Mit Befremden nehme ich einiges wahr, was sich um die Mystery Stole 3 herum abspielt. Ich werde an diesem Knitalong nicht teilnehmen, weil ich so unglaublich viele Projekte habe, die angefangen, aber nicht fertig sind, und mir nicht noch eins ans Bein binden möchte. Außerdem möchte ich nur Sachen stricken, von denen ich weiß, wie sie aussehen, wenn sie fertig sind, und die größte Lace-Strickerin der Welt bin ich auch nicht. Dies ist jedoch eine persönliche Entscheidung, keine, die kollektive Bedeutung hätte.

Ich mache ja auch meine Blogrunde und lese täglich von neuen Strickerinnen, die an diesem Knitalong teilnehmen. Über 2000 sollen es weltweit schon sein. Die Strickerinnen stellen ihre Garne, ihre Perlen und ihre Maschenproben in ihren Blogs vor, wofür diese – mit Verlaub – auch da sind. Aber es gibt auch andere Stimmen, nämlich die von denen, die nicht mitmachen wollen. Das ist völlig in Ordnung so, was mich allerdings etwas befremdet, ist der Ton, in dem das teilweise kundgetan wird. Die Aktion sowie die Teilnehmerinnen werden mit wenig schmeichelhaften Adjektiven belegt, die sich fast ausschließlich um herdentierhaftes Verhalten und Vermassung drehen. Finde ich irgendwie eigenartig. Denn die Tatsache, dass wir bloggen, weist uns schon als Mitglieder einer Herde aus, nämlich der Leute, die nicht autistisch vor sich hinstricken, sondern an einer interaktiven Kommunikationsform zu diesem Thema teilnehmen. Andere – so wie ich – nehmen herdentierhaft an einem Stricktreff teil (auch schon gelesen, dieses Argument).

Das Argument mit der Vermassung greift m. E. nicht. Wir StrickerInnen widmen uns einem Hobby, das im Vergleich zu anderen nicht eben weit verbreitet ist, auch wenn uns das durch den regen Austausch im Internet so vorkommen mag. Wir bewegen uns in der Welt des Strickens. Würden wir uns in der Welt der Fitnessstudio-Benutzer oder der Hundebesitzer bewegen, würden wir schnell feststellen, dass diese viel größer ist. Selbst wenn jede Lacestrickerin der Welt an dem Mystery-Stole-Knitalong teilnehme würde, wäre die Wahrscheinlichkeit, außerhalb von organisierten Strickvergnügungen auf eine andere Person zu treffen, die diese Stola trägt, doch eher gering. Unser Name ist nämlich nicht Legion, und viele sind wir auch nicht.

Übersehen wird bei dem üblichen Gemecker ein toller Nebeneffekt der Mystery-Stole-Aktion: Da das Teilnehmerfeld so international ist, bemühen sich immer mehr Bloggerinnen, ihre Beiträge auch in englischer Sprache anzubieten, und das ist doch sehr begrüßenswert und positiv!

Ich habe in einem anderen deutschen Blog einen guten Artikel gelesen zum Thema “Ton”, den ich leider nicht wiederfinde (edit: es ist Soozas Blog, danke für den Hinweis, Tammina!). Der bezog sich auf einen Beitrag in Yarn Harlots Blog zum selben Problem: Unsere Blogs werden von vielen Menschen gelesen, und was man über andere schreibt, sagt wenig über diese aus, aber sehr viel über den Autor selbst. In den Blogs schreiben wir über unsere Hobbies oder auch mit erweiterter Thematik über andere Aspekte unseres Lebens. Bestehen manche Existenzen wirklich zu einem nicht kleinen Teil darin, sich über Negatives zu definieren? Wie unerfreulich! Weniger für den Leser, der kann das wegklicken und ausblenden, als vielmehr für den Autor selbst. Im echten Leben halten die meisten sich von solchen Menschen fern, da das die Sorte ist, die einem am Telefon dauernd die Ohren vollnörgelt. für Es ist sicherlich ein schmaler Grat zwischen dem Äußern der eigenen Meinung, die einen Blog ja erst richtig lesenswert macht und dem Herumbashen auf anderen. Wenn jemand sogar einen persönlichen Konflikt mit jemandem in seinem Blog austrägt, so wirkt das selten empfehlenswert. A hat mit B einen Streit, weil ein Wichtelpaket nicht so gefällt, ein Treffen nicht so gut lief oder eine vermeintliche Zusage vielleicht nicht ganz eingehalten wurde? Wie uninteressant, zumindest für Unbeteiligte. Bei jedem läuft mal was mit Mitmenschen quer, und wenn jeder das in seinem Blog breittreten würde, wäre die Strickblogszene ganz schnell völlig zerstritten. Vielleicht besteht das Problem einfach in zu viel Tagesfreizeit…

Man möche das bitte alles nicht falsch verstehen: Ich bin keine Anhängerin einer Glücksbärchiland-Atmosphäre, aber ich bin schon der Meinung, dass man Stellung beziehen kann, ohne andere Menschen zu beleidigen bzw. sich offensiv-negativ über sie zu äußern.