen heißt entspannen. Mittlerweile ist es ohnehin egal, wann man fährt, es sind immer sehr viele Touristen da.

Die Moldau, von Kampa aus gesehen, und der Blick in die Altstadt.

The Vltava, as seen from Kampa, and the view to the old city.

Die Moldau ist DER tschechische Fluss, der nicht umsonst auch von F. Smetana in seiner gleichnamigen musikalischen Dichtung verewigt wurde. Sie prägt die Stadt ebenso wie die zahllosen Türme und der Hradschin, deren Silhouetten weltberühmt sind.

Moldau und Nationaltheater.

The Vltava an the National Theater.

Da liegt es auf der Hand, dass am Ufer des nationalen Flusses auch viele bedeutende Gebäute errichtet wurden, so z. B. das Nationaltheater, dessen markante Dachkonstruktion links zu sehen ist.

Auch wenn Prag auf den ersten Blick aus lauter architektonischen Perlen vom Mittelalter bis zum Klassizismus zu bestehen scheint, würde man der Stadt unrecht tun, wenn man seinen Blick darauf beschränkt. Historisch sehr interessant und sehenswert sind die Bauwerke, mit denen im späten 19. Jahrhundert die tschechische Bevölkerung ihrem Willen zur nationalen und kulturellen Eigenständigkeit ein Denkmal setzte, wie z. B. das Nationaltheater …

Nationalmuseum

The National Museum

… oder auch das Nationalmuseum. Das befindet sich am Wenzelsplatz, der wie kein anderer mit der Geschichte des modernen Tschechiens (bzw. davor der Tschechoslowakei) verknüpft ist. Auf diesem Boulevard fanden alle wichtigen politischen Kundgebungen statt, und auch Jan Palach verbrannte sich hier aus Protest gegen den sowjetischen Einmarsch.

Angelegt wurde der Wenzelsplatz als breiter Boulevard, gesäumt von Prachtbauten, die ein Kompendium der Architektur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts sind. Der Rest ist … nun ja. Heute ist der Wenzelsplatz eine ewige Baustelle mit entsprechend chaotischer Verkehrsführung, und in den einstmals teuren Lagen befinden sich allzu oft Schnellrestaurants, Spielhallen und Billigläden, auch wenn es dort nach wie vor exklusive Geschäfte gibt.

Ihr merkt es schon, der Wenzelsplatz gehört nicht zu meinen bevorzugten Prager Ecken.

Kleinseite

Mala Strana

Ganz im Gegensatz zur Kleinseite: Die liebe ich, und hier halte ich mich sehr gerne auf. Wenn man die Straße verlässt, die zum Hradschin führt, findet man auch weniger belebte Winkel und Plätze von geradezu südländischer Anmut, die im Sommer fest in der Hand von Gastronomie und Tourismus sind.

Kleinseite – Nebenarm der Moldau

Mala Strana – a branch of the Vltava

An der Moldau und einigen Seitenkanälen (es sind nur wenige, denn Prag ist weniger vom Wasser dominiert als Venedig, Amsterdam oder Hamburg) finden sich sogar Gärten, sonst im alten Prag wegen der dichten Bebauung eher Mangelware.

Mühle an der Moldau

A water mill at the Vltava’s bank

Auch richtig ländliche Ecken gibt es mitten in der Stadt, wie z. B. diese Wassermühle auf der Kleinseite. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Karlsbrücke, von der ein Bogen zu erkennen ist (an der basteln sie gerade wieder herum, daher die Holzverschalung).

Und zum Abschluss dieses Teils: Das obligatorische Kitschfoto:

Nichts ist so, dass es nicht noch verbessert werden könnte. Ich habe ja meinen Versuch, die deutsche Strickpodcastszene ein wenig zu bereichern, mit einem sehr frugalen Equipment begonnen. Daher habe ich eine Idee entwickelt und mein Equipment ein wenig aufgerüstet. Hoffentlich wird es schon zur nächsten Folge etwas damit.

Ansonsten ist hier für ein paar Tage …

Ich habe mit dem ersten Ärmel der Inkajacke von Marianne Isager begonnen, aber so enthusiastisch ich mit dem Fair-Isle-Teil war, so stockend ging es nun voran. Das liegt nicht am Stricken an sich, denn auch wenn es – bis auf die Zunahmen – völlig mindless ist, ist das Verstricken des Woll-Alpaka-Gemisches ein Vergnügen.

I started knitting the first sleeve of the Inka Cardigan by Marianne Isager. But as enthusiastic as I knitted the body, so inert I was with the sleeve. The problem is not that it’s nearly mindless (except the increases), because knitting with the wool-alpaca-blend is mere joy.

Die Schuldige war schnell gefunden: Es war die Anleitung. Die sieht nämlich vor, den Ärmel separat zu stricken und dann einzunähen. Das gefiel mir so wenig, dass ich nun den ersten Steek befestigt und aufgeschnitten habe, um den Ärmel direkt anzustricken. Ich hoffe, dass das so klappt, jedenfalls gefällt es mir viel besser.

I quickly found out what the problem is: It’s the instruction. It tells to knit the sleeves separately and to sew them in afterwards. This idea I disliked that much that I decided to fasten and cut the first steek for knitting the sleeve from the top down. I hope this will work, since I like it much better like this.

Dies ist der Steek nach dem Schneiden. Eine genaue Fotoreportage zum Thema Steeks befestigen und aufschneiden folgt!

This is the steek after cutting it. A detailed photo report about fastening and cutting steeks will follow soon!

Gestern war es so weit; beim Stricktreff präsentierten wir unsere Leichen im Stash-Keller. Einige brachten tatsächlich Garne mit, die für sie … sagen wir: wenig Identifikationspotential bieten.

Wir entschieden uns dafür, uns feige in der Menge der Strickerinnen zu verbergen und ein Gemeinschaftsfoto zu machen. Den Scheiterhaufen Das Ergebnis seht Ihr hier im Bild.

Unser Fazit ist: So schlimm war es gar nicht. Es dominierten Garne von guter Qualität, die einem von der Farbe her doch nicht so gefielen, die den Strickgewohnheiten nicht oder nicht mehr entsprechen (die sehr dicken Garne beispielsweise), Dinge, die im Knäul recht attraktiv aussehen, verstrickt aber nicht oder auch ein optisch ansprechendes Garn, das von der Zusammensetzung her nicht gefällt.

Einiges fand tatsächlich einen Abnehmer; ich wurde zwei Knäule los, und eine andere Strickerin eines. Das hätte auch schlimmer kommen können … :D Es war auf jeden Fall eine lustige Aktion, wir haben sehr viel gelacht und hatten viel Spaß dabei.

Folgende Garne sind weg: der grüne runde Ball, das violette Knäul Rowan Big Wool vorne und die pinkstreifige Regia. Wer Interesse an den anderen Garnen hat, kann sich gerne bei mir melden, ich stelle dann den Kontakt her.

Das ging schnell: Der Spinning Wheel Bag ist gefilzt, trocken und somit fertig. Hier ist er bereits in Aktion zu sehen gefüllt mit einer Nostepinne, einem Minimeter und einem Dizz. Er wird an das Spinnrad angehängt, damit man diese Werkzeuge schnell zur Hand hat.

This was really quick: The Spinning Wheel Bag is felted, dried and finished. Here it’s already in action, filled with a nostepinne, a wpi-meter and a dizz. You hang it at your spinning wheel for having these tools always close when needed.

Gestrickt wurde mit Noro Kureyon, und wem die Farbe bekannt vorkommt, liegt richtig: Der Whistleblower ist aus demselben Garn gestrickt. Ich habe mir mal ein paar Knäule für ein Projekt gekauft, das ich dann verwarf. Nun ist dies also die Wolle der Wahl, wenn es um kleine, gefilzte Projekte geht. :D

I knitted thisone with Noro Kureyon, and who thinks he has seen these shades before in my blog is right: The Whistleblower was knitted from the same yarn. I once bought some balls for a project which I gave up, and since then this is my yarn of choice for small, felted projetcs. :D

Ich habe den Taschenkörper ein wenig länger gestrickt, da nach meiner Erfahrung meine Waschmaschine sehr stark filzt und das Teil sonst zu sehr schrumpfen würde.

I knitted the body of the bag slightly longer because my washing machine is felting rather strongly, and this would make the bag shrink too much.

Tecnical Details / Technisches:

Name: Spinning Wheel Bag
Source / Quelle: Ravelry, Knit me a River
Designer: Shannon Geddes
Material: Noro Kureyon, Colour 180
Weight: 80 g
Needles: Nadelstärke: 8 mm

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