Zukunft Es ist wieder Mittwoch, und Frau Blasebalg ruft die Massen zur Wochenaktion. Diesmal ist die Zukunft das Thema.

Kaum ein Begriff ist so vage und dabei so überfrachtet. Er ist Projektionsfläche für alle möglichen Wünsche und Phantasien. Das kann man schon in der Bibel nachlesen (”Wenn du blabla machst, werde ich dir blublu geben …), und es beschäftigt die Menschen bis heute. Vom Trivial- zur Weltliteratur und vom B-Film bis zum cineastischen Meisterwerk (ich lese und sehe so etwas sehr gerne, denn die Vorstellungen der Zukunft sind oft einfach zu knuffig). Selbst die Wissenschaft hat sich der Zukunft bemächtigt und damit der Frage, wie wir morgen wohl leben werden in dieser sich ständig verändernden Welt.

Ich bin nun auch Kartenlegerin (das Talent habe ich von meiner völlig unesoterischen Oma geerbt, nein, man erreicht mich nicht über eine der berüchtigten Hotlines), und als solche weiß ich, dass der Zukunftsbegriff bzw. das, was wir Menschen daraus machen, völlig überbewertet ist. Die meisten – auch solche, die sich niemals die Karten legen oder ein Horoskop erstellen lassen – starren auf das geheimnisvolle Wesen Zukunft, als ob es sich materialisieren würde und ihnen – den Spielbällen des Schicksals – selbiges auf dem Silbertablett (oder wahlweise in einem Müllbeutel) überreichen würde. Das ist der Grund, warum ich die meisten Anfragen nach einer Kartenlegung ablehne. Zukunft ist nichts, was über uns kommt, sondern etwas, was wir gestalten. Es ist unsere Verantwortung, die sich nicht an das Schicksal, ein paar Karten oder eine Sternenkonstellation delegieren lässt – und schon gar nicht an irgendwelche Menschen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese Auffassung nun eher unpopulär ist. Kein Mann, der eine Freundin sucht, möchte hören, dass er vielleicht ein wenig umgänglicher werden sollte und dass es immer vorteilhaft ist, neben Job und Computerdaddelei noch ein paar andere Interessen zu entwickeln und gar – o Schreck, o Graus – aus dem Haus gehen sollte, um überhaupt jemanden kennenzulernen. Und niemand, der einen Job sucht, möchte gesagt bekommen, dass man sich aktiv bewerben muss, sich weiterqualifizieren sollte, an dem, was man wo zu tun gedenkt, echtes Interesse braucht, um eine Chance zu erhalten – und dass der Hauptschulabschluss mit Durchschnitt 3,6 und ein aktiver Wortschatz von 800 Worten eher suboptimal sind. Ich wage zu behaupten, dass viele Menschen sich und ihrer Zukunft auf den Füßen stehen. Und wenn das so ist, dann ist es völlig wurscht, ob wir irgendwann alle Telepathen werden (was uns von öffentlichen Handytelefonaten privater Natur befreien würde), ob alle Krankheiten, der Hunger und der Krieg besiegt und alle Menschen Brüder werden.

Wie meine Vision der Zukunft aussieht? Keine Ahnung. Ich lasse es auf mich zukommen und hoffe bis dahin, dass die Menschheit ihre Dummheit besiegen müsse und damit auch Hunger und Krieg. Durch den Anstieg von Intelligenz dürften die Krankheiten auch zu schaffen sein, und dann, vielleicht ist es so weit – und alle Menschen werden Brüder. Toll, was? :D