Man liest ja immer wieder, dass StrickerInnen feststellen, dass sie viel weniger Zeit (auch zum Stricken) haben, seit sie bei Ravelry sind. Ich kann dies nicht bestätigen. Seit ich bei Ravelry bin, lese ich viel mehr Dinge zum Thema, ohne mich – wie vorher – mit inhaltlichem Ballast zu bemühen. Das bedeutet, dass ich mich aus vielen Mailinglisten abmelde, was eine große Befreiung sein kann.

Mailinglisten (zu ganz unterschiedlichen Themen) haben mein Leben im Internet begleitet, lang bevor Foren und später Communities sich durchsetzten. Sie stellen eine frühe Form der Online-Gruppenkommunikation dar, in der sich viele über ein Thema austauschten und jeder alles von jedem lesen konnte. Das war ein Segen, aber es ist auch ein Fluch. Nämlich wenn man gefühlte zweihundert Mal pro Tag “ach wie schön”, “ach wie fein” oder meine absolute Lieblings-Redewendung “von den Nadeln gehüpft” lesen muss. Oder wenn man sich durch lauter Kram wühlt, der mit dem Thema der jeweiligen Liste nichts zu tun hat.

Ich habe festgestellt, dass Mailinglisten für mich ein Anachronismus sind. Viele Teilnehmer sind weitergewandert und nur noch als stille Teilhaber präsent. Sie haben sich interessanteren und effektiveren Formen des Austausches via Internet zugewandt. Die, die geblieben sind, werden ihre Gründe haben, doch diese Gründe sind nicht meine.

Ich habe tolle Mailinglisten erlebt und auch weniger tolle, bei denen ich meine Zeit maximal als “interessant” oder “lehrreich” bezeichnen möchte. Und ich stelle fest, wie viel Zeit einem doch bleibt, wenn man sich nicht durch das ewige Gespamme wühlen muss, um vielleicht mal einen Beitrag zu finden, der thematisch ansatzweise interessant ist. Ich finde Mailinglisten wichtig, aber eher aus historischer Sicht. Ihnen kam eine wichtige Rolle zu, aber heute ist in ihnen entweder nichts mehr los, oder man ertrinkt in Belanglosigkeiten. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Aber außerhalb der Ausnahmen gilt für mich, dass ich mich lieber Formen des Austauschs im virtuellen Raum zuwende, die mir zeitgemäßer erscheinen. Wenn man das nicht von Zeit zu Zeit täte, würden wir alle in letzter Konsequenz immer noch in Höhlen leben und Bisons an die Wände malen. Und das wäre doch gar nicht schön.