In den letzten zwei Jahren überkam er mich öfter – der Kreativitätskick. Der Kreativitätskick ist schwer zu beschreiben. Es ist ein bisschen wie ein Tritt in den Nacken, ohne dass es weh tut. Zunächst war es das Stricken, dass mich in den Bann schlug, sobald ich über das Stadium “Socken, selbstmusternd, glatt rechts” hinaus war. Für mich eröffnete sich eine neue Welt, bestehend aus Farben, Mustern, Konstruktionsweisen – und viel, viel Wolle. Stricken beflügelt mich, gibt mir Kraft und Energie. Meine Lust, neue Techniken auszuprobieren, ist grenzenlos, und die Arbeit mit den verschiedenen Garnen spricht meine sinnliche Seite an. Ich entdeckte meine Lust, etwas mit den Händen zu machen. Und ich entdeckte ein gewisses Talent dafür. Über meine Ergebnisse berichtete ich in meinem Strickblog, der nur diesem einen Thema gewidmet war.

Dann packte mich das Spinnen, das ich als perfekte Ergänzung zum Stricken begriff. Es spricht eher meine meditative als meine kreative Seite an, obwohl letztere auch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Ich merkte, dass ich es liebe, Rohwolle in Fadenform zu bringen. Ich entdeckte  die unglaubliche Vielfalt der natürlichen, ungefärbten Wolle mit ihren unglaublich differenzierten Farbgebungen. Spinnräder zogen ein, ebenso das passende Material. Meine Kreativität erhielt durch die neuen Möglichkeiten weiteren Auftrieb. Mein Strickblog erfuhr eine thematische Erweiterung durch das Spinnen.

Dann belegte ich einen Filzkurs, denn ich interessierte mich für Filzen auch ohne Strick. Und was soll ich sagen? Es erwischte mich wieder heftig. Am Filzen spricht mich das Archaische dieser uralten Technik an, die gewaltigen Möglichkeiten, die es birgt. Aber auch der bildnerische Aspekt, der körperliche Einsatz (Filz entsteht durch Wasser, Seife und Muskelschmalz) und wieder die Arbeit mit Rohwolle in unendlichen Farbvarianten – sei sie naturbelassen oder gefärbt. Zwar ist das Filzen in meiner Wohnung etwas schwer durchzuführen, wegen der erheblichen Wassermassen, aber ich fand eine praktikable Lösung in Form der Waschküche im Keller, die kein Schwein mehr benutzt. Der Raum ist perfekt: leer, groß, nässetauglich, mit Wasserablauf im Boden und einem Waschbecken. Dorthin werde ich in Zukunft ab und an mal verschwinden, um ein wenig zu filzen. Und mein Blog? Der wird mal wieder thematisch erweitert und nun drei Themen gewidmet sein:

Stricken – Spinnen – Filzen