Die Strickblogszene ist sich weitgehend einig darüber, dass sich Stricken nicht recht lohnen würde, gäbe es die englischen und amerikanischen Publikationen nicht. Für mich gilt, dass ich heute nicht stricken würde, hätte ich die große weite Welt der internationalen Strickszene nicht entdeckt (und den zwingend darauf folgenden Infomations-Overkill nicht überlebt). Nach etwas mehr als einem Jahr Strickpraxis kann ich immer mehr Vorlieben benennen, die meine Strickpraxis dominieren:

  • hochwertige Garne aus natürlichen Fasern
  • Chevronmuster (momentan)
  • Stricken in Runden und möglichst ohne Naht
  • blau, blau und blau (und kalte Farben allgemein, was daran liegt, dass sie mir gut stehen)
  • Mustersocken
  • immer wieder neue Herausforderungen

Jetzt hat sich heimlich, still und leise eine neue Leidenschaft eingeschlichen, die mir vor noch gar nicht langer Zeit bewusst wurde: Nordisches Strickdesign. Ich finde sowohl die traditionellen als auch die modernen Varianten faszinierend. Dies ging wohl mit meiner Entdeckung der Designerinnen Isager und Falkenberg einher, zusammen mit deren exquisiten Garnkollektionen. Mich begeistern bei den traditionellen Mustern die Detailverliebtheit, die sich auch in den verwandten Techniken der Faröer und Fair-Isle-Pullover ausdrückt sowie die klare, durchdachte Komposition. Bei den modernen Designerinnen ist es die klare Linie, die mich anspricht. Ich habe Strickstücke kennengelernt, die ohne den üblichen Effektgarn-Firlefanz auskommen und auf ein klares, ausdrucksvolles, durchdachtes Design setzen, unterstützt durch schlichte, hochwertige Garne in ebenso ausdrucksvoller, oft kühner aber nie aufdringlicher Farbigkeit. Dies kommt sogar dann zum Ausdruck, wenn sich Marianne Isager bei ihren Designs von afrikanischer oder südamerikanischer Kunst beeinflussen läßt – Skandinavien grüßt trotzdem.

Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass das “nordische” Strickdesign (wozu nicht nur das skandinavische, sondern auch die Strickkunst des Baltikums gehört) nicht immer die Beachtung findet, die ihm – meiner Meinung nach – gebührt. Das ist zwar kein Wunder angesichts der vielen attraktiven Publikationen, aber schade ist es trotzdem.

Für alle, die sich für dieses Thema interessieren, von Lavold bis Isager, von traditionell bis modern, habe ich eine yahoogroup gegründet. Wer Lust hat, ist herzlich eingeladen. Bitte hier entlang:

Stricken auf Nordisch