Egal Dies ist wieder die wöchentliche Herausforderung im Blaseblog, der ich mich folgsam stelle. Ob einem etwas “egal” ist, ist rein subjektiv. Was dem einen völlig wurscht ist, ist dem anderen von größter Wichtigkeit. Außerdem ist “egal” nicht gleich “egal”, es gibt mehr als eine Variante davon. “Egal” kann nämlich sowohl für Gleichgültigkeit oder Abstumpfung stehen, was eindeutig negativ konnotiert ist, aber auch für eine gewisse Lässigkeit und Toleranz, und das ist eher positiv.

Da “egal” nicht absolut, sondern relativ ist, zähle ich einfach mal ein paar Dinge auf, die mir egal, also wurscht sind.

Mir ist egal …

  • was andere von mir denken. Ehrlich jetzt.  Irgendwer denkt doch immer was. Das ist natürlich keine absolute Aussage, denn es gibt sehr wohl Leute, deren Meinung mir wichtig ist, bei denen es mir nicht egal ist. Aber im Großen und Ganzen kann das so stehen bleiben. Denn man kann es nicht jedem recht machen. Das klappt niemals. Das Internet wie auch das Leben ist voll von Leuten, die nirgendwo ihre Meinung äußern, außer in Sätzen von frappierender Belanglosigkeit, da sie sonst ja in Opposition zu denen stehen, die anders denken. Sie geben jedem irgendwie recht, wobei sie dann auch Ausagen zustimmen, die irgendwie widersprüchlich sind, und das finde ich irgendwie blöd.
  • ob strickende Männer schwul sind oder nicht. Das gilt auch für nicht strickende Männer. Wir leben im 21. Jahrhundert, und da sollte diese Frage keine Rolle spielen. Ich lehne es ab, mich mit den sexuellen Präferenzen anderer Menschen zu beschäftigen. Man tausche nur mal “schwul” gegen “lesbisch”. Wenn jemand sagen würde: X strickt und ist bestimmt lesbisch, würden alle große Augen machen. Und das zu recht. Mir ist übrigens auch wurscht, ob Bürgermeister, Friseure, Bankkaufleute etc. schwul sind oder nicht. Ich muss sie ja nicht heiraten.
  • Meine Nachbarn. Ich habe sehr nette Nachbarn, so weit ich sie kenne. Aber sie sind mir im positiven Sinne egal. Wer sich zu sehr für das Leben seiner Mitmenschen interessiert, hat zu viel Tagesfreizeit. Wenn ich mitbekomme, dass sie sich oder ihre Kinder verprügeln, rufe ich die Polizei, aber ansonsten … völlig wurscht.
  • wer bei Castingshows gewinnt. Ich habe es nicht so mit Kunstprodukten, und ich kann die Leute nicht mal richtig auseinanderhalten.
  • ob mein Freund alles toll findet, was ich mache. Ich habe einen sehr lieben, verständnisvollen und interessierten Partner, wofür ich sehr dankbar bin. Aber er findet nicht alles gleichermaßen toll. Er findet bloggen ätzend (hat da seine Meinung jedoch teilweise revidiert), und Podcasts findet er furchtbar. Als ich ihm sagte, dass ich mal probeweise einen produzieren würde, fand er die Vorstellung einfach gruselig. Ich habe es trotzdem gemacht, und er findet es immer noch gruselig … Aber das ist wirklich egal, da er mich nicht daran hindert, mich kreativ zu entfalten. Und als mein Laptop keinen Mucks mehr tat, ging er los und kaufte mir einen neuen. Auch, damit ich wieder podcasten kann.
  • was in der nächsten Saison modern ist. Man darf Mode nicht mit Stil verwechseln. Und wenn es modern ist, eine Bürzelborte über einer Walflosse unter einer Hüfthose zu zeigen, kann das machen, wer will. Aber bitte ohne mich. Oder wenn es heißt: “die warmen Herbstfarben der kommenden Saison schmeicheln jeder Frau”, dann ist das schlicht gelogen. Denn als Kaltfarbentyp sehe ich in den warmen Herbstfarben der Saison aus wie ein Stück Käse. Das ist auch ein Grund, warum ich so gern stricke. Ich stricke mir den Kram nämlich so, wie er mir gefällt und nicht einer raffgierigen Modeindustrie. Jawohl.
  • Mein Alter. Ich bin fast 42, und ich lebe, wie es mir gefällt. Ich denke nicht darüber nach, ob es jetzt altersgerecht ist, bis sechs Uhr früh durchzutanzen, wenn ich mal Lust dazu habe. Oder ob meine Tätowierungen meinem Alter entsprechen (es sind grafische Tribals, keine Comicfiguren). Früher war ich jung und tätowiert, heute bin ich eine manchmal nicht so nette Dame mittleren Alters, die tätowiert ist, und irgendwann werde ich alt und tätowiert sein. Und?
  • Politik. Sie ist mir nicht egal, aber ich merke, dass sie mir immer egaler wird, denn es ist völlig wurscht, wer an der Macht ist. Meine Freiheit wurde einem kruden Sicherheitsdenken geopfert, als Parteien an der Macht waren, von denen ich mal dachte, sie lägen in etwa auf meiner Wellenlänge. Politiker haben keine Ahnung, wie Menschen leben oder denken, und wenn doch, dann ist es ihnen egal. Liebe Damen und Herren, Sie sind es mir auch. Sie machen was Sie wollen, und das, wofür Sie gewählt wurden, geht Ihnen voll am Arsch vorbei.
  • dass diese Liste sicherlich nicht vollständig ist. Aber ich möchte meine LeserInnen nicht ermüden.