unglaublichIm Blaseblog geht es wieder rund, und ich bin wieder dabei. Diesmal war ich lange unentschieden, was ich nun zu diesem Thema schreiben soll, denn es ist so vieles unglaublich, dass es den Rahmen dieses bescheidenen Blogs sprengen würde, darüber zu berichten. Mir fielen da auf Anhieb das Sommerwetter ein, Leute, die bei eben diesem Wetter mittags Sport treiben oder sich stundenlang in die Sonne legen, außerdem das Telemediengesetz, das zu einer wahrhaft babylonischen (also unglaublichen) Verwirrung geführt hat und noch vieles mehr.

Aber am unglaublichsten ist immer noch das Leben selbst, finde ich. Wenn man meinen Lebenslauf ansieht, so findet sich dort formal wenig Aufregendes. Ich habe nie im Ausland gelebt, habe keine Alligatoren in Australien gezüchtet, bin auf keinen Achttausender gestiegen (ich bin der Meinung, als Waage ist mir eine solche Anstrengung nicht zuzumuten), habe keine Hubschrauberfluglizenz gemacht (ein geplatztes Trommelfell im Alter von fünfzehn Jahren hinderte mich daran), ich bin nie Tauchen gegangen (siehe Trommelfell), habe keine große Karriere gemacht, bin nicht steinreich geworden und habe nie jemanden am Gehirn operiert (obwohl ich da manchmal in Versuchung komme, siehe Politiker und so …). Ich kann auf ein abgeschlossenes Studium verweisen, auf eine leidliche Allgemeinbildung, habe ein paar nicht uninteressante (und auch sehr schwierige) Jobs gemacht und einen nichtswürdigen Ehemann hinter mir gelassen. Wenig aufregend, nicht wahr?

Und trotzdem finde ich das Leben unglaublich, denn ich habe es auch in seinen unerfreulicheren Erscheinungsformen kennengelernt, und da habe ich eines mitgenommen: Wenn es mir auch nur in einem Detail gelingt, etwas zu ändern, ändert sich eine ganze Welt: nämlich meine. Ich kann heute sagen, dass ich mit meinem Leben zufrieden bin, dass es gut so ist, wie es eben ist, und dass ich glücklich geworden bin, auch wenn aus mir keine große Nummer wurde. Ich weiß, dass das nicht wichtig ist, denn es sind andere Dinge, die für mich das Leben ausmachen. Ich habe mir meine Neugierde bewahrt und scheue mich nicht, Neues auszuprobieren. Ich kann von mir sagen, dass ich mein Leben als reich empfinde, und das ist mehr, als die meisten Menschen können.

Daher sage ich es mit Bill und Ted: DAS LEBEN IST GRANATENSTARK UND BUNT.

Unglaublich eben.

St. Nectans Glen

St. Nectans Glen, Kernow, Sommer 2006. Aufnahme: Jinx