November 14, 2007 - ד' כסלו תשס"ח
In den letzten zwei Jahren überkam er mich öfter – der Kreativitätskick. Der Kreativitätskick ist schwer zu beschreiben. Es ist ein bisschen wie ein Tritt in den Nacken, ohne dass es weh tut. Zunächst war es das Stricken, dass mich in den Bann schlug, sobald ich über das Stadium “Socken, selbstmusternd, glatt rechts” hinaus war. Für mich eröffnete sich eine neue Welt, bestehend aus Farben, Mustern, Konstruktionsweisen – und viel, viel Wolle. Stricken beflügelt mich, gibt mir Kraft und Energie. Meine Lust, neue Techniken auszuprobieren, ist grenzenlos, und die Arbeit mit den verschiedenen Garnen spricht meine sinnliche Seite an. Ich entdeckte meine Lust, etwas mit den Händen zu machen. Und ich entdeckte ein gewisses Talent dafür. Über meine Ergebnisse berichtete ich in meinem Strickblog, der nur diesem einen Thema gewidmet war.
Dann packte mich das Spinnen, das ich als perfekte Ergänzung zum Stricken begriff. Es spricht eher meine meditative als meine kreative Seite an, obwohl letztere auch eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Ich merkte, dass ich es liebe, Rohwolle in Fadenform zu bringen. Ich entdeckte die unglaubliche Vielfalt der natürlichen, ungefärbten Wolle mit ihren unglaublich differenzierten Farbgebungen. Spinnräder zogen ein, ebenso das passende Material. Meine Kreativität erhielt durch die neuen Möglichkeiten weiteren Auftrieb. Mein Strickblog erfuhr eine thematische Erweiterung durch das Spinnen.
Dann belegte ich einen Filzkurs, denn ich interessierte mich für Filzen auch ohne Strick. Und was soll ich sagen? Es erwischte mich wieder heftig. Am Filzen spricht mich das Archaische dieser uralten Technik an, die gewaltigen Möglichkeiten, die es birgt. Aber auch der bildnerische Aspekt, der körperliche Einsatz (Filz entsteht durch Wasser, Seife und Muskelschmalz) und wieder die Arbeit mit Rohwolle in unendlichen Farbvarianten – sei sie naturbelassen oder gefärbt. Zwar ist das Filzen in meiner Wohnung etwas schwer durchzuführen, wegen der erheblichen Wassermassen, aber ich fand eine praktikable Lösung in Form der Waschküche im Keller, die kein Schwein mehr benutzt. Der Raum ist perfekt: leer, groß, nässetauglich, mit Wasserablauf im Boden und einem Waschbecken. Dorthin werde ich in Zukunft ab und an mal verschwinden, um ein wenig zu filzen. Und mein Blog? Der wird mal wieder thematisch erweitert und nun drei Themen gewidmet sein:
Stricken – Spinnen – Filzen
November 14, 2007 - ד' כסלו תשס"ח at 12:55 pm
Nostalgie pur:
So eine Waschküche gab es früher auch im Haus meiner Eltern. Ein riesiger Bottich über einer Feuerstelle, Paddel zum Rühren der Wäsche. Waschbrett und statt Schleuder eine Mangel.
Wenn ich die Augen zu mache, kann ich noch den Geruch der Waschlauge in der Nase spüren, den kühlen Wind auf der Haut, wenn mein Bruder und ich am Waschtag ganz früh morgens schon im Sandkasten saßen und den Duft des frischgebackenen Brotes der aus der Bäckerei des Nachbarhauses waberte, werde ich auch nicht vergessen.
Mit dem Einzug einer Waschmaschine hörte das leider (allerdings zum Glück meiner Mutter) auf.
Viel Spaß in Deinem neuen Refugium wünscht Dir
Heidi
[Reply]
November 14, 2007 - ד' כסלו תשס"ח at 2:45 pm
aaah, hat es dich also auch erwischt ;o)
was ich nicht verstehe: wieso planscht ihr beim filzen immer so heftig, dass ihr es nur draussen oder in besonderen räumen machen könnt? ich filze (wenn ich es tue, selten genug) auf dem wohnzimmer- oder küchentisch. vllt. liegt es daran, dass ich eher nur kleine teile/blüten filze?
und: zeigst du uns mal n paar deiner filzsachen?
viele grüsse, silke
[Reply]
November 14, 2007 - ד' כסלו תשס"ח at 11:12 pm
@Heidi: So retro ist die Waschküche nicht… es stehen zwei Industriemaschinen drin. Aber da jeder im Haus seine Maschine(n) in der Wohnung hat, ist sie trotzdem verwaist. Aber einen Waschkessel kenne ich auch noch aus dem Haus meiner Oma. Sie erlöste sich davon bereits 1960 durch den Erwerb einer Waschmaschine.
@Cecie: Wenn ich Blüten filzen würde, könnte ich das auch hier machen. Aber ich plane größere Teile, da brauche ich ca. 3 – 4 Liter Wasser, um die Wolle richtig nass zu bekommen. Die Bilder der Kursausbeute findest Du übrigens im Blog, wenn ich etwas neues filze, stelle ich das natürlich ein.
Viele Grüße
Jinx
[Reply]
November 15, 2007 - ה' כסלו תשס"ח at 1:20 pm
Wie es sich für einen “waschechten” (har, har… Sorry) Altbau gehört, haben wir natürlich eine Waschküche. Wie es sich aber für erschwingliche Altbauten gehört, ist die Renovierung noch nicht soweit fortgeschritten, als dass darin mehr als nur gestampfter Lehmfussboden zu finden wäre… Leider, wenn man mal von einer Spinnenzucht absieht, für Hobbyzwecke unbenutzbar. Die Waschmaschine steht daher samt Trockner (den benötigen wir mangels benutzbarem Speicher – der steht na-tür-lich voller Gerümpel) im Bad herum… Nicht schön, aber praktisch…
Liebe, sich auf die Blogausdehnung freuende Grüsse von der
Garnprinzessin
[Reply]
November 16, 2007 - ו' כסלו תשס"ח at 7:50 am
Liebe Jinx,
und wann schläfst du?
Bei mir war das eher umgekehrt: Ich hatte vor einem Jahr einen kleinen Filzkurs gemacht und danach war für mich klar: Filzen macht Spaß, für mich aber eher in Gemeinschaft. So hat mir der Kurs den Kick gegeben, mich wirklich aufs Stricken zu stürzen (und da bin ich nun)!
Bin trotzdem gespannt auch auf weitere Filzwerke,
JanaT,
die leider Dienstags nicht kann
[Reply]