Tischlein Deck DichMal wieder eine Mittwochsaktion bei Frau Blasebalg, und diesmal eine, die mich nachdenklich stimmt. Das Märchen vom allzeit mit allem gedeckten Tisch war zu der Zeit, als es entstand und auch noch, als die Gebrüder Grimm es aufschrieben, eine Utopie. Der gedeckte Tisch in früheren Jahrhunderten war oft genug eine karge Angelegenheit. Heute kommen wir der Utopie oft genug gefährlich nahe, mit exotischen Fleischsorten, die jederzeit verfügbar sind, exotischem Obst und Erdbeeren im Winter. Die Allzeit-Bereitstellung dieser Genüsse kostet uns nur Geld, andere Länder kostet es viel mehr. Nun werden Lebensmittel knapp und damit teurer, und das bedeutet für uns in Europa vielleicht, dass wir nicht mehr jeden Tag Fleisch essen können und dass es weniger von den Gütern auf unseren gedeckten Tischen gibt, die gerade knapp und teuer sind. Wer sich darüber beklagt, sollte vorher einen Blick auf den allzuoft vergessenen Rest des Globus richten, bevor er sich mit seinen Beschwerden blamiert.

Zunächst wurden als Schuldige der für uns praktisch unsichtbaren Lebensmittelverknappung (man sieht nämlich nichts davon, wenn man hierzulande in einem durchschnittlichen Supermarkt einkaufen geht) China und Indien ausgedeutet. Das ist bequem, denn sie sind schön weit weg, schön exotisch (auf eine uns manchmal unangenehme Art), sie können sich gegen die Anschuldigungen nicht wehren, und es ist ihnen wohl auch egal. Man hat das Problem also mal wieder an Schwellenländer delegiert und damit outgesourced. Das können wir, das sind wir gewohnt, von Giftmüll, schrottigen Schiffen, dem Grünen Punkt und anderen Errungenschaften unserer Zivilisation.

Nun besagen Gutachten, dass es Inder und Chinesen gar nicht sind, die uns die Lebensmittel vor der Nase wegkaufen und sie damit verteuern. Es ist – mal wieder – die sogenannte Erste Welt. Der geht es ans liebste Kind, nämlich ans Auto, dessen Betriebskosten durch den Benzinpreis explodieren. Und es geht auch an den Lebensstandard, auf den wir ein Recht zu haben glauben, der durch Biokraftstoffe um jeden Preis erhalten bleiben soll. Es sieht also so aus, dass wir der Dritten Welt (die vom Aufkaufen irgendwelcher Lebensmittel auf dem Weltmarkt unglaublich weit weg sind und daher auf einen ungedeckten Tisch und damit in die Röhre gucken) nicht mehr nur alles wegfressen (wie es immer noch bei unserer Fleischproduktion geschieht, denn irgendwo müssen die Futtermittel ja herkommen für das tägliche Stück angeblicher Lebenskraft), nun verfahren wir es auch noch. Wir blasen das in die Luft, was eigentlich in ausreichender Menge verfügbar wäre, um den Hunger endlich zu besiegen. Wie pervers ist das denn bitte?