May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח
Ich spinne seit Neuestem ja immer mal wieder ein wenig Artyarn. Nun fragten sowohl Arlene als auch Ev, warum (zum Teufel?) tut sie das? Da dies eine berechtigte Frage ist, vor allem angesichts der Dinge, die ich stricke, will ich der Beantwortung einen eigenen Beitrag widmen.
I started spinning artyarns lately. Arlene and Ev asked why the heck I’m doing this, since mit knitting practice doesn’t require yarns like these. This is a good question, and I will answer it in a post of its own.
Für fast alle SpinnerInnen, so auch für mich, gilt, dass man nach den berüchtigten Anfangsschwierigkeiten recht schnell dünnes, relativ gleichmäßiges Garn spinnen kann, und nicht nur das: Dieses Garn wird – regelmäßige Praxis vorausgesetzt- immer dünner und gleichmäßiger. So habe ich für meine Mutter bereits als relative Anfängerin Wolle für einen Pullover gesponnen, die sehr schön wurde und auch sehr vorzeigbar ist – kein Problem also.
Almost everyone who starts a career as a hobby spinner is able to spin thin an regular yarns rather quickly (after mastering the spinning technique). If you practice on a regular base, you will very soon be able to spin really thin and regular. As a beginner I spun yarn for a sweater my mother wanted to knit, and this came out really beautiful, and she liked it a lot – no problem at all.
Die Probleme beginnen, wenn man mal etwas anderes spinnen will als ein Garn, das dünn und gleichmäßig ist – sogar, wenn es darum geht, ein dickeres und gleichmäßiges Garn herzustellen. Manche behelfen sich damit, einfach mehrere dünne Einzelfäden zu verzwirnen, z. B. drei oder vier, und so die gewünschte Stärke herzustellen. Das ist natürlich möglich und führt auch zu schönen Ergebnissen. Ich bin jedoch der Meinung, dass das Material und das Werkzeug machen sollten, was ich will und nicht das, was sie wollen. Daher übte ich gezielt, dicker zu spinnen, was mir auch schnell gelang. Ein konkreter Anlass ist mein Wunsch, eine Decke zu stricken.
The problems begin if the young spinner wants to spin a different yarn than a thin and regular one – even if the yarn is just supposed to become thicker. Some spinners use more than two singles for plying and get the result they desire – a thicker yarn. The results are satisfying, no doubt. But in my humble opinion the material and the tools are supposed to do what I want and not the other way round. Therefore I started to spin thicker, but still regular yarns, which I learned pretty quickly to do. The reason was my wish to knit a blanket.
Artyarn ist nun wieder ein anderes Kapitel, denn hier geht es oft darum, dicke Singles zu spinnen, mehr oder weniger regelmäßig, die nicht überdreht sind. Die meisten Anfänger haben zu viel Drall im Garn, was durch das Zwirnen ausgeglichen wird. Für Artyarn gilt das nur sehr begrenzt. Hier geht es vor allem darum, einen gewünschten Effekt mittels verschiedener Materialien und den entsprechenden Spinntechniken zu erzielen. Es ist ein Prozess, der sehr bewusst gesteuert wird, während man dünne, gleichmäßige Fäden fast schon im Schlaf spinnen kann.
Artyarn is somewhat different, because the task is mostly to spin thick, sometimes irregular singles which don’t have too much twist. Beginners tend to twist the yarn too much, which can be balanced by the process of plying. With artyarn, this often doesn’t work since plying often is not the technique one wants to use to get a certain effect. Here the spinner wants to produce a yarn by combining different materials and spinning technique to get an unique result. It’s a process which is very controlled and deliberate – in contradiction to thin, regular yarn which is really easy and mindless to spin.
Artyarn hat in meiner Strickpaxis nur einen sehr begrenzten Raum, ich denke, ich werde es in erster Linie für Freeform-Projekte verwenden, aber nicht für Pullover etc. Daher stelle ich nur kleine Mengen her. Es ist meine Art, meinen Horizont zu erweitern, was Spinntechniken angeht – und es macht unglaublichen Spaß. Ich möchte es mit Bassspielen oder Lesen vergleichen – schließlich sage ich ja auch nicht, dass ich Bass spiele, aber keinen Blues spielen kann oder dass ich lese, aber nichts lesen kann, was in der Ichform geschrieben ist.
Regarding my knittings, artyarn is not the material of choice. I will use it basically for freeform projects, but not for sweaters etc. Therefore I spin only small amounts of this type of yarn. It’s my way to broaden my spinning horizon – and it’s real fun for me. I could compare it with my other hobbies – bass playing or reading. I won’t say that I play bass, but without the Blues which I couldn’t do or that I read but without the abilty to understand texts written in first-person.
May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 9:05 am
So, jetzt zum Art Yarn.
Zuerst einmal vielen Dank für Deine prompte Antwort! Mittlerweile habe ich bei ravelry auch kurz rein gelinst und weiß nun ein bisserl mehr. Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann ist das fertige Art Yarn-Knäuel so etwas wie ein Edelstein des Könnens der jeweiligen Spinnerin und hat mehr mit dem Können, dem Herstellen und dem kreativen Gedanken rund um die Gestaltung und Ausstattung des fertigen Garns an sich zu tun, als dass die Herstellung einem konkret zu strickendem Gegenstand dient? Der Weg zum Art Yarn wäre also das Ziel. “Innovativ” blinkt da in mir auf, an den Teufel denke ich in diesem Zusammenhang gar nicht, verführerisch ist diese Materie allemal! Ich würde mich freuen, wenn Du uns über dieses Thema auf dem laufenden hältst, da es (endlich) mal so was ganz anderes ist.
So und jetzt hältst Du mir noch so eine tolle Bezeichnung als Leckerlie vor die Nase: Freeform-Projekte!
Hierüber habe ich schon etwas mehr gelesen, denke aber, dass es für mich nachvollziehbarer und praktikabler wäre, es richtig sehen und anfassen zu können.
Irgendwie ergänzt das alles das Hyperbolic Crocheting, das ich seit ein paar Tagen nicht mehr aus dem Kopf bekomme. Das ist auch mal so was ganz anderes.
Genug Stoff zum Nachdenken
– beim Stricken und überhaupt allem anderen, was mir so vor die Augen gerät.
Danke für Deine Blickwinkel!
Liebe Grüße von Ev
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May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 9:23 am
Liebe Ev,
danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Man könnte wirklich sagen, dass der Weg das Ziel ist beim Artyarn. Das gilt vor allem für die Exemplare, in die exotische Bestandteile eingesponnen wurden, z. B. Bubblepaper, Stroh etc. Die sind kaum waschbar. In diesem Zusammenhang möchte ich Dir diese Seite ans Herz legen: http://www.pluckyfluff.com/
Die Dame spinnt sozusagen “Extrem-Artyarn”.
Freeform ist etwas, was mich ganz außerordentlich inspiriert. Ich habe einige Bücher zu dem Thema angeschafft und landete so beim Artyarn, da die Autorinnen oft Garne verwenden, die von sich aus einen besonderen Effekt ergeben. Ich arbeite gedanklich gerade an einem Tea Cozy in dieser Technik.
Ich werde meine Artyarns jedoch nicht ausschließlich in der Vitrine bzw. in der Wollbox verstauben lassen. In dem Buch “Intertwined” von Lexi Boeger finden sich hervorragende Beispiele für Artyarn und ihre Verwendung für Freeform-Projekte, vor allem Schals, Mützen, aber auch größere Teile. Ich habe es mir angeschafft, da es auch Anleitungen für die konkreten Garnprojekte enthält, die ich zwar nicht 1 : 1 nacharbeite, mir aber eine wertvolle Inspirationsquelle sind. Manches sind richtige Skulpturen, und es ist eine echte sinnliche Erfahrung, die Bilder zu betrachten.
Viele Grüße
Jinx
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May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 9:28 am
P.S. Ich werde immer wieder über meine Artyarn-Spinnversuche schreiben, auch wenn es nur wenige interessiert. Es ist eben teil meines Handarbeitslebens, und über das berichte ich, auch wenn nicht viele diese spezielle Neigung teilen.
Du hast mich übrigens auch inspiriert, ich werde eine Rezension zu meiner Artyarn-Literatur verfassen.
Viele Grüße
Jinx
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May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 9:43 am
Liebe Jinx,
danke für den tollen Link, den ich mit Sicherheit ganz gründlich durchforsten werden! Ich weiß schon, warum ich mich nicht näher mit dem Thema Spindeln & Spinnrädern beschäftige – ganz genau weiß ich das und der Herr Ev weiß das noch sehr viel genauer! Das ist Suchtpotential ohne gleichen! Aber wenn ich so überlege, was ich momental alles auf den Nadeln oder am Haken habe und dass ich mich auch noch Krickel verstrassen versuchen möchte, nee, dann genieße ich lieber hier, wie Du Deiner Kreativität freien Raum lässt!
Ich freue mich schon sehr auf die Rezension und Deine weiteren Werke!
Ein dickes Danke noch einmal und Dir liebe Grüße von Ev
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May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 3:45 pm
Oha! Artyarnbook-Rezensionen??? Superprima, ich reihe mich dann gleich mal in den Reigen der begeisterten Leserinnen mit ein (und weiss schon, warum ich mir den Jumboflügel gleich mitbestellt habe…).
Liebe Grüsse von der
Garnprinzessin
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May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 7:35 pm
Wenn ich Artyarn sehe geht mir das Herz auf. Ich denke, aus den meisten dieser Kunstwerke lässt sich auch irgendwas nadeln. Das Garn spricht dann eben für sich.
Das “Intertwined”-Buch wurde mir heute von meinem Postboten überreicht. Ich hab den ganzen Nachmittag geschwelgt.
Mal sehen, was mein Rad (das mit der Garnprinzessin zusammen bestellte)und ich künftig so künstlerisches produzieren werden.
Grüße, LadyRamone
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May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 7:52 pm
Liebe Damen,
lasst mich nicht dumm sterben: WELCHES Rad habt Ihr Euch bestellt? Ich tippe auf Ashford Elizabeth.
Viele Grüße
Jinx
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May 15, 2008 - י' אייר תשס"ח at 8:04 pm
Auch von mir ein dickes Dankeschön für Deinen umfangreichen Beitrag. Ich finde Deine Beiträge über Artyarn & Co. durchaus interessant – dies gilt im übrigen für alle horizonterweiternden Experimente in diesem Bereich. Nur wenn man etwas ausprobiert hat, kann es einen in seinen Fähigkeiten weiterbringen und kann man es letztlich erst wirklich beurteilen. LG Arlene
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May 16, 2008 - י"א אייר תשס"ח at 1:50 pm
Ich verfolge Deine Spinnversuche mit sehr viel Interesse und bewundere Deine Ausdauer und Experimentierfreude. Ich komme im Moment leider gar nicht zum Spinnen und bin daher immer noch in der Phase einen gleichmäßigen dünnen Faden zu spinnen….
LG Eva
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