Deutsche Handarbeitshefte

Nee, so nicht. Ich habe mir im Urlaub die angeblich ach so neue “Anna” gekauft, um mir meine eigene Meinung zu bilden, unabhängig von den sehr unterschiedlichen Stimmungen in einigen Blogs. Es war nicht so einfach, dieses Machwerk Heft aufzutreiben, das als Spezialpublikation nicht in jedem Geschäft, das Zeitschriften führt, erhältlich ist. Schließlich gelang es mir, in Ratzeburg ein Exemplar käuflich zu erwerben. So weit, so gut. Unter den ungläubigen bis entsetzten Blicken des Lebensgefährten, der wahrscheinlich sein häusliches Glück durch die dort präsentierten Handarbeiten bedroht sah, studierte ich diese Postille eingehend. Mir war durchaus klar, dass es sich nicht um ein reines Strickheft handelt, und ich sehe mir unterschiedliche Handarbeitstechniken durchaus gerne an, auch wenn ich sie nicht lernen oder ausführen möchte. Allerdings nicht, wenn sie so aussehen: Biedere, plumpe Stickereien, gruselige Häkelarbeiten und ein paar Strickmuster. Von den Noe-Mustern, die sicherlich eine großartige Verbesserung gegenüber früheren Produkten darstellen mögen, fand ich eins ganz nett, die anderen allerdings recht belanglos – aber dennoch positiv. Wenig positiv ist die lieblose Gestaltung des Blattes: biedere Präsentation mit viel Tand drumrum (noch ‘ne Vase halt…), schlechtes Layout, ungeschickte Typographie. Die prinzipiell sehr begrüßenswerte Strickkolume, die sich las, als wäre sie vor 25 Jahren in der Provinz verfasst worden (ich winke mal aus der Großstadt…) befand sich nicht bei den Strickmodellen, sondern einfach irgendwo.

Ich bin nicht darauf fixiert, in jedem Heft oder Buch etwas zu finden, was ich auch so nacharbeiten möchte. Ich habe einiges, was mich sehr inspiriert, was ich jedoch nicht für mich arbeiten werde. Diese Hefte und Bücher sind mir genauso lieb und teuer wie die, aus denen ich etwas anfertige. Aber selten habe ich etwas so inspirationsfernes gesehen – oder wenn das mich zu etwas inspirieren sollte, dann werde ich dafür wahrscheinlich eine Strafe verbüßen müssen, und das möchten wir doch alle sicher gerne vermeiden.

Auch wenn ich von deutschen Publikationen unabhängig bin, habe ich die Strickerinnen verstanden, die die angekündigte Einstellung verschiedener Blätter zunächst beklagten und die Übernahme durch einen anderen Verlag dann begrüßten. Aber wenn der Neuanfang so aussieht, kann ich mir nicht vorstellen, wo die großartige Verbesserung zu “früher” liegen soll. Ebensowenig kann ich mir vorstellen, dass man sich so neue Käuferschichten erschließt. Deutschland ist kein Entwicklungsland, und es gibt auch hier ansprechend gestaltete Zeitschriften. Daher verstehe ich nicht, dass Handarbeitshefte aussehen müssen, als würde dort der Bodensatz beschäftigt. Wer einen Neuanfang wagen will, sollte sich nach oben orientieren und nicht nach unten, wie hier anscheinend geschehen. Ich werde derartige Publikationen jedenfalls nicht mehr kaufen, bis ich mal etwas sehe, was mich überzeugt. Da lobe ich mir die neue Interweave Knits, die wenigstens informativ ist und nicht nur Bild und Anleitung lieblos auf die Seiten klatscht.